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Nr. 256 Dritter Blatt
Die Vorboten des Weltkriegs im Orient.
Don Dr. Gustav R o l o s s, v. Prof, der Geschichte an der LIniversität (Ziehen.
3n der Besprechung der letzten Aktenbände zur Geschichte der deutschen Politik vor dem Kriege (im Derlag der Deutschen Derlagsoesell- schäft für Politik und Geschichte in Berlin) hatten wir dargestellt, wie die neue englisch-russische Entente von 1907 sogleich Deutschland in aller Welt wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten zu erwecken suchte. Don besonderer Wichtigkeit für diese „Einkreisungspolitik" war selbstverständlich der asiatische Orient, weil wie ausgeführt, Deutschland hier durch fein großes Kulturwerk, das sich an die Dagdadbahn knüpfte, beständig an Bedeutung zunahm. Aber ein Feld von nicht geringerer Wichtigkeit war die europäische Türkei, das Zugangsland zum asiatischen Expansionsgebiete . Daher setzte auch hier sogleich nach dem Abschluß der Entente die Feindseligkeit ein. und zwar richtete sie ihre Spitze zunächst.mehr gegen Oesterreich als gegen Deutschland.
Die Grundlage des internationalen Rechts- zustandes auf der Dalkanhalbinsel war das Abkommen von Mürzsteg zwischen Rußland und Oesterreich vom Icchre 1923. das bestimmt war. die Hauptgefahr für den Frieden am Balkan, die mazedonischen Gegensätze, zwar nicht zu beseitigen aber doch zu mildern. Beide Mächte forderten darnach gemeinschaftlich die christlichen Dalkanstaaten auf, sich jeder Einmischung in den mazedonischen Aufstand, der eben frisch aufgeflammt war, zu enthalten, damit die Pforte Zeit zu seiner Niederwerfung gewinne. Gleichzeitig aber mußte sich der Sultan verpflichten, unter Aufsicht österreichischer und russischer Bevollmächtigter DerwaltungSresormen in Mazedonien vorzunehmen, um die Lage der Christen zu verbessern und den Anlaß zu neuen Aufständen zu beseitigen. Rußland hatte sich zu diesem 3ertrage, der die Erhaltung des bestehenden Zustandes bezweckte, also der friedlichen Politik Oesterreichs entsprach verstanden, weil es seine Kraft ausschließlich der brenneirden ostasiatischen Angelegenheit zuwenden wollte. Als aber nach dem japanische» Kriege die große Wendung der russischen Politik nach dem nahen Orient ein* trat, genügte es der öffentlichen Meinung wie der Regierung nicht mehr. Man begann in Petersburg im Einverständnis mit England, Frankreich und Italien Pläne zu begünstigen, die dem russischen Einfluß auf der Dalkanhalb- insel zugutekommen sollten, aber im ausgesprochenen Gegensatz zu Oesterreich--Alngarn gedacht waren. Eine Eisenbahnverbindung vom SchwarzenMeere nach der Adria sollte geschaffen werden, und zwar sollte der Bau von Dulcigno und Dalona aus durch Albanien beginnen. Der neue Schienenweg mußte ohne Zweifel den österreichischen Einfluß in Albanien gefährden, den italienischen dagegen stärken, weshalb in Italien auch lebhafte Sympathie für diesen Plan bestand: em gefährlicher Zankapfel sollte so zwischen die Dreibundsmitglieder geworfen werden. Frhr. von Aehrenth.il, der österreichische Minister des Auswärtigen, hatte sög e ch einen Gegenschlag bereit. Als guter Kenner Rußlands — er war früher Botschafter m Petersburg gewesen — hatte er soglerch nach der ostasiatischen Niederlage eine neue Offensive gegen den Balkan erwartet. Er trat daher, ohne jene Pläne grundsätzlich zu bekämpfen, an den Sultan mit der Forderung heran, eine Bahn durch den Sandschak, die Landschaft zwischen Montenegro und Serbien, in der Oesterreich nach t>em Berliner Kongreß Garnisonen zu unterhalten berechtigt war, zu genehmigen (Ende 1907). Hierdurch sollte die Verbindung Bosniens mit Mitrowiha und Saloniki verbessert werden, was ebenso dem österreichischen politischen und wirtschaftlichen Dorteil diente, tote nützlich für die Türkei fein konnte: Albanien, eine ewig unruhige Provinz, konnte hierdurch leichter erschlossen und beeinflußt werden.
