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Samstag, 313«mar 1925
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesien)
Hr. 26 Drittes Blatt
Völkerbund
wenden, außer vielleicht, daß sie durch enorme Steuer Ersparnisse dem Staate große Geldmittel vorenlhalten und nie so beweglich sind wie Eintel- Unternehmen. Die Finanzkonzerne jedoch sind ein Grundübel: sie bezwecken nichts als wirtschaftliche Machtanhaufung ohne jede ökonomischen Ziele. Sie werden auch wohl die Nachkriegszeit nicht lange überdauern. Zu ihrer Art gehören die Kutisker-Darmats.
Kutisker stammt aus einem kleinen lettischen Dors, wo er in dem Kellerladen als Gehilfe feines Onkels begann. Seine ersten größeren Geschäfte machte er im russisch-japanischen Krieg später im Weltkrieg. Bei der Dernobil- lmachung in Lettland und dem Rückzug 1918 kaufte er die deutschen HeereSvorräte in Lettland für 6 Millionen Mark mit einer Anzahlung von 2 Millionen. Der lettische Staat nahm ihm ledvch
Aon Lankgerichtsdirektor Dr. L o e n i n g-Derlin. ehem. Vizepräsident des Danziger Parlaments.
So sind hier viele bösartige Krankheitserscheinungen der Zeit ans Licht gezogen. Einige weit Dornstehende haben sich zu verantworten. Rechenschaft zu leisten hat aber unser ganze« Boll. das einem Lieberwuchern dieses materialistischen Geiste« Nahrung bot. Und wenn eine« aus alledem zu lernen ist. so ist es öa«: Es müssen Wälle gebaut werden gegen die Sünden der Vergangenheit jum Schuhe für die Gegenwart und die Zukunft.
Sil-amerikanische Vereisungsgebiete
3n der Versammlung der 06er- hkfsischen Gesellschaft für 21 a l u r • und Hellku n d e am 23. Januar ergriff nach kurzen Mitteilungen von Herrn Professor Dr. Küster Zur physikalischen Chemie der Dlattflecten- krankheiten-, von Herrn Professor Dr. UHer über .RelativitLt und Wellen- ftnematir' sowie von Herrn Asiistenten Schneider über .Die Wirkung von Alu- minrurnsalzen auf tote pflanzliche Materie" Herr Professor Dr. 5 Klute da« WoN au einem eingehenderen Dor- trage über .Wissenschaftliche Ergebnis'« einer Reise nach Argentinien und Thile .
Die über ein Jahr ausgedehnte Forschungsreise hatte den Vortragenden nach dem südlichen Südamerika geführt, um dort die Vereisung des Landes heute und zur Diluvialzeit zu studieren. Aus der südlichen Halbkugel bietet neben Deus«!arid allein dieses Gebiet günstige Gelegenheit zum Studium der eis zett lichen Pro- biente. — Dach kurzer Erläuterung der geologischen Struktur der verschiedenen DebirgSzuge der Kordilleren und unter Vorführung von Lichtbildern, die auch Ne Schilderung von Klima tmh Vegetation des durchforschten Sandes an- ulich werden ließen, fanden die Merkmale ftättgefunherrer diluvialer Vereisungen eingehende ärdigung, wie z. V. ortsfremde, errattsche e mit deutlich«, einander parallelen Glet- vvm Eise abgehobene und ge-
lose vegetative Armut durch diese wie auch andere wertvolle und mineralogisch selteneBoden- schähe ehren gewissen Ausgleich findet.
Da erfahrungsgemäß die Schneegrenze, also jene Höhe, von der ab auch im Sommer die Berge mit Schnee bedeckt bleiben, die Gesamtlange eines Gletschers in einem ganz bestunmten Verhältnisse teilt, ist es möglich gewesen, aus den Abmessungen der aus den geologischen Urkunden bekannten eiszeitlichen Gletscher auf bie Lage der damaligen Schneegrenzen zu fd>aeßen.
