fand daS Bild dec Stadt, der Fabrik, des großen Innenraumes and der Wohnung den dem Zett- charakter adäquaten Ausdruck. Lind wie die Zeit durch das Surren der Propeller und das Schwingen unsichtbarer Wellen zusammengepreht wurde zu belangloser Bagatelle, so wurde auch Raum und Körper im Dienste menschlichen Schaffens von dem Ausdruckswillen der Gegen- wart geformt. Zweckmäßige Schönheit hieß die Zauberformel, die Häuserblocks ballte, Schornsteine emporsteilte, Möbeln die gediegene Rutz- form gab.
Die P l a st i k, vom Stofflichen her der Architektur verwandt, dreidimensional gleich ihr, doch ungleich beweglicher und fügsamer dem Formungsdrang neuer Impulse nachgebend, sah in Archipenko den Meister rein formalen Ausdruckswillens, der sich in Melodie und Rhythmus seiner Konstruktionen auslebt. Auch Oskar Schlemmers abstrakte Kunst gehört i n diesen Kreis. Wilhelm Lehmbruck erkannte in der Linie eines Kopfes, in der Wendung eines Gliedes schon die Möglichkeit, Wesentlichstes über den beseelten Körper zu sagen. Bei Georg Kolbe endlich fand das Drängen zur Einheit von gesunder, notwendiger Geistigkeit und den Bedingungen statischer und plastischer Gesetze auf höchster künstlerischer Ebene die vollendete Lösung. Aus LIrgründen der Leidenschaft formt Ernst Barlach seine hölzernen Firuren, die an kein Maß gebunden sind. Die Tierbildner August Gaul und Renee ©in» tenis erlauschen am lebendigen Tier sein Wesen und gestalten dumpfgefühlten Trieb zu naturnaher und wesenhafter Klarheit.
Das Drängen zum Wesentlichen, das Suchen nach Wahrheit, das sich in der Plastik offenbart, lebt gleicherweise in der Malerei. Ganz gelöst von aller stofflichen Belastung eilten Paul Klee. K a n d i n s k y und Klemm leicht voraus. Linie und Farbe war ihnen Freude genug. Mittler zwischen Stoff und Form wurde Franz Mara. Der Entdecker eines neuen Eigenlebens der Farbe war Oskar Kokoschka, ihm folgte nicht fern als
treuer Sachwalter der Dinge, ehrlich und stark, Schmidt-Rottluff uno seine Freunde der heute nicht mehr bestehenden „Drücke". Spötter und Hasser einer nicht mehr existenzberechtigten bourgeoisen Verlogenheit war Otto D i x, überragt durch George Groß, dessen Anklage tiefer an den Kern dec Sache herangeht, dessen Bilder Angriff nicht nur durch die Sache, sondern schon durch jede Linie, durch jeden Strich werden.
Das Wort, leichteste Waffe, gefügigster Stahl, wurde den Vorkämpfern des neuen Tages willkommener Helfer. Am gewichtigsten, an Auge und Ohr sich wendend, im Drama. Die Bühne, Resonanzboden der Dichtung, war soeben grundlegend umgestaltet und aus all ihren naturalistischen Verkettungen entfesselt worden durch Tai- roff. Ießner, Hartung, Weichert, Legal und einige andere begriffen sofort, daß hier und nur hier der Weg weiter gehe, und öffneten ihre Häuser den jungen Dichtern, die ihre eigene Sprache in der ihnen gemäßen ihn» gebung, in dem ihnen eigentümlichen Rhythmus, mit den ihnen zugehörenden Mitteln sprechen konnten: Carl Sternheim, der Ingenieur der Sprache, Georg Kaiser, der Denkspieler (wie ihn Bernhard Diebold genannt hat), Melchior Vischer, der erst in diesem Jahre und dem nächsten (trotz Kronachers Aufführung des „Teemeister" in Leipzig) „entdeckt" werden wird, der sich bereits über die kämpfende Anklage zur spielerisch lächelnden Satire, zur ileberlegenheit durchgerungen hat, und Fritz von il n r u h, der vielleicht berufen sein wird, die Drücke zum anderen ilfer des neuen Jahrtausends zu bauen, das unsere Enkel 2000 schreiben werden. Wichtig für das Heute wurden uns in Deutschland noch zwei Fremde: Der Ire Georg Dernard Shaw, ironischer Spötter, der Helden und Götzen von ihrem Sockel nimmt und auf ihren Schultern und Glatzen Staub zu wischen anfängt — und der Sizilianer Luigi Pi ran dello, dessen „Sechs Personen suchen einen Autor" trotz allen gegenteiligen Ansichten doch ein großes Dichtwerk ist: kein Lustspiel, wie es durch Reinhard! verballhornt wurde, sondern eine durchaus ernste,
sachliche Angelegenheit: Erlebnis des Dichters. Man wird das Stück geben, solange es Dichter gibt.
