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kabei einen Gewinn von zwanzigtausend Thalern für Sie erzielt."
„Nun, das ist mir sehr angenehm."
„Bah, Kleinigkeit", fuhr der Banquier mit einer geringschätzenden Handbewegung fort, „das Geld liegt auf der Straße, wir können Millionen verdienen, wenn nur flüssiges Kapital zur Stelle ist. Sie haben einen großen Grundbesitz; was bringt er Ihnen ein? Kaum drei Prozent, während Sie mit dem baaren (Selbe das Kapital binnen Kurzem verzehnfachen könnten!"
„Durch Börsenspekulationen?"
„Theils dadurch, theils auch durch Betheiligung an einer Eisenbahn, die von der Regierung bereits concessionirt ist und nun gebaut werden soll. Diese Bahn wird bedeutende Dividenden abwerfen; sie muß allen Seitenbahnen erfolgreiche Coneurrenz machen, da sie ein sehr ergiebiges Kohlen- und Eifengebiet auf bedeutend kürzerem Wege mit dem Rhein verbindet. Ich habe mich an diesem Unternehmen mit einer Viertelmillipn betheiligt, und ich würde Ihnen rathen, Ihr ganzes Grundkapital hineinzustecken. Selbst int schlimmsten Falle erhalten Sie immer noch höhere Zinsen als jetzt — verlieren können Sie Nichts."
Der Landrath schüttelte gedankenvoll das Haupt.
„So rasch lassen sich die Grundstücke nicht verkaufen", sagte er.
„Den Verkauf dürfen Sie getrost mir über« laffen", erwiderte Morgenroth. „Ihr großes Gut eignet sich vortrefflich zu gewerblichen Anlagen. Ich würde mit einigen Freunden darüber sprechen und ein Consortium bilden, um den ganzen Complex einer Aktien-Gesellschaft zu verkaufen. Sie dürfen einen hohen Preis fordern; ich sorge dafür, daß die Gesellschaft ihn zahlt, und mit diesem Kapital würde ich Sie an der neuen Eisenbahn oder, wenn Sie das nicht wollen, an anderen Unternehmungen betheiligen. Für eine Verzinsung des Kapitals von mindestens zehn Prozent garantire ich Ihnen."
Der Landrath war in Nachdenken versunken. Wenn er, wie er bereits entschlossen war, seinen Abschied nehmen wollte, so konnte ihm unter der Herrschaft eines anderen Landraths das Leben an seinem Gute verleitet werden, und da ihn alsdann Nichts mehr an die Scholle fesselte, so stand ihm frei, feinen Wohnsitz fortan in der Residenz zu nehmen und dort das Leben zu genießen.
Der Vorschlag, dm der Banquier ihm machle, war verführerisch; je länger er über ihn nachdachte, desto verlockender erschien er ihm.
„Ich werde Ihnen alle auf den Bau und die Bedeutung der Eisenbahn bezüglichen Prospekte und Papiere vorlegen", nahm Morgenroth wieder das Wort, „Sie können sich dann selbst überzeugen —"
„Ich würde die Sache allerdings einer ernsten Prüfung unterziehen", fiel der Landrath ihm in die Rede; „int Uebrigen aber glaube ich mich auf Ihre Erfahrungen in solchen Dingen verlassen zu können. Und was den mir vorgeschlagenen Verkauf meiner
Grundstücke betrifft, so kann ich nicht bestreiten' daß die Einkünfte aus ihnen gering sind, und daß mit dem Kapital weit größere Gewinne erzielt werden könnten."
„Sie wären also geneigt, meinen Vorschlag anzunehmen?" fragte der Banquier rasch.
„Wenn das Consortium sich gebildet hat und Sie mir bestimmte Anerbietungen machen können, so läßt sich ja noch weiter darüber reden."
„Bevor ich zur Bildung des Consortiums schreite, muß ich mit eigener Sicherheit wissen, ob Sie auf unsere Vorschläge eingehen werden", erwiderte Morgenroth; „ich möchte mir nicht gern nutzlose Arbeit machen und daneben mich bei meinen Freunden cornpromittiren."
Der Landrath hatte sich erhoben. Der Ausdruck seines Gesichts verrieth, daß er sich so rasch nicht entschließen, wenigstens heute noch kein bindendes Versprechen geben wollte.
„Lassen Sie mir einige Tage Zeit", sagte er, „vielleicht theile ich Ihnen schon morgen meinen Entschluß mit. Und nun bitte ich nochmals um das Geld."
Der Banquier zog an der Glockenschnur und gab dem Diener einen Befehl; einige Minuten später trat der Kassirer ein und zählte fünftausend Thaler in Banknoten auf den Tisch.
„Wie heißt doch Ihr Buchhalter, der blonde Herr mit dem Knebelbart?" fragte der Landrath, während er die Banknoten in fein Portefeuille legte. „Ich bin ihm schon öfter hier begegnet —"
„Karl Maiwind?"
„Kann fein. Wo finde ich ihn?"
In Morgenroth's Blick, der forschend auf dem Landrath ruhte, spiegelte sich das erwachende Mißtrauen.
„Wenn Sie mit ihm zu reden wünschen, so kann ich ihn rufen lassen", antwortete der Banquier.
„Ich wünsche nur eine Frage an ihn zu richten und dabei jedes Aussehen zu vermeiden. Jene Thür führt wohl ins Comptoir."
„Jawohl, und gleich neben der Thür finden Sie den Herrn vor feinem Pult."
Der Landrath ging hinaus, neben dem Pult des Buchhalters blieb er stehen.
„Apropos? Wer war der Herr, der gestern Abend im Theater neben Ihnen saß?" fragte er mit vornehmer Herablassung.
Maiwind blickte betroffen auf; der Ton, in dem die Frage gestellt war, berührte ihn unangenehm.
„Ein amerikanischer Oberst", erwiderte er.
„Jedenfalls ein sehr rücksichtsloser Amerikaner", sagte der Landrath geringschätzend. „Kennen Sie seinen Namen?"
„Oberst Johnson."
„Vielleicht ein Abenteurer; er wohnt wohl nicht hier?"
„Den feinen Griff und den rechten Ton mag er wohl noch nicht kennen", erwiderte der Buchhalter achselzuckend; „vielleicht ein Canadier, der noch


