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und rief Einheimische und Zugereiste auf. sich am Marktplatz zu einer Feier zu versammeln. Hoch­mütigen Antlitzes marschierten die Kohorten des Fascio schnellen Schritten durch die alten Gassen mit gesenktem Haupte, wehmütigen Blickes folgten die Einheimischen dem Rus: denn die Fahnen waren nicht jene, die in tausendjähriger Geschichte über dem Lande flatterten, sie waren nicht jene, in denen der tote Tiroler Adler mit dem immergrünen Ehrenkranzel zu sehen ist, sondern es war bie Tri­kolore, die Drixens Beoölterung an der fernen alten Reichsgrenze drei Jahre lang bekämpfte, gegen die der älteste Greis und der jüngste Knabe im Felde stand, sofern sie den Stutzen tragen konnten! Und die Klänge, sie waren keine deutschen Tiroler Wei­sen, sondern der italienische Königsmarsch und der Sturmgesang be$ Fascio.

Eine Stunde mochte wohl vergangen fein nach diesem ersten Treiben in den sonst stillen Gossen des Städtchens: der Marktplatz füllte sich: auf der einen Seite mit den Schwarzhemden des Fascio, auf der anderen Seite mit alten schwarzen Feströcken der Stadtväter und Bürgerschaft. Heraussordenden Blickes die einen, vergrämt die anderen. Ein paar kurze Kommandoworte, die Fahnen der Kohorten senkten sich, der Sürgenneifter tritt vor, er küßt die Fahne und zwei Tränen rollen aus die herzens­fremde Dreifach. Roch tiefer finken die Köpfe der Tiroler, während frenetischer Beifall der Schwarz­hemden anhob und das Giooinezza-Lied strophen- iveise den Lärm übertönte das war der 27. September des Jahres 1925 in Brixen.

Was war geschehen, daß es zu dieser bemer­kenswerten Szene kam? Eine Kleinigkeit bloß, die den Anlaß gab, der bodenständigen Bevölkerung zu zeigen, daß über fie ein Herr regiere, gegen dessen Befehl nicht nur die Bevölkerung, son­dern auch die Staatsgewalt ohnmächtig ist: ein Herr, der, obwohl die Staatsgewalt ausübend, doch ein Staat im Staate bleibt und unter dem Romen Fa'cio zlisammenzufassen ist.

Und die Kleinigkeit? In Sterzing halte sich eine Ortsgruppe der Fascio aufgetan. Eine pran­gende Tafel zeigte ihr Vereinslokal. Nachts darauf war die Tafel verschwunden. Daraufhin spielte die Fosciogruppe Streitpartei und Richter zugleich und diktierte Sühne: Alle Häuser muhten mit der Tri- fo^re geschmückt fein; die gesamte Gemcindevor- slMng müßte vor dem Fasciohaus erscheinen; der Bürgermeister habe das Komitee um Entschuldi­gung zu bitten, die Trikolore zu küssen, wobei die Ortsmusik den marcia reale zu spielen habe, bei dessen Klängen die vor dem Vereins- yaus zu versammelnde Bürgerschaft den Fascio- gruß zu leisten haben. Sollte diesen Forderungen nicht vollinhaltlich Folge geleistet werden, so würde der Fascio von Brixen der Bevölkerung ^ine schwere Buße auferlegen. So lautete der Befehl des Fascio!

Wie diese Buße aussehen könnte, dos beweisen die ausgebrannten Parteilokale der politischen Gegenparteien in ganz Italien, dos bezeugen die verschiedensten Toten oder die unter den Wir­kungen des Rizinusöl sich krümmendenBestraf, ten . So kam es zur oben geschilderten Szene für die es nur ein geschichtliches Beispiel gibt aus jener Zeit, die fagenumranft heute als dosgraue Mittelalter" bezeichnet wird: als Gehler zu Alt­dorf den Herzogshut oufpflanzte und dazu die Worte sprach: ,Lch habe den Hut nicht aufgeftetft zu Altdorf des Scherzes wegen ober um die Her­zen des Volkes zu prüfen, diese kenne ich längst! Ich habe ihn aufgeftetft, daß sie den Nocken mir lernen beugen, den sie aufrecht tragen