Herr Professor Klute formte nun die sehr bemerkenswerte Tatsache feststellen, daß der Verlaus der heutigen Schneegrenze, tue .bei 33 Grad sü'-ttcher Breite plötzlich von 1000 auf 6000 Meter an steigt, wenn man sich äquatortoärto bewegt, mrd die auf der nördlichen Halbkugel tn ganz ähnlichem Sinne wieder abfällt, dem Verlaus der eiszeitlichen Schneegrenze an allen untersuchten Stellen nahezu parallel läuft, und ynxrr um 1000 Meter höher, entsprechend einer, heute um etwa 5 Grad höheren mittleren Iahoestempe- ratur. Diese Feststeaunaen führten den Vor- tragenden zu einer entsÄ-deiren Ablehnung der Eiszeittheorien, die das ZustanOe- fommen der Vereisungen auf Polvers ch t e - Hungen -urückführen. da h^mU mne gleichzeitige und g lmchs innige Berf chrebun g der Schneegrenze auf der nördlichen und südlichen Halbkugel unvereinbar wäre. . , _
Wenn man nun für die starke dibüxcüe Vergletscherung von Dordamerika und Dvrdeuropa eine zu diesen Gebieten zentrale 2 ?g«t>es verschobenen Dordpoles" ins Feld führte te ess auch erterl** machte, daß bas dann polfernere
Der jüngste Streit zwischen Danzig und Polen hat in der gesamten Welt großes Aufsehen erregt, zwar nicht der Streitpunkt als sol- cher. Denn wenn auch die wider alles Recht erfolgte Einrichtung eines polnis ch e n Postbetriebes einen Schritt weiter in den Polonisierungsbestr'bungen in Danzig darstellt darum würde die Welt sich wenig kümmern. Wohl aber hat das beispiellose Erhalten Polens in dieser Angelegenheit berechtigte Erregung her- vorgerufen, namentlich in England. _
Obwohl bereits im Januar 1923 der Volke r b u n d s k o m m i N a r . der die Streitigkeiten zwischen Danzig und Polen zu entscheiden hat. klipp und klar erklärt hat, daß Polen nicht berechtigt fei, einen Außenpostdienst in Danzig einzurichten, hat Polen bei Dacht und Rebel eine Anzahl Drieskästen in Danzig anbringen lassen und polnische D r i cf träger durcheilen die Stadt. Dies heimliche Beginnen zeugt nicht gerade von einem guten Gewisten. Polen wußte genau, daß Danzig ihm den Außenpostdienst streitig .macht, es wußte ferner, daß der Völkerbund im 3uh 1923 b iden Staaten gegenüber sehr bestimmt den Wunsch geäußert hat sich jeder .action birecte“ zu enthalten, Lind doch kehrte sich Polen an beides nicht.
schrammte Felswände oder Lager von abwechselnd geschichteten Tonen und Sanden, Die sich als periodische, winterliche und sommerliche Absätze aus den Gletscherbächen zu erkennen geben und demgemäß vor den Enden der Gletscher im Abslußgebiete ihrer Schrnelzwasfer angetroffen werden Auch End- und Seitenmoranen, aus Gletschergeröll auf getürmt, treten im Landschaftsbilde häufig als Urkunden eiszeitlicher Vergletscherung auf; zu ihnen gesellen sich als weitere dem Landschastsb kde ausgeprägte Mert- male glazialer Vorgeschichte zahlreiche große fiordähnliche Seen, ehemals übergletschertes Gebiet darstellend, deren durch Lotungen festge- stellten Dodenreliefs auf Gletschertätigkeit dunicf- zu führen sind. Bemerkenswert ist. tote ein Vttck auf die Landkarte lehrt, daß die Enden dieser von dem nordsüblich gerichteten Kordillermrzuge im allgemeinen nach Westen und Osten abfließen- den Seen nach dem Aequator zu in immer kürzeren Abständen vom Hauptgebirgszuge gelegen sind, in dem Maße wie eben die ehemaligen Gletscher nach dem Aequator zu an Große und Mächtigkeit abgenomnren haben. Das A wirrten übereinand-ergelagerter Schotterten: a^ea und verschiedener Moränenschichten beweist baß rote auf der nördlichen so auch auf der südlichen Halbkugel mehrere Vereisungen, wohl drei bis vier, stattgefunden haben müssen. .
