Ausgabe 
31.3.1925
 
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Tietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vverhefsen)

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Ver Zinanzausglerch zwischen Reich, Länder und Gemeinden.

Don Bürgermeister Dr. Riepoth, Schlitz M. b. L

Seit der Gründung des Deutschen Reiche- hat der Finanzausgleich die De Ziehungen zwi­schen der Zentralgewalt und den Gliedstaaten beherrscht, ohne dah es seither gelungen wäre. hass Problem der Steuerverteilung wirklich zu 'Öfen. Man wirtschaftete zunächst ziemlich rei- ningslo- nach dem System: Indirekte Steuern dem Reich, direkte Steuern »en Ginzelstaaten. 3e mehr sich aber die Aufgaben des Reich- vergrößerten, desto un­haltbarer wurde dieser Zustand. Die dem Reich lersassungsgemaß dastehenden Einnahmen aus Zöllen und Verbrauchssteuern reichten zur Deckung .der Ausgaben nicht au-: wohl oder ibel muhten die Einzelstaaien Zuschüsse leisten. §)ie- geschah in der Form von M a t r i k u l ar­beit r ä a e n , die je nach der DevölkerungS- zahl der QöunZkSft aalen ausgeschlagen, einen gleichmäh gen Wohlstand dieser Staa­ten vorau-setzten. Da diese Voraus­setzung falsch war, muhten diese Art Zuschüsse auherordentlich ungerecht wirken und drückend empfunden werden. Dazu kam, dah die Höhe der geforderten Beiträge nicht feststand sich sogar meisten- In steigender Tendenz bewegte. so dah die einzelstaatlichen Finanzninister einen unsicheren Faktor in ihrem Haushaltsplan hatten, der eine solide Finanzwirtschaft äuherst er- schwerte. Obwohl man also die Mangel deS Systems nur zu sehr empfand, nahm man lieber alle Schwierigkeiten In Stauf, als daß man am dem Prinzip gerüttelt hätte.

Die Folgen sollten sich bald fühlbar machen. Bet der Höhe der Anforderungen de- Reichs war o- zur Verhütung einer Desorganisation der einz^staatlichen Hau-hätte nicht zu vermeiden, dah zuerst eine Begrenzung, dann eine Stun­dung der Matrikularbeiträge eintrat, mit dem Ergebnis: auherordentlich?- Anwachsen der Reich-schuld Verschiedene Finanzreformen brachten dem Reich zwar Erleichterungen, jedoch keine dauernde finanzielle Gesundung. ES ver­dient festgehulten zu werden, dah die national­liberale Partei schon damals eine Reichsver­mögenssteuer forderte, um dem Finanzelend zu steuern. Leider drangen ihre Bestrebungen nicht durch.

Run kam der verlorene Krieg und damit Anforderungen an die Reichskasse. wie sie niemand bisher geahnt hatte In dem an sich berechtigten Bestreben, das Reich aus der demütigenden Abhängigkeit von den Einzelstaaten zu lösen, nahm man den Ländern und Gemein­den die Steuerhoheit auf dem wichtigsten Ge­biet der Einkommensteuer weg und beteiligte sie lediglich in einem gewissen Verhältnis an den Reich-steuern. Hatte man früher vom Reich al- dem Kostgänger der Ginzelstaaten A?sprvchen, so verfiel man jetzt tn den umgekehrten Fehler und machte Lander und Gemeinden mm- deftenS m demselben Umfang zu Kostgängern des Reich-.

Die eben skizzierte Entwicklung der Rach- krreg-zeit, bekannt unter dem Ramen Erzbergersche Finanzreform, ist von den Vertretern der Ge­meinden von Anfang an aus- schärfste bekämpft Worden.

