Ausgabe 
2.2.1886
 
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Beiden geholfen und Sie machen ein ausgezeichnetes Geschäfts-

Reichert öffnete sein Portefeuille. Seine Hände zitterten, als er die Banknoten auf den Tisch zählte.

Wo ist das englische Geld? - fragte er, und ein leises Mißtrauen spiegelte sich in dem Blick, mit dem er zu dem alten Herrn aufschaute.

Ich werde mir meine Cassette bringen lassen--, sagte Michel, der nun auch ein Portefeuille aus der Tasche geholt hatte, das er offen vor sich hinlegte. Bitte, diese Fünfhundert-Thaler-Scheine'ich entdecke eine Nummer, vor der öffentlich gewarnt worden ist. Und hier wieder eine und hier die dritte. Lieber Herr, wie kommen Sie zu diesen Banknoten?"

Das hagere Gesicht Reichert's war todtenbleich geworden. Er wollte die Scheine hastig zusammen- raffen, aber der alte Herr kam ihm zuvor und legte seine Hände darauf.

Das muß ein Jrrthum sein--, sagte Reichert mit heiserer Stimme,wie kommen Sie nur auf diese Dummheit.--

Bitte, cs ist nichts weniger als eine Dumm­heit, nur Vorsicht-- sagte Michel, welcher seine Ruhe noch immer bewahrte.Ein Freiherr von Busse hat diese Nummern bekannt gemacht und davor ge­warnt, sie in Zahlung zu nehmen. Die Scheine sind nach einer Cassenberaudung des Banquiers spurlos verschwunden.--

Aber davon weiß ich ja nichts, ich habe diese Noten auch in Zahlung genommen."

Sie kennen wohl den Banquier Reichert?"

Weshalb fragen Sie?"

Nun, bei ihm könnten Sie sich ja erkundigen."

,Das soll auch sofort geschehen'-, erwiderte Reichert rasch, der unter diesem Vorwande der Ge­fahr zu entrinnen hoffte und in seiner furchtbaren Aufregung nicht daran dachte, daß er sich in einer Falle befinden könne, die ihm absichtlich gestellt worden war.Bitte, geben Sie mir die Banknoten zurück."

Aber, lieber Herr, was wollen Sie bei Reichert, er ist ja fallit."

Er soll mir nur sagen, ob ihm diese Noten wirklich gestohlen worden sind", antwortete der Banquier in wachsender Verwirrung.

Dann kann er sie ja von Ihnen zurückfordern.--

Dann muß mir Derjenige, von dem ich sie er­halten habe, den Schaden ersetzen."

Herr Sonnenberg vielleicht?--

Reichert blickte ihn starr an, der letzte Bluts­tropfen wich aus seinen Wangen, seine Lippen zuckten krampfhaft, ein dumpfes Stöhnen entrang sich seiner Brust.

Peter Michel hatte durch den Druck auf einen Knopf den elektrischen Läute-Apparat in Bewegung gesetzt; er nahm Perrücke und Brille ah und heftete die hellen, klugen Augen fest und mit durchdringendem Blick auf har Antlitz des Banquiers,

Sie selbst sind Reichert", sagte er in einem Tone, der keinen Widerspruch duldete;Sie selbst haben die Banknoten verschwinden lassen I"

Der Banquier war auf seinen Stuhl wieder zurückgesunken, unsagbare Angst sprach aus jedem Zuge seines Gesichtes.

Was sollte er auf diese Anklage erwidern? Er erinnerte sich der Drohungen Sonnenberg's, er mußte annehmen, daß dieser ihn verrathen hatte.

Und seine kluge Frau, die ihm hätte rathen können, war nicht zugegen, er selbst aber wußte keinen Rath.

Und wer sind Sie?-- fragte er mit heiserer Stimme, während er mit der Hand über die Stirn strich, auf welcher große Schweißtropfen perlten.

Beamter! Haben Sie es noch nicht errathen? - Der Criminal-Polizei?"

Jawohl! Und da die Beweise Ihrer Schuld nun in meinen Händen sind, so werden Sie einsehen daß Leugnen Ihre Sache nur verschlimmern kann. Was Sonnenberg an jenem Abend gesehen hat . ."

Der Schuft!" brauste Reichert auf.Seinen Aussagen darf Niemand Glauben schenken . . ."

Seine Aussagen sind ebenso glaubwürdig, wie die jedes anderen Mannes", fuhr der Beamte mit scharfer Betonung fort.Und wären sie es nicht, so könnten wir sie nun entbehren, da ja der Besitz dieser Banknoten Ihre Schuld beweist."

Es sind Banknoten, die ich von meinem Schwiegersohn empfing, um das Geschäft mit Ihnen zu machen--, fuhr Reichert noch einmal auf.Was wissen Sie von den Nummern? Es ist nur eine Finte!"

Doch nicht, verehrter Herr--, erwiderte Michel ruhig.Das Haus, welches Ihnen damals im Auftrage des Freiherrn von Busse das Geld sandte, hat sich große Mühe gegeben, die Nummern der betreffenden Banknoten durch naträgliche Nach­forschungen festzustellen, und dies gelang um so eher, weil die Summe aus sehr großen Noten bestand, deren Nummern ein vorsichtiger Kassirer zu notiren pflegt. So haben wir denn ein Verzeichniß er­halten, und in diesem Verzeichniß befinden sich einige von den Nummern, die hier liegen. Sie werden selbst nicht an der überzeugenden Kraft dieser Be­weise zweifeln, und ich kann Ihnen nur den guten Rath geben, die Schuld offen einzugestehen."

,Machen Sie mich nicht unglücklich!" jammerte Reichert, der nun gleichmütig geworden war.

Ich bedaure Sie, aber meine Pflicht muß ich thun. Wo ist das übrige Geld?"

Der Banquier gab sich den Anschein, als ob er die Frage nicht gehört habe; er warf einen scheuen Blick auf die Thür und fuhr mit den zitternden Händen durch seinen dünnen rothen Backenbart.

Lieber Gott, dieser Sonnenberg ist ja nichts weiter als ein armseliger Glücksritter--, sagte er. Sie dürfen ihm wirklich keinen Glauben schenken."

Wollen Sie mir nicht sagen, wo das übrige