Sogleich erhob sich in Rußland heftiger Widerstand. Die Panflawisten, die Hauptträger einer balkanischen Offensivpolitik, witterten sofort die Möglichkeit, daß Oesterreichs Macht sich hebe und damit ein Hindernis für ihre Absicht, dereinst die ganze Balkan-
Der gefesselte Strom.
Roman von Hermann Dtegemann.
51. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
,,3d) wollte eigentlich schon jetzt nach Freiburg kommen, um Ihnen meine Wünsche mündlich zu überbringen. Aber ich habe mir es überlegt, denn diese Glückwünsche wären am Ende so persönlich ausgefallen, daß Sie etwas anderes herausgehört hätten."
Ruch las den kühlen, beinahe geschäftsmäßig gefaßten Brief zweimal aufmerksam durch und empfand gerade darüber, daß er so korrekt und zurückhaltend geschrieben war, eine Genugtuung, die sich allmählich zu einer frohen, gesammelten Stimmung verdichtete.
Engelhardt kam nicht auf den Brief zurück.
Die Tage vergingen; auf klirrenden Frost folgten warme Stürme; aus dem Höllental brausten die ersten Schmelzwasser. Bon den Höhen des Schwarzwaldes rollten Regenwolken und tränkten die fruchtbare Ebene.
Flüchtige Sonne küßte den roten Sandstein des Freiburger Münsters, daß der Turm wie eine Fackel aufleuchtete.
Und immer leichter und gleichmäßiger ging Ruths Lebensatem, vom Hintergrund einst schmerzlicher, jetzt unempfindlich gewordener Resignation hob sich ihr Wesen geläutert und mutig ab.
Engelhardt lief auf den Schloßberg und in die Wälder. Heftige Unruhe hatte ihn ergriffen. Wie ein Zugvogel sehnte er sich nach dem Aufbruch, und als in den ersten Märztagen der Himmel auf einmal blau wurde und ein Geruch nach quellender Erde über die Stadt zog, da hielt ihn nichts mehr, er ließ einen Teil der Monatsmiete im Stich und trieb zur Reise.
Es war noch winterlich kalt. Bon den Vogesen glänzte noch Schnee. Aber unrtchig liefen die Bäche, von Sehnsucht geschwellt die kleinen weißen Wolken, und auf der Reise erblickte Ruth unter dem Grenzacherhorn, wo der Rhein von Osten nach Norden schwang, einen Pfirsichbaum in verfrühten Blüten.
Ruth zeigte dem Vater den rosigen Baum. Ernsthaft blickten sie daraufhin.
Gießener Anzeiger (General
Halbinsel unter russisches Protektorat zu bringen, geschaffen werde. Sie verlangten, wie eine deutsche Petersburger Zeitung ironisch schrieb, „daß bas Rad der Weltgeschichte ein wenig anhält, daß die anderen Doller die Arbeit ruhen lassen, bis Rußland in aller Gemütlichkeit feine inneren Wirrnisse beseitigt und sich bereit erklärt, im internationalen Leben wieder mitzutun." Der Minister des Auswärtigen Iswolsty, der ganz unter dem Druck dieser Heißsporne stand, machte daher aus seiner Llnzufriedenheit kein Hehl. Er war sogar geneigt, das österreichische Dorgehen als Bruch des Mürzsteger Abkommens anzu- sehen, obgleich darin von Eisenbahnbau'e.i nichts enthalten war und der bestehende Zustand durch Aehrenthals Projekt nicht geändert werden sollte. Aber nicht nur ihren aggressiven, sondern auch ihren deutschfeindlichen Charakter offenbarten die Panslawisten bei dieser Gelegenheit: sie führten das Dorgehen Oesterreichs auf das Drängen und Treiben Deutschlands, ja des Kaisers persönlich, zurück. Offenbar lag ihnen daran, die Luft zwischen Deutschland und Rußland zu vergiften Natürlich setzte die deutsche Regierung solchen ©erüdjten, die in der Presse verbreitet wurden und in der Diplomatie Glauben fanden, sofort ein^ geharnischtes Dementi entgegen. Sie konnte erl.