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Getränkes zu Ehren Pillan's auf die Erde und ebenso einige Tropfen Blut von bei ähnlichen Ge­legenheiten geschlachteten Thieren. Mit Ausnahme einiger abergläubischer Zeremonien bei Krankheit und anderen Unglücksfällen scheint dies der ganze arau- canische Cultus zu sein, welcher auch keine Priester, keine Tempel und keine heiligen Haine kennt und stehen die Araucaner in diesem Punkte vielleicht einzig unter allen übrigen Völkern da.

Der wenig entwickelte religiöse Sinn erscheint bei den Araucanern um so merkwürdiger, als sie unläugbar ein geistig begabtes Volk sind und, wie schon erwähnt, sich alle die ihnen vortheilhaft dünkenden Neuerungen, welche ihnen die immer mächtiger gegen ihr Gebiet herandrängende Zivili- sation brachte, rasch angeeignet haben. Sie wohnen nicht, wie fast alle anderen Jndianerstämme in Hütten oder Zelten von Rinde, Fellen u. bergt, sondern in einstöckigen Häusern, welche aus ge­brannten Steinen ziemlich fest aufgeführt und von Vorrathshäusern umgeben sind, während eine Art Palifsadenzaun das Ganze einschließt. Die Häuser der Wohlhabenderen sind sogar mit Glasfenstern versehen, überall aber herrscht große Reinlichkeit, was doch sonst mit den indianischen Gepflogenheiten gerade nicht im Einklänge steht. Man findet unter den Araucanern mancherlei Handwerke, die sie sich im Verkehr mit den Weißen rasch angeeignet haben, sie sind jedoch auch verhältnißmäßig gute Ackerbauer, wenngleich sie sich hierbei mit noch ziemlich primitiven Werkzeugen behelfen; sie gelten aber auch als vor­treffliche Jäger und Reiter und namentlich in letzterem Punkte übertreffen sie ihre Nachbarn, die Chilenen, noch bedeutend, obgleich doch letztere als die vorzüglichsten Reiter der Welt betrachtet werden.

Von den Weißen sind den Araucanern schon längst die Feuerwaffen überkommen, aber das Haupt­stück in ihrer kriegerischen Ausrüstung bleibt doch die wohl zwanzig Fuß lange Lanze, welche ein un- behülfliches Werkzeug bei einem Weißen, in den Händen eines Araucaners zu einer furchtbaren Waffe wird. Dieselbe ist aus dem leichten Rohr der Colique, einer Bambusart, verfertigt und hat ohn- weit der Spitze kaum noch eine Stärke von einigen Linien. Aber der Araucaner fängt mit dieser dünnen Spitze einen in die Lust geworfenen Apf-l auf und während er sie nur ein paar Zentimeter in die Frucht einbringen läßt, durchbohrt er ein ander Mal den stärksten Mann mit derselben Leichtigkeit und ist im Stande, eine erbsengroße Stelle am Körper seines Feindes, die er bezeichnet, zu '.reffen. Dabei ist diese Lanze auf keinerlei Weise zu pariren. Der Araucaner versetzt beim Angriffe den dünnen und schwankenden vorderen Theil der Waffe in eine rotireude Bewegung, so daß man keine Spitze, sondern eine sich drehende Scheibe zu sehen glaubt, aber der Indianer trifft seinen Gegner mit einer leichten, kaum sichtbaren, schnellenden Bewegung des Handgelenkes. Der

Araucaner pflegt beim Reiten an einem dünnen, vom Sattel bis zur Erde niederhängenden Leder­riemen die Lanze am Boden nachzuschleifen, die er aber beim Angriff mit unglaublicher Gewandtheit aufzunehmen versteht. Mit wüthender Schnelligkeit sprengt er auf seinen Gegner los, indem er hierbei bemüht ist, sich durchaus keine Blöße zu geben, denn er klammert sich an Gurt, Schweif und Mähne seines Pferdes an und in dieser fast unmöglichen Stellung versteht es der Araucaner dennoch, dem Feinde die lange Lanze mit unfehlbarer Sicherheit zuzusenden.

Die Araucaner sind hoch und kräftig gewachsen und wenngleich sie auch die riesenhaften Proportionen der eigentlichen Pampasindianer, der Tehuelchen, Puelchen u. s. w. nicht erreichen, so beträgt ihre durchschnittliche Größe doch 1,8 Meter. Ihre Farbe ist hellbraun, im Gegensatz zu der dunkelbräunlichen Hautfarbe der Pampasindianer, die Haare sind, wie bei allen Jndianerstämmen, lang, stark und schwarz; im Uebrigen erscheint der Körper durchaus wohl­gebildet.

Das araucanische Gebiet wird von seinen Be­wohnern selbst in vier Provinzen geiheilt, die wieder in eine Anzahl Districte zerfallen, deren jeder von einem Stamm mit erblichem Häuptling bewohnt wird. Sämmtliche Häuptlinge (Apo-uelmes) sprechen Recht, empfangen jedoch keinen Tribut, sind von einander unabhängig und einander in politischer Beziehung durchaus gleichgestellt, lieber den Häupt­lingen steht der von ihnen gewählte Toqni, das Ober­haupt der Provinz und die vier Toquis bilden zu­sammen den Friedensrath, die eigentliche Landes- regierung. An der Spitze des Friedensrathes wiederum steht der von den Toquis aus den weisesten und angesehnsten Männern der gejammten Nation gewählte Großtoqui, der bei wichtigen Fragen eine Art Landesversammlung zur Begutachtung, aber nicht zur Entscheidung einberuft. In Kriegszeiten ersetzt den Friedensrat h ein Kriegsrath mit unbe­schränkter Machtbesugniß und erst nach Beendigung des Krieges giebt er seine Rechte wieder an den Friedcnsrath ab. Eigentliche Gesetze existiren unter den Araucanern nicht, aber alte Gebräuche und Traditionen werden heilig gehalten; Verbrechen scheinen unter diesem Jndianervolke sehr selten vor­zukommen, während es die Araucaner allerdings nicht verschmähten, auf ihren bis in die neueste Zeit in das chilenische Gebiet unternommenen Streifzügen allerlei Kostbarkeiten und Geld, dessen Werth sie sehr wohl zu würdigen wissen dann auch Pferde und Waffen, dann und wann selbst Frauen und Mädchen zusammenzurauben, lieber das häusliche Leben der Araucaner, die Stellung der Frauen bei ihnen u. s. w. liegen nur sehr mangelhafte Berichte vor, da diese Indianer gegen Fremde sehr mißtrauisch sind und Reisenden nur selten gestatten, längere Zeit in ihrem Gebiete zu weilen.

Redaction: A. Schcyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.