Ausgabe 
31.8.1925
 
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tu. 205 Erster Blatt

(75. Jahrgang

Montag, 3(. August 1925

Erscheint täglich, nutzer Sonru und Feiertag».

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Oesterreich zum Reich.

Anschlußkuudqebuug deS österreichisch- deutschen Volksbuudes in Wien.

Wien, 30. Aug (WLB> Unter überaus zahlreicher Beteiligung fand anläßlich des Be­suche- des österreichisch-deutschen Bolk-bunde- heute mittag eine Kund­gebung statt, die dem Anschluhwillen de- über­wiegenden Teiles der Bevölkerung und der Gäste au- dem Reich machtvoll Ausdruck gab. 3n der groben DollShalle des Rathauses sprach zunächst Reichstagspräsiden tLöbe über die po­litischen Aufgaben, die zur Erreichung des ange» flrebten Zieles zu lösen seien. Wir Horen aus Frankreich den Einwand, dab unsere Bestrebung die Wiederauslebung von Imperialismus und AnnexioniSmus sei. R i ch t S dergleichen ist es, waS wir verlangen. Wenn ein Volk die Rück- kehr zum Mutterlande will, dann ist daS keine Annexion, sondern das ist aller­erstes Menschenrecht der Böller. Für die Erfüllung unserer Wünsche und unseres natio­nalen Rechts kennen wir keinen anderen Weg, als den über den Dölkerb u i^d, welcher nach dem Vertrage von St. Germain ausdrück, lich zur Entscheidung über die zukünftige staat­liche Gestaltung Europas berufen ist. Die Erfüllung unserer Ansprüche wird auch die w i r t- schastlichen Verhältnisse bessern. Die Friedensverträge haben hier einen Rumpf» st a a t zurückgelassen. der keine Aussicht hat, lebensfähig zu sein. Alle künstlichen Sanierungen haben sich als untauglich oder als nur eine vorübergehende Hilfe erwiesen. Ein Blick in das Gutachten der österreichisch-deutschen Ar- deitsgemeinschost zeigt, dast es auch wirtschaftlich keinen anderen Weg gibt, als den, der uns Deutsche in einem groben Reich zusammenführt. Es ist manchmal gesagt wordeiu dab unsere An- schluhforderung eine künstliche Mache der Regie­rung sei. Rein! Das ist nicht der Fall! 'Die heutige Kundgebung ist von keiner Regie­rung gemacht. Sie entspricht dem Willen und dem Bedürfnis des Bolkes selbst. WaS dieser Krieg auch den Tschechen, Polen und Serben gegeben habe, das soll man dem deut­schen Bolk auf die Dauer nicht vorenthalten können. (Stürm. Beifall.)

Weitere rcichsdeutsche und österreichische Redner verschiedener Parteien ergänzten dann die Ausführungen des Vorredners, in dem sie die geschichtlichen, kulturellen und wirtschastlichen Fra­gen. die den Anschluß ersorderten, im einzelnen behandelten. Die wirtschaftlichen Gründe wurden besonders scharf unterstrichen. RachSchluß der eindrucksvollen Anschlustlundgebung wurden die deutschen Gäste im Festsaal des Rathauses von dem Dizebürgermeister Emmerling mit einer herzlichen Ansprache begrüßt. Hierauf waren die Teilnehmer von der Stadt Wien zu einem Essen im Kursalon geladen. Die nächsten Tage des Wiener Besuches werden neben fest» lichen Veranstaltungen besonders der Besich­tigung der sozialen Einrichtungen der Wiener Gemeinde gewidmet fein. Außerdem sinden in den nächsten Lagen zahlreiche D e u tsch- land-DortrÜge statt.

Die Befreiungsfeiern in Duisburg und Düsseldorf.