ären, daß sie über diese Frage weder mit Wien verhandel noch überhaupt eine Mitteilung erhalten habe, worin, wie der Staatssekre är hervorhob, grabe auch ein Beweis für die Loyalität Oesterreichs gegen Rußland liege. Trotz allem hielt b.e russische Presse an ihrer Verleumdung fest, und die Regierung tat nichts, ihr den wahren Sachverhalt klar zu machen, weil sie, wie Iswolsky behauptete, „nicht den geringsten Einfluß auf die Presse habe", ©kiuben fand er damit freilich nicht. And weiter ist interessant, daß sich sogleich wieder die Entente bewährte: die Behauptung von Deutschlands Urheberschaft wurde, wie der deutsche Botschafter berichtet, mit besonderem Nachdruck von dem englischen Botschafter in Petersburg, Sir Arthur Nikolson, einem bekannten Deutschenfeinbe, vertreten. Er unterhielt enge Beziehungen zur russischen Presse, und sein Einfluß ist vermutlich auch in der „Times" und anderen englischen Organen zu spüren, die jene Behauptung 'b-^salls immer wiederholten. Die intemarioi Wirkung ließ nicht auf sich warten: die i'.a.ienische Presse, politisch stets von der englischen abhängig, nahm die Derdächtigung Deutschlands auf und benutzte die Erörterung hierüber, den Dreibundsgedanken zu schwächen (März 1908).
Mer Rußland begnügte sich damit nicht: es begann in der mazedonischen Frage eine andere Politik einzuschlagen. Wenn das Mürzsteger Abkommen die Lage der Christen in der Türkei „mit dem Sultan und nicht gegen ihn" hatte verbessern wollen, so wandte sich Rußland jetzt den englischen Dorschlägen zu. Danach sollte den europäischen Mächten eine derartige finanzielle und administrative Kontrolle über Mazedonien zuteil werden, daß der Sultan tatsächlich seine Souveränität einbüßte. Zwei Ziele scheint man mit diesen weitgehenden Anträgen in London verfolgt zu haben: einmal die Kluft zwischen Oesterreich und Rußland zu erweitern und zweitens durch Schmälerung der türkischen Einkünfte aus Mazedonien die türkischen Finanzen im allgemeinen zu schwächen und damit die Ziysgarantie für die Bagdadbahn unsicherer zu machen. Ein Symptom dieser immer enger werbenden russisch-englischen Beziehungen war die Zusammenkunft zwischen König Eduard und Zar Nikolaus in Reval (9. und 10. Juni 1928), wo nach allgemeiner Annahme England und Rußland sich über das weitere Dorgehen in der mazedonischen Frage und über ihre Balkanpolitik überhaupt verständigen wollten. In der Oeffentlichkeit hatte man keinen Zweifel, daß die Mmachungen sich gegen die Mittelmächte richteten, so daß bereits Kriegsbefürchtungen laut wurden.
Die Lage änderte sich plötzlich durch den Ausbruch der jungtürkischen Revolution (Juli 1908), die, wie bekannt, die Türkei durch Einführung einer Verfassung zu modernisieren und durch die Rechtsgleichheit aller türkischen Untertanen die Gegensätze zwischen Christen und Mohammedanern aus der Welt zu schaffen suchte. Diese unerwartete Wendung hatte die Wirkung, daß
Hinter Säckingen nahm sie die Waldeinsamkeit des Rheintales in die Arme. Aber als der Zug in den Rheinauer Tunnel lief, sahen sie plötzlich aus dem stillen Wald die Schwebebahn herunterkommen. An hohem Draht schwebten die Eisenkörbe, mir Mergel gefüllt, herab. Eine blanke Gasse war in den schönen Wald gehauen, die Stämme lagen noch auf der Schneise.
Stöhnend lehnte Engelhardt den Kopf zurück und schloß die Augen. Er wollte nichts mehr sehen.
