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seines Vaters suchen, um darin vor jeder Entdeckung gesichert zu sein. l m „
Wohin er wollte, das war der Keller, welcyer das ganze Haus unterwölbte, aber nur in seinem kleinsten, den Seitenflügel unterwölbenden Theil als Weinlager benutzt wurde. Der große Keller war ganz leer, und war Niemandem der Zutritt zu demselben gestattet. Seine schmutzigen kleinen Fenster waren durch starke Eisenstangen geschützt und auch die einzige hineinführende Thiir zeigte eine Festigkeit, welche geeignet war, jedem Einbruch zu trotzen.
Da der Kommerzienrath die Schlüssel zu diesem Keller in seiner ausschließlichen Verwahrung hatte, sie nie an Jemanden abgab und immer nur allein, zumeist spät Nachts, in den Keller hinab stieg, ver- muthete man, daß er dort seine Schätze verborgen halte, von deren Bedeutung man die überschwänglichsten Angaben machte, ohne auch nur Etwas davon gesehen zu haben. Einige meinten, der Kommerzienrath sei ein Geizhals, der dort seiner Leidenschaft, im Golds zu wühlen, fröhns. Genug, es gingen eine ganze Menge Gerüchte von dem Etwold'schen großen Keller unter dem Dienervolk um, und natürlich fehlten auch Diejenigen nicht, welche behaupteten, daß es dort spuke. Man wollte hin und wieder des Nachts ein unheimliches dumpfes Stöhnen vernommen haben, welches aus den Eingeweiden der Erde zu kommen schien, und ein Diener, welcher zufällig einmal dem Kommeqienrath auf solch einer Nachtwandlung begegnete, wußte von dem schrecklichen Eindruck zu berichten, welchen des Herrn verzerrtes Antlitz da auf ihn gemacht hatte.
Eduard kannte alle diese Geschichten und neigte der Ansicht zu, daß sein Vater hier wirklich Geld und Geldeswerth in feuerfesten Schränken verborgen halte, denn bis hier hinab konnten die Flammen bei einem etwaigen Brande nicht dringen; eher stürzte das Haus zusammen.
Nun wußte Eduard auch noch Etwas, was außer ihm kein Mensch im ganzen Hause wußte; er kannte das Versteck, in welchem sein Vater die großen Kellerschlüflel, die er unmöglich immer mit sich herumtragen konnte, zu verbergen pflegte. Eduard hatte ihn einmal dabei belauscht und sich die Stells gemerkt. Er hatte nie die Absicht gehabt, seinen Vater zu bestehlen, und deshalb >ich auch nie veranlaßt gefühlt, jenes ihm verrathene Geheimniß auszubeuten.
Heute lag die Sache anders. Heute brauchte er ein unauffindbares Versteck; und dazu bot sich ihm kein besseres als dieser ängstlich vor jedem fremden Blick gehütete Keller.
Nun hatte das noch seine große Schwierigkeit mit dem Erlangen der Schlüssel. Dieselben befanden sich in dem Privalkabinet seines Vaters. Konnte er ungesehen dorthin gelangen? Er mußte es versuchen. Es gab nur diesen einen Weg zum Keller durch das Kabinet seines Vaters.
S'.hr zu statten kam jetzt Eduard die schwere Krankheit seiner Schwester, welche das große Haus
verödete und mit einer wahren Todtenstille erfüllte. Selten zeigte sich ein Diener, und erhellt waren nur die meist benutzten Gänge und Zimmer.
Ehe Eduard den Wintergarten verließ, legte er seine Stiefel ab und ging auf den Socken weiter, jene in der Hand tragend.
So gelangte er jenseits des großen Salons und nach Durchschreitung mehrerer verödeten Prachtzimmer und dunklen Korridore nach dem Privatkabinet seines Vaters. Unweit desselben befand sich das Herrn Duprat eingeräumte Zimmer, dessen Thür zur Zeit halb offen stand.
Eduard hörte Jemanden dann hm und her gehen; er glaubte den leichten behenden Schritt des Prokuristen zu erkennen.
Er trat in ein ebenfalls offen stehendes, aber dunkles Zimmer ein und spähte durch die Portiere nach Duprat's Thür. Er hatte das unbestimmte Gefühl, als wenn jener dieselbe jeden Augenb.ick durchschreiten werde.
Und seine Ahnung betrog ihn nicht.
Er hatte nicht zu lange zu warten, bis Duprat kam. m r, r
Dieser zeigte ein recht vergnügtes Aussehen, als wenn ihm etwas sehr Angenehmes begegnet wäre, trotzdem er seine rechte Hand in einem Verbände trug. Sein Anzug war wie immer tadellos; er war frisirt und verbreitete ein stark duftendes Parfüm um sich her, in jedem Zoll ein eitler Mensch.
An der Thür des Privatkabinets des Kommer- zienraths legte er sein Gesicht in ernstere Falten. Er pochte. ,
„Herein!" ertönte die Stimme des Ehefs von drinnen. Eduard erbebte bei diesem einzigen Laut. Duprat drückte die Klinke nieder und trat ein.
„Ach, lassen Sie ein wenig offen, lieber Duprat", sprach der alte Herr. „Es ist so warm hier."
Duprat ließ die Thür halb offen.
„Ist doch Niemand draußen?" fragte Etwold weiter.
Duprat blickte den Gang hinauf und hmab. „Niemand", sagte er dann. Ec verschwand wieder hinter der Portiere.
Jetzt sprachen die Beiden drinnen, aber die doppelten Portieren, welche Eduard von jenen trennten, ließen ihn nicht verstehen, was gesprochen wurde.
Natürlich hatte dies das allergrößte Interesse für ihn, denn in dem Zimmer, in welchem sie sich befanden, ruhten die Schlüssel zum Keller. Er schlich also näher heran, jetzt die Stiefel in dem dunklen Zimmer zurücklassend.
„Es freut mich wirklich, daß Sie schon heute Abend gekommen sind, mein Bester", sagte. der Kommerzienrath eben. „Sie hätten mir keinen größeren Gefallen erweisen können. Mein Herz ist von Kummer beschwert um meinen Sohn. Ich habe mir die Sache hin und her überlegt und finde nun die Aussichten bedeutend ungünstiger, als zu Anfang. Man wird Eduard, wenn auch nicht der