Mit Recht wie- man darauf htn, dah dos SelbflverwaltungSrecht der Gemein­den ohne finanzielle Selbständig­keit praktisch bedeutungslos ist. Aber noch mehr. Die finanzielle Abhängigkeit muhte logischerweife auch daS finanzielle Verant­wortungsgefühl, daS in den heutigen Rot­zeiten erst recht notwendig ist, ertöten. Länder und Gemeinden, denen der bewegliche Faktor im Budget fehlte die Real steuern waren meist bis zur höchst zulässigen Grenze angespannt, forderten immer wieder Erhöhung der ihnen Angewiesenen Anteile an Reichssteuern Der Reichsfinanzminister formte sich der Berechtigung dieser Ansprüche nicht entziehen, so wurde denn auch der Reichsanteil an Einkommensteuer von ein Drittel aus ein Viertel und zuletzt sogar auf ein Zehntel ermäßigt. Solange Länder und Gemeinden gegen das Reich um Erhöhung ihrer Steueranteile kämpften, bildeten sie eine Ein­

heitsfront, sobald aber die Untervertei­lung der vom Reich überwiesenen Anteile er­folgen sollte, waren in ihrem Verhältnis unter­einander ähnliche Schwierigkeiten zu überwinden. Besonders in Hessen wurde die gröbere Macht­fülle des Staates ausgenutzt und den berech­tigten Interessen der Gemeinden nicht genügend Rechnung getragen. Während im Rechnungsjahr 1913 die veranlagten Einkommensteuern mit 53,3 Prozent auf die Gemeinden und 46,7 Prozent auf den Staat entfielen, erhöhte man durch das Hessische Aus üHrungsgesetz vom 27. 3. 1924 die Anteile des Landes an der Reichscinkommen- fleuer auf 60 Prozent. Die Gemeinden muhten sich mit 40 Prozent begnügen.

Es ist erklärlich, dah besonder- die Gemein­den nicht aufhörten, immer wieder zu betonen, dah die Finanzwirt schatt der Kommunen aus der Abhängigkeit vom Reich befreit und wieder auf eigene Fähe gestellt werden mühte. Erfreu­licherweise hat die Reichsregierung jetzt einge­sehen, dah sie mit ihrer Steuergesetzgebung grundsätzlich andere Wege einfchlagen muh, wenn sie reparationsiähig bleiben und doch den Le­bensnotwendigkeiten der Länder und Gemeinden Rechnung tragen will. Das Ergebnis dieser Er­wägungen liegt vor in dem .Entwurf eines Ge­setzes über Aenderungen de- Finanzausgleichs zwischen Reich. Ländern und Gemeinden".

Grundsätzlich erfüllt der Entwurf die For­derungen der Gemeinden, indem er ihnen unter Drosselung des Reichstarifs auf ein Viertel der bisherigen Sähe das Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer gewährt. Ohne also die grundlegende Bedeutung und den grundlegen­den Vorteil der Reuregelung gegenüber dem

MebM 6er Skm Siebe« 1925

Dom alphabetischen Einwohner- und Firmenoerzeichnis liegen die Buchstaben E bis einfchliehlich H vom Montag, dem 30. März, an drei Tage lang zu jedermanns Einsichtnahme offen.

Wir bitten dringend um Nachprüfung auf Richtigkeit und Vollständigkeit der Einträge und um Einzeichnung etwa er­forderlicher Aenderungenund Ergänzungen (BeftoWe M MreWAerkM Schulstrahe 7

jetzigen Zustand zu verkennen, gilt es doch vom Standpunkt der Gemeinden aus zu erreichen, dah das DeteiligungSverhältnis durch die gesetzgebenden Körperschaften für die Gemeinden nicht ungünstiger gestaltet wird als bisher. Insbesondere mühte mit aller Entschiedenheit Widerspruch erhoben werden, wenn etwa der den Zeitungsnachrichten zufolge bestehende Fehlbetrag im hessischen Hau-Halt unter Zurücksetzung der Gemeinden g e b c (f t werden sollte. Bei dieser Gelegenheit muh erwähnt toeröen, dah die günstige Finanz­lage einzelner Grohstädte keineswegs verallge­meinert werden darf, denn es kann wohl heute wieder mit Recht behauptet werden, dah eS den Gemeinden, die über eigene Einnahmen aas Grund- oder Waldbefitz nicht verfügen, um so schlechter geht, je kleiner sie s.nd.

