Ausgabe 
3.8.1886
 
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' _Elender!" sagte die junge Frau, unfähig, ihrer Entrüstung noch länger zu gebieten.

Der Förster lachte höhnisch und streckte den Arm aus, um ihre Taille zu umschlingen, aber in dem- ftlben Moment empfing er einen Stoß vor die Brust, daß er taumelnd zurückflog, und zugleich wurde von Außen die Thüre heftig geöffnet.

Mit raschem Blick erkannte der Wirth, der auf der Schwelle stand, die Sachlage; er mußte ja in den schreckensbleichen Zügen seiner fieberhaft erregten Frau lesen, was hier vorgesallen war.

Hinaus, Bube!" rief er, dem jäh auflodernden Zorn willenlos nachgebend.Wagen Sie es nicht, noch einmal die Schwelle dieses Hauses zu über« schreiten!"

Der Förster hatte trotzig den Hut in die Stirne gedrückt und seine Büchse ergriffen.

Ich werde Sie nicht mehr belästigen", sagte er heiser,aber für dieses Wort sollen Sie mir büßen. Ich habe bisher Rücksichten genommen, jetzt thue ich es nicht mehr, mögen Sie die Verant­wortung für die Folgen übernehmen."

Und wenn Sie nicht augenblicklich sich ent­fernen, so werde ich Sie durch den Hausknecht hin­auswerfen lasten!" brauste der Wirth auf.

Ein Wuthschrei entrang sich den Lippen des Försters; er machte eine Bewegung, als ob er die Büchse von der Schulter reißen wolle, aber er be­sann sich eines Andern und begnügte sich damit den Beiden einen Blick zuzuwerfen, der sie die ganze Fülle seines Hasses erkennen ließ.

Du kamst zur rechten Zeit", sagte die junge Frau, tief aufathmend, als Hellmuth das Zimmer verlassen hatte.Die Drohungen, die er mir sagte, hatten mich so sehr eingeschüchtert, daß ich nicht wagte, um Hilfe zu rufen; er will meinen Vater und Hans verderben, und ich fürchte, daß er nun seine Drohungen wahr machen wird."

Der Wirth strich mit dem Taschentuch über die lasse Stirn; ein verächtlicher Zug glitt über sein onst so heiteres Antlitz.

Wenn er es könnte, würde er es sicher thun", erwiderte er;aber ich werde ihm zuvorkommen. Dein Vater muß sofort unter Mittheilung des Vor- gefallenen die Versetzung dieses Mannes beantragen, ich schreibe ebenfalls ans Forstamt, es ist verpflichtet, uns vor der Rohheit solcher Beamten zu schützen. Bis dahin wollen wir schweigen, es könnte unsere Gäste und namentlich die Damen, beunruhigen, wenn sie Kenntniß von diesem Ereigniß erhielten."

,Was ist denn dem Förster begegnet?" fragte der Oberst eintretend.Als er vorhin an mir vor­überstürmte, warf er mir einen Blick zu, der mich ordentlich erschreckte."

Ich habe ihm aus triftigen Gründen mein Haus verbieten müssen", antwortete der Wirth mit er­zwungener Ruhe,ich hätte das längst thun sollen, Anlaß gab er oft genug dazu."

Hm, ob Sie klug daran thaten"

Ich konnte nicht anders, seinen Haß werde ich

unterbrach er sie vorwurfsvoll.Sie wußten Marie, baß ich Sie liebte, - ich hatte es Ihnen gesagt, und"

Richt weiter, Herr Förster!" rief die junge 8^au.Ich darf solche Worte nicht hören, und Sie haben keine Berechtigung, sie mir zu sagen!"

Bah, weshalb sollte ich Sie nicht an alte Zetten erinnern dürfen?" erwiderte er heiser lachend, ^ch finde darin kein Verbrechen. Glauben Sie denn, ich könne meine Liebe zu Ihnen vergessen? Ich verlange ja weiter Nichts von Ihnen, als - freundliche Worte, und hie und da ein liebes Lächeln oder einen sanften Händdedruck. Und daß ich darauf begründeten Anspruch habe, lasse ich mir nicht ab. streiten."

- l gehen zu weit", sagte Marie entrüstet, indem sie sich hastrg von ihrem Sitz erhob.Sie werden mich zwingen, meinem Manne Ihre Unver. schämtheit zu berichten."

n j""ge Förster war aufgesprungen; er

stand zwischen der Thür und der jungen Frau, und die verzehrende Gluth der entfesselten Leidenschaft loderte aus seinen tückischen Augen.

Sie müffen mich anhören!" sagte er mit heiserer^ bebender Stimme.Es giebt ein Unglück, rvenn Sie um Hilfe rufen und meinem Verlangen nicht willfahren. Sie nennen mich unverschämt, aber Sie vergessen, daß Sie mir noch vor wenig Jahren durch Worte und Blicke Berechtigung gaben, aus die Erfüllung meiner Hoffnungen zu vertrauen. Leugnen Sie es nicht Sie hatten sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, meine Gattin zu werden, wenn Sie auch zögerten, mir das Jawort zu geben! Und wäre der Sohn des alten Fahne nicht zwischen Sie und mich getreten, so

Verlassen Sie mich augenblicklich!" rief die Wirthln, zitternd vor Entrüstung.

,, "Mcht eher, bis Sie Alles gehört haben, was ich Ihnen sagen muß!"

Ich werde den Hausknecht rufen!"

Ihr Vater und Ihr Bruder würden dafür büßen müssen!"

Mein Vater?"

Ja, auch Er! Ich würde nicht so tollkühn ge­wesen sein, Ihnen das Alles zu sagen, besäße ich nicht eine Waffe, mit der ich Ihre ganze Familie zerschmettern kann!"

. Mr^r- voll Angst, Abscheu und Verachtung ruhte der Blick der jungen Frau auf ihm. Der Ton, in dem er diese Drohung ausgesprochen hatte, flößte ihr ernste Besorgniß ein. ' P

Ich wiederhole, der junge Fahne trat zwischen uns, und da er ein vermögender Mann war oder es. doch im Laufe der Zeit werden mußte, so gaben Sie ihm den Vorzug. Ich mußte das geschehen

aber es empörte mich, wenn Sie mit Ihren : ftäotifqjeH Gasten koquettirten und mir kein freund. ; luM Wort gönnten, während Sie doch wissen ! ^vstten,. daß Sie meine schönsten Hoffnungen, ja das Gluck memes Lebens vernichtet hatten."