Ausgabe 
20.3.1886
 
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das Opfer zeigte." .

Am Abend schon wurde Antonio verhaftet, aber, seine That nur als eine gerechte Sühne ansehend, die er nicht durch Leugnen oder Flucht erniedrigen mochte, gestand er, wie cs gewiß auch seine edlen Ahnen gethan hätten, sofort Alles em und erzählte dem königlichen Tribunal alle Umstande des Ver- | brechens, wie wir sie hier in dieser historisch ge- j treuen Erzählung wiedergegeben haben.

Ohne Rücksicht auf seine Vorfahren wurde er ! zum Tode an den Galgen nach einem Zeitraum von drei Wochen, die eine Verschärfung sein und die Todesangst verlängern sollten, verurtheilt.

Auch die Frist verstrich, der Tag der Hinrichtung war da: auf dem campo de la tablada war der Galgen errichtet, eine zahllose Menge stand um den­selben. Da kam die Nachricht, daß der König Don Pedro, der eben von der Belagerung von Guardamar nach Sevilla zurückkehrte, von dem Tode des Raths­herrn und den sonderbaren Einzelheiten der Prozeß­akten vernommen und befehle, den Antonro de Perez vor ihn zu führen.

Der Herrscher war erst 26 Jahre alt, er war schön und hochgewachsen, von Achtung forderndem Aeußern, und in seinen Zügen vermochte man nichts von den wilden Leidenschaften zu lesen, welche nachher

Romer sanden die Neigung dazu vor uno oer ge­ordneten Staatseinrichtung der Araber gelang die Ausrottung so wenig, wie bis heutigen Tags der spanischen Regierung. Dennoch erregte der^ gleich nach dem Verschwinden Antoms« entdeckte ^od des Don Quesada in ganz Sevilla ein ungeheures Auf­sehen; Jedermann sragte sich, welchen heimlichen I Feind der so allgemein beliebte Rarhsherr gehabt haben möge. Die' Polizei des Königs Don Pedro war besonders in Andalusien, wo die kaum siegten Mauren noch zu Hundderttausenden wohnten und alle Aufmerksamkeit forderten, ausgezeichnet und bald war der Mörder entdeckt. Derselbe war gleich nach der That nach der Vorstadt Triana 9^ um seiner Mutter die That zu verkünden. Den Mantel seines Vaters nahm er von der Wand, weckte o.e immer noch schlafende Frau, kniete vor ihrem Lager ] nieder und sagte:

Mutter, Du darfst mich wieder umarmen, diese roihen Flecken sind durch meine Hand aus getilgt.

Die Alte, die an nichts weniger als an den wahren Sinn dieser Worte dachte, sprang aus; eine Ahnung dämmerte in ihr; mit tätlichem Schrecken und wildem Stolze zugleich stierte sie den Sohn an dann riß sie ihn an die Brust und bedeckte sein Antlitz mit Thränen und rasenden Küssen. Cndlch schienen ihr die möglichen Folgen emzufallen, denn wieder heftiger preßte sie ihn an sich, wie um ih vor jeder Gefahr zu schützen und rief mit bebender 5,111 J? ®ott und Herr! Möge nur mich und nicht Dich die Strafe treffen, denn ich war es, die Dir

Mattel geboren beständig von den Jnttiguen Aries eigenen Bruders, von Haß, Dolch und Gift seiner FUnde bedroht, auf seinem von der Macht der Mauren lange bestrittenen Throne sitzend, blieb ihm ke ne Wahl, als Flucht oder Schreckensregierung und o oraan s rte er seine Thaten zu einem wirklichen Snstein Freilich erhielt sein Gemüth dadurch emen hi» Milde und Gnade nicht, aber dafür uvre er desto strenger das Recht, wo sich die G-legenyeit bot

' «Ma bleich, ohne Schwäche, rote ohne Pochen i auf seine ihm gerecht scheinende That erschien Antonio de Perez vor dem Könige, der auf einem steinernen Throne am westlichen Eingang des Alcazars saß, wo noch jetzt die Spuren dieses Sitzes der ^rechtig- keit sichtbar sind. Es war Don Pedro r Gewöhn- I hier öffentlich unter den von vier Säulen gr- L«» TH-MMM-!. * d°, H-Mg- iudmg « Frankreich unter dem Baum von Vincennes Recht sprechen, die Klagen zu hören, die Prozesieseines Gerichtshofes zu lesen, zu bestätigen oder die Urtheile

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in der Hand, befragte er den Zapatero ube. die schon berichteten Umstände und dieser ^zählte kurz und mit sichtlicher Aufrichtigkeit die Beweggrunve seiner Rachethat, er erwähnte seines langen zögern ' seiner schmerzvollen Nächte, seiner geheimen Thronen, einer von den Gedanken an einen Mord dBcr be chienenen und freudlosen Jugend. M t wanmm wahren, beredsamen Worten erzählte Antonio, Don Pedro hörte schweigend zu; kein Zeichen des M g fühls trat auf seine Züge; endlich erkundigte er sch nach der Strafe, die damals den Nathsh.rrn ft r seine That betroffen und erfuhr, daß Letzterer ein Jahr lang nicht habe im Chor der Kathedrale er« cheftien dürftn. Da aber runzelten sich des Königs

. Auaenbrauen, aus seinen Augen fünften Blitze des Zornes und entrüstet sich zum Obernchter nei en ) roenb@eunoa?!e ich' freue mich daß nicht Ihr jenen Spruch vor elf Jahren gefällt habt; das Schwer: des Rechtes, das uns unser Vater A.phonso ueer machte, soll nicht zu solchem schmachvollen Unrecht dienen. Das Urtheil dort ist nichtig; wir vemr' theilen den Sohn des Zapatero Perez zu der strafe, ein Jahr lang keine Schuhe mehr machen zu durJem

Der Spruch war unerwartet, aber Jedermann fühlte die Gerechtigkeit dcffelbcn; er wurde mit der Zeit berühmt und Don Pedro ertjteU seinetwegen den weiteren Beinamender Gerechte."

Noch heute zeigt man in Sevilla die Neste des steinernen Thrones am Alcazar und m der Vorstat t Triana die Stelle, wo einst das Haus des Zapatew

I de Perez gestanden hat. Dr. Fr. Muller.

Druck und Berlag der Brühl'schen »mckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Eichen.