Die Prosa hat in Wilhelm Schäfer und Jakob Wassermann einen Höhepunkt erreicht, den die junge Generation mit ihren eigenen Mitteln erklomm. Da ist Kasimir E d s ch m i d t s toll vorwärtspeitschende, bizarre Kunst, Alfred Döblins starker Atem und die gewaltige Dreite des Schlesiers Arnold LI li h. Als guter Mentor der deutschen Sprache, der uns unseren Hölderlin schenkte, hält Wilhelm Michel auf hoher Warte treue Wacht.
,,Die LhriI endlich fand wohl in dem zu früh gefallenen August Stramm am stärksten Abbild und Form unserer krampfhaft zerrissenen Zeit. Franz Werfel singt in hymnischer Verzückung von Gott und dem neuen Menschen, der kommen wird. Theodor Däubler fand Einklang und Ruhe in dem Stamm und den Blättern einer Buche: seine Kraft reichte sogar bis zum Sonett, in das er fein Wort klar und stark Hineinschmiedel. (Klabund — weih das alles. Lind Franz Blei sagt das auch. Rur gayz anders.)
Die leichtbeschwingteste der Künste endlich, die Musik, unbelastet von Stofflichkeit und Wort, nur lebendig in Klang und Rhythmus, tummelte sich selig befreit in den äußersten Grenzgebieten musikalischer Möglichkeiten. Jazz- Band, die entfesselte Hölle, die durchgegangenen Pferde des Sonnenwagens, ist klangliches Abbild einer aus den Fugen geratenen Zeit. Franz Schreker sucht eine neue Sprache der Musik in J)er Oper, Arnold Schönberg bemüht sich um neue Vokabeln für das Konzert, Paul Hindemith ist einer von denen, die eben auf dem Reuland festen Fuß gefaßt und die Zügel straff in der Hand haben.
Seien wir darauf bedacht, daß die Räder nicht über uns hinweggehen. Lind hält Verantwortungsbewußtsein uns d'.e Augen offen und das Rückgrat stark, dann schreiten wir vorwärts, ins Morgen, unermüdet.... e-s.
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GießenerAnzeigersGeneral-Anzetger für Oberhessen)
Nr. 256 Zweiter Blatt
Die Wirtschaftslage und die deutsche Landwirtschajt
Von Karl Hepp, M.d.R., Präsident des Reichs-Landbundes.
Die letzten Monate haben eine offensichtliche Verschärfung der wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands gebracht. Diese Entwicklung kommt insbesondere in der westlichen Industrie zum Ausdruck. Bei der hervorragenden Bedeutung, 2ie das Rhein-Ruhr-Revier als das wirtschaft» vich-industrielle Herz Deutschlands hat, müssen 1 Rachrichten solcher Art, wie sie gerade von Dort kommen, eine besonders ernste Beachtung finden. So kommt der Raubzug, den die Entente «egen die deutsche Wirtschaft seit Jahr und i Tag führt, zu seiner Auswirkung.
