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berichtete der zurückkehrende Lakai, während es um die schmalen Lippen des jungen Mannes wie unterdrücktes Hohnlächeln zuckte.
Es war ein reizendes, luxuriös ausgestattetes Boudoir, in welchem die Dame den Besucher empfing. Die himmelblaue Tapete war mit Silber- leisten decorirt, und an der Decke befanden sich künstlerisch ausgeführte Blumen und Fruchtstücke in bunter Malerei. Die Polstermöbel zeigten Sammetüberzüge von der Farbe der Tapete, während ein zierlicher Damenschreibtisch und ein kleiner, mit kostbar eingebundenen Büchern angcsüllter Schrank aus geschnitztem Jacarandaholz bestanden. Ein Marmortischchen mit vergoldeten Füßen war mit einer Menge feiner Nippsachen aus Silber und Meißener Porzellan bedeckt, und auf dem ovalen, mit gestickter Decke belegten Tische stand eine Vase mit einem Strauße frischer Rosen. Der dicke persische Teppich, welcher den Fußboden des Zimmers in seiner ganzen Ausdehnung überzog, machte auch den leisesten Schritt des Fußes unhörbar, und die schweren Vorhänge von blauem Atlas, welche über den feinen Spitzengardinen angebracht waren, dämpften das grelle Licht der Sonne, die ihre Strahlen fast senkrecht vom wolkenlosen Himmel herabsandte. Die vornehme Eleganz des Zimmers mit seiner kostbaren Ausstattung an Möbeln, Gemälden und Sculpturen srappirte für den ersten Augenblick, dem seinen Geschmack aber mußte dieselbe als zu überladen, zu ausdringlich prunkvoll erscheinen.
Die Frau vom Hause hatte in halbliegender Stellung eine Ottomane eingenommen und den Kopf rückwärts in die weichen Kissen gedrückt. Ein dunkles Kleid umschloß die hohe, hagere Gestalt, welche diese Farbe nur gewählt zu haben schien, um den Ausdruck des Schmerzes, der auf ihren Zügen lag, zu erhöhen. Dem unbefangenen Beobachter freilich mußte es scheinen, als sei die Falte zu beiden Seiten des Mundes weniger eine Folge körperlichen Leidens, als vielmehr des Gefühls unbegrenzten Hochmuthes, kalter Selbstüberschätzung, die gewohnt ist, gegen Niemanden besondere Rücksichten zu nehmen, wohl aber für sich selbst die zarteste Auf- merksamkeit zu fordern.
Als der junge Mann eintrat und sich verbeugte, verharrte die Baronin noch einige Augenblicke in ihrer bisherigen Stellung, dann hob sie langsam den Kopf empor und erwiderte leise den Gruß.
„Es muffen sehr gewichtige Gründe sein, Herr von Brehmer, die Sie bestimmten, meinem Wunsche, mir Ruhe zu gönnen, kein Gehör zu geben", sagte sie in unverkennbar pikirtem Tone, mit der Hand auf einen Sessel deutend, den Besucher zum Platznehmen einladend.
„In der That, gnädige Frau, betrifft es eine Angelegenheit von großer Wichtigkeit, sowohl für Sie, als noch mehr für mich und Ihre Fräulein Tochter", erwiderte Jener, sich der Dame gezontber setzend.
„Meine Tochter?" fragte die Baronin mit wirl lichem Erstaunen, indem sie sich bis zu sitzende- Stellung emporrichtete, „meine Tochter? — I« welchem Zusammenhänge steht die mit Ihrem Be-
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Nr. 16.
Literarisches.
ein professi
bekennt der Verfasser in der Vorrede als sein redliches Wollens gangen Hal und daß er dies vollständig vermocht und erreicht hat, ist ein? /f$gin j
Kaiser Wilhelm und die Gründung des neuen Deutschen Reichs. 1797—1885. Von Prof. Dr. Gott lob Egelhaaf. 1.—20. Tausend. 13 Bogen mit Portrmt. Preis geh. M. 1—, geb. M. 1.50. Verlag von Carl Krabk in Stuttgart. — Die Heldengestalt unsers deutschen Kaisers — wie mannigfach ist sie in Reim und Prosa schon seinem Volke gezeichnet und geschildert worden. So sicher und fest, so klar und anschaulich in allen verschieden Lebensepochen, st tief verstanden in ihrem Zusammhang mit der Geschichte des Volkes — namentlich auch in solchen Perioden, die immer noch „von der Parteien Haß und Streit bewegt" sich in wechselnden Lichte uns darstellen — und der Geschichte des Reiches, so vietätvoll und so objektiv, so warm aus bei Gegenwart heraus, und schon so historisch fern und gerecht- wohl noch nie. Sich frei zu halten von allem „Byzantinismus
Haupteigenschaft des Buches, eine Eigenschaft, die man ihm allerorten nachrühmen wird. Das Bild unseres Heldenkaisers — es braucht nur treu und klar gezeichnet zu sein, um groß und herrlich zu erscheinen; und wie schlicht und einfach wird uns hier der Mann vorgeführt, -wie tief und eingehend das Wirken des Fürsten uns geschildert! Gewiß ist gerade dies Kaiserbuch dazu angethan tief einzuwurzeln in dem deutschen Volk und vor Allem die deutsche Jugend den deutschen Kaiser verstehen zu lehren — verstehen heißt hier verehren.
suche?" . . .
„Diese Frage überrascht mich einigermaßen, gnädige Frau, denn Ihrem Scharfblick ist er un- möglich entgangen, wie sehr ich mich für das gnädijt Fräulein interessire, wie mich schon ein Blick am ihrem sanften Auge, ein Wort von ihrem Mundt glücklich macht! Ja, Frau Baronin, ich bin gt- kommen, um Ihnen zu gestehen, wie theuer mir Liesbeth geworden ist, wie ich sie liebe nut aurr leidenschaftlicher Gluth, wie ich fühle, daß ich ohn, sie nicht leben kann, nicht leben mag. Ich muß ei endlich aussprechen, gnädige Frau, wenn mich nicht die Ungewißheit tiibten soll, denn von Ihren Lippe» erwarte ich mein Urtheil, in Ihrer Hand ruht bit Entscheidung, ob das höchste Lebensglück, da» ich zu hoffen wagte, oder die bitterste Enttäuschung, bit jemals einen Sterblichen betroffen, mein Laos sei» wird."
Ter Eifer und eine gewisse Hast, mit welcher er das sagte, hatten ihm die Wangen geröthet, während Liesbeths Mutter ihm mit wachsender Verwunderung zuhörte. Aber je länger Jener sprach, um so stärker trat der kalte, stolze Zug in ihrem Gesichte hervor, um so erregter peitschte ihre schmale, Hand mit der Quaste, welche die Ottomane zierte den himmelblauen Polster derselben.
(Fortsetzung folgt).
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Redaction: A. Scheyd'a. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


