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eine in scharfem Trabe vorüberfahrende Herrschaft-
Haben."
Fortsetzung folgt.
In einem
fehlt.
„Ist Dir diese Livree bekannt, Alfred, erbsenfarbig mit Silber!" fragte plötzlich der Aeltere der Beiden, ein junger Mann von vielleicht achtundzwanzig Jahren mit blondem Vollbarte und feinen, intelligenten Gesichtszügen, indem er die dichten
„Du kennst die Familie?"
„Nur den Baron, dem ich auf einem Balle bei dem Grafen Plasky vorgestellt wurde", versetzte Jener, der um etwa zwei Jahre jünger sein mochte als sein Freund, aber trotz seiner Jugend in seiner Redeweise und seinen Bewegungen eine so unver
kennbare Energie zeigte, daß man ihn für den Aelteren halten mußte. Diese Willenskraft, die sein ganzes Wesen kennzeichnete sprach sich auch in dem stark entwickelten Kinn, dem kräftigen, wohlgepflegten Schnurrbarte und den auffallend vollen Augenbrauen
nach welcher sein Gefährte ihn lenkte.
„Erbsenfarbig mit Silber?" wiederholte er sinnend, , ganz recht, das sind die Farben des Barons von Eschenheim, der sich vor etwa zwei Jahren das prächtige Palais hier gekauft hat."
liche.Equipage deutete.
Der Gefragte folgte mit den Augen der Richtung,
Schuld nicht überzeugen lassen würde. So ließ rch denn die Dinge ihren Gang gehen, ich duldete es, daß Dornberg verurtheilt wurde, weil ich meine Hoffnungen darauf baute, ich hätte wohl auch Ihrer Abreise nichts in den Weg gelegt, wenn diese Hoffnungen erfüllt worden wären. Das aber ist, wie Sie wissen, leider nicht geschehen, und ich frage Sie nun in aller Freundschaft, welchen Werth meine Verschwiegenheit sür Sie hat."
„Gar keinen", erwiderte Reichert, während er die Asche von feiner Cigarre abstrich.und seinen Freund mit einem pfiffig listigen Blick anschaute. „Sie scheinen Talent zum Märchendichter auf dem Gebiete der Criminalistik zu haben, mein Bester; wenn Sie dieses Talent ausbilden, können Sie vielleicht große Erfolge damit erzielen. Aber zu Erpressungen reicht es doch nicht aus, denn vor allen Dingen fehlen dem Märchen, das Sie mir soeben erzählt haben, die Beweise."
„Die würden wohl in Ihrer Wohnung zu finden fein", antwortete Sonnenberg in demselben ironischen Tone.
„Da ich das besser wissen muß, so kann rch Ihnen die feste Versicherung geben, daß man dort vergeblich nach ihnm suchen würde."
„Ich bezweifle das durchaus nicht, ich sagte Ihnen ja schon vorhin, daß Ihre Gemahlin eine sehr kluge Frau sei."
„Ah, die spielt in diesem Märchen auch eure Rolle?"
„Natürlich", nickte Sonnenberg, „die Rolle des Regisseurs, sie steht hinter Ihnen und soufflirt jedes Wort, das Sie sprechen sollen."
Reichert blickte lachend um sich, aber sein Lachen
klang heiser und gezwungen.
„Ausgezeichnet!" sagte er. „Sie haben Alles gründlich überlegt, das erkenne ich aus der Schlagfertigkeit, mit der Sie jedem Einwurfe begegnen. Indessen, Sie mögen Ihren Kopf noch so sehr an- strengen, die ganze Geschichte bleibt doch nur ein --------M . , . .
Märchen, das Niemand glauben wird. Sie haben Zweige des Oleander etwas zur Seite bog und auf mich an jenem Abend beobachtet, da ich den Cassen- ' r ' * c " raub entdeckte. Ich fand in meinem Cabinet den Schreibtisch erbrochen, sah auf demselben das Papier liegen, in das der Casseuschlüssel eingehüllt gewesen war, mußte mich das nicht sofort auf die Ver- muthung bringen, daß man diesen Schlüssel benutzt hatte, um meine Casse zu berauben? Was war natürlicher, als daß ich in großer Aufregung ins Cassenzimmer ging, dort die Lampe anzündete, an das offene Fenster und den eisernen Schrank trat, den ich ebenfalls offen fand? Haben Sie gesehen, daß ich die Banknoten herausnahm?"
„Pah, das werden Sie früher schon besorgt
einem eleganten Cafs der Residenz saßen an schönen Sommerabend zwei junge, feingekleidete Herren, rauchend, plaudernd und von Zeit zu Zeit aus den kleinen, geschliffenen Gläsern einen Schluck des würzigen Trankes von Mocca nehmend. Der überaus lebhafte Verkehr, welcher auf der breiten Straße herrschte, die zahlreichen Pferdebahn, wagen, die in Zwischenräumen von wenigen Minuten einander folgten, die luxuriösen Equipagen der hauptstädtischen Geburts- und Geldaristokratie, vor Allem aber die Menge der vorüberwandelnden Fußgänger gaben den beiden Gästen reichen Stoff zur Unterhaltung, die sich nicht selten zu witzigen Bemerkungen zuspitzte, wenn einer der Passanten das Unglück hatte, durch sein Aeußeres den Muthwillen der jungen Männer herauszufordern.
Der Raum vor dem Hause war in einen provisorischen Garten umgewandelt worden; Lorbeer, Orangen und blühende Oleander in mächtigen Kübeln faßten denselben ein und erlaubten den dort Sitzenden, die Vorgänge auf der Straße genau zu j beobachten, ohne selbst den Blicken der Vorübergehenden allzu sehr ausgesetzt zu sein.
Auch die übrigen, zahlreichen Gäste nahmen von den Beiden anscheinend keine Notiz; sie waren in ihre'Zeitungen vertieft oder scherzten und plauderten über die kleinen Ereignisse, an denen es in dem rasch pulsirenden Leben einer Großstadt niemals
Zach ljohem Met.
Novelle von Moritz Lilie.
(Nachdruck verboten.)
I.


