U4
zeuge abzugeben. So ging es auch mir. Erst wollte ich ehrlich als Bierbrauer Arbeit suchen und trieb mich im Innern herum, klapperte alle Zunftgenossen an und fand nichts; nur auf einem Posten sollte ich fortwährend Quassiaholz mahlen und den Hausknecht spielen. Da packte ich mir denn eines schönen Abends — jetzt sind es schon mehrere Jahre — eine Portion Quassia, einige Flaschen Ricinusöl und ein Bündel Lakritzstangen ehi und verschwand. Zwei Tage nachher kam ich nach Chicago, kaufte mir zuerst einen eleganten Anzug, miethete mit bodenloser Kühnheit ein hochfeines Parterre im vornehmsten Viertel, wo die ärgsten Schlemmer beisammen wohnten und hing ein prächtiges Schild aus, mit der Bezeichnung als deutscher Arzt unb Wundarzt." (Schluß folgt.)
ßnkhüih der Große und die Hatzen.
i.
Es ging der Große Friedrich, Einst sehr verstimmt und ärgerlich Im Garten zu der Mittagszeit; Da plötzlich sah er Spatzen fliegen, Zu seinen Füßen Kirschen liegen, Zerfressen und unihergestreut.
2.
„Wer hat euch, Spatzen, das geheißen, Daß ihr die Kirschen sollt abreiß-n?" Sprach da der König zornentbrannt.
„Das soll nicht ungerochen bleiben, Ich will euch aus dem Garten treiben, Vor meinen Augen seid verbannt."
3.
Und eiligst hat er ausgeschrieben: „Wer wünscht im Schießen sich zu üben, Der schieße mir die Spatzen tobt.
Sechs Pfenn'ge werd' ich jedem geben Für eines kleinen Spatzen Leben." So hieß des Königs streng Gebot.
4.
Da sah man alle Bürger schießen, Das Blut der armen Spatzen fließen, Aas Lust und schnödem Geldgewinn. Als keiner nun mehr war zu finden Und man's dem König that verkünden, Sprach er vergnügt in seinem Sinn:
5.
„Wenn mein Gebot ist ausgerichtet, Und alle Spatzen find vernichtet, Die großen Schaden uns gebracht, Wird's nächste Jahr uns doppelt geben. So wird belohnt der Menschen Streben, Für Nützliches, was er erdacht."
Redaktion: A- Scheyda. — Druck und Verlag der
6.
Als nun der nächste Frühling kam Und von der Erd' den Schnee wegnahm, Da würd' im Garten alles grün, Die Gräser fingen an zu sprießen, Die Bäche rieselnd an zu fließen, Die Kirschenbüume an zu blühn.
7.
Da freuete sich Friederichs Und dachte oftmals so bei sich, Wenn er die schönen Blüthen sah: „Nun wird's der Kirschen viele geben, Denn sieh! es ist kein Spatz am Leben Durch die der Schaden uns geschah."
8.
Doch kaum war kurze Zeit verstrichen, Da war die Freude ihm verblichen. Und lag entblättert in dem Staub; Denn alle schönen Bäume waren Zerfressen von der Raupen Schaaren Und alles würd' der Würmer Raub.
- 9.
Da sah der große König ein, Daß Spatzen niüßten nützlich sein, Und sprach das königliche Wort: „Niemand soll'einen Spatzen schießen Wer meine Gnade null genießen, Im Walde oder hier am Ort."
Schwerin. Dr. M. Schulz.
Literarisches.
„Industrie-Blatter". Wochenschrift für gemeinnützige Erfindungen und Fortschritts in Gewerbe, Haushalt und Gesundheitspflege. Herausgegeben von Dr. E. Jacobsen (R. Gaertner's Verlag, Berlin SW., Schönebergerstraße 26). Preis vierteljährlich 3 M. — Inhalt von Nr. 11, 1886: Unsere Schrift. — Versuch einer qualitativen Analyse der im Handel vorkommenden Farbstoffe. (Fortsetzung und Schluß.) — Coco. — Räuch ern der Petroleumlampen. — Das Quecksilber gegen die Reblaus. — Ueber Feuerlöschmittel. — Mittel zur Kälteerzeugung. — Cosmetica gegen Sonnenbrand, Somniersprossen u. dgl. — Der Einfluß der Massage auf den Stickstosswechsel und die Assimilation der Stickstoffbestandtheile der Nahrung. — Schwarzer Ueberzug für Eisen. — .Bleivergiftung. — Ueber den Einfluß von Phosphaten auf Währung. — Deutsche Reichs-Patente. —- Farbenrecepte zur Nachahmung von Maserirungen feiner Hölzer. — Uebertrag- barkeit der Schwindsucht auf Geflügel. — Hautcreme aus Lanolin. — Sicherheitslampe. — Buchdruckerschwärze.
'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


