Ausgabe 
26.6.1886
 
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Deinem Glücke gelten. Du bist noch contraktlich gebunden?"

Bis zum Frühjahr", nickte sie.

Vielleicht kann der Contrakt gelöst werden", sagte er, während er sie mit seinem gesunden Arm umschlungen hielt und ihr mit tiefinnigem Blick in die leuchtenden Augen schaute.Der Direktor muß ja unter den obwaltenden Verhältnissen Rücksicht nehmen."

Wenn Du das hoffst, kennst Du die Theater« direktoren nicht", unterbrach sie ihn scherzend. Rücksichten kennen sie nicht, wenn es sich dabei um eine Primadonna handelt, die so leicht nicht ersetzt werden kann. Und daß ich contraktbrüchig werden soll, wirst Du wohl nicht verlangen. Uns würde dies eine große Summe kosten, für die wir bessere Verwendung finden können."

Was thut's, Julia", erwiderte er achselzuckend, ich bringe dieses Opfer gern."

Aber wozu? Machen wir unsere Verlobung bekannt, so werden meine Verehrer fortan mir fern bleiben, -- die Braut eines Andern hat für Nie­mand mehr Interesse."

Und der Landrath?" fragte er, die Brauen leicht zusammenziehend.

Ich würde mir seine ferneren Besuche auch dann verbeten haben, wenn dieses Wiedersehen nicht stattgesunden hätte", erwiderte sie, die Oberlippe trotzig aufwerfend.Er war mir bisher gleichgiltig, jetzt aber verachte ich ihn wegen seiner Zudringlich­keit und seines unehrenhaften Benehmens gegenüber seiner Gattin. Was ist Das?"

Sie hatte das elegante Etui, das auf dem Tische lag, erst jetzt bemerkt. Hastig öffnete sie es; ihre Wangen erbleichten, als die funkelnden Steine ihr entgegenblitzten.

Hastig griff sie nach der silbernen Schelle. Sichtbar bestürzt trat Carlotta im nächsten Augen­blick ein.

Wie kommt dieser Schmuck hierher?" fragte Signora Barlotti, die Zofe erwartungsvoll an­blickend.

Der Herr Landrath gab mir das Etui. Er bat mich, Ihnen dasselbe einzuhändigen."

Julia wechselte mit ihrem Verlobten einen be­deutungsvollen Blick.

Ueberlaß es mir, ihn zurückzuschicken", sagte er leise.

Sie nickte bejahend und übergab ihm das Etui, das er in seine Rocktasche steckte.

Ich bin für den Herrn Landrath nicht mehr zu sprechen", befahl sie der Zofe.Sollte er sich mit dieser einfachen Erklärung nicht begnügen, so magst Du ihm sagen, daß ich die Braut des Herrn Haupt­mann Feodor von Görlitz sei."

Ueberrascht blickte Carlotta die Beiden an, dann glitt auch über ihr Antlitz ein freudiges Lächeln.

So danke ich dem Himmel, daß Sie endlich den Hafen der Ruhe gefunden haben", sagte sie mit herzlicher Theilnahme, während sie, ihrem natürlichen

Gefühle folgend, Beiden die Hand bot;find Sie, Herr Hauptmann, bitte ich, machen Sie meine schöne Herrin so glücklich, wie sie es um ihrer treuen Liebe willen verdient. Sie werden nie ein Menschen­herz finden, das treuer und inniger lieben kann."

Diese schlichten und einfachen Worte machten auf Beide einen tiefen Eindruck. Ihre Augen wurden feucht und mit bewegter Stimme dankte er der treuen Dienerin für ihre aufrichtige warme Theilnahme, die ihnen wohlthat.

Der Herr Referendar wartet noch immer", scherzte Carlotta.Ich werde ihm nun wohl be­deuten können, daß er zu einer gelegenen Zeit wieder kommen möge."

Rein, nein!" erwiderte Signora Barlotti rasch, sich zu ihrem Verlobten wendend.Ich glaube, wir sind es diesem treuen Freunde schuldig, ihn an unserer Freude theilnehmen zu lassen."

Ich bin ganz damit einverstanden", nickte er. Du kennst ihn freilich länger als ich, aber ich glaube, daß er ein Freund in des Wortes edelster Bedeutung ist."

Julia gab der Zofe einen Wink, aber erst nach einer geraumen Weile trat der Referendar ein, und seine ersten Worte verriethen, daß Carlotta ihm die überraschende Neuigkeit bereits mitgetheilt hatte.

Wer ein holdes Weib errungen, mische seinen Jubel ein", sagte er in heiterem Ton, während er die Hand der Signora an seine Lippen zog und darauf dem Hauptmann die Hand schüttelte.Du hast's erreicht, Oktavio, ich aber sei, gewährt mir die Bitte, in Eurem Bunde der Dritte."

Ist es Ihnen denn ganz unmöglich, vernünftig zu reden", scherzte Signora Barlotti.

Er ist besser als sein Ruf", erwiderte der Hauptmann in demselben Ton,und ich hoffe, daß er unser treuer Freund bleiben wird."

Wo alles liebt, kann Karl allein nicht hassen, Herr Hauptmann. Eigentlich sollte ich Ihnen zürnen, daß Sie diesen strahlenden Stern uns entführen wollen, wo finden wir nun Ersatz? Sie freilich werden über diese Frage sich den Kopf nicht zer­brechen, denn was ist ihm Hekuba, was ist er ihr, daß er um sie soll weinen?"

Trösten Sie sich", sagte die Signora,bis zum Frühjahr bleibe ich, meinen Contrakt breche ich nicht, und bis dahin wird wohl Ersatz gefunden sein."

Der Referendar schüttelte wehmüthig das Haupt, und wohl fühlend, daß er hier überflüssig war, schickte er sich an, Abschied zu nehmen.

Sie werden wohl schwerlich.mitgehen?" wandte er sich zu dem Hauptmann. --Madame Schirmer wartet nicht; wer sich nicht rechtzeitig zur Tafel ein­findet, muß nachexerciren"

Du bleibst heute Mittag bei mir, Feodor", unterbrach Signora Barlotti ihn;wir habe^uns noch so viel zu erzählen, und heute kann ber' ganz Dir widmen." -af-

Ber Hauptmann umschlang ihre Taille*