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„Das sagte ich ihm, — er nahm die Mittheilung finster auf und sagte mir schließlich, daß unsere Tochter nicht solchen Entschluß gefaßt aus wirklicher Abneigung gegen die Ehe, sondern einzig aus dem Grunde, weil sie einen Mann liebe, den sie als den Todfeind unseres Hauses niemals heirathen forme."
Frau Brigitta erblaßte sichtlich.
„Nannte er den Namen dieses Mannes?" fragte sie leise.
„Ulrich Obrecht."
„Gerechter Gott! wie wäre solches nur möglich!" bebte es fast un- hörbar von den Lippen der Frau, wie hätte unsere stolze Catharina sich so vergessen können, ihr Herz dem Feinde ihres Hauses zu schenken, hinter dem Rücken ihrer Eltern!"
i11 rben, was mir die Geschichte als boshafte Lüge erscheinen läßt," unterbrach Herr Dominikus sie hastig, „man will mich damit in's Herz treffen. Aber sie haben sich verrechnet, Herr Ulrich Obrecht und Consorten! Fragen will ich unser Kind und das sogleich, und wenn ihr Auge, das noch niemals uns belogen, frei und offen dem Vaterblick zu begegnen vermag, dann verlache ich ben Pfeil, den ohnmächtiger Haß abgeschossen."
Er erhob sich und schritt rasch der Thür zu.
Das Auge der Gattin folgte ihm unruhig, ängstlich.
„Dominicus!" rief sie plötzlich entschlossen.
Er wandte sich um."
„Ueberlaß es mir, die Tochter zu befragen."
„Warum?" meinte er mißtrauisch, „war Catharina nicht immer mein Liebling und hing sie nicht stets am Vater mit fast abgöttischer Liebe?"
„Eben deßhalb, mein tbeurer Dominicus!" versetzte die Gattin ernst, „muß sie nicht zwiefach fürchten, Deine Liebe zu verlieren? Auch sollte ich meinen, sei dieses eine Frage, die der Mutter um so mehr zukänie, als Stolz und Scham- haftigkeit der Jungfrau dergleichen von einem Manne, und wäre es selbst der eigene Vater, nimmer zu dulden vermöchten."
„Nun, meinetwegen," versetzte der Bürgermeister nach kurzem Nachdenken, „doch verlange ich alsbald die Antwort zu hören, um die Unruhe los zu werden."
Frau Brigitta versprach es und ging.
Vor der Thür stand ein junger Mann von vielleicht dreißig Jahren; eine hohe, edle Gestalt mit schönem, männlich ernstem Antlitz und klugen, durchdringenden Augen. Er war wie ein deutscher Patricier, einfach vornehm gekleidet und verneigte sich beim Anblick der Bürgermeisterin mit feinem Anstande.
„Ist der Herr Ammeister Dominikus Dietrich zu sprechen?" fragte er mit wohlklingender Stimme.
„Ja, Herr, versetzte sie etwas zögernd.
y -'Ihr kennt mich nicht mehr, Frau Brigitta?" fuhr der junge Fremde lächelnd fort, „die Vaterstadt ist auch mir fremd geworden, wie ich leider ihr." Forschend betrachtete ihn Frau Brigitta und schüttelte dann den Kopf.
„Ob der Bürgermeister seinen Wildfang und Pathensohn Adrian Dominicus Dörnach auch nicht wieder erkennen sollte nach zehnjähriger Abwesenheit?" setzte der Fremde leise hinzu. ' 1 v
„£>err, mein Gott!" rief Frau Brigitta jetzt überlaut, erstaunt die Hände zusammenschlagend, „Ihr seid Adrian Dörnach, meines Eheherrn liebstes Pathenkind ?"
„Still, still, Frau Brigitta! Ihr verderbt mir die Freude —"
Doch da öffnete der Bürgermeister schon die Thür, er hatte den Namen gehört, warf einen forschenden Blick auf das männliche Antlitz des Fremden und breitete auch sogleich mit denl Ausruf: „Grüß Dich Gott, mein Sohn Adrian!" die Arme nach ihm aus.