Rur ein Optimist kann von der Gegenseite «ine Berücksichtigung deutscher Wünsche, die etwa Das Ziel einer Wiedergesundung der deutschen Wirtschaft zur Folge haben, erwarten. Das eine ’ Derartige Ententepolitik, die die Verarmung des wirtschaftlichen Deutschlands nach sich ziehen muß, nicht in Einklang zu bringen ist mit dem anderen Ziel, Deutschland reparationsfähig zu erhalten wer gar repavationsfäh'.g zu gestalten, liegt auf der Hand. Deutlicher kann wohl die Sinn» 1 o s i g ke i b. der Politik, die man Deutschland gegenüber pflegt, garnicht zum Ausdruck kommen.
Die ungeheuren Lasten, die als Kriegstribut auf unserer Wirtschaft ruhen, drücken in immer 1 Härterem Maße unsere Konkurrenzfähigkeit herab.
Gerade die Zahlen, die im Laufe der Behandlung ter Steuergesehe im Reichstag über ZTte steuerliche Belastung des deutschen Steuerzahlers im Vergleich zu den Auswirkungen der Steuern des Auslandes mitgeteilt wurden, dürften zur Ge- itüge dartun, wie gering die Konkurrenzaussichten für Deutschland sind! Das soll keine Verkennung ter qualitativen Leistungen unserer Wirtschaft bedeuten, aber schließlich ist nicht nur die Qualität, sondern auch der Preis bei der Weltmarktkonkurrenz maßgeblich.
Daneben hat sich eine andere Entwicklung vrllzogen, die das Wiedererscheinen deutscher Erzeugnisse auf dem Weltmarkt erschwert: die, 3o II* und Handelspolitik der großen' Wirtschastsmächte des Auslandes steht unter dem Zeichen der Abwehr deutscher Erzeugnisse. Eine eingehende Prüfung etwa des italienischen oder russischen Zolltarifs wird diese Auffassung ebenso bestätigen, wie die Erfahrungen, die wir gelegent» li H der Handelsvertragsverhandlungen mit England, Frankreich, Belgien oder anderen Ländern gemacht haben.
Das Ergebnis aller Llntersuchungen kann nur die Feststellung fein, daß die Wettbewerbs- nuissichten für deutsche Ware auf dem Weltmarkt leihr gering sind und bet der Einstellung des Tnslands, der Belastung der deutschen Wirt- ’chaft, in Kürze eine Besserung nicht zu er* io arten ist.
Jede Wirtschaft muß das Bestreben haben, ihre Produktion über das Maß des Eigen* nerbrauchs zu heben und mit ihren Produktions- I Überschüssen Werte des Auslands, die das eigene L'anb nicht hervorbringt, zu erwerben. Das gilt in hohem Maße für Deutschland, insbesondere, loioeit es auf Rohstoffe des Auslandes angewiesen ist.
Die derzeitige Lage, wie sie an den Grenzen inriereS Vaterlandes geschaffen ist, bedingt mehr beim je die Pflege der Aufnahmefähigleit des Binnenmarktes. Die Entwick- dirg, die die Handelsbilanz mit einem Defizit ton 2,7 Milliarden am Ende des Jahres 1924 mt) mit einer weiteren Verschärfung im Laufe des Jahres 1925 genommen hat, weist uns immer nshr darauf hin. die Hoffnungen auf Ausfuhr* Möglichkeiten nicht zu Überspannen, dafür aber '5 bis Aufnahmefähigkeit des Binnenmarktes nach Reiften zu heben. E s ist eine nicht z u bsst reitende Tatsache, daß die Land- jvnrl schäft als Käufer industrieller, gewerblicher Erzeugnisse in aller* t eft er Linie zur Belebung des ^Vinnenmarktes in Frage kommt, "i i6e r nur unter der Voraussetzung, baß i h-r e Kaufkraft wieder berge» lallt wird. Es darf daran erinnert werden, |ba:6 von der industriellen Gesamtproduktion dec llarkriegszeit zwei Drittel im Inland aufge» wrnmen wurde, daß daran zur Hälfte die Land-
Tempo . . . !
Tempo! Das ist der Rame des Gottes innerer Zett.
Das, ist: Schlachtruf. Das ist: Siegesfanfare. Hais ist, auf die kürzeste Formel gebracht, Aus- lr»ckswille unserer Zeit.