Und die entfernte Tafel? Sie prangte bei der Sühnefzene wieder am Dereinshause, nachdem sie bei einem Angehörigen der Fascio am Morgen jenes Tages gesunden worden war, der der Nacht folgte, in der sie von angeblichen Tiroler Händen entfernt worden sei---dafür wurde bei der

Sühneszene der Königsmarsch durch dos Fascio- Sturmlied ersetzt, damit die Bürgerschaft lerne, ihren Nacken nicht allein der Staatshymne, son­dern auch dem Foscio-Sturmgesong zu beugen. Fürwahr, ein bemerkenswertes Ereignis im Zeit­alter des Selbstbestimmungsrechtes.

Am 10. Oktober jährte sich der Tao zum sechsten Maie, seit ein königliches Dekret die Annexion Süd­tirols aussprach und mit Königswort versprach, Sitten und Gebräuche, Sprache und Kuttur des annektierten Landes innerhalb der neuen Staats­grenze so zu bewahren, wie wenn die annektierten Bürger im wirklichen Vaterland lebten. Und was waren die Vorgänge, die sich zwischen dem ge­schilderten 27. September und dem diesmaligen 10 Oktober abspielten, Vorgänge, bei denen die Staatsgewalt Pate stand? Am 10. Oktober erschien der Erlaß, daß es den italienischen Staatsbürgern nichtitalienischer Nationalität im neuerworbenen Gebiete nicht mehr gestattet sei, die einst im nun­mehrigen Auslande erworbenen akademischen Titel (Doktor, Profesior ufw.) zu führen. Am 2. Oktober wurde mittels Präfekturekret verfügt, daß die freiwillige Feuerwehr Bozens ihre Tätigkeit dauernd einzustellen habe. Am 5. Oktober verfügte ein Erlaß des Königlichen Justizministeriums, daß von nun an in den neu­erworbenen Gebieten ausschließlich in italie­nischer Gerichtssprache verhandelt und Streiteingoben lediglich in italienischer Sprache von den Gerichten entgegengenommen werden durften; im Falle der Unkenntnis der Sprache hätten sich die Streitparteien der amtlich, ober gegen Sonderver­gütung beizustellenden Dolmetscher zu bedienen. Dos waren die Morgengaben des Königsreichs an das neuerworbene Gebiet zum Gedenken an den h. Jahrestag ihrer Eingliederung in die neue Staat­lichkeit! Uno als Schluhouftakt zu diesem feierlichen Tage brachten die Blätter den Bericht über den Kongreh des bekannten VereinsDante Alig­hieri", desien Entschließung in den Worten gip­felt:Der Verein verlangt die versprochene Ent­fernung des Dogelweide-Denkmals vorn größten Bozener Platz, des Denkmals eines Dichters, der gar keine Beziehungen zum Londe Hot (!) und dessen Denkmal nur zum Zwecke der politischen Demonstration des deutschen Besitzes des Londes diesseits der Wasserscheide errichtet wurde; wie andere Sinnbilder der Gewalttätigkeit und des Betruges mpge es in das regionale Kriegs- mufeum überliefert werden. Durch eine städtische und nationale Suskription wird bann Bozen auf seinem größten Platze die erwünschte (!) Statue

des Drusus errichten, eines lateinischen Helden und Gründers der Stadt, der die Abzeichen Roms ins Etschland brachte."

Fürwahr, Drusus brachte die Abzeichen Roms ins Etschland aber vor ihnen und nach ihnen lebten und strebten dort Germanen; dankbar muh dies Eingeständnis bis Dante-Vereins aner­kannt werden, der bis nun behauptete, die latei­nische Kultur wäre im Etschland autothon.

Staatsgewalt, Parteigewalt und Kulturchou- vinismus arbeiten Hand in Hand, um die Nacken der Deutsch-Südtiroler zu beugen; doch auch heute gilt bas Wort aus der Tellgefchichte:Eine Grenze hat Ty rannen macht--", eine

Grenze, trotzdem wir im Zeitalter von Wilsons Selbftbeftimmungsrecht leben.

Oberheffen.

