Ausgabe 
22.6.1886
 
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S86

abzulegen, und die Möglichkeit, daß ich mich finanziell ruiniren könnte, ist überhaupt ausgeschlossen. Ich gebiete über hinreichende Mittel, um mir diesen Luxus gestatten zu können, und eines Rathe« in solchen Dingen, mag er auch noch so wohlgemeint fern, bedarf ich nicht."

Wohlgemeint ist mein Rath", nickte Riesenthal; ^rch fürchte, Du wirst da» zu spät erkennen. Wenn Du nun keine Rücksichten auf Deine Frau nehmen willjt, so bedenke wenigstens Deine Stellung! Ich kann Dir nicht verhehlen, daß sie erschüttert ist: man ist unzufrieden mit Dir'

Ich weiß das!"

Nicht die Regierung allein ist es, auch die Kreiseingesessenen sind e«; um so strenger müßtest Du darauf achten, daß Dein Lebenswandel völlig makellos bleibt."

Ich werde wohl nicht lange mehr in dieser Stellung bleiben", spottete der Landrath.Diese ewigen Querelen habe ich längst satt, und was meinen Lebenswandel b.trifft, so gestehe ich Nie­manden das Recht zu, einen Makel auf ihn zu werfen. Du magst es ehrlich meinen, Ferdinand, und ich nehme Dir Deine Worte nicht übel, aber Dein Urthei! reicht über Deinen Gesichtskreis nicht hinaus. Laß mich meinen Weg gehen, wenn er Dir persönlich auch nicht gefallen mag man kann an Jedem mäkeln, Du wirst das an Dir selbst wohl auch erfahren haben. Und noch Eins: ich er­warte von dem Freunde, dem nur ein Zufall diese Angelegenheit verrathen hat, strenge Diskretion."

Der Gutsbesitzer hatte trotzig das Haupt er­hoben; dem halb bittenden, halb drohenden Blick des Freundes begegnete er mit sichtbarer Gering­schätzung.

Schon aus Rücksicht auf Deine wirklich be- dauernswerthe Frau werde ich schweigen," sagte er; das Uebrige mußt Du nun mit Deinem eigenen Gewissen ausmachen!"

Er wandte ihm den Rücken und schritt von dannen; der Landrath sandte ihm einen zornglühenden Blick nach, dann setzte er seinen Weg fort.

E unverhohlenem Unwillen;es war sehr über­flüssig, daß Sie anderen Personen den Schmuck rügten und ihn als mein Eigenthum bezeichneten."

Ich wüßte nicht, mit wem ich darüber ge- sprachen haben sollte", erwiderte der Juwelier ver­wirrt.

Mit dem Banquier Morgenroth."

Er sah den Schmuck zufällig."

Wenn auch, Sie brauchten ihm den Namen des Eigenthümers nicht zu nennen, guten Morgen!"

Riesenthal schien ganz vergessen zu haben, daß er selbst Emkäuse machen wollte; er nahm seinen Hut und folgte dem Freunde.

Wir sehen uns später wohl noch einmal", sagte der Landrath draußen;jetzt habe ich Eile, und mem Vorhaben erlaubt mir nicht, Dich zu dem ge- wohnten Frühschoppen in den Gasthof zu begleiten."

Nur einige Worte möchte ich Dir noch sagen", ttwiderte Riesenthal ernst;erlaube mir, daß ich Dich eine kurze Strecke begleite. Für wen ist der Schmuck bestimmt?"

o. teiger, verächtlicher Zug umzuckte die Lippen Ackermann's.

Du erwartest wohl selbst nicht, daß ich diese indiskrete Frage beantworte", entgegnete er.

Diese Frage genügt; sie beweist mir, daß meine Vermuthung richtig ist. Wir sind seit Jahren mit einander befreundet, Hugo; da meine ich, keiner von uns Beiden dürfe es übel nehme», wenn der Andere ihm gegenüber ehrlich und aufrichtig seine Meinung ausspricht. Ich würde Dir stets dankbar dafür sein, und Du weißt auch, daß ich nicht gewohnt bin, mit meinen Gedanken hinter dem Berge zu halten. Du hast eine brave und schöne Frau, um die Jeder Dich beneidet"

Laß das!" unterbrach Ackermann ihn rauh. Wenn Du einen so scharfen Blick besäßest, so mußtest Du längst erkannt haben, daß ich in Bezug auf diesen Punkt keineswegs so beneidenswerth

Dann liegt die Schuld an Dir!"

Wie rasch Du mit Deinem Urtheil fertig bist 1 9ch Hube keine Lust, mich in lange Erörterungen einzulassen; kümmere Dich nicht wieder um meine Privatangelegenheiten; derartige Einmischungen bringen keinen Dank ein."

Es mag Dir unangenehm sein, daß ich so ' offen mit Dir rede", sagte der Gutsbesitzer, ihm einen vorwurfsvollen Blick zuwerfend;aber ich fühle mich dazu verpflichtet, um Dich vor einem Abgrunde zu warnen, den Du in Deiner Verblendung nicht zu sehen scheinst. Du ruinirst Dich für eine Comödiantm! So lange Du ihr kostbare Geschenke onngst, bist Tu ihr willkommen; später, wenn Du K N'chtr mehr zu bieten hast, ist ihre Thür für Dich verschlossen!"

War kümmert'» Dich!" erwiderte der Landrath mit wachsendem Aerger.Ich brauche Niemandem über die Verwendung meines Geldes Rechenschaft

4. Kapitel.

Signora Barlotti.

In ihrem reizenden, mit künstlerischem Geschmack reich ausgestatteten Boudoir saß Julia Barlotti auf dem kleinen Divan und rührte mit dem goldenen Löffelchen ungeduldig in der Chocolade, die ihre Zofe eben gebracht hatte.

In ihrer einfachen, eleganten Toilette war sie eine anmuthige, fesselnde Erscheinung; e» bedurfte nur eines Blicker in ihr lieblich«, rosiges Antlitz, das keinen Hauch von Schminke zeigte, und in ihre tiefdunklen, feurig blitzenden Augen, um zu erkennen, daß sie trotz aller Versuchungen sich ihre Herzens­reinheit und ihre Jugendfrische zu bewahren gewußt hatte.

Er kommt noch immer nicht!" sagte sie seufzend.