Richt, daß wir statt der Tramway die -Unter» kMiiidbahn benutzen. Richt, daß V-Zug und Auto kam Flugzeug überholt wurden. Richt, daß wir wßen dem Fernsprechen und -hören nun auch Umsehen und »photographieren können. Richt, niti einem Wort, daß Zeit und Raum keine unüberwindlichen Schwierigkeiten mehr bedeuten, l’t wichtig: bedeutungsvoll vielmehr ist für uns l;c Rückwirkung jener Spannungsenergieen, mit keinen wir Stundenzeiger und Metermaß in Allein schlagen.
Kraft und Krampf sind die bewegenden Alimente der Zeit. Llngerichtete Kraft in snm- lsir Lieberspannung ist Krampf. Der Krieg tuchs sich dazu aus. In der Malerei, in der Lichtung überschlug sich das Wollen und verlor iiä Maß. Kleidung und Lanz, die hemmungs- M? Lebensführung mancher Kreise angesichts allgemeinen Rotlage waren Bild und Spie- ■gDtilb zugleich: Das Tempo des Tages trieb -mcmfhörlich vorwärts: die Stärksten trieben es m. die Starken hielten bewußt Schritt, dev 2eft fiel ab. Einige rafften sich auf; ihr Laufen Halbe 5um Geschleiftwerden, ihr Gesang zum 4?kceisch: Krampf. Auf sie blickte die Masse, der
Sonnenwagen des Gottes längst aus den lugen entschwunden war, und ihre Weisen be* liefen aus Büchern und Dokumenten, daß jene ndy das Wahre und Gute brächten, und daß der -De;, den sie gingen, ein Irrweg sei.
Die Architektur, ihrem handwerklich be» langten Grundcharakter entsprechend, blieb am 'tjeften vor LIebereilung und Krampf befreit. Auch 'baren ihre Meister stark genug, um mit dem !Linpo der Spitzengruppe Schritt halten zu können. ’$it Bruno Laut, Paul Gropius, Peter 'Vehrens, Hans Poelzig, Bruno Paul
wirtschaft beteiligt war, während ein Drittel ausgeführt wurde. Der Wert dessen, was die Landwirtschaft für den eigenen Bedarf erwarb, entsprach also dem Exportwerte. Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion ist aber nur möglich auf dem Wege einer weiteren Mechani- sireung und verstärkter Anwendung künstlicher Düngemittel. Wan kann wohl die Behauptung aufstellen, daß eine Verbesserung des landwirtschaftlichen Produktionsapparates bis zu 50 v. H. seines augenblicklichen Standes möglich ist, wenn durch Wiederherstellung der Rentabilität eine entsprechende Kaufkraft ersteht. Damit eröffnet sich für weiteste Kreise von Industrie und Gewerbe ein großes Arbeitsfeld,
das jedenfalls wesentlich sicherer ist, als der schwankende oder kaum zu erringende Weltmarkt.
Leider ist der Kampf um die Wiederherstellung und Sicherung der landwirtschaftlichen Arbeits- und Kaufkraft ein außerordentlich schwerer. Eine Fülle von Vorurteilen, von politischer Seite genährt, müssen überwunden werden und dies alles in einem Augenblick, da unsere Gesamtwirtschaftslage so gar keinen Ausblick auf eine allgemeine Besserung zuläßt.
Alle Maßnahmen, die daher von der Landwirtschaft und von politisch ihr nahestehenden Kreisen gefordert werden, werden von den Gegnern als agrarische Interessenpolitik bekämpft, während es in Wirklichkeit darum geht, mit der Wiedererstarkung der Landwirtschaft das Kernproblem der ganzen deutschen Wirtschaft anzupacken. Alle anderen Versuche, die diese große entscheidende Frage in diesem oder jenem Punkt anpacken, werden scheitern, wenn sie nicht durchstoßen zum Kern des Problems.