Landkreis Gicsrcrr.

£ Vieleck, 30. Oft. In der jüngsten Gern ein deratssihung legte der Finanz­ausschuß eine Entschließung vor, nach welcher der Gemeinde ein Mitbestimmungs-- recht bei der Vermietung der M i e t w o hn u n - gen gesichert wird, welche unter starker Mithilfe durch öffentliche Mittel gegenwärtig von Privaten errichtet werden. Der Qlittrag, der nicht nur für den Bauherrn, sondern auch für die Mieter, die auf eine solche Wohnung reflektieren, von allergrößter Bedeutung ist, hat folgenden Wortlaut:Als sich der Gemeinderat dazu ent­schloß, langfristige Anleihen aufzunehmen, um dieselben dem privaten Wohnungsbau mit ver­billigtem Zinssatz zuzuführen, ging er von dem Beweggrund aus, durch diese Maßnahme der Wohnungsnot in der Gemeinde am erfolgreichsten zu steuern. Kein Darlehnsnehmer ist darüber im Zweifel gelassen worden, daß sich die Gemeinde hinsichtlich der Dermietwöhnungen ein Mitbe- stimmungsrecht Vorbehalt. Aber auch ohne dies sollte es für jeden einzelnen Kreditnehmer eine Selbstverständlichkeit fein, daß die Bauhilfe aus öffentlichen Mitteln nicht ausschließlich seinen persönlichen, sondern auch den allgemeinen Inter­essen dienen soU. Diese liegen darin, nach und nach allen in Wohnungsnot befindlichen Orts­bürgern auf diese Weise M helfen. Daß dies aUerdings nicht so geschehen kann, wie ein Teil der Kreditnehmer die Vermietung der betreffenden Wohnungen scheinbar beabsichtigt, liegt auf der Hand. Ilm nun aber die unter den schwierigsten Verhältnissen Begonnene Aktion in ihrer ur­sprünglichen Dahn zu halten, sah sich aus vor­stehenden Gründen Der Gemeinderat in Wahrung der allgemeinen Interessen verpflichtet, ent­sprechende Maßregeln zu treffen, und beschloß, jedem Kreditnehmer folgende Bedingungen auf­zuerlegen: 1. Ieder Kreditnehmer i st verpflichtet, vor Vermietung seiner Ver- Mietwohnung sich aus der Liste der Woh­nungsuchenden auf hiesiger Bürgermeisterei einen Mieter auszusuchen. Dabei behält sich der Gemeinderat vor, dem Vermieter auch andere Vorschläge zu unterbreiten. 2. Die Wohnung darf erst nach erteilter Genehmigung durch den Gemeinderat von dem im Ein­vernehmen mit der Gemeindeverwaltung aus- erwählten Mieter bezogen werden. 3. Bezüglich des Mietpreises behält sich der Gemeinde­rat vor, die Höhe desselben auf seine Berech­tigung hin zu prüfen, d. h. der Mietpreis darf nicht höher gefordert und auch vereinbart werden, als die Rentabilität der Dausumme rechtfertigt. 4. Die Richtbeachtung oder Verletzung der vorstehenden Bestimmungen zieht für den Be­treffenden dey Verlust der Zinsverbilli­gung evtl. Kündigung des gesamten Dar­lehens nach sich." Dieser Antrag wurde vom Gemeinderat ohne jede Aenderung gutge- heihen und in Verfolg dieser Angelegenheit weiter beschlossen, daß für die Zukunft Reuauf­nahmen in die Wohnungsliste erst nach Prüfung der Berechtigung durch die Wohnungskommission festens des Gemeinderats zugelassen werden. Durch das Kreisamt wurden dieser Tage die von der Gemeinde neuangestellten zwei Rächt- wachmänner verpflichtet. Sie treten nunmehr am 1. Rovember ihr verantwortungsvolles Amt an. Es ist zu wünschen, daß sich alte Hoffnungen erfüllen, die an die Neuschaffung der beiden Stellen geknüpft wurden. Die Aussicht auf eine regelmäßige geeignete Rächt wache hat an den seitherigen unhaltbaren Zuständen nichts ge­ändert, die Zukunst muß lehren, ob die Wirksam­keit dieses Mittels eine Wendung zum Besseren bringt.

