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eine fünfte nach dem La Plata, andere Linien gehen nach England (regelmäßig) u. s. w. Im Ganzen beförderten die Schiffe des Lloyd im Jahre 1884 nicht weniger als 138,999 Personen altem nach Amerika, eine Ziffer, welche von keiner Paffagierlinie der Welt auch nur annähernd erreicht wird.
Die Flotte des Norddeutschen Lloyd beträgt
gegenwärtig:
Seedampfer in Fahrt ... 40
Im Bau.......15
Weser und Schleppdampfer . 14
Im Ganzen Dampfschiffe. . 69
Dazu kommen noch 60 eiserne Lichterfahrzeuge. Die Schnelldampfer haben eine Besatzung von 180 Mann, die übrigen Oceandampfer je 100 bis 110 Mann-
Unser Bild wäre aber unvollständig, wenn wir nicht aus die Etablissements des Lloyd in Bremen und Bremerhaven, sowie auf eine Reihe von ausgezeichneten Einrichtungen im Verwaltung«, betriebe Bezug nehmen wollten.
Schon wenn man nach Bremerhaven hinein« kommt, macht sich überall die Bedeutung des Norddeutschen Lloyd bemerkbar, auf den Straßen durch die kleidsame Uniform seiner Schiffsleute, an den Häusern durch die Schilder seiner Agenturen und Bureaux, am Hasen selbst aber erhebt sich die eigene Stadt des Lloyd, seine Werkstätten, seine Gttter- speicher, die Wohngebäude der Beamten — und überall zwischen ihnen ragen die mächtigen Kolosse seiner Dampfer, weht die Flagge des Lloyd — Schlüssel und Anker gekreuzt, zusammengehalten von einem Eichenkranze. Der Anker bedeutet die Hoffnung, der Schlüssel soll dem Handel die Thore der fremden Länder aufschließen, der Eichenkranz zeigt die Prinzipien, durch welche dieses Ziel erreicht werden soll, Festigkeit und Treue.
Obwohl der Lloyd den Bau der Schiffe nicht selbst betreibt, so werden dieselben doch, wenn sie einmal abgeliefert sind, von keiner fremden Hand mehr berührt. Alle Reparaturen, auch die umfang, reichsten, werden in und durch die Werkstätten des Lloyd ausgeführt, die gesammte Ausrüstung besorgen die Niederlagen und Stores der Compagnie selbst.
Etwa in der Mitte des Lloydstadt liegen die prachtvollen Trockendocks, welche zwei Schiffe von der Länge von 460 und 380 Fuß aufnehmen können. Um die Docks herum gruppiren sich die nach dem Brande von 1884 neu aufgeführten, durchaus massiven und selbst mit feuersicheren Fußböden versehenen Werkstätten: die Kesselschmiede, die Kupferschmiede, die Gelbgießerei, Maschinenfabrik, Dreherei, die Tischlereien und Zimmerwerkstätten, die Malereiwerkstätten, die Segelmacherei, die Zinkschmelze, die Maschinengebäude für die Betriebs- und electrischen Maschinen, das Dampswaschhaus, die mächtigen Lagerhäuser für Hölzer, für Schrauben und Wellen, für Kesselrohre, für Tauwerk, für die gesammte innere Ausrüstung der Schiffe vom einfachen Nagel
bis zur luxuriösesten Saloneinrichtung; daneben die Wohnhäuser der Beamten, die Gebäude für ankommende und abgehende Passagiere, die Locomobilen- und Montirschuppen und die gewaltigen Dampf- krähne für die Einsetzung von Masten, Kesseln, Wellen und Schrauben. An Beleuchtung kommt ausschließlich nur electrisches Licht zur Verwendung, das Heer der beschäftigten Arbeiter beträgt ungefähr 1200 Personen, das Schiffs- und Maschinenpersonal des Lloyd beträgt gegen 3000 Personen.
In Bremen selbst befindet sich das ungeheure Proviantmagazin des Lloyd für seine Schiffe, welche er selbst verproviantirt, sowie die Werkstätten für die Flußdampfer.
Wir kommen endlich zu einigen Verwaltungsregeln des Bremer Lloyd, welche in ihrer Rückwirkung auf die Sicherheit und den Comfort der Passagierfahrt einerseits, sowie al« Zeugniß für die vorzügliche Verwaltung der Rhederei von ungemeiner Bedeutung find. Dazu gehört in erster Linie die Seemannskasse des Lloyd. Jeder auf den Schiffen des Lloyd beschäftigte Seemann, mit Einschluß des Kapitäns, der Ofsiciere, Maschinisten und Feuerleute trägt zu dieser. Kasse seinem Gehalt entsprechend bei, der Lloyd selbst zahlt aus eigener Kasse dazu die Hälfte sämmtlicher Beiträge. Der so aufge- sammelte Fond bildet eine Unterstützung«- und Pensionskasse für alle diejenigen, welche eine gewisse Anzahl von Jahren auf den Lloydschiffen thätig gewesen sind. Durch diese Maßregel aber sichert sich der Lloyd ein ausgezeichnetes und absolut zuverlässiges Personal, welche« seinerseits wieder dem Passagier die allerbesten Garantien für di« Sicherheit der Reisen bietet. — Die zweite Einrichtung ist die Vertheilung von Prämien an die untern Verwaltungsbeamten, die Proviantmeister, Oberstewarts, Köche und Stewarts, falls über dieselben während bestimmter Zeit keine einzige Klage Seitens der Passagiere einläuft. Der hierdurch angeregte Wettstreit aller dieser Beamten sichert auch dem ärmsten Zwischendeckspassagier die Aufmerksamkeit, die beste Verpflegung und Bedienung während der Reise.
So bildet der Norddeutsche Lloyd ein in sich geschloffene« festes Ganze. Die Nachrichten, welche wir in den vorstehenden Zeilen gegeben haben, sprechen für sich selbst. Sie sollen dem Leser ein absolut wahrheitsgemäßes, treues Bild von der Ausdehnung, von dem Betriebe, von den Vortheilen geben, welche der Lloyd seinen Passagieren bietet; sie sollen die Bedeutung hervorheben, welche die neue deutsch-australische Linie hat und behaupten wird. Möge jeder Deutsche in den Colonien da» Seinige thun, um durch Benutzung der Linie sich selbst und einer großen Unternehmung Vortheil zu bringen. — In kurzer Zeit wird der Bestand der Linie durch sich selbst gesichert sein, werden die Vorzüge der deutschen Verbindung für sich selbst reden, denn da« Gute bricht sich von selbst Bahn.
Kedaeüyyr 8. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr, Pietsch) in Gießen.


