Ausgabe 
6.5.1886
 
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ich reise sofort ab, Um Euch zu Eurem Eigenthum zu verhelfen."

Das Wortabreisen" berührte erleichternd Duprat's Ohr. Das hieß zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen; er erhielt die Sachen ausgeliefert, an deren Besitz ihm sehr viel gelegen war, und wurde diesen gefährlichen Menschen los. Es war wohl selbstverständlich, daß Fuchseisen nicht wieder- kehrte, wenn er das Geld von Dryden hatte. Nur um Alles über diesen zu erfahren, spiegelte er Duprat vor, daß er ihm die Hälfte des Zurückge­wonnenen ausliefern wollte. Zwar brachten drs zehn­tausend Mark wieder einen großen Riß in sein sehr zusammengeschmolzenes Vermögen, aber Duprat hoffte, daß dieses das letzte Opfer sein werde, das er feinem großen Plan mit Etwold werde bringen müssen.

Indem ich Euch die Zehntausend gebe", sagte er,theile ich mit Euch mein Letztes. Ihr dürft also auf mich ferner nicht rechnen. Ich werde roieber werden, was ich vordem war, ein armer Commis, und meine hier innegehabte glänzende Wohnung aufgeben. Es war eine Dummheit von mir, nach demFuchsbau" zu gehen, und ich hoffe, daß Ihr mich ferner daran nicht erinnern werdet."

So wenig wie an das Kleiderbündel hier. Wenn ihr von Niemandem mehr zu fürchten habt als von mir, dann seid ihr sicher genug. Seht Euch nur vor, wie ihr Euch sonst Jemandem ver- rathet; sie könnten nicht Alle ein so weites Gewissen haben wie ich. Nun aber gebt das Geld, mich drängt es, fortzukommen."

Und wohin wendet ihr Euch nun?"

Noch in dieser Nacht nach Paris, wo ich meinen Vogel «ufzuscheuchen hoffe."

Er wird über's Weltmeer gegangen sein."

Ich folge ihm!"

So ernst nehmt ihr Eure Jagd?"

Und noch viel ernster. Seid seinetwegen ganz beruhigt. Das Geld oder sein Leben nehme ich ihm und bringe Euch Euren Antheil."

Nicht um den Preis einer Verbrechens, nein, nein, Fuchseisen", wehrte Duprat diesen energisch ab.Wenn es ohnedem geht, ist's nur gerechte Vergeltung, denn diesem Menschen habe ich alles Gute erwiesen, und nun lohnt er es mir so; aber wenn Blut fließen muß, dann verzichte ich lieber." (Fortsetzung folgt.)

James Thompson's Wraulfaßrt.

(Humoreske aus dem amerikanischen Westen.)

(Nachdruck verboten.)

Höre, James", sagte eines schönen Tages der alte Thompson, welcher seine Farm im nördlichen Arkansas mit Hülfe seiner vier Söhne schon seit vielen Jahren bewirthschaftete, zu dem Aeltesten der Jungens",Du bist nun vierundzwanzig Jahre

alt und der älteste von Deinen Brüdern; calculire, daß es Zeit wird für Dich, nach 'nem eigenen Neste Umschau zu halten, zumal ich, wie Du weißt, nächstens die Schwester von Mr». Thompson Gott hab' sie selig! hernehmen will, damit wir wieder ein bischen Ordnung in unfern Haushalt kriegen. Da wir den Mais herein haben, kannst Du schon auf ein paar Wochen abkommen. Briars d'rüben am Green Creek haben zwei hübsche Mädels, die werden Dir schon gefallen; dann ist auch nicht weit davon ein Settlement vom alten Thornton; er wll eine verteufelt hübsche Nichte haben, die ihm den Haushalt führt und die von ihm jedenfalls 'ne gute Anzahl Dollars mitkriegt. Na, und noch weiter hinauf nach den Hügeln zu, liegt die Farm von Ben Reader, der ein alter Schulkamerad von mit ist segne meine Seele, wenn wir zwei dem Schulmeister nicht immer durchgebrannt sind! und die Grace Reader soll auch 'ne recht ansehnliche Person sein. Also, mein Junge, Du hast die Aus­wahl und Briars wie Thornton und Ben Reader sitzen in der Wolle; kannst morgen früh gleich auf- brechen und Dir den schwarzen Mustang mitnehmen; er ist ein vortrefflicher Paßgänger."

Das war wohl die längste Rede, welche Thompson senior je gehalten und er hielt nun auch seinen Aeltesten für genügend instruirt, denn der alte Farmer wandte sich alsbald seinen häuslichen Verrichtungen wieder zu, James aber kratzte sich be­denklich hinter dem Ohre, da er sich bisher mehr um die Bären und Hirsche in Arkansas zur Zeit unserer kleinen Geschichte war die Jagd daselbst noch ziemlich ergiebig als um die Mädels ge­kümmert hatte. So oft der junge Hinterwäldler bis jetzt in die Gesellschaft von jungen Ladies gekommen war allzuhäufig hatte er hierzu freilich noch nicht Gelegenheit gehabt so war ihm immer höchst unbehaglich zu Muthe gewesen und er beging dabei regelmäßig eine Menge von Dummheiten und be­nahm sich überhaupt so linkisch, daß die Ladies au» dem Kichern über den im Uebrigen ganz stattlichen Burschen nicht herauskamen und der junge Thompson machte sich schließlich immer aus dem Staube, wenn er nur von Weitem ein weibliches Wesenwitterte."

Unserm James erschien daher der Gedanke, auf die Brautschau reisen zu müssen, durchaus nicht als etwas Angenehmes, aber seinAlter" wollte es und Opposition duldete Thompson senior nicht im Ent­ferntesten so daß eben Alles nichts half und James am nächsten Morgen richtig fortritt. In seinem Jagdanzug, das breite Bowie-Messer im Gürtel, die treue Büchse quer über den Sattel gelegt, machte der junge Thompson allerdings gerade nicht den Eindruck eines Mannes auf Freiersfüßen, indessen, schwarze Anzüge waren damals unter dem jungen Mannsvolke von Arkansas noch nicht Mode, höchstens bei denSüßholzrasplern" von Little Rock, Lsdgeville u. s. w. und James wäre sich jedenfalls selber sehr komisch vorgekommen, wenn er etwa wie ein Metho- \ distenprediger im schwarzen Rock und Hütchen und