* Lang-Göns, 30. Okt. Der hiesige G e - fangoereinGermania" blickt 1926 auf sein 35 jöhriges Bestehen zurück. In einer außerordentlichen Generalversammlung beschloß der Verein, bas Jubiläum am 5., 6. und 7. Juni mit einem großen Gefangswettftreit zu ver­binden.

: Beuern, 30. Oft. Der Weitsicht des hiesigen Gemeinderats ist es zuzuschreiben, daß in vorsorglicher Weise in den Gemeindrgebäuden, wie Rathaus, Pfarrhaus und den beiden Schul- Häusern Trockenfeuerlöschapparate cruf- gehangt worden sind. Bei einer Treibj agd am letzten Donnerstag wurden 12 Hasen erlegt. Etliche Füchse wurden gesichtet, konnten aber nicht zur Strecke gebracht werden. Das am Burghain" in prachtvoller Lage gelegene Jagd­haus des AutogeschästsinhaberS Göbel von Gießen ging in diesen Tagen für den Preis von 8500 Mk, in den Besitz des hessischen Staates über. Der hessische Staat hat b.-rmit eine Wohnung erworben für den zukünftigen Forstwart unseres Bezirks. Vorerst soll dieVilla Göbel", wie sie hier allgemein genannt wird, von einem Jagdaufseher des Zigarrenfabrikanten Ludwig Rinn in Heuchelöeim, der die hiesige und noch andere umliegende Gemeindeiagden ge­dachtet hat, bewohnt werden. Die Villa wurde sm Iahre 1924 erbaut.

: Bersrod, 30. Ott Auch Lei uns hat sich die Bürgerschaft für die kommende Ge­rn ei n d c ra t s w a h l auf einen Wahlpvr- schlag geeinigt. Llnd so bleibt unser Dorf wie auch bei der letzten Gemeinderatswahl vor eini­gen Iahren von einem Wahltamps verschont.

; Winnerod. 30. Ott Seit einigen Wochen hat das hiesige Hvs^ut einen drei» scharigen Motorpflug m den Dienst ebv gestellt. -Gewaltige Ackerflächen werden täglich mit ihm gestürzt. Oft aber auch muß er benutzt werden, um steckengebliebene, schwerbeladene Fuh- ren aus dem schweren Ackerboden toeitenubeför- dem. Daß damit manches Arbeitspferd über- zählig wird, läßt sich denken.

: Oppenrod, 30. Okt. Ein schönes Zeichen von Einigkeit zeigt unser kleines Dörfchen. Wie bei der letzten Gemeinderatswahl vor einigen Jahren, so ist auch diesmal wieder nur e i n Wahlvorschlag auf hiesiger Bürgermeisterei eingereicht worden. Der Spitzenkandidat dieser Ein- heiksliste ist Ludwig Schneider.

v Grünberg, 30. Okt, Der 'Neubau des Finanzamtes wird voraussichtlich nicht auf dem Platz der Höfetränke erstehen. Man plant jetzt, den Bau in der Theo-Koch-Straße am Gallus- inarktplatz zu errichten. In der letzten Zeit hat sich die Zahl der reisenden Handwerks­burschen, die in den Häusern unserer Stadt vor­sprechen, ganz erheblich vermehrt. Vielfach bitten die Leute um ein Mittagessen, dessen Angabe in den Haushaltungen aber oft recht schwierig ist. Ob die Gemeindeverwaltung in dieser Hinsicht eine Ein­richtung schaffen kann, wäre vielleicht erwägens­wert.

J) Lich, 30. Oki. Zur bevorstehenden Stadt­ratswahl wurde die Handels-, Gewerbe- und Mittelstandsliste mit der Beamtenlifte einfach ver­bunden. Weitere Liftenverbindungen liegen nicht vor. Seitens der Gemeinde-Wahlkommission sind die eingereichten Wahlvorschläge und Derbindungs- erklärungen zugelassen worden.

Kreis Friedberg.

