richtiger ist, den Tee bei. Kenner halten Wasser auch in Form von Selterswasser dem „ostpreußischen Maitrank", wie man den Punsch in Ostelbien nennt, ängstlich fern, da es seine Feinheit beeinträchtigt. Gewöhnlich setzt man es dem Getränk aus Sparsamkeitsgründen zu, oder auch, weil man fürchtet, daß der Stoff schwächere Gäste umwerfen könnte.
Aus dem Wort pantfcha bildeten die Engländer vunch, und unter diesem Namen kam der köstliche Trank gegen Ende des -17. Jahrhunderts nach Europa. — Olearius erwähnt den Punsch bereits in seiner 1669 erschienenen „Orientalischen Reisebeschreibung", er erzählt, ein Schleswiger, Jürgens Andersen, habe 1634, nach seiner Rückkehr aus Batavia, das Getränk in seiner Heimat bekannt gemacht. In Indien war der Genuß des „Palipuntz", so lautete dort der Name, der mohammedanischen Bevölkerung verboten. Auch in Holland kannte man bereits im 17. Jahrhundert den Punsch. In Deutschland bürgerte sich das neue Getränk namentlich in vornehmen Kreisen schnell ein; beim Tabakskollegium Friedrich Wilhelms I. von Preußen in Königs- wlifterhausen stand stets eine große Punschbowle aus dem Tisch, und der alte Dessauer zog den Punsch allen anderen Getränken vor. — Die größte Punschbowle, welche es wohl jemals gegeben hat, war diejenige, welche der englische Admiral Rusell anläßlich seines Sieges über die Franzosen in der Seeschlacht bei Hogue seinen Gästen darbot. Er ließ in seinem Schloß zu Chippenham ein wasserdichtes Bassin anlegen, in das vier Oxhoft Branntwein, acht Oxhoft Wasser, ein Faß Malaga, 25 000 Zitronen, 13 Zentner Zucker, 5 Pfund geriebene Muskatnüsse und 300 geröstete Zwiebäcke getan wurden. Auf diesem Punschsee schwamMm ein kleines, mit einigen als Matrosen kostümierten jungen Mädchen bemanntes Boot, aus dem heraus den Gästen der Trank gereicht wurde.
Die Kunst der Punschbereitung will erlernt fein, sie ist schwieriger, als mancher annimmt. Es hat von jeher Genies auf diesem Gebiet gegeben. Die Herstellung eines guten Punsches erfordert Sachkenntnis und Liebe, es gehört natürlich auch ein tadelloses Material, viel Erfahrung und ein feiner Geschmack dazu. Gute Bowlen sind die reinsten Gedichte, sie sollen den .Trinker begeistern, aber ihn nicht völlig berauschen. Vor ollem muß der Punsch heiß getrunken werden, wie schon Schiller am Schluß seines Punschliedes sagt:
,,EH' es verdüftet, Schöpfet es schnell! Nur wenn er glühet, • Labet der Quell."
Am besten bereitet man den Punsch im Wasjer- bade, in dem man ihn siedendheiß werden, jedoch nicht kochen läßt! Das erforderliche Quantum Stückenzucker (z. B. 250 Gramm) übergießt man mit einem Liter Teeaufguß. Ist der Zucker völlig geschmolzen, so tut man eine Flasche guten Rotwein oder Rheinwein, den Saft zweier Zitronen, den man durch em Haarsieb gegossen hat, sowie eme Flasche Arrak hinzu, worauf man das Gefäß fest zudeckt und die Flüssigkeit zum Sieden bringt. Außer diesem bekannten Punschrezept gibt es noch viele andere. Zum Würzen verwendet man Vanille, Zimt, Nelken, Pommeranzenschalen usw. Wer fein Talent zur Punschbereitung hat, begnügt sich meist mit fertig gemischtem Getränk, der wirkliche Kenner aber verabscheut mit Recht „Punschbowlen aus der Flasche".
Wirtschaft.
* Aus Deutschlan ds Einfuhr im -Jahre 1 9 25. Deutschland führte in den ersten zehn Monaten des Jahres 1925 ein: an Bananen l 348 008 Dz:, gegenüber 221 354 Dz. im gleichen Zeitraum des Vorjahres; an Apfelsinen 1 856 577 F Dz. (1 301 144), an Ananas 28 279 Dz. (11 028), , an Blumenkohl 884 498 (295 175), an Tomaten ' 420 632 (285 521), Tafeltrauben 570 943 (375 757), Velken, Orchideen, iRosen und Veilchen 14 291 Dz. (7258). An Wert repräsentieren diese Einfuhren folgende Summen: Bananen 22 456 000 Mk., Tomaten 20 283 000 Mk.. Apfelsinen 48 843 000 Mk., Ananas 4 090 000 Mk., Blumenkohl 22 838 000 Mk., Tafeltrauben 30 016 000 Mk., -Blumen 11814 000 Mk., insgesamt also mehr als 160 Millionen Mark.