Die Voraussetzungen für die Produktionshebung sind ideeller und materieller Ratur. Was die elfteren betrifft, so bin ich davon überzeugt, daß sie, soweit sie im Landvolk selber begründet sind, im vollen Maße vorhanden sind. Der Landwirt ist sich seiner Aufgabe. Rährer des Volkes, Träger der Wirtschaft zu fein, durch» aus bewußt. Er ist sich weiter bewußt, in der heutigen Zeit schwere Opfer bringen zu müssen und andererseits seine Arbeitsleistung bis zum äußersten zu steigern. Er wird als Staatsbürger stets bereit fein, dem Staat zu geben, was des Staates ist.
Anders stehl es mit den materiellen Voraussetzungen! Es gibt wenige Wirtschafts
zweige, in denen die Llnsicherheiten aller Art so gehäuft sind wie gerade in der Landwirtschaft. Man wird daher bestrebt sein müssen, diese Fülle der Llnsicherheiten auf ein möglichst geringes Maß zu beschränken.
Die Inflation hat auch die in der Landwirtschaft vorhandenen Kapitalreserven aufgezehrt. Reubildung von Kapital ist in der Zwischenzeit nicht erfolgt. Vielmehr hat eine Verschuldung ganz außerordentlicher Art eingesetzt. Man steht viel zu sehr unter dem Eindruck der Auffassung, daß die Landwirtschaft in der Inflationszeit ihre Schulden abgestohen habe und nunmehr restlos entschuldet dastände. Dem ist nicht so! Einer Realverschulüung von 15 Milliarden der Vorkriegszeit steht eine Verschuldung von heute in Höhe von 7,5 Milliarden gegenüber. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Dorkriegsverschuldung mit etwa 4 Prozent, zum Teil noch darunter, zu verzinsen war, die Zinsverpflichtungen von heute aber eine durchschnittliche Zinshöhe von ca. 12 Prozent bedeuten.
Preisausschreiben
Schon immer haben die Empfehlungsanzeigen im Gießener Anzeiger auch in Bezug auf die Satzausstattung allgemeine Anerkennung gefunden, ein Ansporn mehr für unsere technischen Mitarbeiter, der Ausgestaltung des Anzeigenteils in der vorliegenden Jubiläumsausgabe ganz besondere Sorgfalt angedeihen zu lassen.
Um nun zu erfahren, welche Anzeige in dieser Sonderausgabe unsere^ Leserschaft am eindrucksvollsten, somit also am wirksamsten erscheint, fordern wir unsere Bezieher auf, uns unter Beifügung einer kurzen Begründung den Namen des Auftraggebers derjenigen Anzeige schriftlich mitzuteilen, die sie für die wirksamste halten.
Drei Anzeigen, auf die sich die höchste Stimmenzahl vereinigt, werden bekanntgegeben. Die drei treffendsten Begründungen für diese Wahl werden mit je einem Geldpreise bedacht in Höhe von
150 Mark
100 „
50 „
Die Aushändigung der Preise erfolgt rechtzeitig vor dem Weihnachtsfeste. Die Einsendungen müssen aufdemUmschlagdieBezeichnung „Preisausschreiben" tragen. In besonderem eingeschlossenen Umschlag sind Name, Stand und Wohnung anzugeben. Sämtliche Zuschriften sind bis zum 10. Dezember an die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers zu richten.
Die Entscheidung über die besten Begründungen wird von Sachverständigen gemeinsam mit dem Derlag getroffen.
Gießen, den 31. Oktober 1925.
Verlag des (öietzener Anzeigers.
Samstag, 5(. Oktober 1925
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Weiter ist festzustellen, daß Anlaß zu weiterer Verschuldung infolge der Notwendigkeit, fremde Gelder in die Wirtschaft zu nehmen, in hohem Maße vorhanden ist.
Zwar verweist man auf die Möglichkeit, Gelder des Auslandes als langfristige Kredite der Landwirtschaft durch Vermittlung der Renten- banklreditanstalt zuzuführen: man überspanne aber doch hier nicht Hoffnungen, soweit sie sich etwa hinsichtlich der Menge der zur Verfügung stehenden Kredite wie der Höhe des Zinsfußes erheben. Kredite jeglicher Art sind stets ein Rotbehelf, Mittel unter Llmftänden gefährlicher Ratur, denn sie haben die unangenehmen Eigenschaften, daß sie einmal zurückgezahlt werden müssen und daß außerdem recht erhebliche Zinsverpflichtungen an sie geknüpft sind.
