Ausgabe 
18.9.1886
 
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dann auch wohl hier sein, - na, was gemacht werden kann, wird gemacht!"

Der Hauptmann trank langsam sein Glas aus und füllte die Gläser noch einmal.

Welchen Aufschluß sollte der Vagabund geben ' können?" sagte er, sinnend das Haupt wiegend. Er weiß so wenig von jenem Geheimniß, wie der Oberförster, und ich kann nur wiederholen, daß Ihre Bemühungen fruchtlos bleiben werden. Und Alles in Allem genommen, kann ich nur wünschen, daß dieses dunkle Räthsel ungelöst bleiben möge, nicht in meinem Jnterefle, sondern im Interesse Derer, die mit dem Stabten verwandt oder befreundet waren. Ich sage Ihnen dasselbe, was in Wissenthal der Oberst Johnson Ihnen gesagt hat: Lassen Sie jenes Geheimniß ruhen und forschen Sie nach dieser Richtung nicht weiter."

Die Sache ist zu weit gediehen."

So glauben Sie, und diesem Glauben ent­springt die Ueberzeugung, daß Sie Ihrem Ziel schon nahe seien; aber Sie werden sich getäuscht sehen. Nur zwei Personen können jenes Geheimniß kennen, und diese werden es niemals enthüllen. Sie waren gestern im Theater?"

So oft Signora Varlotti auftritt, werde ich"

Ja, ja, sie hat einen treuen Verehrer an Ihnen!" sagte Herr von Görlitz lächelnd;sie wird Ihnen auch in der Ferne noch ein recht freundliches Andenken bewahren."

Und Sie wollen uns diesen Stem wirklich ent­führen?"

Könnten Sie mir deshalb zürnen?"

Nicht doch! Das Unvermeidliche muß man mit Würde tragen; aber trauern werden wir doch, denn wir werden nimmer ihres Gleichen sehen. Und nur noch eine kurze Frist ist uns gegeben, dann muß sie fort, denn ihr Contrakt ist abgelaufen."

Und wie lange wird's dauern, daß man sie hier vergessen hat?" erwiderte der Hauptmann achselzuckend.Ein Ersatz ist ja bereits gefunden, wie mir der Theaterdirektor heute Morgen sagte; er hatte sogar die Güte, hinzuzufügen, daß die neu engagirte Sängerin alle Herzen im Sturms erobern werde!"

Bah, was ist ihm Hekuba, was ist er ihr?"

Ebensowohl können Sie sagen: Was ist ein Name? Was uns Rose heißt; wie es auch hieße, würde lieblich duften. Ob die Sängerin nun Julia Barlotti oder anders heißt, was liegt daran, wenn sie nur die Hörer entzückt. Glauben Sie mir, ge­fällt die Nachfolgerin meiner Braut dem Publikum, dann wird Signora Barlotti rasch vergessen sein. Und meine Braut wünscht jetzt selbst, der Bühne Valet zu sagen; sie hat auch manchs bittere Er­fahrungen machen müssen, für dis der Beifall der Menge sie nicht entschädigen kann!"

Ich kann das verstehen und begreifen", nickte der Referendar.Das vielköpfige Ungeheuer, Publikum genannt, ist auch nicht immer mit meinen

Theaterrecensionen zufrieden gewesen. Man kann's a nicht Allen recht machen!"--

Ich hab's gewagt!" rief in diesem Augenblick der Buchhalter eintretend.Geh' den Weibern zart entgegen, Du gewinnst sie auf mein Wort!"

Es ist die Möglichkeit!" sagte Rommel ihn er« wartungsvoll anblickend.Sie haben wirklich den Muth gehabt?"

Muth? Bah, Muth zeiget auch der Mameluck!"

Und nun sind Sie verlobt?"

Ja, ich bin's, Du Unglückseliger, bin der Räuber Jaromir."

Daraus werde ich nicht klug", sagte Herr non Görlitz kopfschüttelnd.Sie wollen doch nicht be­haupten, daß Sie in dieser Stunde da unten Ihre Werbung angebracht haben?"

Gewiß!" nickte Maiwind.Ich hab' gethan, was ich nicht lassen konnte. O, ich bin klug und weise und allemal Derjenige, welcher 1",

Mit leuchtendem Blicke empfing er die Glück­wünsche seiner Freunde, und nachdem er auf bas Wohl seiner halben Braut ein volles Glas Grog getrunken hatte, schüttelte er im Uebermaß seines Glücks ihnen noch einmal die Hand.

Seid umschlungen, Millionen!" sagte er, aus tiefer Brust aufathmend.Ich wollte endlich Ge­wißheit haben, und ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl be­wußt. Ich ging hinunter unter dem Vorwande, meinen Paletot vergessen zu haben. , Hertha war allein im Speisezimmer, und da habe ich's gewagt."

Und Tante Lina?" fragte der Referendar.

Mama gab uns ihren Segen I Was hätte sie auch einwenden können? In einigen Wochen bin ich selbstständig; das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen! Mein Vater hat mir bereits das nöthige Kapital zur Ver­fügung gestellt und mein Associä ist schon eifrig mit den Vorbereitungen der Eröffnung unseres Hauses beschäftigt."

Fürchten Sie nicht, daß die Zeit zur Eröffnung eines neuen Geschäfts schlecht gewählt fein könne?" fragte Herr von Görlitz bedenklich.Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß diese Schwindel- und Gründungsperiode ihrem Ende naht; Manches, was in dieser Zeit geschaffen würbe, wirb naturgemäß wieder zu Grunde gehen"

Das eben ist der Fluch der bösen That!" unterbrach Maiwind ihn.Ich aber fürchte diesen Fluch nicht. Wir, mein Associä und ich, gründen ein Colonialwaarengeschäft en gros; er wirb ein­kaufen, reifen und verkaufen, ich führe die Bücher und die Korrespondenz. Was man zum täglichen Leben bedarf, kann man immer und an jeder Thür verkaufen, denn aus Gemeinem ist der Mensch ge­macht, und da mein Associä diesen Geschäftszweig von der Pike auf kennt, uns auch das nöthige ! Kapital in ausreichender Höhe zur Seite steht, so , dürfen wir wohl mit einigem Vertrauen in die i Zukunft blicken."