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ausgenommen und gesungen wurden. Em Kreis namentlich, der sich den „Engern" nannte und durchweg aus gebildeten, lebenslustigen Männern bestand, fesselte ihn. Derselbe, besten Gründer und Präsident der geistvolle Historiker Ludwig Häusser war, pflegte sich alle Mittwoch-Abende zu „löblichem Thun" zu versammeln. Wie vergnügt es da zuging, das verräth uns Scheffel selbst. In seiner präcktigen „Widmung", die er seiner Liedersammlung „Gaudeamus“ vorausschickt, sagt er nämlich bezüglich des ihn er- stillenden Genius:
WaZ er mich lehrte, bracht' ich in den Engern, Wo eine treubewährte Freundesschar
Den Mittwoch in den Donnerstag zu längern Bei goldnem Rheinwein oft beflissen war.
Da siel's nicht schwer, die Saiten hell zu schlagen, Selbst würdige Pfarrherrn wurden singend laut, Wenn uns ein Meister, dessen Tod wir klagen, Mit kundiger Hand den Maientrank gebraut.
Zwei Kesselpauken dienten als Orchester, Und eines Ofenschirms gewalztes Blech, Das dröhnte oft zum Rundgesange fester Denn Meeressturm und wilden Heers Gezech.
Für diesen fidelen Kreis bestieg er namentlich seinen Pegasus und schuf jene bekannten, durch ebenso originellen wie drastischen Humor ausgezeichneten Gesellschasts- und Trinklieder, welche unter dem Namen „Lieder aus dem Engern in Heidelberg" zusammengefaßt, damals in jenen Privatkreisen und Cirkeln, über die sie freilich wenig hin- auskamen, mit immer steigendem Vergnügen nach Melodien gesungen wurden, die von einem Mit- gliede des „Engern", dem Pfarrer Schmezer, zum Theil mit Benutzung anderer Liedermelodien componirt waren.
Selbstverständlich wanderten, als Scheffel im Jahre 1857 nach Donaueschingen als Bibliothekar des Fürsten von Fürstenberg übersiedelte, mit ihm auch seine frohen Lieder dorthin. Daselbst wurden sie mit gleichem Jubel im engern Kreise seiner neuen Freunde gesungen. Daß sie auch bei irgend einer Festlichkeit zum Vortrage gekommen sind, geht daraus hervor, daß eine Anzahl von Exemplaren im Wege der Lithographie hergestellt worden ist. Man munkelt auch, daß dieselben damals mit Vorliebe nach der bekannten elegischen Melodie: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten", vom Chorus gesungen worden sein sollen.
Man hatte aber dabei doch gemerkt, daß diese Lieder ein befferes Loos verdienten, als nur in kleinen Privatcirkeln begraben zu sein, und darum sandte man sie später an den Verleger des von SilcherundErkherausgegebenen „Allgemeinen Deutschen Commersbuchs" in Lahr zur Aufnahme in dasselbe. Dieser erkannte sofort, daß ihm in diesen Liedern wahre Perlen vorgelegt worden seien, und da er wußte, daß Scheffel mit dem „Paukdoktor" Im mis ch in Heidelberg in Verbindung stand, so suchte er zunächst diesen auf, um mit dem
selben über die weiter zu ergreifenden Schritte sich zu besprechen. Der Doktor, deffen Interesse für das beabsichtigte Unternehmen sogleich rege wurde, rieth ihm, sich an den Verlagsbuchhändler Meder in Heidelberg zu wenden, der bereits ein Heft „Lieder aus dem Engern in Heidelberg" herausgegeben hatte. Wie gesagt, so gethan. Mit dem festen Vorsatze, diese Lieder in seinen Besitz zu bringen, begab sich Herr Schauenburg an die genannte Stelle, und das Geschick war ihm günstig. Vis dahin hatten nämlich die betreffenden Lieder im Mederschen Verlage wie eine bleierne Last auf Lager gelegen; sie waren wohl in kleinen Kreisen gesungen worden, zu allgemeiner Ausnahme aber waren sie nicht gelangt. Mit Leichtigkeit gelang es ihm daher, das Verlagsrecht der Lieder mit sämmtlichen Vorräthen von Meder zu erwerben.
Aber noch mußte mehr gethan werden.
Unweit Heidelberg, in dem freundlichen Dorfe Ziegelhausen am Neckar, lebte damals als würdiger Seelsorger seiner Gemeinde, der vorgenannte Pfarrer Schmezer. Er war kein einseitiger Theologe, sondern ein allseitig gebildeter Herr und namentlich ein tüchtiger Naturforscher, dabei ein trinkbarer Mann, kernig, jovial, witzig und geistreich. Kein Wunder daher, daß Scheffel an der ihm verwandten Natur Gefallen fand, als er ihn im „Engern" kennen lernte" und namentlich ein eifriger Hörer seiner naturwiffenschaftlichen Vorträge wurde, die derselbe öfters in Heidelberg hielt. Haben doch diese Vorträge ihm ebenfalls Anregung gegeben zu der Reihe jener köstlichen, „natur-gefchicht- lichen" Lieder, von denen namentlich das „vom letzten Ichthyosaurus" genannt zu werden verdient, das z. B. in dem heitern Abendcirkel der geologischen Sektion der im Sommer 1861 in Karlsruhe tagenden deutschen Naturforschergesellschaft von Schmezer mit sonorer Stimme vorgetragen wurde und wahrhaft Furore machte. „Allabendlich", so heißt es darüber in einem Bericht der „Karlsruher Ztg.", „gesungen und wieder gesungen, hat es (gleich einigen andern) jeweils einen lawinen- haften Beifall hervorgerufen." Bei Schmezer fand Scheffel das tiefinnerlichste Verständniß seiner Lieder und deshalb war es ihm Herzensbedürfniß, dem Freunde, der überdies in der hohen Kunst der edlen Musica Meister war, jedes neue Produkt seiner Muse zuzusenden. Ja er hat auch in später» Liedern, die in seiner bereits erwähnten Liedersammlung „Gaudeamus“ sich finden, auf Schmezer Bezug genommen, dabei aber mit taktvoller Rücksicht seinen Wohnort bald „Aßmanshausen", bald „Tieftrunk- Hausen" genannt. So lautet z. B. die erste Strophe des Liedes „Heimkehr":
Der Pfarrer von Aßmannshausen sprach: „Die Welt steckt tief in Sünden, Doch wo der Meister Josephus steckt, Weiß keiner mir zu künden."
(Fortsetzung folgt.)
Kedsction: N. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühk'schen Druckerei (Fr. Ehr, Pietsch) in Gießen.