Duisburg, 31. Aug. (LU.) Zur gestrigen offiziellen Desreiungsscier prangte die Stadt im Flaggenschmuck Für Groß-Duisburg sanden die Festakte ans dem Königsplah vor dem Stadt- theaier, auf dem Marktplatz in Duisburg-Mei- derich und auf dem Reuen Markt in Duisburg- Altstadt statt. Die Hauptfeier war die vor dem Stadttheater, bei der die Musiker­vereinigung der Schutzpolizei Elberseld-Barmen und die Ortsgruppe Duisburg des rheinischen Sängerbundes mitwirlten. Eine unübersehbare festlich gestimmte Menschenmenge umfäumtc das weite Rechteck vor dem Stadttheater. Während des Festaktes umkreisten zwei mit Wimpeln ge­schmückte Flugzeuge den Festplah. Die Festrede hielt Oberbürgermeister Dr. Jarres, der u. a. ausführte: Duisburg wieder frei! Volle 53 Mo­nate der Fesselung und Demütigung liegen hinter uns, im Wachsen und Werden der Stadt mit die herbste Episode der Duisburger Geschichte. Die Bürgerschast darf sich mit ihrer Verwaltung sagen, daß sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, treu und zuverläs- Hfl auf Posten gestanden hat, als es galt, über. Jahre in Wetter und Sturm den Rhein­wall an einer sehr wichtigen Stelle zu halten. Als veramwörtlicher Gemeindeleiter danke ich meinen Mitbürgern für diese Standhaftigkeit und Treue.

Nichts liegt uns ferner, als unter den Bürgern unseligen Haß zu schüren: aber auch bei einer fried­fertigen Einstellung können wir unmöglich ver­gessen, was man uns an Unrecht anlat. Deshalb muß heute von der Leber weg, was uns belastet:

Die Besetzung oon Düsseldors und Duisburg im Mär; 1921 unter dem für diesen Zweck eigens erfundenen Titel der Sanktionen war und bleibt für uns ein völkerrechtliches Unrecht. Der Einbruch in das Ruhrgebiet im Januar 1923 war und bleibt für uns im Einklang mit der Auffassung der englischen fironiariffen ein flagranter Bruch des

Friedensverlrages.

Es war und bleibt für uns ein Hohn auf das viel gepriesene Selbstbe- stimmungsrecht der Völker! wenn in der britischen Zeit die Besatzungsmächte eine offene Unterstützung des elenden Spiels der Se-

Die Botschaft der Stockholmer Konferenz.

Stockholm, 29 Aug. «LU ) Die Welt- konkerenz für praktisches Christentum veröffent­licht soeben eine Botschaft, in der es heißt

Die allgemeine Konferenz der Kirche Christi für praktisches Christentum, versammelt in Stock­holm und beschickt von Vertretern der meisten Kirchen aus 37 verschiedenen Völkern der alten und neuen Welt, des nahen und fernen Ostens richtet hierdurch eine brüderlich eB otschaft an alle Rachfolger Christi mit der herzlichen Ditte, sich im Gebet. Bekenntnis und Dank in Dankarbeit und Buße mit der Konferenz zu vereinen. Wir bedauern, daß nicht alle christlichen Kirchen es für nötig hielten, Einladung anzunehmen. Denn angesichts der le­benswichtigen und Weitgreisenden Fragen, mit denen wir uns zu beschäftigen haben, müssen wir eine Zusammenarbeit aller Teils der Kirche Christi erhoffen. Das Zeugnis und der Einfluß der Konferenz wären sonst un­vollständig.

Die Sorgen, Kämpfe und Verluste der christ­lichen Kirche in und nach dem Kriege haben sie zu der beschämenden Erkenntnis geführt, daß einer in sich uneinigen Christenheit gegenüber die Welt die Uebermacht hat.

Unter Beiseitelassung aller Fragen des De» kenntni-standes und der Kirchenverfassung hat die Konferenz sich das Ziel gesetzt, fick in gemeinsamer praktischer Arbeit zu betätigen.