Bad-Rauhei in, 30. Oft. Die reichen und vielseitigen älnterh altungsmöglich- leiten, d-ie in der Hauptsaison das Kurhaus als geistiger Mittelpunkt unserer Badestadt be­sonders auf den Gebieten der Mufik, des Theaters und des wissenschaftlichen Vortrags bietet, kann der ortsansässige Rauheimer nicht in dem Maße ausnutzen, als er es gern möchte. Das Kurleben, an dem säst jeder Einwohner mehr oder weniger gewerblich interessiert ist. nimmt deren Arbeits­kraft dermaßen in Anspruch, daß nur wenig Zeit zur Muhe und Erholung bleibt. Dies« bleiben dem Winter Vorbehalten, der Gelegenheit genug bietet, die geistigen Bedürfnisse zu be­friedigen. Die Vereinstätigkeit erlebt jetzt ihreHochsaison". Die Unterhaltungen fast sämtlicher Vereine bewegen sich in Bezug auf Aufmachung und Inhalt auf einer erfreulichen Höhe. Im Dienste der Volksbildung stehen vor­nehmlich der Vortrags- und Musik­verein, der Bildungsverein und der Heimat verein. Sie alle haben für den Winter wieder Vortragsveranstaltungen geplant. Der Bildungsverein, der mit belehrenden und unterhaltenden Vorträgen gerade einen der wich­tigsten Teile seiner übernommenen Aufgaben er­füllt, hat wieder eine größere Vortragsreihe ge­plant. In Aussicht gefaßt sind Themen literari­schen, staatsbürgerlichen, volkswirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Inhalts, ebenfalls solche aus der Kunstgeschichte. Es wird besonders an­erkannt, daß sich auch die Gießener Hoch­schulgesellschaft in den Dienst der guten Sache stellt. II. a. ist ein Vortrag von Professor Klute über seine Spitzbergen-Expe­dition zugesagt. Der BiDungsverein wird seine Tätigkeit am 16. Rovemodr mit einem Dor­trag über C. F Metzer eröffnen, wozu Studien­rat Wald als Redner gewonnen ist.

r. Gamboch, 30. Oft. Für die Gemeinde- r a t s w a h l sind 4 Wahlvorschläge eingereicht, und zwar von den Sozialdemokraten, dem Bauernbund und zwei von der Mittelstandspartei. Im seitherigen Gemeinderat hatten Sozialdemokraten, Bauernbund und Mittelstandspartei je 4 Vertreter. Aon den So­zialdemokraten scheidet das settherige Gemeinde­ratsmitglied Zimmer aus. An seine Stelle tritt der Maurer Heinrich Mohr. An aussichtsreicher Stelle auf dieser Liste stehen die Namen der feit» herigen Gemeinderäte B ö ck , Müller und Ratz. Bei der Bauernbundliste sind die bisherigen Ge­meinderäte R e u h l, Rumpf, Buß und Klein die Spitzenkandidaten. Bei der Mittelstandspartei waren tm Laufe des Sommers zwei Richtungen in Erscheinung getreten. Es war nun versucht wor­den, für die kommende Wahl eine Einigung zu er­zielen, das Vorhaben scheiterte aber. Die eine Liste heißt M i t t e Ist ä n d l e r l i st e , bei der die Spitzenkandidaten die seitherigen Gemeinderäte Wilhelm A l t und Louis Friedr. Grieb sind. Die andere Liste nennt sich M i 11 e l st a n d s p a r t e i, vereinigte Handwerker und Gewerbetreibende. Spitzenkandidaten sind hier die Gemeinderäte Fleischbeschauer A l t und Maurermeister Hch. Schäfer. Die erstgenannte Mittelstandsliste hat Liftenoerbindung mit der Bauernbundsliste bean­tragt.

