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hereinzubrechen drohen. Jedenfalls bezogen Sie das auf jenes schändliche Verbrechen, in welches zu meinem großen Verdruß auch mein Name verwickelt wurde. Sie kennen den Fall?"
„Nur ganz oberflächlich aus dem, was ich hier und da aus den Zeitungen erhaschte, wozu ich mir natürlich nicht viel Zeit ließ. Ich hatte so wie so alle Hände voll zu thun, da ich ja nicht zum Vergnügen nach M. gereist war."
„Tüchtiger junger Mann", sagte Etwold belobend. „Und welche Meinung haben Sie sich aus dem, was Sie gelesen, gebildet?"
„Daß die Sache für uns gar keine Bedeutung weiter Hst. Daß der Mithelfer am Morde zufällig in Ihren Diensten stand, kann Ihren guten Ruf nicht in Frage stellen. Wenn er gefunden sein wird, vorausgesetzt, daß ihn nicht Fische gefressen, wird Alles an den Tag kommen, auch wer das Weib gewesen, welches das blutige Werk vollbrachte."
Etwold spielte nervös mit den Bijoux seiner Uhrkette.
„So — meinen Sie, daß er jemals wieder zum Vorschein kommt, der rothe Mathies?" fragte er.
„Der Schlupfwinkel des Verbrechens hat die Weltstadt siele", entgegnete Duprat. „Wenn er sich dort längere Zeit verborgen hält, kann cs ihm vielleicht gelingen, zu entkommen. Er läuft aber jeden Tag Gefahr, gefaßt zu werden."
Etwold wandte sein verstörtes Antlitz ab.
„Gewiß, gewiß", sagte er halb für sich, „die Gefahr ist immer vorhanden, wenn — er nicht eben einen vorzeitigen Tod gefunden."
„Und beidem können wir mit Ruhe entgegenblicken", entschied Duprat.
Der Kommerzienrath schwieg.
„Das war es auch nicht, was mich zu jener Aeußerung von den drohenden, schweren Zeiten veranlaßte."
„Also nur die Affaire mit meinem Sohn?" fragte Etwold erleichtert.
Der Prokurist schüttelte den Kopf.
„Entsinnen Sie sich vielleicht noch, Herr Kommerzienrath", begann er mit vollem Bedacht und jetzt zum ersten Mal das Auge fest auf den Chef gerichtet, „des alten Forster, unseres ehemaligen Büreaudieners und Kassenboten?"
Etwold hatte ihm schon früher den Rücken zugekehrt, sonst würde Duprat jetzt erstaunt gewesen sein über diese Veränderung, welche die Nennung dieses Namens auf feinen Chef hervorbrachte. Etwold war erdfahl geworden und die Hand, welche die Feder hielt, begann heftig zu zittern, so daß er nicht schreiben konnte. Er wollte Etwas erwidern, aber er vermochte es nicht.
Duprat faßte dieses Schweigen als Gedächtniß- fchwäche auf und fuhr fort:
„Der Mann verschwand eines Tages spurlos und mit ihm eine Summe Geldes, deren Höhe ihn kaum zur Flucht bewogen habe« könnte. Außerdem
war er ein langgedienter, treuer Mensch, dem man überall strengste Reellität und Ehrlichkeit nachsagte. Es unterlag keinem Zweifel, daß er das Opfer eines schändlichen Verbrechens geworden, welches jedoch nicht enthüllt wurde."
„Ich weiß es", erwiderte der Kommerzienrath dumpf und ohne sich umzublicken. „Ich weiß aber nicht, weshalb Sie mich an diese längst abgethane, mir höchst peinliche Sache erinnern. Ich habe alles zur Aufklärung des mysteriösen Falles gethan, die Polizei damit betraut und sogar eine Belohnung für die Wiederaufsindung des alten Mannes oder die Entdeckung seiner Mörder ausgesetzt."
„Ich kann Ihnen das bezeugen," bekräftigte Duprat diese Aussage. „Sie haben gethan, was in Ihren Kräften stand; wenn trotzdem von dem alten Forster nichts mehr verlautbarte, so trifft gewiß die Schuld weit eher unsere säumige Polizei als Sie. Das war auch nur die Einleitung zu dem, was ich zu sagen mich dringend veranlaßt fühle."
„Reden Sie."
„Dieser Forster hatte einen erwachsenen Sohn, der in dem angesehenen Bankhause von Hellwig und Compagnie, erster Buchhalter war."
„Ja, ich entsinne mich. Ein netter junger Mann, Geschäftsmensch durch und durch. Nur schade, daß er so wahnsinnig war, sich in meine Tochter, die kaum den Mädchenschuhen entwachsen war, zu verlieben und bei mir ernstlich um ihre Hand anzuhalten."
„Aber — Sie verzeihen — doch nur mit Zustimmung Ihrer Tochter", wandte Duprat ein.
„Klara war, wie gesagt, ein halbes Kind, hatte also keine Selbstbestimmung. Ich sprach für sie, machte dem jungen Manne das vorstellig und wies ihm nicht, was ich bei jedem anderen gethan hätte, die Thür, sondern ermahnte ihn mit Rücksicht auf seinen alten, ehrlichen Vater zur Besonnenheit. Ich erfaßte die Sache von der scherzhaften Seite und sagte, er solle sich erst eine Million verdienen gehen, dann möge er wieder bei mir anklopfen."
„Und Sie meinen wirklich", fragte Duprat eindringlich, „daß dies nur eine Jugendthorheit Fräulein Klara's gewesen, welche sie inzwischen bereut und vergessen hat?"
„Ich bin davon überzeugt. Aber warum fragen Sie?"
„Weil ich die zwingendsten Gründe habe, anderer Meinung zu sein."
„Sie meinen?"
„Wissen Sie Etwas von den ferneren Schicksalen des verunglückten Liebhabers?"
„Ja. Er ging ins Ausland, über's Meer und ist seitdem verschollen."
„Er war es, Herr Kommerzienrath, bis —"
„Bis -?"
„Bis zu dem letzten Maskenball in Ihrem Hause."
Etwold zuckte zusammen, als hätte ihn eine ; Natter gestochen.