* Brauerei Henninger, Kaempff- <5tern A.-G., Frankfurt am Main. Das am 31. August abgelaufeße Geschäftsjahr 1924/25 schließt mit einem Reingewinn von 522 143 Mk. Auf Vorschlag der Verwaltung sollen 7 Prozent Dividende auf die Vorzugsaktien und 4 Prozent auf die Stammaktien ausgeschüttet werden, während 68 279
Mark vorgetragen werden. Im laufenden Geschäftsjahr hat sich der Bierabsatz weiter steigend entwickelt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die am 1. April in Kraft tretende 50prozentige Erhöhung der Biersteuer auswirken wird.
* Gründung einer Automobilbank in Berlin. Dieser Tage wurde In das Berliner Handelsregister die Industrielle Garantie-A.-G. mit 100 000 Reichsmark Anfangskapital eingetragen. Muttergesellschaft ist die Industrial Guaranty Corporation in Genf, die bereits gleichartige Schwesterunternehmungen in London, Paris, Amsterdam und Rom errichtet hat und dem Berliner Institut zur Diskontierung von Händlerwechseln mit bis zu zwölfmonatiger Laufzeit zunächst insgesamt fünf Millionen schweizerische Franken zur Verfügung stellen wird. Zweck der Gesellschaft ist die Finanzierung des Vertriebes in- und ausländischer Kraftwagen in Deutschland. Die Industrielle Garantie- A.-G. ist nicht zu verwechseln mit der von Stuttgarter Seite geplanten Automobilbankgründung, über die noch keine endgültigen Entscheidungen gefaßt wurden.
* Der amerikanische Riesenbanl- trust vor dem Abschluß. Wie bereits gemeldet, stehen eine Reihe führender amerikanischer Banken in Verhandlungen zur Bildung eines einheitlichen Finanzkonzerns. Diese Verhandlungen dürften, einer Reuyorker Meldung des DHD. zufolge, unmittelbar vor dem Abschluß stehen. Der neue Bankkonzern wird voraussichtlich über ein Kapital von etwa 1,3 Milliarden Dollar verfügen und eine größere Geldmacht darstellen, als alle übrigen Reuyorker Großbanken zusammen. Es sollen folgende Banken zusammengelegt werden: Chakam and Phönix, Rational Parkbank, Mechanios and Metals, Chemikals Rativnalbank, Central Union Trust Company.
Berliner Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 30. Dez. Während der heutigen
Vormittagsstunden trat eine starke Befesti - gung des französischen Frankens ein. Paris stellte sich bei Erössnung des Verkehrs aus 127,50 gegen London. Diese Bewegung blieb im Gegensatz zu den früheren Franken-Bewegungen ohne Einfluß auf die Aktienmärkte. Die Börse stand vielmehr unter dem Eindruck der außer- ordentlichernstenWirtschaftslagein Deutschland. Auch rein börsentechnische Momente, wie die bevorstehenden Prämienerklärungen bei der Medio-Liquidation, drückten auf die Tendenz. Die Kurse der führenden Marktgebiete, namentlich der Montan-, Chemie- und Schiffahrtsaktien eröffneten daher wesentlich unter dem gestrigen Stande. Es waren wieder einige Sonderbewegungen zu verzeichnen, so u. a. für Ufa-Aktien, für die zu 50 Prozent gesteigerte Rachfrage bestand im Hinblick auf die Ausführungen auf der gestrigen Generalversammlung. Der Geldmarkt ist unverändert leicht. Tägliches Geld, das jetzt auch über den Ultimo läuft, war zu 8,5 bis 10 Prozent angeboten. Monatsgeld 9,5 bis 11,5 Prozent. Die Devisenkurse waren, von der Bewegung des französischen Frankens abgesehen, kaum verändert. Warschau stellte sich gegen Kabel auf 8,75 bis 9. Die Reichsmark notierte in London 20,38, Paris 6,30, Amsterdam 59,17V».