Andere Bilder führten te Zuhörer m das durch jahrelange Regenlosigkeit ausgezeichnete Trvckeng-ebiet der Wüste A t a c a m a, an jene Stätten, an denen sich die großen chilenischen Salpeterlager, wahrscheiicklch aus vulkw- nischen Dämpfest gebildet, befinden, deren trvst-
Die Lehre aber au« diesen Geschichten ist einfach die, daß man solche Individuen, die nur zum S chaden de« deutschen Bolksganzen in Deutfchlandherum- besten gar nicht herein lassen, nmal drin sind, ihnen möglichst
Doch nicht das allein. Das jetzige Vorgehen Polens ist nur eine Etappe auf dem von Polen eingeschlagenen Weg der P o k o n i s ie - rung Danzigs. Das geht deutlich au« der Erklärung des polnischen Außenministers tm Sejm vom 21. Januar hervor, in der er von den angeblich »souveränen" Rechten Polen« in Danzig sprach und sich gegen die Kompe tenz des VölkerbundSkvmmisfars wandte. Da« geht aber auch au« dem Verlangen Polens hervor, die zwischen Polen und Danzig abgeschlossenen Verträge einer Re vif ton . I zu unterziehen. Der die Grundlage de« flogen* Dnlonc; Ramnf aCOCH den feltiflen Verhältmsse« zwischen Danzig und Polen yvyVH vvi» | hupende Vertrag von Paris am 9 Dovrmber 1920 ist im Sinne de« Versailler Vertrage« durch di« alliierten und assoziierten Hauptmächte abgeschlossen. Er legt alle Rechte fest, die Polen auf Danziger Gebiet zustehen. Es sind also lediglich vertragliche und nicht souveräne Rechte, dir Polen in Danzig auSüben kann. Aber diese zum Teil sehr weitgehenden Rechte genügen Polen nicht. Denn Polen kann es nicht verschmerzen, daß Danzig nicht polnisch ist. und sowohl der Der- failler Vertrag als der Pariser haben die Freie Stadt Danzig al« selbständigen Staat mit völkerrechtlicher Persönlichkeit anerkannt. Darum eifert jetzt sehr die gesamte polnische Presse gegen diesen Vertrag; darum wird die Beschränkung der Kompetenz des Dölkerbundskommisfars und damit zu- gleich die des Völkerbundes verlangt. Auch In Reden des stellvertretenden polnischen Ministerpräsidenten Thirgutt und des polnischeo Außenministers SkrzynSki wird gegen jenen Vertrag Sturm gelaufen. Man redet von einem polnischen Protektorat über Danzig, als ob Polen, und nicht, wie es in dem Versailler Dertrgae heißt, der Völkerbund der Schutzherr Danzigs wäre. Man verlangt eine Erweiterung der polnischen Rechte in Danzfo, offenbar in dem ganz richtigen Gefühl, daß In den bisherigen Verträgen da« jetzige Vorgehen Polens gegen Danzig ketne Stütze findet.
Wie bet Polen nicht anders zu erwarten, wurde in dem gegenwärtigen Danzig-polnischen
Sibirien nicht von der Vereisung betroffen worden ist. so könnt« Herr Professor Klute dem- gegenüber denselben Befund in bester Ucberetn* ftimmung mit den Ergebnissen ferner Schneegrenzenforschung au« allgemeinen kllmatolvgi- schon Ursachen ableiten Da bei im ganzen seit der EiSzeit sicher unverändert gebliebenen Ällma- grenzen und Windsystemen wie heute so also auch damals Sibirien zu den niederschlagsärmerer Gebieten der Erde gehörte, starke Derei'ungrm aber nur da auf treten können, wo hohe Gebirge und reichliche Feuchtigkeit zugleich vorhanden sind, ist in Sibirien ohn? hinreicherrde Feuchttgkeit eben auch keine Vereisung zustande gekommen, da dies Die Temperatuvemiedrigung allein mcht vermag. Die Gebiete starker Vereisung ftnb daher, wie der Vortragende an Hand einer Klunakarte unter eingehenderer Begründung und Stützung auf seine eigenen Beobachtungen nachwetsen formte, immer auch feuchte Gebiete, so daß dis Bereisung von Dordamerika und Europa aba auch anderer Gebiete, mit großer Sicherheit geradezu au« einer Karte der jährlichen Dieder» schlagSmengen unter Berücksichtigung von ®e- birgShöh« und Aequawrnähe rückfchttetzend abge* lesen werden kann. —
Welche Ursachen an Stelle der bisher gern angenommenen P ollchwankungsthronen für te Herabsetzung her mittleren Iahrestmiveratur um etoa 50 tn Frage tommem laßt sich yrr Zett nicht sagen; vermutlich werden es komische Ar. fachen sein, die die Intensität der Sonnenstrah. lung beeinflußt haben formten. L. H
diele ^Geschäfte" üb* er floh nach Schweden, von da nach Königsberg. Hier bequemte er sich noch zur Zahlung von einer wetteren Million Mark, die natürlich längst wieder start entwertet war Dann fommt die bekannte Gürtoanberergc- schichte: Ein unmöblierte« Zimmer in Berlin, nach einigen Wochen ein» Sechs ummertvobnuna nach einigen Monaten eine Villa, diesmal im XietgartenmerteL
Barm at stammt au« Lodz, ging im Kriege nach Holland, machte Geschäfte mit der Entente und mit Deutschland und übersiedelte, von Empfehlungen des Innenministeriums begleitet, nach Berlin. Die weitere Geschichte bi« zu Villa und Auto ist ähnlich wie bei Kutisker.