„Papa, wir müssen aussteigen!"
Er zog den Schlapphut, den er sonst in der Hand zu tragen pflegte, tief in die Stirn.
„Fahre los mit dem Schinderkarren, wir gehen zu Fuß," sagte er zu Joseph und bog ab, um über das Gleis auf den Waldweg zu gelangen. Eigensinnig starrte er vor sich hin.
Ruth ging neben ihm. Sie war überwältigt von dem Wachstum, das plötzlich in dieser stillen Welt aufgeschossen war. Es wimmelte von Baugerüsten, der Bahnhof war verwandelt, Fuhrwerke und Last- automobile fuhren hin und her, schrill tonte der Pfiff der Lokomotiven, und vom Rhein her klang gewichtiges Rammen wie schwerer Herzstoß in das quellende Leben und verlor sich im starr und feierlich stehenden Wald.
Nun überschritten sie den Bahndamm und sahen St. Joseph vor sich liegen.
Der Weg senkte sich, sie konnten durch die kahlen Bäume ins Innere des Parkes blicken. Rote Ziegeldächer brannten in der Märzsonne und umdrängten schon den verwunschenen Klostergarten. Das Gerüst der hölzernen Arbeitsdrücke, die hinter St. Joseph den Rhein überspannte, wuchs mit harten Linien in den blassen Himmel.
Sie waren wieder zu Hause, aber Zuhause war nicht mehr daheim.
Doch Engelhardt nahm bald wider Willen Anteil an der gewaltigen Kraftentwicklung, die hier tätig war und mit immer stärker anschwellender Energie Land und Strom umwälzte.
Der März ging zu Ende. Später Frost schlug den Maurern die Kelle aus der Hand. Um so tiefer bohrten sich die Erdarbetten in das Kiesland.
Aber bald brach über Nacht der Föhn herein und und brauste mit Orgeltönen durch das Rheintal. Die Wälder bogen sich im Sturm, der Strom wurde wild und leuchtete kreidig weiß, violenblaue
-Anzeiger für Oberhessen)
England und Rußland ihre Reformpläne fallen ließen. Vermutlich hofften sie, die Jungtürken durch diesen Vertrauensbeweis gewinnen und gegen die Mittelmächte ausspielen zu können; die Fortsetzung ihrer Politik, Mazedonien von der Regierung in Konstantinopel zu trennen, hätte dagegen die neuen Gewalthaber, die weit mehr auf der straffen Zusammenfassung aller türkischen Provinzen bestanden als der Sultan, ihnen entfremden müssen. Da Eng- land und Rußland eine abwartende Haltung ein- nahmen, glätteten sich die politischen Wogen wieder, ja Rußland begann eine neue Annäherung an seinen Nachbar zu suchen. Für einen Herzenswunsch der russischen Regierung, die Durchfahrt von Kriegsschiffen aus dem Schwarzen Meer ins Mittelländische Meer, schienen sich aus der Neugestaltung der Dinge in Konstantinopel Schwierigkeiten zu ergeben, zumal auch England diese Aenderung der
Wolken trieben am grünlichen Himmel. Zwei Baugerüste brachen zusammen, das Drahtseil der Schwebebahn wurde von einer fallenden Tanne zerrissen.
Dann schüttete blutroarmcr Regen herab, und als drei Tage daraus am goldklaren Morgenhimmel die Sonne aufging und sich kein Hauch rührte, die Knospen aus den schwarzen Bäumen brachen und die Matten auf einmal grün waren, da sagte der alte Joseph zu Ruth: „Der Rhein ist voll Weidenstaub, der Fisch steigt."
Ruth war voll Unrast gewesen in diesen Tagen. Der Frühling hatte sie ersaßt und machte sie heiß und unruhig.
Gerhart Inlanber schrieb, daß er kurz nach diesem Brief in Rheinau eintreffen werde.
Und damit stand Ruth vor der Entscheidung und mußte sich fragen, ob sie seine Werbung annehmen oder sie wiederum ablehnen wollte. Er kam zum letzenmal.
