Ausgabe 
13.4.1886
 
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wäre das die letzte Schande, dis er auf mein kummervolles Haupt häuft. Ich würde ihn zu den Todten werfen, mehr als das, zu den Vergessenen. Sein Name dürfte vor mir nicht mehr genannt werden, sein Gedächtniß wäre in meinem Herzen er­loschen. Aber er ist es nicht. Leichtsinnig und harmlos, das ist die wahrste Charakteristik, die man von ihm geben kann. Jedes Wort mehr ist ein Wort zu viel. Ich will kein Aussehen und will auch keine Milde walten lassen; sie wäre nicht am Platze. Aber recht hatte ich doch, daß ich den Aufenthalt Eduard's dem Kommissar früher nicht verrathen wollte, wie?"

Sehr recht", bestätigte Duprat.Sie Hütten dann gewärtig sein dürfen, daß man Herrn Eduard sofort unter polizeiliche Observation hätte stellen laßen, was in M. vielleicht nicht unbemerkt geblieben wäre."

So deutete ich mir auch die Frage des Kom- miffars", sagte Etwold beifällig.Aber er fand in mir seinen Meister. Auf seine geheuchelte Rücksicht gebe ich gar nichts. Rücksicht übt ein Beamter nur, wenn er nichts Anderes zu thun weiß. Aber nun gehen Sie nur zu Hause. Schonen Sie Ihre Hand noch heute und kommen Sie morgen früh noch etwas vor der Zeit, damit ich ungenirt fort kann."

Jawohl, Herr Kommerzienrath", beeilte sich Duprat zu erwidern.Sie können auf mich rechnen. Und wenn Herr Eduard beweisen kann, daß er zur Zeit des Verlustes des Portefeuilles in M. gewesen, was er ganz sicher wird thun können, kann man ihm gar nichts anhaben. War er nicht der Verlierer, daun braucht er denselben auch nicht zu kennen. Wer will denn behaupten, daß der Falschmünzer die Karte aus Herrn Eduard's eigenen Händen empfangen hat? Da giebt es noch tausend andere Wege, auf denen er in den Besitz derselben gelangt sein kann ; und vielleicht trug er sie nur für den Fall bei sich, daß er das Portefeuille ein­mal verlieren könnte, um den Verdacht auf einen Unschuldigen zu lenken."

Gewiß, gewiß", bestätigte der Kommerzienrath. Tausend Möglichkeiten öffnen sich uns da; wenn Eduard leugnet. Aber ich glaube kaum, daß er es thun wird, daß er es kann. Es wird schon irgend eine Verbindung mit dem Inhaber des Portefeuilles bestehen, wenn auch eine ganz harmlose."

Duprat nahm seinen Hut.

Noch Eins!" sagte er.Und die natürlichste Erklärung, wie der Falschmünzer noch anders als durch Herrn Eduard zu der Karte gekommen sein kann. Ihr Herr Sohn hat eine ausgebreitete Damenbekanntschast, und schon oft mag er seine Karten an Thüren abgegeben haben, welche sich neben ihm auch noch anderen Anbetern öffnen. Begreifen Sie?"

Vollkommen. Wir werden uns das merken für den Fall, daß Eduard selbst nicht wissen sollte, wem er die Karte gegeben. Natürlich beobachten Die hierüber das größte Stillschweigen."

Gegen wen sollte ich eine Aeußerung darüber thun?"

Und wenn der Kommißar Ihnen auflauern oder Sie besuchen sollte"

Wird er an mir einen Menschen finden, welcher für seinen Herrn auch dann noch schweigt, wenn dieses Schweigen ihm selbst Gefahr bringen sollte."

Duprat ging.

Ein prächtiger Mensch!" sprach Etwold still be­wundernd für sich.Es drängt mich, ihn noch enger an mich zu fesseln und ihm'mein ganzes Herz aus­zuschütten. Vielleicht ist er noch der Einzige, der mir zu rächen und zu helfen weiß. Ich werde es erwägen."

11. Kapitel.

Minen und Gegenminen.

Duprat war kaum außer Sehweite des Etwold'schen Hauses, so warf er sich in einen Miethwagen und befahl dem Kutscher, eiligst nach der Promenaden­straße zu fahren, j

Dryden, der den Wagen hatte halten hören, eilte zum Fenster. Das dampfende Roß und die Hast, mit welcher Duprat zum Haus herein trat, erfüllte ihn mit banger Besorgniß. Er hatte seinen Freund nicht vor Abend zurückerwartet, und nun war es noch nicht zwölf Uhr.

Duprat?!" hauchte er, als Jener ihm im Salon entgegen trat.

Still!" entgegnete der.Franz ist draußen. Ich werde ihn wegschicken, dann sollst Du Alles hören."

Gutes oder Böses?"

Beides gemischt, wie es das Leben so bringt."

Er eilte hinaus und kehrte nicht eher zurück, bis Franz das Haus verlassen hatte.

Nun?" fragte.Dryden, der seine Rückkehr mit Ungeduld erwartet hatte.

Dein Portefeuille ist gesunden und befindet sich in den Händen der Polizei."

Also das Schlimmste!"

In diesem Fall aber das Beste, was geschehen konnte, wenigstens für die Realisirung unserer Pläne mit Etwold."

Inwiefern?"

Du warst zuletzt statt meiner in M.?"

Bei Eduard."

Natürlich. Er besuchte Dich in Deinem Hotel, fand Dich nicht und hinterließ Dir seine Karte?"

Nein, umgekehrt. Er war nicht da, als ich kam, und hinterließ bei ihm meine Karte."

Duprat ließ einen leisen Pfiff ertönen.

Wenn auch", sagte er dann.Er hat die Höf­lichkeit erwidert und seine Karte zu Dir hineinge­schickt."

Nichts Derartiges. Er war gar nicht bei mir, wohl aber ich mehrmals bei ihm."

Und da stecktest Du mit Absicht oder in Ge­danken seine Karte ein?"