Der Fall Barmat.
Am Mittwoch abend sprach in einer Veranstaltung der Liga zum Schuhe der deutschen Kultur Dr Croll-Verlm in , Gießen über den ‘batmat-ÄuliS’ kerskandal. Bei den ungeheuerlichen Auswirkungen, die dieser Krach trer- urlacht hat, haben sich Einblicke in Zu- lammcnoänge ergeben, 'wtwmtdtg zum Tfochd.'iken anregen rmdferL Stch klare Aechenschasl über bisher bekannt gewor- bene, seststehende Dinge zu geben, heißt weder in ein schwebendes Verfahren ein« greifen, noch ihm vorausgreifen.
Die Kriegs- und Dachkriegszeit hat wer Gruppen von Gewinnkonjuntturen und^mit die- fen von Gewinnlcrtypen $5'C i *
gewinnler, die auS dem Lieberangebot de« Staate« für ihre Waren übermäßigen Vorteil zogen die D e m o b l l m a ch u n g s g e w i n n . Ur ke das verschleuderte Heeresgut zu billigsten Preisen antauften und ausschlachtetm (auch da« Gn Darmat-Kuti-kerskandal erwähnte Hanauer Laaer ist ein solche« Ausbeutungsobzekt), die 3 n- flation-gewlnnler, die erste von jedem Standpunkt auS zu verurtellende Erscheinung, bei v-r eine Abtrennung de« SinzelmteresseS zu- unaunften des Gesamttnterefses stattfand, eine liischeinung die tn ihren Auswirkungen mir bei einer beschränkten Llnzahl von Individuen auftrat deren Grundeinstellung jedoch damals bei der'weit überwiegenden Mehrheit des deutschen Volke« vorhanden war. Lind wenn jetzt an exponierter Stelle ÄutlMer und Darmat auf der Anklagebank sitzen, sv sollte dahinter im Beicht- ftublDa« ganze deutsche Volk knien. Das zur Steuer der Wahrheit und zum Dachdenken. Die vierte Gruppe von Gewinnlertypen sind die DeflatlonSgewinnler, die er verstanden haben bei Beginn der Markstabilisierung recht- zeitig'.auszufteigen" und sich auf Rentenmark umzustellen. , ,
Ä u 11« f er war nacheinander Kriegsgewinnler Demvbllmachungsaewinnler und Infla- tlonSgewinnler, bei der Deflation verpaßte er den Anschluß und verlor alles, waS er besaß und noch mehr dazu; und dieses Mehr, 14,2 Millionen, gehörte der preußischen 6taat«bant. Die Aufrollung bet ganzen Affäre geschah durch eine Kleinigkeit, einen Geschäftsstreit der beiden früheren Freunde, KutiSkrr und Michael. Plötzlich sah man bei Der Fremdenpolizei, daß die Fremdenkontrvlle in manchen Fällen recht großzügig gearbeitet hatte Da« ist eine« der Erkennt- niste, te dieser Skandal gelehrt hat, und man wird daraus die Folgerung ziehen müssen, in Zukunft zu verhüten, daß Elementen die von jedem Standpunkt aus unerwünschte Srfcheinungen dar st el- len, so leichter ZutrittzuunSgestat- tet wirb
Die Geschäfte, die tn diesen verwirrten Zusammenhängen gemacht worden sind, zeigen nach den bisheiigen Feststellungen folgendes Bild Die Steinbank als Spitzenunternehmen deS Zlutisker-KonzemS steht bei der preußischen Staatsbank mil 14,2 Millionen Goldmark in der Jtielbc. Durch Dachprüfung der StaalSbankcrklen stieß man auf neue gioßc Geldgeschäfte. In denen bei Ba rmat-Konzern eine Rolle spiette Der Reichtpoftslsku« batte durch feine neuen Tarift ercheblich« Ueberfchüsse gemacht und die hier gewonnenen Gelder zu 12 biS 18 Prozent h a an Barmat gegeben, zu einer Zeit, wo fonst ein ZinSsuß von 5 bis 8 Prozent monal- 1 i ch gebräuchlich war. Das bedeutet eine