Die Heuorbrrunq sollte nach den ursprüng­lichen Plänen des Reichsfinairzministers zu De- giirn des neuen Rechnungsjahres, spätestens aber Ende Mai herbeigeführt sein. Diese Absicht hat sich nicht verwirklichen lassen. In Verhandlungen mit dem Reichsrat kam ein Kompromiß zustande, wonach die Beratungen b?r Gesetzentwürfe zwar sofort auf genommen werden sollten, im übrigen aber wurde die Geltungsdauer des jetzigen Finanzausgleichgesetzes bis zum 30. September 1925 verlängert Der Finanzminister sagte weiter zu, dah bei dm endgültigen F nanzausgleich den Ländern im Rechnungsjahr 1925 von den Ueber-

Die Frühjahrsmüdigkeit.

Don Dr. med. D. Hähnlein.

Die letzten fünf Dezennien haben die medi- zinische Wissenschaft foroeit gefördert, dah wenig- ftens gegen die gefährlichsten und verbreitetsten Krankheiten brauchbare Waffen in genügender Zahl zur Verfügung stehen. Nachdem man somit gewissermaßen etwas Luft schöpfen darf, beginnt man auch mit der Bearbeitung weniger dring­licher Fragen und beschäftigt sich mit jenen Erschei­nungen, die in erster Linie theoretisches Interesse haben. , .

Neben den Forschungen, die in bas otelenleben des Kranken, besonders in das geheimnisvolle Reich des Unterbewußtseins einzudringen versuchen, er­regten vor allen Dingen die Probleme der ge­sunden und krankhaften Konstitution das Interesse der Wissenschaft. Unter Konstitution ist in diesem Sinne die Summe aller körperlichen und seelischen Eigenschaften zu verstehen, aus denen sich der Ge­samtorganismus aufbaut, und die in ihrer | c - weiligen Gruppierung ihn zu besonderen Krankheiten (Gicht, Diabetes, Gcistcskrarilhclten) geneigt erscheinen lassen. Sehr bedeutsam war cs in erster Linie sestzustellen, inwieweit die Kon­stitution eine von der Geburt her unabänderliche Begebenheit ist, und inwieweil sie durch die Er­nährung, Körperpflege, klimatischen Einflüsse usw. 5er Veränderung fähig ist. ---ehr geistvolle <-pez.al- forschungen haben sich bemüht, Licht in btejca un­gemein schwierige Gebiet zu tragen, und es ift 3--ö- gelungen, eine besondere Veranlagung zur Gicht, xu gewissen Kinderkrankheiten, zu Arterienverkal­kung usw. festzustellen, die durch geeignete Lebens­weise bekämpft werden kann.

Zu diesen Einwirkungen auf die Konstitution ist zweifellos auch die sonderbare, fast krankhafte M ü ö i g t e i t zu rechnen, von der viele Menschen zu Beginn des Frühjahrs befallen werden. Es han­delt sich hier um eine jener flüchtigen Erscheinungen, die sich gerade noch in der Grenze des Normalen hatten und die darum den Befallenen nicht in ärztliche Behandlung führen. Aus diesem Grunde ist es befonbers schwer, genügendes statistisches Material in die Hand zu bekommen, das eine

wisienfchaflliche Klärung der Entstehungsursache er­lauben würde.

Trotz der genannten Hindernisse hat sich der finnländische Arzt Dr.Ehrström die Mühe ge­macht, ber Frühjahrsmüdigkeit und ihrer Bedeutung nachzusorschen. Wie berichtet wird, glaubt Dr. Ehr- ström m der Frühjahrsmüdigkeit den Ausdruck eines Nährstoffmangels sehen zu muffen. Wir sind ja im Winter zum großen Teil auf Kon- servenkost angewiesen, und mich die Milch und Butter, die wir beziehen, ist nicht ganz vollwertig, da das Vieh nur Trockenfutter erhält. Dabei werden in unserer Wintemahrung vor allem die zum Leben unbedingt notwendigen sogenanntenErgänzungs- ftoffe" verringert fein, und es wäre an und für sich schon denkbar, daß dieser Mangel sich nach einigen Monaten bemerkbar macht.

