Ausgabe 
23.3.1886
 
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entdeckten Massenmorden dieser Partei auch ohnedem schon sehr verdächtig war?"

Der Kommerzienrath trat einen Schritt zurück; er heftete sein Auge durchdringend und ängstlich zugleich auf seine Tochter.

Du würdest das kaum aussprechen", sagte er, wenn Du nicht selbst einen bestimmten Verdacht in dieser Richtung hättest."

Run ja", gab sie zögernd zu,ich habe einen solchen."

Seine Verwirrung wuchs.

Und welchen?" fragte er kaum vernehmlich.

Ihre Brauen zogen sich finster zusammen; sie schüttelte heftig verneinend den Kopf.

Nichts in der Welt wird mich je bewegen, diesen Verdacht gegen irgend Jemand laut werden zu lasten", sagte sie.

Du kennst den Mörder?"

Der Kommerzienrath fragte es mit heiserer, ver­sagender Stimme. Seine Augen leuchteten in diesem Augenblick wie die des Raubthieres, welches feine Beute belauert.

Vielleicht", entgegnete Klara mit einer Be­stimmtheit, die eher wie zuversichtliche Bestätigung klang.

Und wirst ihn niemals nennen?"

Nie niemals."

Auch mir nicht, Deinem Vater?"

Klara überlegte.

Doch", sagte sie dann,unter einer einzigen Bedingung."

Welche?"

Daß Du mich zuvor von der Lächerlichkeit jener Anklage des jungen Forster überführst."

Du glaubst daran?"

Nein."

Nun also."

Und dennoch."

Was verlangst Du?"

Mit Dir, an Deiner Seite, einen Rundgang durch die Kellergewölbe zu machen weiter nichts." Bist Du wahnsinnig?"

Nein, aber damit ich es nicht werde, gewähre mir diese Bitte."

Kalte Schweißtropfen hatten sich während dieser wenigen Morte auf der Stirn des Kommerzienraths angesammelt; seine herabhängenden Hände zuckten, als wenn sie einem unsichtbaren Gegner an die Gurgel wollten.

Den Namen!" keuchte er.

Führe mich in den Keller."

Nein."

Warum nicht?"

Weil ich es unter meiner Würde Halte, mich vor meinem Kinde von einem Verdacht zu reinigen, der für uns gleich beschimpfend ist."

Und darum eben", beharrte Klara,solltest, müßtest Tu cs thun. Ja, dieser Verdacht, er ist beschimpfend, entehrend. Wende ihn ab, Vater von

Dir, von mir ich bitte, ich beschwöre Dich darum!"

Nein!"

Auf meinen Knieen flehe ich Dich an."

Steh auf! Steig' nicht noch tiefer als Du es mit diesem Verdacht schon thust. Befrage mich nicht weiter."

Der Kommerzienrath wendete sich zur Thür.

Vater!" sprang Klara auf.

Er hielt seinen Schritt an.

Was noch?" fragte er gereizt, ohne sich umzu- blicken.

Du willst diesen Verdacht nicht entkräften?"

Nein."

Du wagst es nicht!"

Mädchen!"

In wilder Wuth fuhr der schwer gekränkte Mann auf seine Tochter los; diese trat erschrocken einen Schritt zurück.

Wie anders denkst und handelst Du jetzt", sagte er mit schneidendem Hohn,als da Martin Forster Dir so gegenüber stand! Noch vorhin sprachst Du von der mitempfundenen Schmach, Deinen braven alten Vater so schwer und ungerecht verdächtigt zu sehen."

Und was verlange ich denn anders", entgegnete Klara,als daß Du jene Schmach auslöscht für immer."

Das ist schon geschehen durch meine Erklärung, daß Alles Lüge und Verleumdung ist."

In meinen Augen ja, aber nicht in den Augen der Welt; und ehe Du mich nicht in den Stand setzest, auch dieser zu beweisen, daß man uns Unrecht thut, sehe ich mich nicht in der Lage, Deinen Wunsch wegen Nennung des wirklichen Mörders zu erfüllen."

Der Kommerzienrath nagte wüthend an seiner Unterlippe. (Fortsetzung folgt.)

Amerikanische Wekkame.

Unsere Leser, welche noch nicht die Gelegenheit hatten, amerikanische Zeitungen zu lesen, interestirr es gewiß, ein kleine» Bild einer solchen zu erhalten, insbesondere' auch davon, wie der Amerikaner Reklame zu machen versteht. Vor uns hegt «ne Nummer des in St. Louis erscheinenden deutschen Anzeiger des Westens", dessen Format so groß ist, daß man eine kleine Stube damit belegen kann. Da finden wir auf den ersten Serien wissenschaftliche Abhandlungen, deutsche-Romane und Essays; meistens Abdrücke aus deutschen Journalen. Es reihen sich hieran einige Orizinsl-Correspondenzen, welche ge­wöhnlich eine Zusammenstellung der in dem und dem Monat, im Staate so und so verübten Mord- und Greuelthaten liefern. Eine weitere Seite ist dem telegraphischen Allerlei und den Lokalnachrlchten und der Rest des Blattes den geschäftlichen Anzeigen ge­widmet- Aus den Hunderten von Rochen, Empseh-