s Rieder-Florstadt, 30. Oft. Unser großes Verkehrsauto, das mit Schülern, die die Friedberger Schuten besuchen, um 1.15 hier ankommen muh, blieb heute aus. Es war kurz vor Rieder-Florstadt mit einem entgegen- fahrenden Ochsenwagen des Gutspächters Alles sufammengefahren. Der Wagen war mit Feldarbeiterinnen beseht. Durch den hefti­gen Anprall ging er vollständig in Trüm­mer, und bas Auto kam in den linken Straßengraben zu st eßen. Zwei Mäd­chen fa c t unterdieReste des Wagens; daS eine erlitt einen Armbruch, bas andere kam mit starken Hautabschürfungen davon. Die übrigen Insassen des Wagens wurden aufs Feld geschleudert und lagen zwischen zerschmetterten Teilen des Wagens. Herr Alles, der ge­rade mit seinem Landauer vorbeifuhr, nahm die Beschädigten mit nach Friedberg. Die Mit­fahrer im Auto meistens Kinder kamen mit dem Schrecken davon, sie mußten aber, da die Tür eingeklemmt war, durch die Fenster aussteigen. Der Wagen war stark besetzt^ und infolge des einsetzenden Gedränges fielen einige Frauen in Ohnmacht. Die Buben brachten die meisten Leute heraus, weil sie eine Explosion be­fürchteten, bevor die Tür geöffnet werden konnte. Das Auto ist st a rk beschädigt und muhte durch eine Selbstfahrerlokomobile abgeschleppt

werden. Wen die Schuld trifft, läßt sich noch nicht feststellen. Die Untersuchung ist eingeleitet.

B. Rodheim o. d. H., M. Okt. Bei den Gemeinderatswahlen treten außer dem hes­sischen Landbund und der Sozialdemokratischen Partei die Gewerbetreibenden mit einer eigenen Liste hervor. Von seitherigen Gemeinderatsmitglie- dern enthalten die Wahloorschläge die Namen K. B. Kunz und Joh. Gg. Rob. W e h r h e i m (Hess. Landbund); Joh. Wilh. Wagner und Gg. Jak. Vogel (Sozialdemokraten) und Zimmermeister Jak. v. Hayn III. bei den Gewerbetreibenden. Da sich eine weitere Verbreitung der Er­krankungen an Scharlach unter den Kin­dern bemerkbar macht, mußte jetzt auch die hiesige Volksschule vorläufig geschloffen werden.

Kreis Büdingen.

-/= Ortenberg, 30, Okt. Während es in noberen Gemeinden, wie z. B. Nidda und Hungen, gelungen ist, zu den bevorstehenden Gemeinde- r a t s w a h l e n Cinigungsliften herauszubringen, ist eine solche Einigung hier nicht zustande gekom­men. Es wurden hier vier Wahloorschläge eingereicht.

L Echzell, 30. Okt. Das Preisfchießen des im Nachsommer gegründeten Kleinkaliber- Sch u tz e n o e r e i n s fand bei reger Beteiligung statt und ergab günstige Schußresultate. Im ganzen kamen 42 Preise zur Verteilung. Die sechs besten Leistungen erzielten nach Punkten: Gendarmerie- Wachtmeister Schneider mit 49, Karl Kapel­le r, Bisses, mit 47, Otto Küfer mit 46, Hermann Krug, Heuchelheim, mit 44, Gustav Hofmann mit 44, Viktor Schneider, Unter-Widdersheim, mit 43.

Starkenburg.

* Darmstadt, 30. Oft. Im Alter von 81 Iahre« ist hier die Lehrerin im Ruhestands Marie Müller gestorben, die lange Zeit eine führende Stellung unter den hessischen Leh­rerinnen eingenommen hatte und Ehrenvor­sitzende des Vereins Hessische- Leh­rerinnenheim war. Auch in anderen Gdj- rerinnenoereineit bekleidete sie Ehrenämter. Die Anstalt für Epileptische in Rieder» Ramstadt bei Darmstadt hat in diesen Tagen die Feier ihres 25jährigen Bestehens began­gen. Sie wurde im Oktober 1900 von der Inneren Mission mit vier Kindern gegründet. Gegen­wärtig sind über 200 Kranke in der Anstalt.