Die Konferenz ist bei alledem, so weithin sichtbar sie auch in die Erscheinung tritt, nur ein erster Anfang. Wir bekennen vor Gott und der Well die Sünden und Versäumnisse, deren die Kirche sich durch Mangel an Lieben und mitfühlendem Verständnis schuldig gemacht hat. Der Rus der gegenwärtigen Stunde an die Kirche muh des­halb ein Duhrus sein und doch auch ein Ruf zu einem freudigen Reuanfange aus der un­erschöpflichen Kraftquelle Jesus Christus.

Die Konferenz hat die Pflicht tfnerfannt, das Evangelium guf allen Gebieten des menschlichen Lebens zu der entscheidenden Wacht zu machen, im industriellen, sozialen, politischen und internationalen Leben. So haben wir

auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens uns dazu bekannt, daß die Seele der höchste Wert ist, der den Rechten des Gesetzes oder dem Mechanismus der Industrie nicht untergeordnet werden darf und daß die Seele das Recht auf ihre Rettung hat. Wir kämpfen deshalb für eine freie und vollkommene Entwick­lung der menschlichen Persönlichkeit. 3m Rainen des Evangeliums haben wir von neuem betont, daß die Industrie sich nicht grün­den darf auf den bloßen Wunsch nach persön­lichem Gewinn, sondern daß sie a l s e i n D i e n st an der Gemeinschaft, das Eigentum als ein anvertrautes Gut anfehen muß, für*bie wir Gott Rechenschaft schuldig sind. Zu­sammenarbeit muß an die Stelle einer selbstsüchtigen Konkurrenz treten. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen in die Lage verseht werden, ihren Anteil an der Industrie als Er­füllung ihres Berufes anzusehen.

Wir haben alsdann die moralischen und sozialen Fragen behandelt:

Wohnungsnot. Arbeitslosigkeit, älnsittlichkeit, Ab- koholmißbrauch und Verbrechen. Wir sind da zu der Erkenntnis geführt worden, daß diese schweren Probleme nicht aus der Kraft des Einzelnen wirllich gelöst werden können, sondern daß die G e f a m t he i t die Verantwortung hier­zu übernehmen und eine soziale Kontrolle über die individuellen Handlungen insoweit aus­üben muh, daß sie in jedem einzelnen Teile für das Allgemeinwohl notwendig -ist. Wir haben uns auch mit dm Fragen beschäftigt, welche aus einer höheren Wertung der grau, des Kindes u n u des Arbeiters auf dem Gebiete der Erziehung, der Familie und des Berufes flammen. Die Kirche soll nicht für die Rechte deS Individuums als solchem, wohl aber für die Rechte der sittlichen Persönlichkeit ein­treten, für alles, was die Menschheit reicher macht durch die vollständige Entfaltung jeder einzelnen Seele.

paratisten förderten, die auch in unserer Stadt den Separatistenspuk mit sich brachte. Aus der Leidensstatistik unserer Stadt muh noch hervor­gehoben werden, daß 1309 wackere Beamte mit 5921 Familienangehörigen durch feindliche Willkür ausgewtesen und von Haus und Hof vertrieben wurden Aber unsere Freude über die ttnebcrcrlangte Freiheit wollen wir uns durch diese bittere Erinnerung nicht nehmen lassen. Sind tmr nun frei, wirllich frei? So fragen wir uns heute und wir müssen antworten: Rein, wirllich frei sind wir erst dann, wenn das Rheinland von der fremden Besatzung befreit ist. So grüfjen wir in der köstlichen Stunde der Freiheit ganz Deutsch­land mit dem Rus. linier liebes deutsches Vater­land hoch! hoch? hoch: Begeistert stimmte dte Festversammlung ein und fang entblößten Haup­tes beä Deutschlandlied Mit dem Attnteder- ländischen Dankgebet unb dem Fridericus Rex- Marfch war der Festakt beendet. Die Feiern in Weiderich und Ruhrort nahmen einen ähnlichen Verlauf.