Es hmg schon ein grüner Hauch am Rheinwald, und die Dbftbäume begannen zu blühen, als Tylan- der in Rheinau eintraf. Er ließ seine Ankunft in St. Joseph wissen und bat um die Erlaubnis, Ruch am anoeren Tag besuchen zu dürfen.
Ruth sah ihn schon vorher von weitem auf den Bauplätzen. Er sprach mit Ingold.
Eine Sitzung des Verwaltungsausschusses hielt ihn am ersten Tage fest.
Als er nach St. Joseph hinauskam, war ihm ein Angebot der Gesellschaft an Engelhardt ooraus- gegangen.
„Siehst du, Ruch, nun bieten sie mir neunzigtausend Mark für den Plunder!" rief Engelhardt bitter und warf das Fenster zu, durch das der Schall der Ramme hereintönte, die die Eisorecher der Notbrücke ins Rheinbett trieb.
„Mir neunzigtausend und dem Christian Ingold elftausend! Der wird enteignet. Die Stadtgemeinde behauptet, das Recht dazu zu haben. Er sagt, sie könnten ihm das Dach über dem Kopf weg- tragen, aber sie brächten ihn nicht aus feinem Haus! Ich bin vernünftiger, ich bin viel vernünftiger. Mein alter Freund Friedrich Vischer würde sich wundern über den Geldhund: Ich verlange hunderi- undzwanzigtausend Mark und setze mich als Rentner nach Freiburg im Breisgau oder nach Eberswalde in der Mark und drehe die Daumen!"
Samstag, 31. Oktober (925
L । J.1
Berliner Kongreßbestimmungen mit Rücksicht auf die Iungtürken nicht mehr zu befürworten geneigt war. Deshalb sucht Iswolsky mit Oesterreichs Hilfe hier zum Ziele zu kommen. Der Pres, den es für die Unterstützung seines Begehrens zahlen wollte, war die Zustimmung zu dem Projekt der Sandschak- bahn und zur Annexion Bosniens und der Herzego- wina, worauf Aehrenthal, wie ihm bekannt war, ausging. Diese Verhandlungen, die Ende des Gommers 1908 abgeschlossen wurden, hatten in der Tat die Annexion Bosniens zur Folge, aber die ruffi- schen Wünsche erfüllten sich nicht, da die Pforte die Deffnung Der Meerengen verweigerte. Aus diesen Vorgängen entstand um die Wende des Jahres 1908 eine schwere Kriegsgefahr, über die uns aber die vorliegenden Aktenbände noch nichts mitteilen. Die nächste Serie der großen Veröffentlichung wird mit diesem wichtigen Dorstadium des Krieges beginnen.
„Sprich nicht so, Papa, du tust cs ja doch nicht. Laß sie es kaufen, aber erkundige dich, wozu sie eigentlich St. Joseph brauchen. Vielleicht bleibt ein Fluge! stehen und —"
„Ach so, du meinst, ich soll unterkriechen!" unterbrach er sie heftig.
„Nein, das meine ich nicht, im Gegenteil, du sollst Bedingungen stellen!"
„Bedingungen stellen?"
Erstaunt blickte er sie an. Auf einmal lachte er fröhlich und faßte sie um den Hals.
„Recht hast du, Mädel, ich kann ja Bedingungen stellen! Der Turm mit der Zwiebel bleibt stehen. Doktor Engelhardts Kräutersammlung und veraltetes chirurgisches Arsenal wird darin zum ewigen Gedächtnis aufbewahrt. Doktor Engechardt selbst unter dem Stein der Gräfin Schreck von Rheinau begraben. Abwechselnd wird an jedem Abend auf seinem Grabe die „Lorekey" und die „Santa Lucia" gesungen."
„Papa," sagte sie leise und hiell ihn fest umschlungen, spürte, wie schwer sein Herz pochte, und hörte, wie mühsam er Atem zog.
Zum ersten mal fiel ihr die Veränderung in seinem Aeußern auf. Er war alt geworden, und sein aufbrausendes Wesen hatte einer fahrigen Unruhe Platz gemacht.
Am Nachmittag kam Gerhart Tylander.
