Ausgabe 
25.12.1886
 
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Nr- 153

Original-I

den Bart und hantirte eifrig an seiner Ausrüstung, | während die Försterin und die Kleinen, die schon längst neugierig durch den Thürspalt des Kinder­zimmers hereingelugt hatten und jetzt leise herbei schlichen, ängstlich schweigend den Vater umstanden.

Na, heut's ist's nicht's mit dem Christkindl, Mädels und Buben", sagte wehmüthig lächelnd der Förster zu den Fünfen.Der Jacob hat mir eben ausgerichtet, daß das Christkindl nicht fertig werden könnt' mit den Bescheerungen für die vielen Kinder im Städtchen. Will's Gott, fügte er zu seiner Frau gewendet, leise hinzu, bin ich mit Tagesanbruch zu­rück, wir halten dann auch einmal Morgens Be- scheerung, wie es die reichen Leut' thun drüben im Katholischen. Wenn Du aber keine Ruh' hast vor den kleinen Quälgeistern, Lilly, dann vertheile den Krimskrams, den mir die Großmutter da m den Ranzen gepackt hat, damit sie nur schlafen und lege Du Dich auch unbeforgt um mich zur Ruhe. Stand auch schon fertig und gerüstet vor ihr, während der Jacob den großen Fanghund an bte Leine nahm, und reichte der Frau die Hand, dre sie schluchzend faßte. ,

Ach Gott Walther, wenn Du nur bet uns bleiben könntest. Mir schnürt die Angst Brust und Kehle zusammen und ich mein halt, ich seh' Dich nimmer so, wie Du jetzt vor mir stehst. Die armen Kinder-- r r r ...

Da wurde der Förster wieder fuchsteufelwüb: Ich sag' Dir Frau, es ist eine Sünd' und Schänd', aber es ist der Dienst und meine Pflicht. Da nützt kein Lamento! Gut' Nacht!"

Sie schlang ihre Arme um feinen Hals und drückte das Gesicht leis weinend an seine Brust;

Hielte.

Droben im Walddorf erstrahlen die hohen Bogen­fenster des Kirchleins. In ihnen spiegelt sich der Glanz und Schimmer der vielen großen Altarkerzen. Und nun hebt es an, erst leise präludirend, dann lauter und mächtiger schwellen die Töne der Orgel, der Jubclchor der kleinen Gemeinde schallt brausend auf zum Himmel. .

Den Letzten, die zur Kirche eilten, begegnete da, wo der Weg in den Wald und zum Försterhause führt, ein gar unheimlicher Transport. Vier Männer warens, die trugen einen fünften auf einer Bahre, die roh aus Fichtenstämmen und Zweigen geschaffen war. Auf ihr lag ein Fünfter lang hm- aestreckt. Der hörte nicht das Klingen der Kirchen- qlocken, dem tönte nicht der Chorgesang tröstend tn die Brust, in die das Blei des Schwärzers feinen Weg gesunden. Schnüffelnd trottete der große Hund zur Seite der Bahre, dessen Seme sich der lange Jacob um den Arm geschlungen hatte. Lang­sam schreiten die Männer fürbaß und langsam ! rieseln warme, rothe Tropfen in den weihen

Ja", nickte N bleibend und ihre senkend,die Sa« vor. Sie wollte, das Duell gefproch da ich Vera nicht die Aermste zu jene wirklich ernstliche £ gegangen, um bai blieb ungewöhnlich Henning, der gerat nach ihr umzufehei den Klippen, wo s hinausgestarrt hat! zulegen, sie aber machen wie ein sprach leise mit sic!

Was zum Bl Sie jammert Gott mag mir : schrecklich sah er dann der Brief, und wenn er armer Kopf, nteti die Arme unaushi gehören in der T All.s zu ertragen.

Mein armes besorgt anblickend und angegriffen c

Lassen Sie Borner erwacht", zwei Worte mit i

Er schritt un; alle Galanterie nächsten Augenbli in der That auf< sitzend, wie geiste> .Helmuth wa werden, an ihre merksam das Bil war ein auf El fchönen jungen T fort erkannte. ! schien befriedigt '

er küßte sie auf die Stirn - - -

Der kleine Friedel sah jetzt, daß es Ernst war mit des Vaters Fortgehen. Als ihn dieser nun aushob und küssen wollte, hielt er energisch die Fäustchen vor die Backen und strampelte wüthend mit den kleinen Beinen.

Ich mag das Christkindl mt", schimpfte der kleine Karl,Du kannst's ihm nur sagen. Wenn es jetzt nicht gleich kommt, bet' ich mein Sprüchlein nit und sein Eselein kriegt auch das Heu nit und den Hafer, den ich und die Grethe vor die -i.hur gestellt haben. Gar nichts kriegt das Christkindl, keinen Kuchen und keine Zuckerplatz, die essen wir jetz' allein". Dann fing er richtig an zu flennen und die Geschwister stimmten im Chorus em. Selbst der kleine schiefbeinige Dackel, der sein Fell am warmen Kachelofen rieb, und den es schon lang arg wunderte, daß sein großer Genosse mit durfte und er nicht, heulte wehleidig ein Bischen nut.

Ruhig bist'", schrie ihn der Förster an, und zu den Kindern sagte er:Schämt euch was. Wenn ihr's so macht, wird sich das Christkindl schön wundern , über Eure große Bravheit und ihr kriegt sicherlich * Schnee---

nichts. Seid still ich komm' gleich wieder?' Noch ' einen Händedruck der Frau, einen Kuß auf die '

^^7 A. Schevda - Druck unb Setk-u der Brüh,',»en Druckerei (ftt Lbr. in G.ehm

Mäulchen der leiser weinenden Kinder, die beiden Männer schritten hinaus. _

In die tiefe Fensternische gelehnt, schaute ihnen die Försterin nach und lauschte bang an den knir­schenden Schritten der Männer, deren ragende Ge­stalten große Wandelschatten auf die mondschem- beglänzte Schneefläche warfen. Dann trat sie seuf­zend zu den Kleinen zurück in's Zimmer.

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lieber den weiten Wäldern, in den Thälern und auf den Höhn ruht der Friede. Heiliger, weihe­voller Friede der Christnacht. Kein Laut und kein Ton. Ewige Sterne leuchten zitternden Glanzes aus dem Firmament hinab auf die zitternde Welt und künden den gläubigen Menschen, daß der Gottes­sohn, der vor Jahrtausenden hinabstieg, Erbsünde und Verderbniß zu lösen, durch seinen Tod, glän- zend und herrlich zur Rechten Gottvaters Throne, daß er ein einziges Wort gesprochen, daß zaube­rischer Klang Posaunen der Engel weitergetragen in's unermeßliche Weltall. 'Das Wort heißt:Die Siete.

Dort und da aus den Thälern, wo Kirchen stehen und Menschen wohnen, kommen dann auf Schwingen der Nacht klingende, fummende Tone. Bald leiser, bald heller und deutlicher wogen sie her, ein Meer von Tönen scheint in der klaren, kalten Luft zu schwimmen. Es steigt aus den Thä­lern herauf, zieht den Bergesrücken entlang, emigt sich zu harmonischem Rythmus und verschwimmt leise im Aether. Die Kirchenglocken rufen zur Früh-