236
schädlich werden können, wie die Frostspanner, die kleinen Wickler und Spanner, die Kohlweißlinge u. s. w. Recht mißlich machen sich aus der zahlreichen Ordnung der Zweiflügler einige Arten dadurch, daß ste ihre Eier in Wurzeln oder Früchten von Culturpflanzen absetzen. So zernagen die Maden der Haarmücken mit Vorliebe die Pflanzenwurzeln in den Mistbeeten, die Kohlfliegen zerstören auf ähnliche Art die Wurzeln der Kohlpflanzen, die Zwiebel- und Radieschenfliege die betreffenden Pflanzen und die Schmuckfliege setzt ihre Maden in den Früchten des Kirschbaumes ab und macht diese dadurch ungenießbar. Gegen diese Gartenfeinde ist eine Abwehr sehr schwer und das Gleiche läßt sich von den Blatt- und Schildläusen sagen, die mit das widerwärtigste und zugleich schädlichste Gartenungeziefer bilden und ihre Angriffe gegen eine ganze Reihe von Pflanzen richten. Die Schildläuse, deren bräunliches, flachgewölbtes Rückenschild dem oberflächlichen Beobachter ein Schüppchen der Pflanzenrinde zu sein scheint, sitzen immerwährend still auf demselben Aste, der Rinde oder des Blattes, aber auch immerwährend saugend; das Mutterthier stirbt über den Eiern, denen sein Küraß als Rest dient. Sie beschädigen besonders Gewächshauspflanzen; Orangenbäume sind ost dicht mit solchen Schmarotzern besetzt, gegen welche nur das Abwaschen und Abreiben der Pflanzen hilft. Die Blattläuse stören die Entwickelung der befallenen Pflanzen so sehr, daß deren Blätter oft förmlich entarten; so werden die Blätter des Johannisbeerstrauches blasenartig kraus und braun. Der von den Blattläusen ausgesonderte süße Saft, den die Ameisen aufsaugen, bildet den sogenannten Honigthau und die bei der Häutung abgestreiften Bälge, welche die Blätter oft wie dichter Staub bedecken, stellen eine Art Mehlthau dar. Durch geeignete Mittel, wie Besprengen der befallenen Pflanzen mit Tabakabkochung, gelingt es wohl, die Zahl dieses Ungeziefers zu vermindern, aber nicht, dasselbe ganz zu vertilgen; letzteres muß vielmehr den Insekten fressenden Vögeln und gewissen Larven und Käferchen überlassen bleiben, die ihrerseits wiederum eifrig auf die Blatt- und Schildläuse Jagd machen.
Blattwanzen finden sich an den Himbeerstöcken, die ersteren geben einen ungemein widerlich riechenden Saft von sich und machen hierdurch die üppigste Frucht ungenießbar. An den Johannisbeerstöcken finden sich zuweilen gewisse Blattwespen, deren Larven den Raupen der Schmetterlinge gleichen und durch welche die von ihnen befallenen Sträucher in der Regel eingehen. — Noch ist die Liste der gewöhnlichen Gartcngäste nicht vollständig. Beim Umgraben der Beete im Frühjahr zappeln oft in der Erde vielfüßige braune Skolopender, welche sich von Moder zu nähren scheinen und Nachts phosphorisch leuchten. Auch echte Krebsthiere finden sich im Garten, nämlich in dem zum Begießen der Pflanzen aufbewahrten Regen- oder Bachwasser. Man er
staunt bei der Betrachtung eines solchen Wasserkübels über die Fülle des Lebens, welches sich darin schon dem unbewaffneten Auge zeigt. Niedliche» kaum stecknadelkopfgroße Muschelkrebse (Cypris) und rothe Wasserflöhe (Daphma) schwimmen in dem abgestandenen Wasser mit größter Regsamkeit umher und scheinen sich äußerst wohl zu fühlen. Ein Vergrößerungsglas offenbart die Krebsnatur dieser winzigen Thiere ganz deutlich und zeigt am einzigen Auge und den Ruderfüßen dieser Miniaturgeschöpfe manche auffallende Eigenschaft.
Selbstverständlich fehlt etz im Garten schließlich auch nicht an Weichthieren und Würmern. Regenwürmer finden sich in verschiedenen Arten vor und ebenso Schnecken, von denen die Gehäusschnecken oft sogar Winterquartier im Garten nehmen; die schwarzen Schnecken sind daselbst glücklicherweise nicht so verheerend wie im freien Felde und wenn sie doch einmal lästig werden sollten, so werden sie von einer Ente, der man auf einen Tag Gastrecht gewährt, bald vertilgt. — Noch so manche andere Insassen aus dem Thierreiche beherbergt der Hausgarten, aber es dürfte schon aus dem bis jetzt Angeführten erhellen, ein wie buntes Völkchen sich daselbst versammelt, so bald nur erst einmal der Frühling seinen Zauberstab ernstlich über der Erde schwingt. Freilich findet sich in diesem Völkchen eine recht, recht große Zahl ungebetener Gäste vor, so daß man in jedem Frühjahr um den Ertrag der Gartenbeete bangen möchte. Aber nur selten erfüllen sich diese Besorgnisse, es gleicht sich auch hier, wie überall im Leben, gewöhnlich Alles wieder au» und wenn schon sich so manche Mitesser einstellen, sie werden schließlich alle satt, ohne den Menschen besonderen Abbruch zu thun.
Literarisches.
„Industrie-Blätter". Wochenschrift für gemeinnützige Erfindungen und Fortschritte in Gewerbe, Haushalt und Ge- sundheitspflege. Herausgegeben von Dr. E. Jacobsen (R. Gaertner's Verlag, Berlin SW., Schönebergerstraße 26). Preis vierteljährlich 3 M. — Inhalt von Nr. 19, 1886: Wettheizversuche. — Sin Beitrag zur Erklärung des Entstehens der Ptomaine. — ließet die Schweizer Rosinenweine. — Die Patina der modernen Broncedenkmäler. — Petroleummotor. — Verarbeitung von Katechu. — Um Zapfen, Stempel re. zu Härten. — Die Prüfung ätherischer Oele. — Zur Ver- werthung von Blut. — Koffein, ein Antidot des Kurare. — Verhalten der Mikro-Organismen in mit Kohlensäure unter Druck imprägnirtem Wasser und in den zur Herstellung künstlicher Mineralwasser ersorderlichen Salzlösungen. — lieber die Druckfestigkeit des Bleies. — lieber das Phloroglucin. — Vergolden von Porcellan. — Ueber Malzpepton. — Jndigo- bestimmung in Wollenstosf. — Benzoösäure aus Benzoö- harz. — Deutsche Reichs-Patente. — Ozondarstellung. — Giftigkeit der Miesmuscheln. — Prof. Meidingers Tintenfaß. — Leberthran. — Jllipeöl.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Dießen.