Ruth ließ die Herren erst allein und freute sich, als der Vater bei ihrem Eintreten ganz zufrieden sagte:
„Also, das Kloster soll noch eine Zeitlang, jeden- falls aber drei Jahre, stehen bleiben. Man will nur einige Bureaus und die Ambulanz unterbringen. Herr Tylander hat mir erklärt, daß mir das Turmzimmer als Altenteil zugesprochen werden soll."
„Ihr Herr Vater mischt Scherz und Ernst wie einen Coktail, gnädiges Fräulein," erwiderte Iglan- der lachend und trat rasch auf sie zu.
„Wie ich mich freue, Sie zu sehen," fuhr er leise fort.
Als sie sich umwandten, waren sie allein.
Sie deutete auf zwei Stühle in der Fensternische, wo die Märzsonne lag.
„Ich habe Sie erwartet, Herr Tylander," sagte sie einfach.
(Fortsetzung folgt)
Ein Besuch im Moskauer Kreml.
Von unserem soeben aus Moskau
Seit der Novemberrevolution des Jahres 1917 ist Moskau, der alte historische Sitz der moskowiter Zaren vor der Zeit Peters des Großen wieder die Hauptstadt des weiten Russenreiches geworden, während das alte Petersburg, heute Leningrad genannt, zu einer bedeutungslosen Gouvernements- stadt herabgesunken ist. Petersburg war eine westeuropäische Kolonie auf russischem Boden, Moskau dagegen trägt den echten Ton des Rusjentums, dessen Charakter als Übergang zwischen Europa und Asien deutlich in dieser Stadt und besonders im Kreml zum Ausdruck kommt. Moskau und der Kreml sind dem Russen von alters her ein Symbol, etwas Heiliges — sagt doch das alte russische Sprichwort: „Ueber Moskau geht nur der Kreml und über den Kreml nur der Himmel."
Der Kreml ist der auf einer Anhöhe liegende Kern Moskaus, eine kleine, von hohen alten Mauern umgebene Stadt, die eine Vereinigung von Kirchen, Kapellen, Palästen und Staatsgebäuden darstellt und eher den Eindruck einer großen Festung als den eines Stadtteiles macht. Heute ist er die Hochburg des Bolschewismus, die Zentrale, von der ans die Sowjetunion regiert wird. Ein Besuch des Moskauer Kremls gehört schon deswegen — ganz abgesehen von den vielen historischen Sehenswürdigkeiten — zum Interessantesten, das das heutige Rußland zu bieten vermag. Zugleich ist es aber mit großen Schwierigkeiten verbunden und setzt gute Beziehungen zu führenden Stellen voraus, eine Besuchserlaubnis zu erhalten, denn dieses Regierungsviertel mit seinen hohen Mauern läßt sich nur durch die doppelte Postenkette von Rotarmisten betreten, die jedes der Kreml-Tore bewachen. Der Ausweis irgendeines Volkskommissariates wirkt aber als „Sesam öffne dich" und bald befinden wir uns in einer der Kremlstraßen.
Was dem Kreml heute sein besonderes Gepräge verleiht, ist das zahlreiche Militär, dem man innerhalb seiner Mauern auf Schritt und Tritt begegnet. Mit seinen vielen exerzierenden, reitenden, turnenden Soldaten der verschiedensten Waffengattungen macht der Kreml heute den Eindruck eines großen Heerlagers. Die Haltung und das Aussehen der Soldaten ist durchaus gut. Man hat den Eindruck, den Kerntruppen der Roten Armee gegenüber zu stehen, die in keiner Weise den Elttetnippen des Zarenreiches nachstehen. Daß auch der Kern des russischen Wesens der gleiche geblieben ist und die Revolution und sogenannte „Aufklärung" unverändert überdauert hat, zeigt folgendes kleines Ge- fchicbtchen, das seinerzeit in Moskau umlief und gewaltiges Aufsehen verursachte: Die Posten am Trotzkij-Worota — eines der 5 Kremltore — wollten nämlich in zwei Nächten hintereinander um die Mitternachtsstnnde den Geist Iwans des Schrecklichen wahrgenommen haben und hatten unter panischem Schrecken das Feld geräumt. Man hatte eine doppelte Wachenverstärkung angeordnet, aber auch diese war, als die nämliche Erscheinung sich in der dritten Nacht wiederholte, dem geheimnisvollen Geist gegenüber nicht zum Stehen zu bewegen und Offiziere wie Mannschaften hatten eilends die Flucht ergriffen — dem furchtbaren Geiste Iwans des Grausamen das Feld überlassend. —
Aus Schritt und Tritt begegnen wir in den Straßen des Kremls unzähligen historischen Er-
zurückgekehrten Korrespondenten.