Diese Erklärung kann aber dennoch nicht voll befriedigen, denn in diesem Fall müßte ja die Früh­jahrsmüdigkeit ganz unabhängig von der Witterung zu Beginn des neuen Jahres auf­treten. Die Tatsachen widersprechen dem durchaus; Nicht der kalendarische Termin, sondern das Wetter bestimmt das Eintreten dieser Erscheinung! Ist der Winter lang etwa wie der vorjährige, so kann es Mai werden, bis wir die Frühjahrsmüdigkeit ge­häuft finden: bei milder Witterung dagegen be­gegnen wir ihr schon im Februar.

Zweifellos hat also das Wetter einen er­heblichen Einfluß auf die Entstehung der Früh­jahrsmüdigkeit. Und das stimmt mit ähnlichen Er­scheinungen recht gut überein, denn es ist statistisch feftgeftefü, daß die Witterungslage auf unser ganzes Wohlbefinden eine tiefgehende Wirkung ausüben kann. Bei schlechtem Wetter sollen me!;r Menschen Selbstmord begehen als bei gutem, in bestimmten Monaten häufen sich die Geisteskrankheiten, in an­deren die Verbrechen. Warum sollte die feuchte, stürmische Wärme des Frühjahrs nicht müde machen!? ,

Dunkel bleibt aber trotzdem, auf welche Weise das geschieht. Sind cs die starken, barometrischen Schwankungen, die aus unser Nervensystem oder den Blutdruck einwirken? Beschleunigt die wieder­erwachende Kraft der Sonnenstrahlen unseren Stoff- Umsatz, so daß wir aus diesem Grunde ermüden?

weisungsfteuern etwa der gleiche Gesamtbetrag an 11 cbertocif ungen zukommen soll wie der. der ihnen auf der Grundlage der gegenwärtigen Anteilverhältnisse an Reichssteuern zusteyen würde. Gerade die letztere Vereinbarung ist außer­ordentlich wichtig, da Länder und Gemeinden jetzt ihren Etat arfstellen müssen und es unerträg­lich emosi'nden würde, bezüglich der Eingänge an RichSsteueranteilen w eöenun mir vage Schätzun­gen angewiesen zu sein. Dom Reichs'ag muß er­wartet werden, daß er seine Beratungen so för­dert, daß die gegenüber dem jetzigen Zustand einen unverkennbaren Fortschritt bedeutende Reu- ordrnmg baldmöglichst in Kraft treten kann.

Deutsche Kolonialarbeit im Orient.

Von Rittmeister a. D. Wilh. o Trotha.

Schon vor dem Kriege hatten ein paar tau­send deutsche Siedler in Palästina Musierkolo- nicn geschaffen, die bezeugten, daß der Deutsche ein erstklassiger Kolonisator und Kulturpionier ist. Der Krieg zerschlug alles, was in mühsamer Ar­beit in etwa 40 Jahren aufgebaut war. Daß die Welt augenblicklich auf dem Kopfe steht, weiß nachgerade jedes Kind, aber es scheinen sich doch nach und nach andere Ansichten als dieoffi­ziellen von Versailles" durchzuringen, denn in Pa- läftina hat man die einstigen deutschen Kolonisten und Lehrer dortiger deutscher Schulen wieder zu- rückgerufen und diese Deutschen wirken nun feit Jahren wieder in ihrer alten,neuen Heimat in der Fremde".

