Ausgabe 
7.10.1886
 
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hat er seine Taschen gefüllt, es war freilich nicht viel mehr in unseren Kaffen, nun aber sind sie ganz leer» Fort, stürzt das Scheusal in die Wolfs- schluchtl"

Der Referendar mußte trotz seiner eigenen Ver­stimmung unwillkürlich lächeln.

Das hätten Sie wohl voraursehen können", sagte er;ein Ende mit Schrecken mußte diese» Hazardspiel an der Börse nehmen."

Du sprichst ein großes Wort gelassen aus", er­widerte der Buchhalter kopfschüttelnd.Zwar sprach man in der jüngsten Zeit viel davon, daß unser Haus bedroht fei, aber wir hielten das für unnützes Geschwätz. Die schlechtesten Früchte sind es nicht, woran die Wespen nagen, und unser Chef verstand es, uns Alle zu täuschen. Gewagte Unternehmungen sind gar nicht gebucht werden; heute schon wurden Wechsel präsentirt, von denen wir keine Ahnung hatten. Das Ende mit Schrecken ist da und jetzt folgt ein Schrecken ohne Ende."

Das läßt sich freilich denken. Aber was haben Sie damit zu schaffen? Sie kann Niemand dafür verantwortlich machen; Sie treten aus und eröffnen Ihr eigenes Geschäft. Die Leichtgläubigen, die diesem vertraut haben"

Diese Leichtgläubigen werden nun die Schale ihres Zorns über uns ausgteßen! Man wird uns den Vorwurf machen, wir hätten uns an diesen Räubereien betheiligt; wie der Herr, so der Knecht, und wo ein Aa» ist, da sammeln sich die Adler. Kann ich jetzt aurtreten? Wird man mich nicht zwingen, die Bücher in Ordnung zu bringen und diesen Augiasstall zu reinigen? Das wäre eine Penelope-Arbeit, die mich Monate lang in Äthern halten könnte."

Dazu kann Niemand Sie zwingen, wenn Sie nicht freiwillig diese Arbeit übernehmen wollen. Sie werden über Dies oder Jene» Auskunft geben müffen, das ist Alles, was man gesetzlich von Ihnen verlangen darf."

Aber kann ich die Lästermäuler stopfen? Werben sie nicht behaupten, ich habe die Gelegenheit wahr­genommen und im Trüben gefischt, um mich selbst zu bereichern?"

Aus den Büchern muß ja hervorgehen, daß diese Behauptung jeder Begründung entbehrt."

Pah, was ich mir dafür kaufe! Das Papier sei geduldig, werden die Leute sagen, und ich kann'» nicht Jedem auf die Nase binden, daß mein Vater ein vermögender Mann ist, und daß ich von ihm das Kapital zur Gründung meiner Selbstständigkeit erhalten habe."

Wer Sie kennt"

Na, was die Schickung schickt, ertrage. Wer sich in Gefahr begiebt, kommt darin um. Ich hätte früher ein Ende machen sollen; nun muß ich dem Sturme, dem ich nicht mehr ausweichen kann, die Stirne bieten."

iuAber hat Ihr Chef denn gar Nicht» hinter-

"'?" fragte der Referendar.

Das Wenige verschwindet leicht dem Blick", erwiderte Maiwind achselzuckend.Wir hatten keine Ahnung von dieser plötzlichen Abreise; gestern noch sprach Morgenroth von neuen Unternehmungen, auf die er große Hoffnungen baute. Und heute Morgen fand ich auf meinem Pulte ein Billet, in dem er mir kurz anzeigt, er habe plötzlich eine Geschäftsreise antreten müssen und wisse nicht, wann er zurück­kehren werde. Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Ich ging zum Kassier; wir öffneten die eisernen Schränke und fanden weder goldene Aepfel, noch silberne Thaler. E» war Alle» fort, einige Pöste werthloser Aktien ausgenommen. Was thun? sprach Zeus. Aus Nichts hat Gott die Welt geschaffen, aber Wechsel kann man damit nicht bezahlen. Und schon eine Stunde später kamen die Wechsel, von denen wir Nichts wußten."

Sie haben die Zahlungen eingestellt?"

Eine Erklärung haben wir noch nicht gegeben; aber wir werden Sie morgen geben müssen!"

Der Schuft hätte schon heute verfolgt werden müssen!"

Lieber Freund und Kupferstecher, war wird bei dieser Verfolgung herauskommen? Nichts! Im besten Falle hat Morgenroth nur zwanzigtausend Thaler baares Geld mitgenommen; was von dieser verhält- nißmäßig kleinen Summe gerettet würde, wäre nur ein Wassertropfen."

Das kann mau nicht wissen", erwiderte der Referendar.Er kann schon früher große Summen bei Seite geschafft haben. Verfolgt muß er jeden­falls werden."

Na, wenn die Gläubiger das wollen, so mögen sie ee thun", sagte Maiwind; ,sie müssen heiden­mäßig viel Geld haben, um die Kosten decken zu können. Aber was die großen Summen betrifft, die Sie dadurch retten wollen, so existiren dieselben nur in Ihrer Phantasie! Morgenroth hat nie daran gedacht, daß da« Glück ihm einmal den Rücken wenden könne. Er hat in der ersten Zeit immer glücklich spekulirt und später unsinnig darauf los gewirthschaftet. Das eben ist der Fluch der bösen That, daß sie fortzeugend Böses muß gebären. Er hat Aktien gekauft, für die heute Niemand mehr einen Groschen gießt; er hat feine Verluste baar gedeckt, so lange seine Mittel ihm das erlaubten. Nun war'» aber plötzlich Matthäi am Letzten; da hat er zusammengerafft, was noch da war, und mit diesen Letzten der Mohikaner ist er in jene» Land hinübergegangen, wo nach seiner Ansicht Milch und Honig fleußt."

Und die Gläubiger haben da» Nachsehen?" fragte Rommel.Werden sie Alles verlieren?"

Ich glaube nicht, daß eine irgend nenuenswerthe Summe zur Vertheilung kommen wird."

Das wäre stark! In diesem Falle muß man wirklich annehmen, daß große Summen bei Seite geschafft worden sind; er kann doch nicht Alle» an der Börse verloren haben!"

Alles!" erwiderte Maiwind mit scharfer Be-