Auch Düsseldorf veranstallete am Sonntag eine Defremngsseier, diesem Ernst der Zett angepaht war.

Die Freude der Bevöllerung fand ihren Rieder- schlag in einer Kundgebung, wie fie Düsseldorf feit Kriegsbeginn nicht mehr gesehen hat. Der

Wir Haden die für die internationalen Be­ziehungen maßgebenden christllchen Gedan. ken durchberaten.

die von völlischer Selbstverherrlichung ebenso­weit entfernt find, wie von einem Massen- kosrnopolitiSrnus jedes beliebigen Landes, gleich­viel welcher Bedeutung. Wir haben die B e r- pslichtung des Einzelgewissens dem Staate gegenüber betrachtet. Wir haben den universellen Charakter der Kirche und ihre Pflicht, die Bruderliebe zu predigen und auszuüben, anerkannt. Wir haben das Rassen­problem. die Frage nach Recht und Schieds­gerichtsbarkeiten. sowie nach der Herstellung einer internationalen Ordnung un­tersucht. die friedlichen Methoden zur Entfer­nung der Kriegsurfachen enthalten könnte. Fra­gen. welche uns in der Tragik unserer Tage so tief berühren.

Wir bitten die Kirche, ein Gefühl zu haben für die Schrecken des Krieges, wie auch für feine Unzulänglichkeit für die wirkliche Lö­sung internationaler «Streitfragen. Wir haben nicht versucht, genau formulierte Lösungen zu geben. Wir haben auch nicht durch Abstimmun­gen die Ergebnisse unserer freundschaftlichen Aus­sprache festgelegt. Hierzu hat uns nicht nur die tiefe Achtung vor den Ueberzeugungen anderer Menschen und Gruppen veranlaßt, sondern eher noch das Bewußtsein, daß die Kirche Grund­sätze und Ideale ausstellt, es aber dem Ein­zelnen und den Gemeinschaften überläßt, mit Liebe. Weisheit und Mut nach den Anwen­dungen jener Grundsätze zu suchen.

Wenn aber dieses Ziel erreicht werden soll, muß die dringende Rotwendigkeit einer Er­ziehung anerkannt werden, und zwar sowohl einer Erziehung des Einzelnen durch die Kirche, wie auch eine Erziehung der Kirche durch Denk­arbeit und Meinungsaustausch, so daß sie in den Stand gesetzt wird, in immer wachsendem Maße die christliche Gesinnung zu fördern, vom Geiste der Wahrheit geleitet.

Wir richten unsere Augen auf die jungen Menschen in allen Ländern.

Wir haben mit herzlicher Freude von dem Stre­ben undRingen derIugend allerBölker um eine bessere Gestaltung des Gemeinschaftslebens ge­hört. Den Geist und die Frische der Jugend möchten wir voll einstellen in den Dienst des Geistes Gottes. Wir richten diese Botschaft im Rainen des Menschensohnes, im Ramen des Zimmermanns von Razareth, auch an die Ar­beiter der Wett, voller Dank für alle, die heute unter den schwierigen Verhältnissen ihr Handeln durch Gottes Atem bestimmen lassen. Wir be­nagen die noch vorhandenen Ursachen zur Ent- sremdung und mangelndes Einvernehmen und wollen sie zu beseitigen suchen. Wir teilen ihr Bestreben nach einer sozialen Ordnung, in der durch Gerechtigkeit und Brüderlichkeit die Möglichkeit sür eine Entwicklung geschaffen wird, in der das ganze Menschengeschlecht nach Gottes WUlen gesichert ist.

Unsere Konferenz ist nur ein Anfang. Wir haben uns entschieden, einen Fortsehungs- ausschuß zu bilden, der das begonnene Werk weiterführen und jener Selbsterziehung des Einzelnen und der Kirche dienen soll, die das Fundament ist für unser Urteilen und Handeln! Ausklang der Konferenz.

