Hießener Jamilienblätter.
Belletristisches BeLdlatt Mm Gießerm Akzeiger.
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44, Dienstag hen 13. April. 1856.
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Die Katschmünzer.
Eriminal-Roman von Gustav Lössel.
(Fortsetzung).
Dem Kommerzienrath gegenüber wallte er diesen Vorwurf nicht gelten lassen. „Das hätte ich auf anderem Wege wohl auch noch erfahren können", sagte er.
„Aber nicht so rasch und bequem wie durch mich", versetzte höhnend der Andere.
Der Kommissar zuckte die Achseln.
„Ich könnte Sie sogar zur Nennung des gegenwärtigen Aufenthaltsortes Ihres Sohnes zwingen", sagte er. „Aber ich vermeide gern jeden Zwang, wo ich auf gütlichem Wege zum Ziele gelangen kann."
„Und ich könnte Ihnen dann antworten, mein Sohn ist verreist und sein gegenwärtiger Aufenthalt mir unbekannt. Aber es liegt mir selbst zu viel an der Wiederherstellung von Eduard'« angegriffener Ehre, als daß ich Ihnen da noch Opposition machen sollte. Sie haben ganz recht, wenn Sie vermuthen, daß er mir sagen wird, was er Ihnen verschweigen könnte. Und ich werde ihm ein strenger, wenn auch gerechter Richter sein. Haben Sie die Sache schon weiter bekannt gemacht?"
„Nein."
„Gut denn. Ich werde heute meine dringendsten Geschäfte erledigen und morgen mit Ihnen zu meinem Sohne reisen."
„Wohin?"
„Das werde ich Ihnen dann sagen. Sie meinten selbst, daß seine Theilnahme an dem Verbrechen nur eine unbewußte, unbeabsichtigte gewesen sein könne, und ich möchte ihn gern vor unnützen Belästigungen bewahren."
Der Kommissar nahm die Miene eines Mannes an, der sich willenlos in sein Schicksal ergiebt. „Wie Sie meinen!" sagte er. „Und wann werden wir fahren?"
„Um neun Uhr Morgens."
Racheis machte eine Notiz.
„Ich werde zur Zeit hier sein."
Mit diesen Worten ging er wie er gekommen, mit einer leichten Verbeugung gegen den Kommerzienrath und einem forschenden Blick auf Duprat, dessen Vertrauensstellung ihm einen zweifelhaften Eindruck zu machen schien.
An der Thür wandte er sich plötzlich noch einmal um.
„Es bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung", sagte er, „daß Sie Ihren Sohn vorher von unserem Kommen nicht verständigen. Gerade die lieber« raschung führt in den meisten Fällen zum Ge- ständniß."
„Sie sprechen von meinem Sohne," entgegnete zornbebend der Kommerzienrath, „wie von einem erwiesenen Verbrecher. Ist das auch nicht zu weit gegangen?"
„Berühren wir das Gebiet der Befugnisse nicht weiter", sprach ablehnend der Kommissar. „Wir haben jeder unsere Ansicht von der Sache. Sie werden also Ihrem Sohn nicht unser Kommen avisiren?"
„Nein, nein, gewiß nicht; verlassen Sie sich darauf. Die Ueberraschung, ihn unschuldig zu finden, soll Ihnen werden."
„Ich hoffe es um Ihretwillen, Herr Kommerzienrath. Und nun nochmals — adieu!"
„Endlich!" murmelte Etwold, als Jener hinaus war. Er warf sich erschöpft in seinen Sessel und bedeckte die Augen mit der Hand. So saß er eine ganze Zeit. Plötzlich sprang er auf.
„Ah, Duprat I" sagte er, als wenn er sich erst jetzt wieder auf dessen Gegenwart besinne. „Nun, und was sagen Sie zu dem Auftreten dieses Menschen?"
„Ich finde es so grausam wie ungerechtfertigt", sprach dieser im Tone sanftester Entrüstung. „Herr Eduard ein Falschmünzer! Eher würde ich es glauben, wenn man mir selber ein solches Verbrechen zur Last legte."
„Nicht wahr?" stimmte der Kommerzienrath ein. „Es ist fast zum Lachen und wird nur dadurch ernst, daß die Polizei es ist, welche sich auf diesen albernen Gedanken verrannt hat. Sie entsinnen sich doch noch, was ich Ihnen, als wir das letzte Mal von Eduard sprachen, sagte. Sie verlangten seine Entfernung aus seinem Heimathlande —"
„Doch nur zeitweise", wandte Duprat schüchtern ein.
„Schon gut! Und ich antwortete Ihnen?" fuhr der Kommerzienrath eifrig fort: „In die Verbannung schickt man Verbrecher. Zum Verbrecher ist mein Sohn aber noch nicht herabgestiegen. Es wäre sein Letztes. Und sehen Sie, Duprat, so denke ich auch heute noch, nach Erhebung dieser schweren Anklage gegen Eduard. Er ist kein Verbrecher; und wenn er es jemals werden, wenn sich sein Umgang mit Falschmünzern bestätigen sollte, so


