4 6
sie
| "’,iuP wE ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Demen Sie sich, Ihr Bräutigam würde Ihr Mann und er verließe Sie schon nach kurzer Zeit, um in der Fremde mit anderen Frauen schön zu thun und vielleicht eine reiche Heirath zu machen. Denken L-ie sich ferner, Sie erführen dann, wo er wäre würben Sie ihm nicht nachreisen und ihn an seine Pflichten erinnern?"
„Natürlich", erwiderte das Mädchen, „aber da» tann nur nicht passiren, denn mein Bräutigam ist e:n ganz ehrlicher Mann."
, r"??ar' na' möglich ist Alles, es ist sogar möglich, day dieser ehrliche Mann Ihnen das Leben nimmt wenn Sie ihm drohen, seine sauberen Pläne v->r- eiteln zu wollen, ober würden Sie ihm nicht damit drohen?"
Das Mädchen blickte ihn starr an, mit einer regen Phantasie schien es sich in den ihm geschilderten Fall hinemzudenken, denn die Röthe des aufsteiaenden Zornes übergoß plötzlich seine Wangen.
„Wenn er mir das anthäte, kratzte ich ihm die Augen aus!" sagte es in einem so entschlossenen 4,one, ms so es schon dem Ungetreuen gegenüber» stände.
f v',Ullb 'ich vor Ihrem Haß und Ihrer Rachsucht zu schützen, würde er sie ermorden", fuhr der alte Herr ruhig fort „Sie wissen also noch nicht daß man damals die Leiche der grauen Dame im Flug gefunden hat?"
„Barmherziger Heiland!" rief das Mächen ent K lewem Stuhle auffahrend. „Sie wollen bat?" n9en' ^ctr Sonnenberg sie gemordet
„Still, still, ich behaupte das jetzt noch nicht, aber nehmen wir einmal an, daß er es aethan ^j' roäre es dann nicht Christenpflicht, die Un- gluckliche zu rächen und den Verbrecher dem Gerichte zu uberliesern?"
"3°, ia", erwiderte das Mädchen tief aufathmend „ m*t über die Stirne fahrend, „das
wäre freilich Menschenpflicht."
„Ich wußte es ja, daß Sie bas einsehen ®u,tb!n ' er- „Wollen Sie mich nun in ber Erfüllung dieser Pflicht unterstützen?"
Wieder ruhte ihr Blick starr und mit dem iirud banger Frage auf ihm. „Sie find doch nicht -?" fragte sie stockend. ’
„Was?"
„Geheimpolizist?"
er lachte hell auf, ergriff ihre Hand und zog auf den Stuhl zurück.
,ein gutes Gewissen hat, wie Sie, braucht die Polizei wahrhaftig nicht zu fürchten", sagte er. Ä nUn?;~e' me‘n gut-« Kind, erzählen Sie mir Alles, was Sie wissen, ich bin Ihnen dafür auch 3elaIIt9\ Also am zweiten Abend roar^bie Dame auch wieder bei Sonnenberg?" WiS’1 ^£undllches heiteres Wesen schien das Mädchen zu beruhigen.
"®‘ne 9arn3 gwu getleibefe Dame?" fragte das ^udchen rasch. „G-c.au vom Kopf bis iu- den Fußen und dicht verschleiert?"
„Sie hat wohl, eine Zeitlang bei ihm gewohnt?" r °as nicht, aber eines Abends war sie spot ber ihm. Als sie zuerst kam, war er nicht zu Hause, dann muß sie wohl aus der Straße auf ihn gewartet ha ben, denn gleich nach feiner Heimkehr kam ,te w reder, und dann sird sie sehr lange in fernem immer beisammen geblieben. Und eine y-remie war sie, denn sie sprach nur gebrochen
„Ging sie allein fort öder begleitete er sie?" fragte der alte Herr mit scheinbarer Gleichgültigkeit, aber ein scharfbeobachtender Blick hätte erkennen Mzu hmcheln^^ " Mefe Gleichgültig-
, . .„Nein, fix ging allein und sie hatten sich vorher heftig gezankt, ich konnte es draußen auf dem Gange Horen, wenn ich auch die Worte nicht verstand."
„So, so, an welchem Tage war das doch?'
.""a,ä tceti? ich noch ganz genau, es war der Geburtstag meines Bräutigams."
. Das.Mädchen nannte das Datum. Michel warf euren raschen Blick auf ein Blättchen Papier, das vor ihm auf dem Tische lag.
''?ch giuube ganz gewiß, daß es seine Frau r I.' Me er, während er mit der Hand fein S uVml.; "®“ ** “ Echft-N T-g nicht
„Gesehen habe ich sie nickt."
„Aber gehört?"
„Ja, das ist richtig", sagte das Mädchen, in bi« Argwohn zu erwachen !.ch^u, "gehört allerdings, aber weshalb wollen Sie das Alles wissen?"
„Weil ich Sonnenberg keniie."
„Nein, das kann es nicht allein sein, Sie haben noch einen andern Grund."
IftÄ”“* Ruthen Sie das?" fragte er
"at^U m ^°9en. w’e £in Untersuchungsrichter." „W.e Uug Sie sind!" scherzte er. „Sind Sie ebenso verschwiegen wie klug?"
'-Wenn es sein muß, ganz gewiß."
es sein 'muß Siebt, 4n denen man
"Nein, außer, wenn man’s versprochen hat." „Schon,'" nickte der alte Herr. „Wissen Sie
auch nicht, was aus der grauen Dame geworden
"~?e Ed wohl wieder abgereift fein."
"®te lksen wohl keine Zeitung?"
„Wenn ich sie erwischen kann, freilich, aber das gelingt mir selten", lachte das Mädchen.
«nn'hlr Jerr KEbnberg hat Ihnen auch nichts von ber grauen Dame erzählt?" y
„Ich rede nicht mehr mit ihm, als ich muß.
8r ist em abscheulicher Mensch."
„Also wissen Sie gar nichts", sagte Michel,


