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Siedaction: A, Scheyda.
Druck und Vertag der Lrühl'schen Druckerei (Fr. Shr. Pietsch) m Gießen.
n fürchte mich, meinen Ungehorsam ein-uqe» stehen. Dem Reiten mit großer Vorliebe zugethan, venutzte ich oft ein lammfrommes Reitpferd des feiner Erlaubniß, leider ward es, als mcht mehr tauglich, verkauft und das neue Reit» Pt«® 8“ besteigen, ward mir verboten.
Ich habe sie wiedergefunden die Waldeskönigin, mit den tiefen, tiefen Augen! Rur ein Blick war ihm vergönnt, dann senkten sie sich zu Boden und ein tiefes Erröthen überflog das feine Gesicht der jungen Dame, als sie;ben Herrn er» kannte, welcher sich gestern im Walde ihrer ange- pommen. Dieser hatte sich von seiner freudigen Ueberraschung so weit wieder gefaßt, daß er ihr Nun mit äußerer Ruhe auseinander zu setzen vermochte, auf welche Weise er heute zu ihr gekommen. Sie nahm Platz und der Arzt begann sein Examen:
„Verletzten Sie sich gestern beim Sturz vom Pferde?" 0
„Ja, ich schlug hart mit der Hand auf eine ttlorrlge Wurzel und fürchtete sogleich eine ernstliche Beschädigung."
„Warum schenkten Sie mir Ihr Vertrauen Nicht
,,^zch klage nicht gern, hätte ich aber gewußt, daß mein Retter ein Arzt sei, hätte ich Sie wohl j um Wen Rath gebeten, ich verlebte unter vielen I ^^rzen eine schlechte Nacht und, sonst keine ängstliche Seele, erregte mir doch das arge An- schwellen der Hand die Befürchtung, daß sie gebrochen sei." ö
Alfred untersuchte das Handgelenk, gab ihr die Versicherung, daß eine ernstliche Verwundung nicht I vorliege, rieth für heute nur kühlende Umschläge I und versprach mit sehr fröhlichem Herzen, den andern Morgen wieder zu kommen. Sie dankte ihm und sagte erfreut:
„Gut, daß ich noch so weg gekommen, es thnt I mic lerä genug, daß ich heute das Fest in der I Muhle versäumen muß, wo man sich köstlich amüsirt und Väterchen verdarb ich die ganze Laune, als er ouein gehen mußte, doch habe ich die Mutter überredet, ihm nachzugehen, da die Schmerzen sich etwas I beruhigten, sie muß einen andern Weg gewählt haben, wenn Sie ihr nicht begegneten." I
Alfred mußte sich gestehen, daß er die Frau Forstmersterm noch nicht vermißt habe, wenn er es ?uch nrcht ausfprechen durfte. Er fand es wunderbar, hier zu Zweien, mit seiner hübschen Patientin zu plaudern.
~ $ater. sAen nicht zu wissen, auf
hatten „^eie ®ie ^ch die Verletzung zugezogen I
wenft mir nicht unvermuthet ein Retter erschienen wäre.
, .'^Weichen Sie, Rath und Hülfe verschmähend, so schnell als möglich abschüttelten."
... "Die Folge des bösen Gewissens, jeder Lebende schien mir ein Verräther."
. Sie plauderten noch eine Weile, bis es Alfred einftel, daß es endlich an der Zeit sei, seinen Kranken- besuch zu beenden. Das Fräulein geleitete ihn zur ^hur,, nachdem er sich verabschiedet, blickte er sich noch einmal um; da stand sie im grünen Rahmen, von einem Sonnenstrahl beleuchtet, wie eine süße Marcheugestalt.
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fnmen Ritt durch den stillen, grünen Wald. Gestern Wen die Eltern aus, ich ließ mich verlocken das . romme ,um leM„ »ÄÄrutÄa I ä.
„Auf Wiedersehen!" rief ihr Alfred mit einem ubermuthlgen Lächeln zu, so daß sie schnell im Saufe verschwand. Der Doktor eilte mit schnellen Schritten durch den Wald, ihn lockte hier nichts mehr, er lauschte nicht mehr auf Rosseshufen. Dort das von Epheu umsponnene Haus, das barg, was ihn fesselte und morgen durfte er dahin zurückkehren.
mußte noch manche Stunde vergehen, bis morgen, aber rn Gedanken durste er immer dort weilen, das I wehrte ihm Niemand. Er jubelte seine Freude aus I m einem fröhlichen Studentenlied und dann über- kam ihn wieder ein Bangen und Zagen, was hatte er für ein Recht, so freudigen Herzens zu sein? Und er war es doch! In der Mühle empfing man ihn mit Fragen nach feinem langen Ausbleiben. Er beruhigte die besorgten Eltern über das Befinden I sllrer Tochter, gab aber auf alle anderen Erkundigungen ! so verworrene Antworten, erzählte so viel durcheinander von dem Zauber des Waldes, daß Niemand klug aus ihm wurde, dann stürzte er sich mit aller die Geselligkeit, und riß durch seine Heiterkeit Alle mit sich fort, so daß manche der jungen Damen verwundert nach dem Großstädter schaute und es gar nicht übel vermerkte, wenn er sich speciell ""t lhr ein wenig beschäftigte. Es ahnte ja Nie-
r n « ^ein Herz ihm untreu geworden und dort sich festgekettet halte im cpheuumrankten Forsthaus. ot größter Pünktlichkeit eilte der gewissenhafte Arzt alltäglich zu seiner Patientin und dehnte seine Besuche immer länger aus, es plauderte sich so ae- inuthlich dort. Mit dein Forstmeister fand er viel Berührungspunkte, auch die Forstmeisterin, welche ihm anfangs etwas steif und gemessen entgegen kam, wußte er zu gewinnen und je länger er- blieb Mo langer konnte er in Annas dunkle Augen schauen, manches Wort mit ihr wechseln.
Nur zu schnell verging die Pfingstwoche, schon 8 ”ar. der Sonnabend gekommen, morgen hieß es m Imä äw an ihrer Seite und begann zögernd:
^Jch komme zum letzten Mal, die goldnen Tage ß”k »U» »t „ W6e„8..
(Schluß folgt).