Die Lleberlastung kommt aber vor allem zum Ausdruck in der Höhe der Steuern. Das gilt für die Landwirtschaft wie für die übrigen Wirtschaftszweige, nur mit dem Llnterschied, daß für die erstere Abwälzungsmöglichkeiten nicht vorhanden sind. Wohl bringen die neuen Steuergesehe gewisse Besserungen in der Steuertechnik, eine fühlbare materielle Entlastung wird nicht eintreten. Das Reich wie alle öffentlichen Verbände werden ihr Augenmerk in Zukunft darauf zu richten haben, in stärkerem Maße die Sparsamkeitsmöglichleiten, insbesondere auf dem Gebiet der öffentlichen Verwaltung, auszuschöpfen. Man kann sich des Eindrucks nichts erwehren, daß, wenn man die Etats einer Reihe von Ländern und Gemeinden mit denen der Vorkriegszeit vergleicht, hier eine Etatspolitik getrieben wird, die mit der allgemeinen Verarmung nicht zu vereinbaren ist. Wie ist es möglich, daß im heutigen Deutschland die Summe aller Verwaltungsausgaben die Höhe von 11 Milliarden erreicht, indes das größere Deutschland vor dem Kriege mit einer Summe von nur 7 Milliarden auskam. Cs würde bedeuten, das Bild nur fya'b darzustellen, wenn auch nicht der Lasten gedacht würde, die auf das deutsche Volk als Folgen des verlorenen Krieges durch die (Sieger- floaten gelegt sind.
Wenn in den letzten Wochen unter den wichtigen wirtschaftspolitischen Fragen auch die Zolltarifvorlage im Vordergrund der Erörterung gestanden hat, so wäre es falsch, hierin etwa eine rein agrarische Maßnahme zu erblicken. Die Entwicklung der Handels* und Zollpolitik^ der großen und kleinen Staaten der Welt steht fast ausnahmslos unter dem Zeichen des Schuhes der eigenen Produktion. Deutschland braucht schon für Handelsvertragszwecke einen geeigneten Zolltarif. Ohne dieses Instrument ist es schutzlos dem stark bewehrten Gegner ausgeliefert. Handelsverträge aber sind die Mittel, mit denen, abgesehen von ganz geringen Ausnahmen, der Verkehr eigener und fremder Rohstoffe und Erzeugnisse geregelt wird. Die deutsche Landwirtschaft befindet sich gegenüber der Auslandskonkurrenz in einer äußerst schwierigen Lage. Ihre Produktionsbedingungen sind wesentlich ungünstiger, dazu kommt die äußerst schwere Belastung, die sie zu tragen hat. Der Aufschwung, den sie seit der Bismarckschen Schutzzollpolitik genommen hat, beweist die Richtigkeit der letzteren.. Es sei ferner darauf hingewiesen, daß in diesem Zeitabschnitt unsere gesamte Wirtschaft sich entfaltete —, nicht zum Schaden schließlich auch der industriellen Arbeiterschaft.
Lassen wir uns durch Schlagworte wie Drot- wucher u. a. m. von dem einmal als richtig erkannten Ziel nicht abdrängen. Der beste Schuh der Derbraucherschaft liegt darin, daß möglichst viel Lebensmittel in Deutschland erzeugt werden. Das ist gleichzeitig der beste Preisregulator im Sinne des Derbrauchers, denn Grundsatz von Angebot und Rachfrage wird stets seine Geltung behalten.
Tyrannenmacht in Südtirol.
Von unserem -r.-Sonderberichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Brixen, Oktober 1925.
Eine frische Erinnerung:
Hell lachte die Sonne Südtirols auf das zinnen- gekrönte Brixer Stadttor, über dem der moosbewachsene Zwölferturm emporragt. Reges Leben herrschte im Städtchen: Fahnen flatterten im Winde: Musik ertönt an den verschiedenen Ecken


