Ausgabe 
13.3.1886
 
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kurz ab.Ich sagte schon einmal, daß dies mein ' Geheimniß bleiben müsse, und ich lasse mich auch zu | keinem Geständniß reizen. Ich kann nur wieder- ! holen Eduard muß noch weiter fort. Und da das meiner Ueberredung beim Alten nicht gelingt, muß Du Deinen Einfluß bei dem Sohn geltend machen, um ihn zu Etwas zu bewegen, das sein Verbleiben in der Heimath eben unmöglich macht."

Und das wäre?"

Ein Verbrechen."

Zu dem ich Eduard verleiten soll? Ich danke, mein Freund. Ich mag für Dich nicht die Kastanien aus dem Feuer holen, daß Du den Genuß davon haft und ich mir die Finger verbrenne. Dazu bin ich nicht dumm genug."

Ich wußte, daß Du mir das antworten würdest", entgegnete Duprat gelassen.Aber ich werde Dir den Beweis erbringen, daß Du erst recht dumm handelst, wenn Du meinen Plänen entgegen­wirkst."

Ich will Deinen Beweis nicht", rief der Baron aufspringend.Ich weiß Alles, was Du mir sagen könntest. Die Sache liegt ganz einfach so; wenn ich ein Verbrechen begehe, dann habe ich das be­ruhigende Bewußtsein, daß ein Geständniß nur von mir erlangt werden kann; und natürlich wache ich dann über meine Zunge, wie über jede meiner Hand- lungen. Wenn ich aber einen Anderen dazu ver­leite, so laufe ich jede Stunde Gefahr, durch seine Unbesonnenheit, seine Reue und was dergleichen mehr, verrathen zu werden; und Du weißt doch, daß der geistige Urheber eines Verbrechens schwerer bestraft wird, als der Verbrecher selbst."

Mit einem Wort, wir haben Furcht", spöttelte Duprat.

Nicht wo es mich allein betrifft!" entgegnete der Baron fest.Ich bebe vor keinem Verbrechen zurück, wo es mein Interesse zu fördern gilt. Aber mein Schicksal in die Hand eines Schwächeren legen nein."

Duprat lachte kalt und höhnisch.

(Fortsetzung folgt.)

Aelle Meise.

Humoristisches Bild aus dem heutigen Pariser Leben von Dr. F. Müller.

(Nachdruck verboten.)

Zu den besonderen Annehmlichkeiten der Welt­stadt Paris gehört es, sofort bei der Ankunft von einem zahlreichen Heere von Gaunern aller Art aufs Korn genommen zu werden, die unter der ehrbarsten Form, in allen möglichen angeblichen Stellungen sich dem Fremden nähern und dabei Uhr, Börse, Ringe, goldene Knöpfe, Gepäck re. im Auge behalten-

Zu den Fremden, die ftch bei dem höflich-freund­lichen Wesen dieser hilfsbereiten Geister keines Bösen versehen, gehörte ich nun gerade nicht, denn ich hatte Paris schon früher einmal 16 Monate lang bewohnt; dennoch begegnete es mir aber auf eine mir noch jetzt unerklärliche Weise, daß unter meinen eigenen Augen einer meiner Koffer davonging und gerade der, in welchem sich meine sämmtliche Leibwäsche befand. Der freundliche Leser, der sich noch nicht in meiner Lage befand, kann sich keinen Begriff machen von dem unangenehmen Gefühle, sich sagen zu müssen, daß man gerade wie der armseligste Handwerksbursche bloß ein einziges mit Verlaub zu sagen Hemd besitze, das, welches man gerade trägt, und nach einer Reise unverzüglich zur schwarzen Wäsche zu besördern hat. Gerade die Wäsche und ihre Be­schaffenheit spielt aber im Menschenleben Europa's eine bedeutende Rolle und so empfand ich ein Gefühl der Verlassenheit, Oede und Hilflosigkeit wie lange nicht, seitdem überhaupt für meine Wäsche re. nicht mehr die Eltern sorgten.

In Paris etwas kaufen müssen, war mir auch nicht besonders verlockend und fröhlich stimmend, doch mußte es sein; vom Gasthofe aus machte ich mich auf nach einem bescheideneren Viertel, wo ich bei meinen Einkäufen nicht fürchten mußte, die Schau­fenster mit zu bezahlen. Da leuchtete mir ein Schild entgegen, auf dem mit vertrauenerweckenden Buch­staben die Worte standen: au vrai prix fixe. Das schien etwas Solides zu sein und der Art des Ge­schäftes nach nicht zu theuer. Ich trat ein. Ein fein gekleideter Verkäufer trat mir entgegen.

Ich möchte gern zu bescheidenem, festem Preise ein Hemd."

Sehr wohl, mein Herr, wir führen dieselben zu 20-300 Frcs!"Das Dutzend?"

Das Stück, mein Herr, das Stück."Ei, ei, das däncht mich doch ein wenig zu theuer."

O, mein Herr, das ist Ihr Ernst nicht; ein Hemd, wie ich es fertige, ist niemals zu theuer, kann gar nicht theuer genug sein, ist aber bei mir sehr billig. Betrachten Sie es erst. Sie wiffen ja selbst, daß "sich heutzutage d r elegante Mann lediglich noch durch die Wäsche vom Emporkömmling und der zweifelhaften Größe unterscheidet. Jeder Kommis des Vcktualiengeschäftes besitzt seinen Frack, wie ihn der Minister trägt, und auch so lange er 50 Sous auftreiben kann, seine Glaces. Rothschild und Foult besitzen sicherlich keinen beffern Cylinderhut als der gewöhnlichste Diener der Spielhäuser. Das alles ist eine traurige aber wahre Thatsache. Was bleibt dem wirklich gediegenen Manne von Besitz anders übrig, als holländische Leinwand? Mit einem Worte, mein Herr, nie ist ein wahrerer Ausspruch gethan worden, als vorige Woche in unferm Veremsabend, da einer meiner Geschäftsfreunde es laut verkündete: Nicht die Kleider, das Hemd ist der Mann."

Aber da müffen Sie auch wohl prachtvolle Hemden führen."

Wahre Wunderhemhen! sage ich Ihnen. Mm