thun und zu lassen habe. Das Gut wird verkauft und wir wohnen fortan in der Residenz. Ich zweifle nicht daran, daß Du unter diesen Umständen mich begleiten wirst."
„Darauf kann ich Dir jetzt noch keine Antwort geben; ich werde vorher noch eine andere Reise machen."
„Wohin?"
„Rach Wiesenthal."
„Was willst Du dort?"
„Einen bestimmten Zweck hat meine Reise nicht —"
„So unterlasse sie, oder schiebe sie wenigstens auf bi» zu einer besseren Jahreszeit", erwiderte er rauh, „der Todte der dort liegt, weiß doch Nichts von Deinem Besuch, und Du schaffst Dir unnütze Aufregungen."
„Ich antworte Dir jetzt mit Deinen eigenen Worten, daß ich in solchen Angelegenheiten selbst mein Thun und Lassen bestimmen muß", sagte sie, da» schöne Haupt trotzig erhebend. „Du wirst mich von dieser Reise nicht zurückhalten können."
„Wenn Du nicht anders willst — in Gottes Namen! Ich kann Dir nicht wehren, wenn Du Vergnügen daran findest, die Kluft zwischen uns mehr und mehr zu erweitern; nur beschwere Dich später nicht, wenn die Folgen Deinen Wünschen nicht entsprechen."
„Ich hege keine Wünsche und auch keine Hoffnungen mehr", erwiderte Vera, ihm den Rücken wendend; „ich glaube nicht mehr an die Möglichkeit, daß noch einmal ein Sonnenstrahl auf meinen Lebenspfad fallen könne."
Ackermann zuckte geringschätzend mit den Achseln und zog ungestüm an der Schelle.
„Anspannen!" befahl er dem eintretenden Diener, dann nahm er die unterbrochene Wanderung wieder auf.
Sein Blick fiel im Vorbeischreiten auf den räthsel- haften Brief, der noch auf dem Schreibtisch lag; er warf ihn ins Feuer.
„Ich vermuthe, daß Görlitz mir diesen Possen gespielt hat", sagte er, zornig mit dem Fuß auf- stampfend, „er allein kann jene Worte kennen. Hätte ich ihn nur besser getroffen! Dieses verpfuschte Duell wird seinen Haß gegen mich nur steigern, und der Kluge räumt das Feld."
Der Diener meldete, daß der Wagen bereit stehe, Ackermann ergriff hastig seinen Hut und eilte hinaus.
Eine halbe Stunde später trat er in das Cabinet des Banquiers.
„Haben Sie den Verkauf meines Gutes bereits eingeleitet?" fragte er ungeduldig.
„Das Geschäft ist so zu sagen schon abgeschlossen", erwiderte Morgenroth, ihn erwartungsvoll anblickend; „ich hoffe, Sie werden Ihren Auftrag nicht zurück- nehmen wollen."
„Im Gegentheil, ich wünsche die Angelegenheit
so rasch wie Möglich geordnet zü sehen, da ich schott in den nächsten Tagen die Stadt zu verlassen ge- denke. , Den neugierigen Fragen, weshalb ich mein Amt niedergelegt und meinen Grundbisitz verkauft habe, möchte ich aus dem Wege gehen; Sie werden das begreiflich finden."
Der Banquier nickte zustimmend, ein triumphirendes Lächeln glitt über sein rothes Antlitz.
„Sie können abreisen, wenn es Ihnen beliebt", sagte er, „ich werde Ihre Interessen wahren, als ob es meine eigenen wären."
„Ich möchte vorher die Sache ordnen, kann dies morgen oder übermorgen geschehen?"
„Heute noch, wenn Sie es wünschen! Ich werde meinen Notar beauftragen, den Akt auszufertigen, Sie brauchen ihn nur zu unterzeichnen, ich schließe dann persönlich mit dem Consortium das Geschäft ab."
„Und wann kann die Zahlung de» Geldes erfolgen?"
„In einigen Wochen, sobald die Aktien gezeichnet und die Beträge eingezahlt sind. Sie werden mir ja die Verwaltung dieses.Geldes anvertrauen, fünfzehn bis zwanzig Prozent Zinsen glaube ich Ihnen mit Sicherheit garantiren zu können."
„Ich überlasse das Alles Ihnen", sagte der Land- rath, „Sie kaufen also von mir das Gut für zwei- malhunderttausend Thaler und zwar unter den Bedingungen, die ich hier verzeichnet habe. Die Situation»- und Vermessungspläne sammt den übrigen darauf bezüglichen Papieren habe ich Ihnen gestern Abend übersandt
„Ich habe sie erhalten", erwiderte Morgenroth, während er das ihm überreichte Papier entfaltete, „und wenn ich in Ihren Bedingungen keine Schwierigkeiten finde, so ist Alles in Ordnung, und der notarielle Akt kann morgen ausgefertigt und vollzogen werden."
Er las das Schriftstück sehr aufmerksam, dann nickte er befriedigt.
„Gegen diese Bedingungen läßt sich Nichts einwenden", fuhr er fort, „sie sollen gewissenhaft erfüllt werden."
r- „Gut, dann lassen Sie morgen den Akt ausfertigen, ich werde übermorgen ihn unterzeichnen", sagte der Landrath, sich erhebend. „Heber die Zahlung und Verwendung des Capitals werden Sie mir später schriftlich berichten, ich muß ohnedies im Laufe de» Winters noch einige Mal hierher kommen, da hier noch Manches zu ordnen ist, was jetzt in der kurzen Zeit nicht Alles erledigt werden kann. Sie lassen mich wohl benachrichtigen, wo und in welcher Stunde der Akt unterzeichnet werden soll?"
„Sobald ich mit meinem Notar darüber geredet, erhalten Sie Nachricht."
Ackermann nickte zustimmend und verließ da» Cabinet; der Banquier Morgenroth aber rieb mit vergnügtem Schmunzeln seine fleischigen Hände; er hatte sich in dieser Stunde eine neue Goldgrube erschlossen, die ihm reiche Ausbeute in Aussicht stellte.