Ge- wlnmnbglichkeil von 80 bis 100 Prozent für C&annat bedeutet aber herüber hmauS, daß ftaat- liche Stellen billige- ReichSgeld an Ausländer verschleudert haben, die es mit hohen Zinsen Weitergaben an Stellen, die gewiß nicht zum Wohle des Ganzen und de« Reiches gearbeitet haben. Man hat mit den Einnahmen au« Tarifen, die von der gesamten deutschen Wirtschaft nur untergrö fiten Anstrengungen getragen werden ! o n n t e n, mit dem Velde, das jeder einzelne Deutsche an Brief- und Paketpvrto, an Tele- Phon- und Telegraphenoebühren oft genug unter schweren Opfern bezahlt hat, zugezogene Ausländer grofigefüttert; und diese Erkenntnis macht eS un« zur Pfllcht, dafür zu sorgen, dafi mit dem deutschen Volksvermögen in Zu^unst gewissenhafter umgegangen wird, nicht auleßt in Hinficht auf die Steuermoral, die sich im letzten Jahre trotz allem fchon wefentlich gebeffert hatte.
Da« läfit e« angezeigt erlcheinen, em Wort über das Verhältnis vom Staate zu ben Privaten zu fagen. Vielfach hat der Staat sich selbst die Prelle verdorben und sv den Anlafi zu unlauterem Wettbewerb gegeben. Gleich bei Beginn des Kriege«, der finanziell von Deutschland unglaublich schlecht finanziert
Al« dann aufgebotzt« in
Danzig Me polnischem Briefkästen beschmierten, Jing her Tanz in Polen erst recht toi. Aba diese ctztere Affäre Ist durch Entschuldigung de« Danziger Senate« — e« ist bedauertich. daß t*e aute Lache Danzig« durch solche Heißsporne »unachst einmal in« schiefe Ächt gefetzt war, — bet dem diplomatischen Vertreter Polen« in Danzig aus der Welt geschafft.
Geblieben ist aber die polnische Hetze, nicht nur die der inoffiziellen Prelle, sondern auch die der höchst offiziellen Staatsorgan«. Ader — und das ist charakteristisch für te polnische Ein» ftcllung - eine Hetz« nicht nur gegen Danzig, sondern auch gegen den Völkerbunds- kominissar, ja gegen den Völkerbund selber. Verwunderlich ist das nicht, wenn man sich die Rede ins Gedächtnis ruft, die im Frühjahr 1923 der polnisch« Senatspräsident Wo,- sichowski bei Eröffnung der M.-sse in Posen gehalten hat. Er hatte damals mit deutlichem Hinweis auf Danzig erklärt, daß noch nicht al le Gebiete, die eigentlich zu Polen gehören müßten. P ölen einverleibt seien, und hatte weiter hervoraehoben. hie polnische Streitmacht müßte gerüftet sein auch gegen iehc Einmischung srernder Mächte in polnische Angelegen- > beiten. Gemeint war schon damals der Hölter- I bunt. Man wird e« einem jungen Staats nicht so sehr anrechnen, wenn e« mit dem außerordentlich fein ausgebildeten diplomatischen Verkehr und der jede« Wort auf die Wagschale legenden diplomatischen Sprache nicht so vertraut ist wie die alten Kulturstaaten Europas. Aber wa« sich jetzt Polen gegen den englischen VölkerbundSkvm- rnissar geleistet bat, daS zeigt, daß Polen noch nicht einmal in Die diplomatische Kinderstube eingetreten ist. Da werden Zweisel in die Lln- parteilichkeit des DölkerbundkommlssarS gesetzt, ec wird als Wahnsinniger bezeichnet, man verlangt seine Mchung. man überschüttet ihn förmlich mit I Wörtern, Die schon nabe an den Gassenton erinnern. ilnD weswegen? Weil der Völkerbunds- I kommissar zmrächst einmal im Sinne des