» a. Darmstadt, 28. Okt. Am Montag wurde hier eine Persönlichkeit zu Grabe getragen, die im ganzen Hessenland bekannt war. Es ist der Lehrer i. R. Georg Ritz. Im Jahre 1838 geboren, wirkte er als Lehrer längere Zeit in Uettershausen im Schlitzerland und dann nahezu vier Jahrzehnte in Maor. In dieser Zeit Hal er sich um das G e - nossenschaftswesen sehr verdient gemacht. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erkannte er mit klarem Blick die Notlage der Land­wirtschaft, die besonders unter dem Druck fremder Geldgeber zu leiden hatte, und gründete eine Spar­und Darlehenskasse auf genossenschaftlicher Grund­lage zur gegenseitigen Unterstützung, die noch heute befiehl und sehr segensreich gewirkt hat. Ein ganzes Menschengeschlecht hat in Maar zu Füßen des ver­dienstvollen Lehrers gesessen. Im Jahre 1906 trat R. in den wohlverdienten Ruhestand und siedelte nach Darmstadt über, wo sein Sohn als Rektor wirkt. Als Pensionär widmete er sich auch hier noch dem Genossenschaftswesen. So leitete er bis zum Jahre 1920 die neugegründete GenossenschaftszeitungDas Hessenland". Seine geisttge Frische hat er sich bis in feine letzten Lebenstage erhalten. (Ein großes Trauergefolge begleitete ihn auf dem letzten Gang. Besonders viele seiner Schüler aus feinem einstigen Wirkungsort Maar standen an seinem Grab.

0 Offenbach, 29. Oft. Wie wir hören, kann damit gerechnet werden, daß die Krast- pvstlinie Offenbach a.MLangen in etwa 4 Wochen in Betrieb genommen wird.

Preußen.

Dittkreis.

bl. Fleisbach, 30. Oft. Linser Pfarrer von Oven blickt in diesem Iahre auf eine 3 0jährige Tätigkeit als Vorstand des hiesigen .Spar» und Darlehnskasfen- Vereins zurück. Dom Raiffeisenverband Frank­furt a. M. wurde ihm in Anerkennung feiner Verdienste eine Medaille überreicht.

Frankfurt a. M. und Umgegend.

fpd. Frankfurt a. M., 30. Okt. In der Stadtverordnetenfitz nng erklärte der Magistrat auf eine Anfrage, daß seine Denkschrift über Verbilligung der Lebensmittel wenig Erfolg haben könne, wenn nicht vom Reich aus eine umfassende Aktion einsetze. Von dem Wohnungsbauprogramm für 1925 konn­ten statt dec vorgesehenen 1200 Neubauten nur 270 wegen der bedeutenden Erhöhung der Baumaterial- Preise und des allgemeinen Geldmangels hergestellt werden. Von 28 Millionen Mark Hauszinssteuer, die in Frankfurt vereinnahmt wurden, müssen 20 Millionen an das Reich abgeführt werden, so daß nur 8 Millionen für städtische Bauzwecke verblei­ben. Die Steuer für karnevalistische Vergnügungen wurden von 50 auf 35 Prozent herabgesetzt. Die Steuer für Soielklubs erhöhte man um das fünffache, auf eine An­frage über die Auslandanleihe der Stadt er­klärte der Magistrat, daß die Anleihe die billigste von allen deutschen Stadtanleihen tm Auslande fei und werdenden Zwecken für Gas-, Clektrizitäks- und Wasserwerkerweiterung dienen soll.

Sie foto noran Oealen dem 6. November, die Frist zur Erneuerung der Lose 2 Klaffe S6./M2. Preußisch Süddeutscher Klaffenlotterte abläuft. Da bet der 1. Klasse tue ungewöhnlich starke Nach­frage nach Losen in vielen Fällen nicht befriedigt werben konnte, besteht bei Nichteinhaltung der vor­bezeichneten Frist die Gefahr, daß über daS Lok 2. Klasse anderweit verfügt wird, was nach den Pianbestinimimgen zulässig ist. Wer an ien unge« wöbnlich günstigen Gewinnchancen der folgenden Klaffen tetlnehmen will, versäume daher nicht, sein Loö zeitig au erneuern. 17000 Gewinne tm Gesamt­beträge von über 2 Millionen NetchSmark werden in der am 13. und 14. November stat findenden Ziehung 2- Klasse ausgespielt, borunter 2 Gewinne äu je 100000 Reichsmark als Höchstgervtnne. S3Nlä

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