Ausgabe 
8.5.1886
 
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bergen!" zischte er.Ob es da wohl Freund s Dryden nicht gefunden hätte? Der geheime Wand- | schrank ist das Werk eines ausgewanderten \ Mechanikers, ich verhalf ihm damit zu seinem Reise­geld. Nun soll mir Einer kommen und sagen, daß das Bild mehr als nur ein Bild ist!"

Er steckte das wieder aufgenommene Bündel in den Schrank und verschloß diesen. Dann drehte er das Bild zurück und drückte auf eine andere Ver­zierung. Hiernach saß es wieder fest an der Wand.

Ueberall wird man jetzt dieses verhängnißvolle Bündel suchen", sagte er mit leisem Lachen,nur nicht in dem Salon des Privatiers Viton."

Duprat nahm ein hastiges Mahl, besten besseren Theil er seinem Diener überließ, und entfernte sich dann, diesmal aber über die Haupttreppe und durch die Borderthür nach der Promenadenstraße. Er hatte vorher vsm Fenster aus rekognoscirt und sich überzeugt, daß das Haus unbewacht sei.

Er begab sich nun nach seiner Chambregarni- Wohnung bei Frau Neumann.

Er fand diese sehr besorgt um Dryden's Aus­bleiben.

Ja, denken Sie sich, liebe Frau Neumann", sagte er,welch ein Unglück uns durch diesen Menschen bedroht! Ich selbst bin ganz verzweifelt."

Was denn, was denn, bester Herr Duprat?" fragte die gute Frau erschreckt.Sie sagendiesen Menschen", und ich glaubte, Sie meinten Herrn Dryden, Ihren Freund."

Ach was Dryden!" polterte Duprat.Ein verkappter Anarchist ist er gewesen, der sich in mein Vertrauen geschlichen und es gründlich gemiß- braucht hat."

Ein Anarchist?" wiederholte Frau Neumann ausdruckslos.Was? der hübsche junge Mann, der so schöne Verse machte?"

Ein Königsmörder! Was weiß ich! Genug, er ist entflohen, wird verfolgt, gesucht, und wenn es jetzt heraus kommt, daß wir ihn hier beherbergt, wirft man uns Beide als seine muthmaßlichen Mit­verschworenen ins Gefängniß."

Gerechter Gott!" rief Frau Neumann, die Hände über den Kopf zusammenschlagend.Meine armen Kinder!" Sie war Wittwe.

Nicht wahr?" sagte Duprat kläglich.Die armen Waisen! Ja, es ist grauenvoll."

Frau Neumann starrte verzweifelt vor sich hin.

Und läßt sich das denn gar nicht abwenden, Herr Duprat?" fragte sie endlich.Ich möchte ja gern jedes Opfer"

Opfer?" warf Duprat siegesgewiß dazwischen. Ein Opfer, liebe Frau Neumann, brauchen Sie deshalb gar nicht zu bringen, es möchte Sie denn so schwer dünken, Ihre Zunge im Zaum, respektive reinen Mund zu halten."

Inwiefern das?"

Nun, sehr einfach. Sie wissen einfach Nichts von einem Herrn Dryden; Sie kennen keinen solchen, haben den Rainen niemals nennen gehört, und wenn

Ihr Herr ich selbst empfangen, mit wem ich verkehrt habe, wissen Sie nicht, da alle meine Be­suche von der Treppe direkt in meine Wohnung traten und sich auf demselben Wege wieder ent­fernten. Angemeldet ist ja der Herr bei der Polizei nicht, und könnte man nun höchstens bei Ihnen fragen, ob ein solcher Mensch mich besuchte oder nicht. Von seinem vorübergehenden Aufenthalt hier hat man keine Ahnung und wird Sie auch darnach nicht befragen."

Meinen Sie?" Frau Neumann schöpfte wieder Muth.

Gewiß nicht", versicherte Duprat.Wenn Sie nur darauf bestehen, daß Sie Nichts wissen, kann man Ihnen Nichts anhaben."

Und Sie?"

Ich sage natürlich dasselbe, werde aber gar nicht hier sein."

Sie verreisen wieder?"

Nein. Ich bin jetzt aber in unserem Hause so angestrengt thätig, daß ich einer Einladung meines Chefs folgen und dort auch schlafen werde, wenigstens für die nächste Zeit. Miethe bezahle ich

I natürlich wieder ein Vierteljahr pränumerando. Aber bester, wenn auf mich die Rede kommt, sagen Sie

I gar nichts von meinen längeren und häufigen Ab­wesenheiten. Sie kontroliren das Kommen und" Gehen Ihres Miethers nicht, erklären Sie, und was Sie sonst von mir gesehen haben, ist nur Gutes."

O, das kann ich ja auch mit gutem Gewissen sagen", versicherte Frau Neumann, der es nun viel weniger gefahrvoll schien, die Polizei zu düpiren, als einen so pünktlich zahlenden Mether zu ver­lieren.

Damit war denn der Weg zu einer raschen und vollkommenen Verständigung gebahnt, so daß Duprat auch nach dieser Richtung hin beruhigt sein konnte.

Er bezahlte seine Vierleljahrsmiethe gleich jetzt, obgleich man erst im Anfang des März war, und

I vernichtete dann bei verschlossenen Thüren und mit Hülfe des Ofenfeuers alle Erinnerungen an den Mitbewohner seines bescheidenen Quartiers.

Dies geschehen, ging er getrost hinweg und nach Etwold's Hause, wo ihm in der jetzigen bewegten Zeit ein freundlicher Empfang gewiß war. Was er da wollte, wissen wir, nämlich sich wie sein Schatten an Etwold's Fersen heften und sein Ein­dringen in den Keller verhindern, um die darin Eingesperrten durch Hunger zu tödten.

14. Kapitel.

Was Neubert entdeckte.

Vergeblich harrte Hedwig nach der Vorstellung der Rückkehr Eduard's. Sie hatte gehofft, daß er in der Nähe bleiben oder zur bestimmten Zeit noch einmal auf den Theaterplatz zurückkehren werde; aber dieser entleerte sich so rasch, wie er sich gefüllt hatte, und zuletzt stand Hedwig ganz allein da, ihr