von» Völkerbund selbst geäußerten Wunsche« verlangt bat. daß Polen den Status quo ante wieder her ft eilt Auch Danzia bat öfters durch Entscheidungen des Dölk.rbund-kommifsars in Streitfällen mit Polen Llnrecht bekommen aber I es hat immer anerkannt. Daß der VölkerbunDS- I kommissar nach bestem Willm unb Gewissen entschieden hat. Der Vorwurf der Parteilichkeit ist doch wohl der schwerste. Der einem Richter gemacht werden kann. Polen hat sich nicht gefreut, ihn zu erheben. In maßloser Lleberhebllch- I feit, die ja überhaupt die polnische Politik auszeichnet, hat Polen einen alten erfahrenen englischen Diplomaten beschuldigt, nur weil er nicht so wollte, wie Polen im Sinne bat
worden war, wandte sich der Staat al« Bitten- der an die Wirtschaft. Er geriet fo selbstverschuldet in eine Zwangslage, al« deren letzte Etappe das Jahr 1923 beinahe die vollkommene Zahlungsunfähigkeit ergeben hätte. 3n dar schlimmsten Tegen de« Dovembei 1923, al« man im Finanzministerium ben Zusammenbruch für die nächsten 48 Stunden voraus sagte, ftnb Dinge geschehen, die breiter behandelt werden müssen, um die psychische Einstellung der Geschäfte vorn Dovernber 1924 zu verstehen. Es war ein Entgegenkommen. ein Dantes beweis für die bevorzugte Behandlung der Privatwirtschaft gegenüber dem Staat, wenn damals das Dulbaben eines kapitalkräftigen Privaten in den Händen Des Staates liegen gefallen wurde. Das tat Ku- tisker. Gr ließ dem Staate sein Geld und hiell den Zusammenbruch auf. (Soweit hatte sich das Stärkeverhältnis zwischen Staat und Privaten durch die Inflation verfchoben» Die 2Wit 1 Iaufcn- am besten gar nicht herein lallen. ! ließ die Beamten über paprerne Vorfchrrften tDCnn fk ab€r einmaI ^rsn find, ihnen m ö g l i ch st hmwegsehen; man nahm, wo und waS man 6aIb unt) energisch die Tür weisen! konnte. Diese Leistungen lösten Gegenleistungen I sollte.
aus. aus guten Deckungen wurden ttreniger gute. Da« D e a m 1 en p r ob le m Darf, will man auß tomtger guten schlechte, aus schlechten gar bi(? Angelegenheit in ihrer Ganzheit behanDeln. kein«. Em so skrupelloser Verdiener wie Kulis- nl(6l unerwähnt bleiben. Der Staat hat km es nun verstanden D.e moralisch start ge- zwelsellos gegenüber seinen Beamten einen schwc- schwächte Position der etaat8banrbeamten aud- ren Dertrauensbruch begangen. Denn prozentual gunußen. Schließlich hatte der Staat sogar e n ift tarnte am ärmsten geworDen Durch Die Interesse daran daß es Kutiskcr sinanziell gut Inslationskrife der Reichsmark. Die Beamten- aing. Die Leiter Der Staatdbanl fian- motaI DDn ftüfcr __ unö auch noch von heute-
den mit einem Dein ,m Dienste de« ^ite unD hat eine Abneigung gegen jeglich«
Staate«, mit dem anderen ,m Dienste S^lation unb demgemäß gegen Die Anlage Ir g e n&c i n c« Ä °n jer n in ft 11 u t e«. ®aß Don Dermögensteilen in Spekulationspapieren,
eine Ache Situation erntretm kmrnte. wirst ein QDenn tK»r 6taat (einc Beamten mit seinen Wert-
