<70

den er hatte vernichten wollen, und der noch eben | seines Lobes so voll gewesen! Er hätte sich auf den I Kommissar stürzen und ihn mit kaltem Blute er- I morden können, um sich von diesem Schicksal zu | retten. Aber daran war ja nicht zu denken. Hier I hieß es Zähne auf einander und seinem Verhängniß I die Stirne geboten.

Nun, Herr Duprat", sagte der Kommissar, ! Sie betrachten die Tasche ja mit ganz merkwürdigen | Blicken. Selbstverständlich buche ich das als eine Bestätigung meiner Ansicht, daß Sie dieselbe genau kennen. Und von dem Inhalt was sagen Sie da? Auch Nichts? Also den kennen Sie auch "

Halt da, mein Herr!" brach es endlich von Duprats Lippen.Sie sprachen mit so vieler Zu­versicht, daß man selbst ganz perplex wird und nicht gleich weiß, wem man mehr zutrauen soll, seinem eigenen Urtheil oder dem Ihrigen."

So. Für einen Kommissar recht schmeichelhaft", | sagte der Andere sarkastisch.Mein Urtheil also kennen Sie. Nun das Ihrige?"

Ist dem Ihrigen diametral entgegengesetzt. Ich kenne diese Tasche nicht und ihr Inhalt ist mir erst vollends unbekannt."

So? Nun das Portefeuille enthält zum Glück nicht bloß Banknoten, sondern auch noch Etwas, das mit unabweisbarer Sicherheit auf den Inhaber oder Verlierer desselben deutet. Und wenn Sie, meine Herren, denselben nicht kennen oder nennen wollen, so haben Sie jedenfalls Ihre besonderen Gründe hierfür. Ehe ich Ihnen nun dieses legitimirende Papier vorweise, frage ich Sie nochmals auf Ehre und Gewissen, kennen Sie diese Tasche und ihren Inhalt oder nicht?"

Nein", tönte es einstimmig aus Eiwold's und Duprat's Munde.Nur ableugnen", dachte Letzterer. Ein an sich selbst adressirtes Couvert ist gravirend, aber kein so unleugbares Beweismittel wie er mich glauben machen möchte."

Der Kommissar öffnete jetzt das Portefeuille und entnahm einer Tasche desselben eine Karte, welche er mit überlegenem Lächeln und einer leichten Ver­beugung dem Kommerzienrath überreichte.

Dieser hatte kaum einen Blick auf die goldum­randete Karte geworfen, als er befremdet zu­rücktrat.

Die Karte meines Sohnes?" sagte er mit einem unsicheren Blick auf den Kommissar. Derselbe verneigte sich.

Wo haben Sie dieses Portefeuille gefunden?" fragte der Kommerzienrath.

An einem Ort", entgegnete der Kommissar, an welchem Ihr Herr Sohn besser nicht gesehen worden wäre, und in einer Gesellschaft, welche aus der Hefe des Volkes sich zusammensetzt."

Mein Sohn?" sagte mit gezwungenem Lachen der Kommerzienrath.Zum Glück befindet fich derselbe so viele Meilen weit weg, daß er gerade Siebenmeilenstiefel zur Verfügung haben müßte, um Ihrer Vermuthung gerecht zu werden."

Das ist doch die Karte Ihres Herrn Sohnes?" fragte der Kommissar.

Allerdings", entgegnete Etwold.Ich glaube wenigstens. Was meinen Sie, Duprat?"

Ja, die Karte Herrn Eduard's ist es", gestand dieser zögernd zu.Ich habe selbst solche Karten bei ihm gesehen."

Das also zugegeben", fiel der Kommerzienrath erregt ein.Was beweist Das?"

Das beweist zum mindesten", entgegnete der Kommissar,daß Ihr Herr Sohn, wenn auch nicht selbst der Eigenthümer des Portefeuilles, respektive der Verlierer desselben, doch ein Freund und zwar ein intimer Freund des Letzteren ist. Er hat ihn einmal besucht und nicht zu Hause gefunden. Er hinterließ seine Karte, die der Andere dann zu sich steckte. Was giebt es Natürlicheres als Das? Be­greifen Sie nicht, Herr Duprat?"

Vollkommen", erwiderte dieser mit mühsam verhaltener Freude. Er hatte sich selbst gefährdet gewähnt, und nun war es durch einen Zufall gerade derjenige Mensch, auf dessen moralische Vernichtung er zunächst mit allen Mitteln hingewirkt hatte, ohne sie ganz zu erreichen. Der Umschlag in Duprats Stimmung von tiefster Verzweiflung zur heitersten Sorglosigkeit läßt sich hiernach bemessen.

Also von jenem Menschen", nahm der Kommer­zienrath wieder das Wort,dem mein Sohn angeb­lich feine Karte übergeben haben soll! Wer und was ist er, um Ihre Worte von vorhin zu recht­fertigen?"

Wer?" erwiderte der Kommissar.Das werden wir wohl nur von Ihrem Herrn Sohn eruiren können. Was? Das ist eine Frage, welche dieses Portefeuille beantwortet, sowohl durch den Ort, an welchem es gefunden, wie durch die Umstände, unter denen es verloren wurde."

Das betonten Sie schon einmal", sprach Etwold ärgerlich.Ich darf wohl endlich um eine nähere I Erklärung bitten."

Gern bereit. Hoffe nur, daß Sie meine Offenheit entschuldigen werden. Herr Duprat hier."

Nimmt keinen Anstoß an dem, was Sie sagen werden", warf der Kommerzienrath spöttisch ein. Wir sind Geschäftsleute Beide, und Haffen Nichts so sehr als gewundene und gedrechselte Er­klärungen. Gerade heute ist soviel zu thun, daß, wie Sie sehen, Herr Duprat trotz einer Verletzung seiner rechten Hand, anwesend zu sein gezwungen ist; und das dürfte mit Noihwendigkeit zu einem abge­kürzten Verfahren Veranlassung geben. Wenn Sie also die Liebenswürdigkeit haben wollten, mir den Fall ohne alle Schonung auseinanderzusetzen, so könnten wir um so eher in die Berathung desselben treten. Wir sind hier wirklich sehr beschäftigt."

Als von Duprat's verletzter Hand die Rede war, schwand auf einen Augenblick der Ausdruck heiterer Sorglosigkeit von dessen Antlitz, und er zuckte mit der verbundenen Hand zurück, während der Kommissar seinen Blick daraus richtete. Sonst