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entfett, und über die gesetzte Zeit außen bleibet, auch man nicht erfahren kann, wie cs um sie stehe, ob sie lebendig oder tobt, so nimb ein Kraut, Heist in denen Kräuterbücheren Telephium, item Crassula, zu teutsch Wundkraut, Fettehenne, an etlichen Orten nennt mans Knäbleins Kraut, doch ist es kein orchis oder species satyrii das sonst in Kräuterbüchern Knaben Kraut genennet wird, hat dicke feste Blätter, an den Wurtzeln viel Knoten, und wächst bei zwei Spannen hoch, von diesem Kraut brich einen Stengel ab, und stecke ihn unter des Hauses Dach, ea anima intentione, an einen Oct hin; ist es fache, daß die Person am Leben, so sährt das Kraut also abgc- krochen an, noch fort zu wachsen, bei einer Hand lang, bleibet eine Zeit lang grüne und gewinnet neroe Blätterlein, von oben hinaus, wie wohl die untersten immer sachtsam verwelken. Wo ober die Person nicht am Leben: so geschiehet dieses nicht, sondern das Kraut sährt bald an zu verwelken und
an, worüber sie allsogleich Pferdegestalt annahm; er nicht faul, fchwingt sich hinauf, und reitet so nach Hause, allwo er das neue Pferd i« den Stall ein- stellt und feinem Herrn am Morgen die Aquisition mitlheilt. Dieser wundert sich über den prächtigen Bau des Pferdes und befiehlt dem Knecht, dem Thiere den Zaum abzunehmen. Kaum ist dies geschehen, so steht statt des Pferdes seine Frau vor ihm; beide haben dem Knechte streng verboten, auch reichlich zu diesem Ende mit Geld beschenkt, damit er nichts von der ganzen Geschichte erzähle. Sie ist aber dennoch von dem Knechte dem Baron Valvasor erzählt und von diesem dem Herausgeber der lustigen Schaubühne mitgetheilt worden. Wahrscheinlich hat Herr Valvasor oder Erasmus Franciscr nur ein altes arabisches Märchen etwas anders er-
zu verdorren."
Solche Historien ließen sich ganze Bande voll sammeln,' besonders wenn man noch einiges H-xen- werk, welches nicht direkt mit der Liebe in Verbindung steht, hinzufügen wollte. Eine sehr hübsche Hexenfahrt, welche gegen Ende des 17. Jahrhunderts „wirklich" passirl sein soll, wollen wir noch erzählen, da sie wohl nur wenigen Lesern bekannt sein dürste: Eine Fran von adeliger Abstammung hat bei ihrcnHexen- fahrlen nebst anderen „Gabelpostillioninnen"und „Bocks- reilerinnen" auch ihres Mannes Reitknecht, wenn er im Schlafe lag, aufgeräumt und ist dann auf ihm, gleich wie auf einem Pferde davon geritten, indem er durch den zauberischen Zaum wirklich Noßgestalt anzunehmen gezwungen war und sie aufsitzen lasten mußte. Es hat sich aber einmal während des Hexentanz's der Knecht abgezäumt, dadurch feine ursprüngliche Gestalt wieder gewonnen und, wie die Frau kommt um heim zu reiten, springt er ge-
junge Mädchen sind, täuschte die Dienerin den Lieb- ] Haber und gab ihm anstatt von der verlangten, Milch von einer im Hause befindlichen Ziege. Da er nun ohne Zweifel die Milch zu einer Hexe gebracht hatte, so war die Folge davon, daß nun die Ziege dem armen Liebhaber überall folgte sogar bis in die Kirche, so „daß er des Thieres nit ledig werden konnte", bis er es kaufte und schlachtete. Einem zweiten ging es mit einer Sau gerade so.
Noch wunderbarer erging es einer verliebten Frau im Jahre 1620 zu Prag. Dort lebte ein Obrist mit der Frau eines Anderen, „den er durch eine Kugel entfernt hatte", in wilder Ehe. Nachdem er von seiner Geliebten einen Sohn erhalten hatte, welchen er erziehen ließ und zu seinem Erben einzusetzen versprach, wurde er in seiner Liebe kühler, und verließ die Frau endlich. Sie aber wollte die Hoffnung nicht aufgeben, endlich noch Frau Obristin zu werden, und wandte sich deshalb an eine Zauberin, damit diese ihr die Liebe des Obristen wieder verschaffe. Diese versprach Hülfe, w nn die Frau ein Härlein des Obristen verschaffen könne. Die Frau wendet sich nun an den Bedienten ihres früheren Geliebten und versprach ihm 12 Thaler, wenn er ihm etliche von den Haaren seines Herrn, so täglich im Kamme blieben, verschaffte. Der Bediente, welcher wohl wußte, was sie mit den Haaren wollte, verweigerte mehrmals ihre Bitte zu erfüllen, wollte gleichwohl die 12 Thaler nicht gerne fahren lasten, er gab ihr deshalb etliche Haare von einer allen Bärenhaut, welche an Schwärze
Arme und ans Herz sank.
Liebende Gattinen, Bräute oder Mütter konnten früher leicht erfahren, ob der in der Ferne weilende theure Angehörige noch lebe, oder nicht, was bei der schlechten Posteinrichtung, und dem gänzlichen Mangel an Eisenbahnen, Telegraph- oder Telephonverbindung nicht zu unterschätzen war.
Allerdings wirkte das Mittel nur bei reichen oder wohlhabenden Leuten, weil es dringend nöthig war, daß die Personen, nach deren Leben man sich erkundigen wollte, entweder Hausbesitzer ober doch ein Kind eines Hausbesitzers sei. Der alte Martin Schmuck, Lieentiar der Artzeney zu Leipzig, sagt darüber 16 2: „Wenn jemand aus einem Hause, es sei Vatter, Mutter, Tochter ober Sohn, denn die Person muß ein Erbe desselbigen Hauses sein, ver
zählt, als wie der Urtext lautet.
Hermann Beck er.
Redaction: 81. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.
denen seines Herrn glichen. Voll Freude nimmt die Frau diese Haare als einen großen Schatz an, und trägt sie zu der Hexe, welche meint, da sie einen so starken Faden habe, werde es ihr gelingen den Obristen wieder ins Garn zu locken." Sie verfährt also mit den Haaren nach den Regeln der Kunst. Der Erfolg worein überraschender: In der Nacht, als der Bediente des Obristen mit dem kleinen Knaben auf der Bärenhaut ruht, öffnet sich das Fenster, ein schwarzes Gespenst , -....... x ? Q .
reifst ihm den Bärenbalg unter dem Leibe weg und schwinde auf sie ju unb legte ^ ^n Zaabör-Zaum fährt damit aus dem Fenster. Die verliebte, Frau war aber nicht wenig erschrocken, als sich in der Nacht das Fenster öffnete, und wie sie meinte, der Obrist käme, ihr nur besten altes Bärenfell in die