Zwar sind lange nicht alle ehemaligen Bewoh­ner wieder zu der Stätte ihres früheren Wirkens zurückgekehrt, aber immerhin sind doch im ganzen wieder 1000 Deutsche in den Kolonien Haifa, Jaffa, Dilhelma, Sarona, Umel, Ahmed, Betlahm und Jerusalem eifrig an der Arbeit. Die Siedelungen sind zum Teil geschloffene, eigene Dörfer, in denen nur als Arbeiter wohnende eingeborene Araber, auch Beduinen, mit wohnen, oder sie sind in sich geschloffene Siedelungen, angebaut an orientalische Städte. Hierbei kommen Haifa und Jaffa in erster Linie in Betracht! Immerhin sind sie gemeindlich auch da von den Eingeborenenstädten insofern ab­gesondert, als sie als selbständige Gemeinden ihre Straßen und sonstigen Gemeindeangelegenheiten für sich bauen und verwalten. Und wenn auch diese Steuern stark auf den einzelnen drücken, so fällt da draußen keinem Gemeindemitglicd ein, deshalb eine besondere politische Ansicht ober kommunale Einstellung zu haben. Schulen, Kirchen, Bechäuser der Templer und Krankenhäuser sind wieder in vollem Betriebe, und auch die Engländer, und das ist bezeichnend für deren Einstellung den Deut­schen gegenüber, riefen die deutschen Leiter und die deutschen Lehrer des syrischen Waisenhauses in Je­rusalem sofort zurück. In die einzelnen deutschen Schulen gehen auch die Äinber der in Palästina lebenden Engländer.

An Landesprodukten werden in erster Linie Mais, Weizen, Hafer, Sesam, Kartoffeln und son­stige Kerner- und Hülsenfrüchte gesät und geerntet. Man trifft auch auf weite Kürbis- und Gurken- feßter. Die Kürbisse dienen als Schnitzel zum Vieh- Butter, nach dem die Kühe gut und reichlich Milch geben.

D e Landwirtschaft wird nach Möglichkeit mH den neuesten Mitteln und Geräten betrieben, und da das Land selbst gut ist, so gibt es auch etwas her. Sehr ausgedehnt In allen Gemeinden ist der Anbau von Wein und Drangen. Letztere werden bald wieder ein Weltartikel fein, wie die Iasfa- orange schon vor dem Kriege z. B. einen großen Teil des deutschen Heimatmarktes beherrschte. Auch die Palästinaweine finden jetzt etwas mehr An­klang. wie vor dem Kriege. Sehr stark wird die Anpflanzung von Dlioenbäumen betrieben, da viel­fach das Del der Dlive das Fett ersetzt und auch erhebst h wohlfeiler als letzteres ist.

Warum unu aber, fragt sich der Laie unwill- fürlio), hoben diese paar hundert Menschen gan­zen Landstrichen ihre Gepräge aufgedrückt. Das Rätsel soll, in ein paar Worten gesagt, schnell ge- löst sein. Gute Beispiele veranlassen zur Nach­ahmung und da diese deutschen Bauern keinen Ein­geborenen ihre Weisheit aufdrängen, sondern in steter, rühriger und rüstiger Arbeit Werte schas-

sen, also praktische Wirtschaft treiben, so kann sich der Eingeborene diesen augenfälligen Nesultaten nicht verschließen und muß selber arbeiten, will er selbst neben diesen Leuten etwas verdienen! Et lernt von ihnen, ahmt die nuhbringebn Arbeit nach und verspürt daran Fruchte, tbns ih das gante Ge­heimnis. Gegen diese deutsche Tüchtigkeit ift nur ein Kraut gewachsen und das heißt: Mitarbeiten oder Untergeber/ Reden und Versprech ngci sind dem Orientalen unfaßbare und nicht greifbare Dinge, aber was er sieht, glaubt er, und bat et den Vorteil, in der anderen Art zu arbeiten unt zu leben, erst begriffen, dann ahmt er sie nach und somit sind unsere deutschen Dauern da draußen Kulturträger des Deutschtums wie sie fein sollen und Kolonisatoren, die uns so leicht kein Land und Volk nachmacht.

Buntes Allerlei.

Aus der Urgeschichte des Haushuhns.