Stockholm, 29. Aug. Heute nachmittag um 5 Uhr sand sodann in dem dichtgefüllten Fest- saal der Musikalischen Akademie unter Beteiligung aller Delegierten sowie in Anwesenheit des fron- prinzlichen Paares und zahlreicher Gäste, darunter die Dichterin Selma Lagerlös, die feierliche Schlußsitzung der Konferenz statt.

Der schwedische Kronprinz

eröffnete die Sitzung mit einer kurzen Ansprache, in der er seiner tiefen Befriedigung darüber Aus- druck gab, daß die Weltkonferenz für praktisches Christentum in der Hauptstadt Schweden abgehal­ten wurde. Die Einheit des Bekenntnisses sei keines­wegs erforderlich, aber eine Bedingung fei erforder­

lich: aufrichtiger Geift der Brüderlich, feit. Der Kronprinz gab der Hoffnung Ausdruck, daß cs der Weltkonferenz für praktisches Christen­tum beschieden fein möge, zur Entwicklung der Menschheit, zum Frieden der Welt und zum guten Willen unter den Mächten beizutragen.

An die mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede schlossen sich kurze DankeSworte der verschiedenen Kirchen und Länder an. Bon deutscher Seite sprach die Oberin Emma von Bunsen- Berlin, die der sesten lieber^eugung Ausdruck gab, daß sich Gott zu dem Werk der Weltkonferenz bekennen werde.

Unter lebhaftem Beifall beantragte der Lordbischof von Winchester, in dem Protokoll der Konferenz den Ausdruck herzlichsten Dankes der Delegierten an den König von Schweden, an das kgl. HauS, an das Bolk von Schweden und die Bevölkerung Stockholms aufzunehmen für die herzliche Gastfreundschaft und dos hingebende Wirken für die Konferenz. Sodann widmete der Lorbischof, während dos Haus unter lebhaften Beifallskundgebungen sich von den Sitzen erhob, dem Erzbischof von Upsala. D. ©oeöerblom. demFührer und der Seele des Unternehmens". Worte dankbarer Berehrung und Anerkennung. Darauf ergriff

Erzbischof Socderblvm das Schlußwort. Er wies mit innerer Bewegung darauf hin. daß das Große in der Weltgeschichte, wenn es ins Leben tritt, mit menschlichen Un­vollkommenheiten und Kleinheiten behastet ist. Was dem Geschichtsschreiber der späteren Zeit als notwendiges Geschehen erscheint, fo führte der Erzbischof aus. das hat im Augenblick des Wer­dens oft den Anschein der vollkommenen Un­möglichkeit gehabt . ES muß das letzte der Kraft ingegeben werden, um das Un­mögliche möglich zu machen. Trotz allem Menschlichen und Allzumenschlichen habe ich et­was von der Gröhe und Majestät GotteS emp­funden.

Mit einem Ehoral, der in fünf Sprachen gesungen, und einem schwedisch gesprochenen Segenswunsch sand die letzte Sitzung der Welt­konferenz ihren Abschluß.

Ein Besuch in Upsala.

Rachdem gestern abend die letzte Sitzung der Weltkirchenkonferenz stattgefunden hatte, begaben sich heute vormittag die Delegierten und Gäste im Sonderzug zu den Schluhseierlichkeiten nach Upsala. Die fleine Landstadt, bekanntlich der Sih des Erzbischofs Dr. Soederblvm, er­wartete im Schmuck der Fahnen die fremden Gäste. Den gewaltigen Dom füllte eine riesige Menschenmenge, als um 11 Uhr die geistlichen Würdenträger aus aller Welt unter Orgelklang ihren Einzug hielten. Der greise Patriarch von Alexandrien las das uralte Glaubens­bekenntnis der Christenheit .Credo Ricaeum" vor. Die Festrede hielt der Erzbischof von Up­sala selbst. Wie haben wir uns gesehnt nach einem rechten Wort irnrechtenAugen- b l i ck. um der stummen Klage, dem stummen Schuldgefühl und dem ftununen Gerechtigkeits­sehnen Ausdruck zu geben vor aller Welt. Das zweite, was geschehen muh. ist. daß die Christen­heit in der Rachfolge des Meisters Einheit zeigt.

