Ausgabe 
4.5.1886
 
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Hichencr Isamilienblätter.

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Nr. 52 Dienstag den 4, Mai. .....1886,

Die Jakschmünzer.

Criminal-Noman von Gustav Lössel.

(Fortsetzung).

Ja, dann allerdings", sagte jener zuletzt,hatte Herr Eduard alle Veranlassung sich unsichtbar zu machen; und jedenfalls hat die Warnung sich auf das zweite größere Verbrechen bezogen, von welchem ich selbst, sowie Sie ganz ahnunglor waren. Und man denkt, daß er jenes Verbrechen im Verein mit Dryden begangen?"

Gegen diesen erhebt man noch keinen Verdacht; bis jetzt nur gegen Eduard. Aber ich gebe mich mit den Vermuthungen nicht zufrieden, welche man bezüglich der gefundenen Kostüme hegt. Man soll sie zur Stelle bringen oder feststellen lasten, wo- Eduard sein Kostüm geliehen und daß er es nicht zurückgeliefert hat."

Merkwürdig das mit den Kostümen", bemerkte Duprat;daß sie gesehen wurden, um gleich darauf wieder zu verschwinden; und recht unglücklich, daß in derselben Nacht unweit desFuchsbaus", in dem das Wunder sich ereignete, das Portefeuille mit den falschen Banknoten und der Karte Herrn Eduard's gefunden wurde. Das sieht ja fast so aus, als wenn Ihr Sohn da doch zur Stelle war. Was konnte er aber sonst noch von dem entsetzlichen Orte wollen, als den Verkehr mit Verbrechern suchen oder aufrecht erhalten?"

Ich weiß es nicht", entgegnete verzweifelt der Kommerzienrath.Da hört mein Denken auf."

Konnte nicht konstatirt werden, ob Herr Eduard in jener Nacht zu Hause war, das heißt in M.?"

Es konnte nur konstatirt werden, daß er gegen Abend noch da gewesen. In der Nacht war er entschieden nicht zu Haus, denn seine Wirthin fand am andern Morgen, als sie kam, um ihm den Kaffee zu serviren, sein Bett unberührt."

Er war nicht da?"

Und kam erst gegen Abend, ohne mehr als scherzend zu benrerken, daß es wieder eine tolle Fahrt gewesen."

Tolle Fahrt!" fuhr Duprat auf. Wenn man das wörtlich nähme!"

Die Polizei thut es."

Hm! es klingt verdächtig. Wenn es nicht i Ihren Sohn beträfe, würde ich mit meiner Zu- j stimmung nicht zurückhalten."

Ich nehme Ihnen das nicht übel", entgegnete '

der Kommerzienrath.Es ergeht mir nicht anders; und ich bin der Vater. Dennoch werde ich ein oberflächliches Verfahren niemals zugeben. Ich werde Widerspruch erheben, und dies so lange thun, bis Eduard selbst kommt, um die Wahrheit zu sagen, oder bis unleugbare Beweise für seine Schuld sprechen."

Und Beides halte ich für gleich unwahrscheinlich. Ist Herr Eduard einmal entkommen, so wird ihn Nichts mehr zurückbringen. Beweise werden weiter keine zu erlangen sein. Der Mord wird also doch nicht aufgeklärt werden, so wenig wie das Ver­brechen der Münzfälschung."

Es war gegen Morgen, als beide Herren ihre respektiven Zimmer aufsuchten, um einen kurzen Schlaf zu erhaschen. Man vermuthete, daß der nächste Morgen neue Belästigungen bringen werde.

Zwar nicht gerade der nächste Morgen, aber die nächste Zeit brachte deren denn auch mehr als genug.

Ich weiß nicht", sagte Etwold eines späteren Tages zu seinem Vertrauten,es kommt mir fast so vor, als wenn ich überall hin verfolgt werde. Ich wage mich schon kaum mehr außer dem Hause."

Sie meinen?" fragte Duprat beunruhigt.Ich habe so etwas an mir noch nicht bemerkt."

Vielleicht, weil Sie in dem Maße auf das, was um Sie her vorgeht, nicht so acht geben wie ich. Haben Sie einmal ein Auge darauf. Ich wenigstens habe, ohne es zu sehen, das bestimmte Gefühl, daß mir Jemand schattengleich folgt, und daß alle meine Bewegungen kontrolirt werden."

Das wäre ja schrecklich!" rief Duprat.Und ich meinte, es wäre schon das Aergste, daß diese Herren Racheis und Soltmann uns jetzt täglich ab­wechselnd besuchen, um allerhand überflüssige Fragen zu stellen. Wenn nicht ihr Amt sie entschuldigte, würde ich sagen, dies ist Chikane, besonders von dem grünen Assessor, der jedenfalls durch's Examen gefallen und nun die Welt als Detektiv unsicher macht."

Nicht wahr?" stimmte Etwold beredt ein. Dieser Gelbschnabel! Aber ich weiß, warum er seine Macht mich fühlen läßt. Er mag fein Aergsteß thun. An meinem guten Namen wird er nicht rütteln. Mich möchten sie verdächtigen, als hätte ich Eduard zur Flucht verholfen; gerade wie sie Ihnen insinuiren, daß Sie schlecht auf Eduard ein­gewirkt haben, um ihn dann seinem Schicksale zu überlassen. Natürlich ist Eins so lächerlich wie das Andere. Ich kenne meinen Duprat wie mich selbst,