Seit wann bei1 Meirich das Haushuhn kennt und züchtet, läßt sich mit Sicherstes wohl überhaupt kaum nachweisen, doch kann man cm- nehmen, daß die Babylonier bereits im dritten, wahrscheinlich aber schon im vierten Jahr­tausend v. Ehr. das Huhn kannten. Diese An­nahme begründet sich besonder- barau ß die Bezeichnung Hahn im Syrisch, a und Reuhebräsi schen zunächst assyrisch-babylonischen ilrfp;:n q er­kennen läßt, dieser jedoch aus dem Sumerischen stammt, einem Idiom, das einst in Dabylomen gesprochen wurde, aber schon um das Jahr 2000 v. Ehr. nurmehr als Gelehrtensprache in Gebrauch war. Das Huhn muh also lange vor dieser Zeit den Babyloniern bekannt gewesen fein

Die Einwanderung des Hausstuhns nach A e g y p t e n hatte man bisher auf einen wr» haltnismähig späten Zeitpunkt verlegt Diese Frage wurde aber in letzter Zeit, und zwar be: Gelegenheit der Ausgrabungen im Tal der Kö­nigsgräber zu Theben einwandfrei geklärt. Man hatte allerdings schon angcnomm>'r., daß das Haushuhn in der Zett zwischen 1000 und 150C v. Ehr. nach Aegypten gelangte, da in den An nalen von Tut hmosis III., der ungefähr zwi­schen 1501 und 1447 lebte, von Vögeln gesprochen wird, dietäglich gebären", und da man auher- dnn aus einem au- der gleichen Zeit stammender Wandgemälde von der Grabkavelle einGroß' Wesirs eine Metallvasc abgebildcl sand, d'e einen dem Haushahn durchaus ahilichm Bogel- köpf darsteltte. Mit voller Sicherheit haben aber erst die jüngsten Ausgrabungen zu Theben er­gaben. dah das Haushuhn auch schon den alten Ägyptern bekannt war: man fand nämlich einen Kallstein-Ostrakon aus der Zeit zwischen 1425 und 1123 v. Chr. und auf diesem Bruchstück war sehr naturwahr und äußerst charakteristisch elr Haushahn abg^bildet.

Durch diesen kostbaren Fund, der sich jetzt im Britischen Musum zu London befindet, ist somit die Feststellung gelungen, dah da- Haushuhn schon im 2. Jahrtausend v. Chr in Aegypten ge­dichtet wurde.

Der unpraktische Edison.

Edison, der große Erfinder, dem die Dell so gewaltige Fortschritte in der Technik und iw Wirtschaftsleben verdanft, soll im praktischen Le­ben höchst unbehttflich und unerfahren gewesen sein. Gin intimer Freund von ihm erzählt, daß Edison für seine erste Erfindung von der Western Telegraph Company 40 000 Dollar geboten toutöen. Edison traute nicht seinen Ohren: et lieh sich die Summe wiederholen und meinte bann, man wolle sich über ihn lustig machen Eine Woche später empfing er einen Scheck über 40 000 Dollar, glaubte immer noch an einen Scherz und ging zu der Dank, auf die der Scheck lautete, um zu sehen, was passieren würde.QBk wollen Sie Ihr Geld anlegen ?" fragte Ihn bet Kassieret.Ich weih nicht," erwiderte Edison. Stiicgt man denn auf den Scheck etwa-?" Der erstaunte Kassierer rief den Direktor der Dank herbei, der dem Erfinder erst auseinanderleyen muhte, daß er nun ein reicher Mann sei. Edison aber wollte das Geld in bar angezahlt haben, und als man es ihm in einem ungeheuren Hausen kleiner Scheine geben wollte, wußte er nicht, wie et eS unterbringen sollte. Er lieh sich nun erst

Sicher werden verschiedene Ursachen -usam- menwirfen. Aber noch einen Weg der Losung möchte ich wenigstens Anbeuten. Alle großenUm­stimmungen" in unserer Konstitution sind von Mü­digkeit begleitet. Wir treffen sie in den Pubertäts- jähren, wenn aus dem Kinde das Geschlechtswesen sich heranbildet, wir finden sie kurz vor der Men­struation, in der die Geschlechtlichkeit der Frau periodische Höhepunkte erreicht, eine Art Brunst, allerdings in sehr abgeschwächter Form, bringt auch das Frühjahr für den Menschen mit sich. Viel­leicht sind die gärenden, treibenben, umformenben Säfte es, die ihn kurz vor dem Ausbruch höchster ßebensenerge noch einmal erschlaffen lasten.

