Ausgabe 
8.5.1886
 
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sorgenvolles Auge in die Nacht hinaus gerichtet. Eduard kam nicht. Plötzlich fiel es ihr ein, daß er sie vor ihrer Thür erwarten könne, und nun machte sie sich eiligst auf den Heimweg.

Auf dem Wege traf sie ihren Verlobten nicht und auch nicht vor ihrem Hause, so lange sie dort auch wartete.

Hedwig's Angst um ihn wuchs mit jeder ver­fliegenden Minute. Hatte man ihn schon ergriffen? War er ihrem Nath gefolgt und gleich weiter ge­flüchtet? Sie wußte es nicht, und der Morgen konnte ihr erst Antwort geben.

Ihre Mutter schalt wegen ihres verspäteten Ausbleibens, aber Hedwig achtete dessen nicht. Ihr Herz war zum Brechen voll, und doch hatte sie den Muth nicht, sich ihrer Mutter anzuvertrauen. Sie ließ ihr Abendbrot unberührt und verbrachte die Nacht schlaflos auf ihrem Lager.

Am andern Morgen hoffte sie ein Lebenszeichen oder eine ausführliche Nachricht von Eduard zu er­halten. Aber nein. Der Briefträger ging an ihrer Thür vorüber, und sonst kam auch Niemand, um mit ihr wegen Eduard zu sprechen.

In ihrer Herzensangst begab sich Hedwig nach der Probe zu ihrer Freundin Ida Edler, welche sie ebenfalls in banger Erwartung empfing.

Nun?" fragte diese, als sie in Jda's kleinem Zimmer allein waren.Hat Eduard die Warnung noch rechtzeitig erhalten? Ist er geflohen?"

Hedwig brach in Thränen aus und erzählte ihrer Freundin dann bruchstückweise und unter Thränen von ihrer letztnächtigen Begegnung mit Eduard und welche^Angst sie nun um ihn habe.

(Fortsetzung folgt.)

James Wompson's Wraulfaßrt.

(Humoreske aus dem amerikanischen Westen.)

(Fortsetzung.)

Der junge Thompson schritt mit diesem Ent- schluffe rasch aus dem Garten und bog wieder nach dem Wohnhause hinüber, wo er Mr. Briar gerade allein in der Wohnstube traf. Ohne Umstände trat James auf den Farmer zu und sagte:

Mr. Briar, Sie werden vielleicht den Zweck meines Besuches schon geahnt haben und es wird Sie darum wohl nicht überraschen, wenn ich Ihnen gestehe, daß ich mich mit Wissen und Willen meines Vaters auf der Brautschau befinde und ... . und Miß Ellen hat auf mich einen so günstigen Ein­druck gemacht, daß ich Sie bitten möchte, für mich bei ihr ein gutes Wort einzulegen."

Nun war's heraus und viel beffer war's auch gegangen, als sich's James gedacht hatte und er athmete daher tief auf, aber er bekam einen ordent­

lichen Schreck, als der alte Briar mit einem gewissen Ernst seine Hrnd ergriff und erwiderte:

Lieber James", ich brauche Ihnen wohl nicht extra zu versichern, wie hochwillkommen mir und Mrs. Briar Ihre Werbung unter anderen Um­ständen wäre, aber, es geht wahrhaftig nicht und und ja, James, ich will es Ihnen gleich offen sagen: Sie kommen zu spät und zwar bei Ellen wie bei Sus.) .... bitte, bitte, junger Freund, bleiben Sie nur ruhig . . . beide haben sich beim letzten Picknick, das in Prinsley's Settlement statt­fand, versprochen, Susy mit Charles Smith, der einige Miles westlich vom Green Creek eine sehr hübsch eingerichtete Farm besitzt, und Ellen mit Edward Norton, dem ältesten Sohne des Friedens­richters in Ledgeville. Es kam mir und meiner Alten selber unerwartet, aber, was will man denn machen? Na, und daß die Mädels hier draußen bei uns zugreifen, wenn Einer kommt, der sie haben will, kann ich ihnen gerade auch nicht verdenken . . verdammt leid thut mir's freilich, James, daß Sie zu spät kommen."

Der alte Herr streckte bei diesen Worten dem ganz verdutzt d'reinschauenden unglücklichen Freier die Hand entgegen, die dieser wie mechanisch ergriff und schüttelte; dann jedoch raffte sich James auf, er fühlte, daß er hier nur eine lächerliche Rolle spielen würde. Kurz verabschiedete er sich daher von Mr. Briar die übrigen Familienmitglieder schienen merkwürdiger Weise irgendwo anders zu stecken nahm seine Waffen, zog sich selber seinen Mustang aus dem Schuppen, in welchem er das Pferd bei feiner Ankunft untergestellt hatte und galoppirte dann fort, einem rohen Wege folgend, der von Briars Farm dem Green Creek zu und an diesem Flüßchen aufwärts führte. Daß der junge Hinterwäldler von diesem eigenthümlichen Anfang seiner Brautfahrt nicht besonders erbaut war, läßt sich denken und er hatte daher einen Augenblick nicht übel Lust, umzukehren und wieder nach Haufe zu reiten. Jedenfalls würde er da aber seitens seines Alten" sine höchst ungnädige Aufnahme gefunden haben, auch fürchtete James den Spott seiner Brüder, denn er mußte dann doch bekennen, daß er bei Briar's Mädels das leere Nachsehen gehabt habe.

Der junge Thompson beschloß also, sich wenigstens die beiden anderen Ladies, von denen sein Vater gesprochen, anzusehen und dabei jedenfalls vorsichtig Erkundigungen einzuziehen, ob er hier nicht etwa auch zu spät käme. Thornton's Farm lag, wie James noch von Mr. Briar gehört, ziemlich,Weit oben am Green Creek selber, wo derselbe eine scharfe Biegung nach Süden in seinem bisherigen Laufe von Westen nach Osten macht. James mußte in der That bis in die Nachmittagsstunden reiten, ehe er die bezeichnete Biegung erreichte und nun Thorntons Farm aus einem recht stattlichen Blockhause mit mehreren umliegenden Baulichkeiten bestehend vor sich liegen sah. Der junge Mann ritt auf