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war sowohl für den Kaiser als für Josephine eine sehr qualvolle. Berichtet doch des Kaisers Kammer­diener, Constant, daß Napoleon im Augenblicke, da er zu Bette gehen wollte, durch das plötzliche Er­scheinen der unglücklichen Josephine überrascht wurde, welche noch wenige Minuten mit dem Manne sprechen wollte, der aufgehört hatte, ihr Gemahl zu sein. Sie umschlang seinen Hals und er drückte sie an sein Herz, indem er ihr weinend sagte:Sei doch vernünftig, meine gute Josephine, fasse Muth. Ich werde stets Dein Freund sein."

Am nächsten Tage, am Samstag, den 16. De- cember 1809 sollte die Frau, welche Kaiserin der Franzosen und Königin von Italien gewesen, die Tuilerien auf immer verlassen. Seit dem frühesten Morgen traf Josephine mit fieberhafter Thätigkeit ihre Reisevorbereitunaen. Ihre Kinder waren bei ihr. Eugen mußte seine Mutter um elf Uhr ver­lassen, um sich in den Senat zu begeben, woselbst durch einen besonderen Beschluß die Auflösung der kaiserlichen Ehe ausgesprochen ro erben, sollte. Während der Senat sich noch in officiösen kriechenden Schmeicheleien über Napoleon und Josephine erging, verließ die letztere bereits die Tuilerien. Es war am Tage zuvor festgesetzt worden, daß sie nach Malmaison, ihrem früheren Lieblingsaufenthalte, reisen solle, während sich der Kaiser nach Trianon begab. Dieser fuhr zuerst um vier Uhr des Nach­mittags dahin. Napoleon war lange nicht so ge­fühllos, als seine Gegner behaupten; er hatte ge­litten und geweint, und er suchte zu Trianon Ver­gessen der jüngsten Vergangenheit. Als man ihm meldete, daß sein Wagen im Tuilerien-Hofe bereit stünde, ergriff er rasch seinen Hut und sprach zu seinem Secretär:Msneval, kommen Sie mit." Dieser folgte ihm zu Josephinen's im Erdgeschosse belegenen Gemächern. Als sie den Kaiser mit Herrn von Msneval einlreten sah, stürzte, sie dem Ersteren um den Hals und dieser umarmte sie wiederholt. Dann fiel sie in Ohnmacht und Msneval zog die Schelle, um Hülfe herbeizurufen. Napoleon, welcher die Verlängerung dieses qualvollen Auftrittes vermeiden wollte, ließ die unglückliche Josephine sanft in die Arme seines Secretärs gleiten, sobald er bemerkte, daß sie wieder zu sich kam. Nachdem er noch Msneval besohlen, Josephinen nicht zu ver­lassen, entfernte er sich rasch und fuhr sofort nach Trianon ab. Das Verschwinden des Kaisers er­neuerte und verdoppelte den Schmerz der verlassenen Herrscherin. Ihre eintretenden Frauen widmeten ihr die zärtlichste Sorgfalt. In ihrer ersten Ver­wirrung sprach Josephine das Folgende zu Msneval: Sagen Sie dem Kaiser, er möge mich nicht, ver­gessen. Versichern Sie ihm meine Liebe, welche jedes Ereigniß überleben wird. Versprechen Sie mir Nachricht über sein Befinden zu geben, sobald Sie nach Trianon komm.n und sorgen Sie dafür, daß er mir schreibt." Es erregte Josephine sichtliche Betrübniß, den Secretär des Kaisers scheiden zu

sehen, schien sich doch mit seiner Entfernung das letzte Band, welches sie noch mit Napoleon verknüpfte, zu lösen. t

Die verhängnißvolle Stunde war inzwischen ge­kommen. Josephine mußte abreisen. Die Vorhalle des Palastes war mit den Bewohnern desselben ge­füllt, Alle wollten die Kaiserin nochmals im, Vor­übergehen ehrfurchtsvoll begrüßen. Viele meinten. Unb wie hätte es anders fein können, war sie hoch so gütig gewesen. Wer eine Gnabe erbitten, oder ein Necht geltend machen, ober einen Fehler ver­ziehen haben» wollte, wandte sich stets an sie,, fo, baß alle Diener Napoleon's, die hohen, wie bie niebrrgen, sie als ihren Schutzgeist zu betrachten, gewohnt waren. Wer mochte gefühllos genug sein, ihrm Abschied nicht zu beklagen! Welcher unermeßliche Abstand und Gegensatz war aber zwischen dem 19. Februar 1800, an welchem Josephme tn bie Tuilerien einzoz und dem 16. SDecember 1809, an dem sie dieselben für immer verließ, um das Lchlotz Malmaison zu beziehen. Vier ein halb Jahre später am 29. Mai 1814, kurz nach der ersten Abdankung Napoleon's, starb Josephine, welche stets so schwärmerisch an ihrem Gemqhl gehangen hatte.

Literarisches.

erst* eKa;pr fielfoüiftett ®eburt§tcige§ von 91 b o I pt) Menzel hat in der illustrirten deutschen Presse zahlreiche Publicationen veranlaßt, doch keine so glänzende, als die von derIllustrirten Frauen-Zeitung" veranstaltete. Dre, neueste Nummer dieses Blattes ist in ihrem illustrativen The,le aus­schließlich de n Meister gewidmet. Außer dem von ^uilms Edrentraut gezeichneten, überraschende Lebenswahrheit be­kundeten Portrait Menzel's enthält das Blatt eme Fülle von Abbildungen aus seinen Werken und von Studien den­selben darunter Vieles, das hier zum ersten Male public.rt wird Adolph Menzel ist bekanntlich nicht gerade zugänglich für die Oesfentlichkeit, aber in diesem Falle, wo es sich darum bandelte" dem Publikum ein getreues Bild von seinem Schassen bereitwillig seine an künstlerischen Schützen s» reiche'Mappe geöffnet und manch kostbares Blatt daraus dem Verlage zur Verfügung gestellt, wie er denn auch die hier geböte Auswahl aus seinen Werken selbst getroffen hat Auf die Einzelheiten einzugehen, wurde zu weit fuhren; nur eines der Oriqinal-Bläter, die StudieMarokkaner", ser besonders erwähnt. Dasselbe stellt einen Mann aus dem Gefolge der Marokkanischen Gesandtschaft dar, welche im Frühjahr 1878 in Berlin weilte, und es tragt m Menzels markigen Schriftzügen den Vermerk:2. Ium 78, am Tage

zweiten Attentats auf den Kaiser. Be, Beendigung diese/kam Major v. Rosenberg mit der Nachricht ms Zimmer gestürzt." Es scheint, daß der Künstler m der Erregung über die ungeheuerliche That noch einmal zum Stist gegriffen habe, um auf dem elben Blatte die Züge des Monarchen zu ffpren, doch die zitternde Hand versagte den Dienst. Die Au^ führunq aller dieser Holzschnitte ist mustergültig und so auch von Menzel, welcher sich selbst der Correctur d°r einzelnen Blätter unterzogen hat, anerkannt worden. An kosbaren Abbildungen bietet die Menzel-Nummer derJllustrrrten Frauen-Zeitung", die sich im Abonnement aus 12 Pst stellt, soviel wie ein Prachtwerk im Werthe von doppelt soviel Mark. Ein Einzelverkauf der Nummer findet übrigens nicht statt.

' MactivN! A. Schetzda. Druck und Beklag bet Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) m Gießen.