Rach dem Gottesdienst begaben sich die Teil­nehmer nach der UniDerfität, wo ein von der Universität, vom Gouverneur und dem Bür­germeister von Upsala gegebenes Frühstück noch einmal die Gäste aus der ganzen Welt ver­einigte. Der Rektor der Universität begrüßte als Hausherr die Gäste. Cs folgten eine Reihe von Tischreden, unter denen die des Patri­archen von Alexandrien besondere Auf­merksamkeit sand- Der Patriarch schilderte in griechischer Sprache die Eindrücke von der Welt- konferenz, und er schloß mit einem Hoch auf das schwedische Königshaus Rach ihm sprach Univer- sitätsprofefsor Dr. Deißmann (Berlin) von dem wundervollen Zusammentlang von Wilsen- schäft und Religion innerhalb des Christentums.

Marktplatz und die ihm zuführenden Straßen waren gedrängt voll Menschen. Die Stadt trug reichen F.'aggenschmuck.Der Fridericusmarsch leitete die offizielle Feier um 12 Uhr mittags ein. Ein Chor von 600 Sängern brachte mehrere Lieder zum Vortrag. Oberbürgermeister Dr. Lehr hielt vom Balkon des Rathau es aus die Festrede. Er schilderte die schweren Folgen der Besetzung und die Rot der Bevöllerung, die sich während des passiven Widerstandes be­sonders stark bemerkbar machte Wenn auch bei der harten Bedrückung der deutschen Wirt­schaft und des ganzen Volkes lauter Jubel nicht am Platze ist, so empfindet Düsseldorf doch den Abzug der Besatzung als einen Lichtstrahl. Dr. Lehr wies auf Deutschö st erreich hin, das ein Beispiel dafür sei, wohin die Ueber- spannung fremder Lasten führen müsse. Die Er­kenntnis der Verflochtenheit der getarnten Wirt­schaft und der Wechfelbeziehungen müsse sich vertiefen. Wenn man vom deutschen Volke zum Ausgleich der Kriegsfolgen Leistun­gen schwerster Art verlangt, dann muß man auch die innen- und außenpolitischen Möglichkei­ten dazu geben. Man muß es als gleich­berechtigtes Glied der Gemeinschaft der Kulturvölker anerkennen. Mit dem Abfingen des Deutschlandliedes durch die Menge fand die ernste Feier ihren Abschluß.

Polnischer UeberfaU auf einen deut chen Redakteur.

Marienburg. 31. Aug. (TU.) Das in Dirschau «Polen» erscheinende .Pomereller Tageblatt" brachte in seiner Ausgabe vom Freitag nachmittag die Abgabe, daß der Zloty- Briefkurs 51,12 Mk betrage. ES handelte sich um einen Druckfehler, da es 91,12 Mk. heißen sollte. Trotzdem der verantwortliche Re­dakteur Bernhard G o g a von sich aus bereits eine Richtigstellung veranlaßt hatte, wurde er im Derlagsgebäude des , Pomereller Tageblatts" von drei Polen schwer mißhandelt. Eie schlugen von hinten mit einem Knüppel mit solcher Wucht auf ihn ein, daß er blutüber­strömt z u Boden stürzte. Darauf schlepp­ten die Polen den Ohnmächtigen auf die Straße, wo sie ihn in Gegenwart von pol­nischer Polizei schwer mißhandelten. Rach­dem die Polen von ihrem Opfer abgelallen hat­ten. schafften deutsche Einwohner mit Hilfe eine« deutschen Arztes den Bewußttosen ins Kran­kenhaus. Der Zustand des Letzteren ist hoff­nungslos. da die Schädeldecke total zertrüm­mert ist.