innerungen, die an die verschiedensten Zeiten und Geschehnisse der russischen Geschichte anfnüpfen. Betteten wir den Kreml durch das Trotzkij-Tor, so liegt gleich zur Linken das Arsenal mit Hunderten von eroberten Kanonen, die alle das lateinische N des großen Korsen tragen, dessen Kriegsglück sich 1812 vor den Toren Moskaus wandte. An der Kaserne vorbei führt uns der Weg zum berühmten Iwan Weliki, dem „großen Johann", eine der virien Kapellen und Kirchen des Kremls, der mit feinem berühmten Glockenturm noch aus dem 16. Jahrhundert stammt. Mit seinen phantastisch bizarren Verzierungen macht er, besonders wenn er vielfarbig in der Sonne schimmert, einen prachtvollen Cm druck. Zu seinen Füßen liegt die „größte Glocke der Welt", die Zarenglocke, die 1735 auf Befehl der Kaiserin Anna gegossen wurde und soft 8 Meter hoch ist. Sie hat sich als viel zu schwer für den Glockenturm erwiesen und soll beim Einbauen her abgestürzt sein, wobei ein mannsgroßes Stück her ausbrach, bas noch heute daneben liegt. 103 Jahre hat die riesige Glocke so gelegen und würde ers' 1838, nachdem sie durch ihr eigenes Gewicht scho: über die Hälfte im Erdboden versunken war, au: ein steinernes Fundament gesetzt und so der Nach wett erhalten. An diesen Glockenturm des Jwai Weliki knüpft sich so manche historische (Erinnerung, lo brachen die Franzosen — die sich so gerne dar erste Kulturvolk der Erde nennen — im Jahre 1812 in blinder erstörungswut die obere Spitze des Turmes ab in der Annahme, es handle sich um reines Gold! Eine Besteigung des Glockenturmes die an dem 33 verschieden große Glocken umfassenden Glockenspiel von wundervollem Klang vorbeiführt, läßt uns besonders an sonnigen Wintertagen eine der herrlichsten Aussichten genießen, die die Well kennt. Wir sehen unter uns den Kreml liegen, um den sich in weitern Kreis die eigentliche Stadt Moskau mit ihren zahllosen vergoldeten, in der Sonne wunderbar glänzenden Kirchenkuppeln, mit ihren Palästen und großen Staatsgebäuden gruppiert. Wir stehen hier auf diesem Aussichts- punkt auf historischem Platz; Napeleon beobachtete 1812 von hier aus Moskau imb mancher Herrscher hat vor und nach ihm auf diesem Turm gestanden und die Stadt betrachtet, die nicht zu Unrecht einmal mit dem Namen „tatarisches Rom" bezeichnet worden ist. —
Da wir den so selten einem Ausländer zuteil werdenden Vorteil genießen sollen, an einer Sitzung des „Allrussischen Zentral-Exekutiv-Kornitees", als der eigentlichen parlamentarischen Spitze der Sow- jetunion teilnehmen zu dürfen, begeben wir uns an der Krönungskirche der Zaren, der Usynskij-Kathe» drale vorbei zum sogenannten „Großen Kreml- palais", kurz Großes Palais genannt. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts erbaut, bietet cs mit feinen kostbaren Einriästungen und den übereridjen Kunstschätzen, die es beherbergt, eine der größten und wertvollsten Sehenswürdigkeiten Moskaus.
Hier im Großen Palais pflegten die Zaren während ihrer Anwesenheit in Moskau zu residieren und ihre häufig recht prunkvollen Feste abzuhalten. Mit einer gewissen Scheu treten wir durch den großen Eingang dieses prachtvollen Schlosses, durch den so mancher Herrscher der alten und auch — der