125. Jubiläum d r deutschen optischen Industrie.

Am 1. April werden es 125 Jahre, daß der Rathenower Pfarrer Wilhelm Sünder und der Feldpredig r Samuel Ehristoph Magner in Rathenow die optische Schleifanstalt er­öffneten, die daS Stammhaus der heutigen Emil Dusch A.-G geworden ist.

In der von Dr. Karl Albrecht ver­faßten, jetzt im Richterschen Verlage, Erfurt, erid)ienenen Schrift über de Geschichte der Dusch- gesellschaft finden wir das Dromemoria abge­druckt. mit dem die beiden Gründer über ihre Ziele Aufschluß geben. Besonder« bemerkms- weri sind die Stellen, die von der Kinderarbeit in der Industrie handeln:

Veranlaßt durch Er. König!. Majestät Be­fehle an die Regimenter, das Industriewes rn unter der Jugend diesem Keime künftiger Staatsbürger zu fordern, haben die Unter­schriebenen zu Rathenow, eine Fabrik von allen Arten geschlissener Augenweiden ge angelegt. Wir lassen unter unserer Anleitung jede Gat­tung konvexer und konkaver, einfacher und zu­sammengesetzter Augengläser schleifen und un­fertigen, nach den besten oder deutschen Künst- letn, Mikroskope, dunkle und Helle Kammern und Seeröhre lSehrohre). wie sie verlangt werden, zu einem möglichst niedrigen Preise. Untere Fabrik hat die eigentümliche Einrichtung, dah sie einzig durch Knaben von 8 biS 13 Jahren

in Tätigkeit erhalten wird, ohne daß diese Kinder ihre gewöhnlichen Schulstunden versäumen dür­fen.

Die vorzüglichsten Zwecke unserer Anlagen und Erfindungen sind:

a) Dem gänzlichen Mangel einer solcher, optischen Kunst-Fabrik im Staate abzuhelsen, und mit der Zeit alle Arten ausländischer, optischer Merkzeuge etttbehrllch zu machen.

b) Den höchst grausamen Mißhandlungen der Augsburger und Rürnberger Drill m'abriten, in Hinsicht auf die Augen unserer Mitbürger, Einhalt zu tun.

c) Den IndustrieSchulbeschäftigungen in Rathenow, nach dem Wunsche des Chefs und Kommandeurs vom Leib-Earabinier-Regimente mehr Abwechslung zu geben.

d) llnfeter Jugend, besonders der militäri­schen. schon früh mehr Geschmack iu nützlicher Tätigkeit beizubringen, damit der künftige Sol­dat daran gewöhnt sein möge, sich auch außer' feinet Wach- und Dienstzeit ernährend zu be­schäftigen.

e) Rach Maßgabe der überhand nehmenden Teuerung und Armut, den oft um das Drol verlegenen Eltern zahlreicher Kinder, hilfreich beizusptingen, indem wir jedem in unserer Fa­brik arbeitenden Kinde respektive einen jährlichen Lohn von 8 bi- 36 Talern au-zahlen.

Um zum Voraus einigen scheinbaren Ein» würfen zu begegnen, beinsrfen wir: Daß. wenn wir Kindern einen ausgebreiteteren Wirkungs­kreis zur nützlichen Tätigkeit anweisen, dirs für keinen Stand, am wenigsten für den unfrigen, den der Bolls- und Iugendlehrer, im geringsten entehrend, oder auch nur unschicklich fein könne Dah bei der Leichtigkeit unserer Mafchinen. und bei der Art unserer Behandlung der Ki ide rin jedes derlelbigen mit innigem Derg-'ü^en und ohne allen Zwana an die Arbeit geht und des Morgens kaum die Zett der Eröffnung der Fae brifgebäube erwarten kann. Dah die Zahl der Kinder In Rathenow, welche sich für unsere Dienste haben engagieren lassen, nach Vollendung aller erforderlichen Maschinen vollkcNnn^l groß genug für unsere Absichten ist,