bedenkliches Licht auf Die Säßigfetten der letten- Steren im Stich ließ. Darf er sich nicht tonn- den Staatsbankbearnten. deren Institut sayungs- b wenn hier eine Umstellung her Gesinnung aemaß nicht auf Gewinninteresse eingestellt und gegenübcr eintritt. Der Ucbettritt von oessen Bestand auch d.^nh die Inflation zer- Staatsbeamten in die Privatwirtschaft, wie er sonnen war. Tragrkvmifch ist es allerdings zu bcm Areditskandal mehrfach bekannt geworden sehen, wie nach Auffüllung der StaatSbankkasfen ™ ift nur bic natürliche Antwort auf das ®e- durch Landtagsbefchlufi auf 10 Millionen Gold- bachren des Staates, fuhrt jedoch zu Kollisionen, mark diele Summen zu Risikogeschasten gefaßt- Staate in keiner Welse zuträglich sind,
lichsten Charakters verwandt und P^mpt ver- ßkbc u Derus wird auch durch Die spielt werden. Auch die leitenden Stetten un mischen Deamlenschübe. die das parlamen-
Staatsbankbetrieb sollten nur mit Persönlich- tarjfXj System mit sich bringt (Ministerposten leiten besetzt werden, die neben ihren Beamten- . nicht gerade gestärkt, weder unten noch eigenschafien, besonders neben der Zuverlässig- I oben’
feit, genug Initiativen und UebeAlick besitzen, Ein Wort noch zu den K o nz e rn e n: Gegen um schwierigen Siwationen gewachsen zu sein. bie W e r k s k o n z e t n e . die eine volkswlrtschaft-
Am dunkelsten in dieser dunllen Geschichte fiche Idee verkörpern, ist an sich wenig eirrzu- ist die Schiedsspruchangelegenheit Öen Kutisker und Michael, bei der Staats- ireftoren Schiedsrichter spielten. 2tti Tat- | sächlichem steht bisher folgendes fest: Kutisker hatte bei Michael 200 000 Mark Schulden. In- folge der ungeheuerlichen Zinssätze im Dovember- Dezember 1923 wuchs die Schuld rapid. Man einigte sich schließlich auf 500 000 Mark. Doch auch die konnte Kutisker nicht zahlen. Ein Schiedsspruch durch die S t a a t s b a n k. die selbst jedoch das lebhafteste Interesse an der Sanierung von Kutisker als ihrem Schuldner hatte, lautete auf 2 Millionen, die Michael zugesprochen wurden. Es muß dabei wieder einmal auf bie psychologische Einstellung jener Tage etngegamgen werden. In den letzten Tagen der Inflation fiel die Parität auf oftmals die Hälfte. Während der Zwang^kurs In Berlin 18 Billionen für das Pfund Sterling betrug, bezahlte man in London 35 Billionen für da- Pfund. Durch An- redymmg fo hoher Zinssätze - nachdem Inzwischen ble Mack stabilisiert worden war — haben amtliche Stellen an der Siefretitie- rung der eigenen Währung m 11 gearbeitet. indem sie auf Selten der Baisse-Spekulanten spielten. Der Ausfall des Schiedsspruches (mit 2 Mitt, gegen Kutisker) sieht noch übler aus. wenn man weiß, daß Kutisker 12 000 Mark. Michael 20 000 Mark Schiedssvruchbonorar gezahlt hat Diese Bezahlung des Schiedsspruches ist eines der übelsten Dinge in Dem ganzen Skandal.
Gin Wort noch zu der politischen Ausbeute der Angelegenheit. Bon rechts wie links ist auS der Sache Kapital zu schlagen versucht worden. Eines muß jedoch dabei festgehalten werden: Di« Sozialdemokixitie bekämpft bie gegen» wärtige Wirtschaftsordnung, die auf Gewinn- befricotgnng abzielt. und will an deren Stelle die Dedarf-befriedigung setzen. Wenn aber Ku- tisker alS sozialdemokratische« Parteimitglied mit kapitalistischen Geschästen übelster Art Geld zu verdienen sucht, so Ist er kein erwünschter Weg- genösse weder für die fozlalistisch« noch für irgendeine andere Weltanfchauungsidee.