Frankfurter Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M.. 30. Dez. Tendenz:
Schwächer. — Hochgradige Lustlosigkeit kennzeichnete den heutigen Börsenverkehr, der sich wieder bei unbedeutenden Umsätzen abwickelte. Die schwierige Wirtschaftslage, die in der sich stetig steigernden Zahl der Er- werbslosen erneut scharf zum Ausdruck kommt, verstimmte auf der ganzen Linie, zumal anregende Momente nicht vorigen. Im Eiw- klang mit der allgemein hervortretenden Abgabeneigung kam es dann zu neuen Abschwächungen, die sich, von geringen Ausnahmen abgesehen, über den ganzen Markt erstreckten. Die an der gestrigen Abendbörse hervorgetretene leichte Befestigung Jur eine Reihe führender Werte ging wieder verloren. Angeboten waren besonders Montan-, Chemie-, Elektro- Und Schiffahrtsaktien. Am Banken- markt, dessen Werte sich allgemein nur gering veränderten, fiel die starke Steigerung von Reichsbank auf, die bei einem Kursgewinn von 31/» Proz. bis auf134,50 stie
gen. In Börsentreis en rechnet man mit einer höheren Dividende für dieses Unternehmen, wodurch für diese Aktien etwas Anregung geboten war. Maschinenwerte gehalten, desgleichen Zel l stvf f a kti e n. lvährend Auto- werte zum Rachgeben neigten. Weniger betroffen von der allgemeinen Abwärtsbewegung wurden Zuckeraktien, die gute Besserungen aufwiesen. Badische und Frankenthaler je plus 1 Pvoz. Deutsche Anleih en lagen ruhig und eher vernachlässigt, die Kurse gaben leicht nach. Auch Pfandbriefe tendierten schwächer. Ausländische Renten lagen ebenfalls niedriger. Der Freiverkehr war umsatzlos. Deckerkohle 37 Pvoz., Benz 21, Brown- Boverie 51 Proz., Entreprise 8,5 Proz., Gro- wag 36,50 Proz., Krügershall 64 Proz.. Ufa 49 Pvoz., Ufta 51,5 Proz. Im späteren Verlause wuroe die Stimmung noch mehr gedrückt. Für A n i l i n w e r t e setzte sich die Abwärtsbewegung weiter fort. Auch an den anderen Märkten traten neue Kursabschwächungen ein. Am Geldmarkt ist die Lage überwiegend noch leicht, obwohl die Rachfrage etwas stärker geworden ist. Tägliches Geld stellte sich auf 9 bis 10 Proz,., Bankdiskonten 7 Proz.. Industrie-Akzepte 9 Proz. Im Devisenverkehr konnte Paris seine Befestigung fort- setzen. Paris stellte sich gegen London auf 128,75. Das englische Pfund war mit 4,857+ gegen Kabel ebenfalls befestigt. Die übrigen Valuten sind nicht wesentlich verändert.
Börsenkurse.
(Ohne Gewähr.)
Frankfurt a.M.
Berlin
Schluß Kurs
t-Uhr. Äurs
Schluß, äur»
Anfang flute
Datum: | 29.12.
3'J. 12.
29. 12.
30. 12.
5% Deutsche Rekchsanleihe . 4% Deutsche Rcichsanlcihe » 8’/s% Deutsche RcichSanlcihe 3% Deutsche RcichSanlcihe . Deutsche Sparprämicnan leihe 4°Io Preußische SonfolS . . . 4a/0 Heften...........
3V2°/o Hcffen..........
3% Hellen Deutsche Wertb. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schatz-Anweisng.*) 4% Zolltürken 5% Solbmerttaner......
Berliner Handelsaescllschaft. Commerz- und Privat-Bank Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank.........
Deutsche Bcreinsbank .... DtSconto Commandi» ... Metallbank...........
Mitteldeutsche Kreditbank. . Oesterreichische Kreditanstalt. Westbank............
Bochumer Guß .
BudcruS ..........
Caro »Luxemburg irchencr Bergwerke . . Harpener Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln Laurahütte Oberbedarf Phönix Bergbau ..... Rheinstahl Niebeck Montan ....... Tellus Bergbau. ......
0,195
0,190
0,195
0,19
—
—
0 2075
—
—
0,2125
0 205
0.29
—
—
0 3025
0,107
—
1.1071
—
—
0.215
0,21
0,17
—
—
0,17
—
——
——
90,25
—
91,25
—
98,25
98,35
—
7,9
7,75
—
——
42
45
—
136.5*
—
137,5*
135 ‘
96*
—
96*
96*
104.6*
—
104,2*
104,7*
104,5*
—•
104,5*
101,7*
103,6*
——
103,2*
103,7*
71.25
—
—
90,25'
90*
90.25*
90.5*
6,2
6,2
0,03
6,12
6,12
0,03
—-
60*
—
57,5*
58*
28
26
26 75
26
39,5*
-
40*
40*
58
57,25*
56.75
57*
—
—
61.25
61*
—
—
86 62*
83,5 ‘
94,25*
92.5
91,25
92
93
93
93,9
94.4
22,25
—
23
23.6:
37
——
37,5
37,12'
58,5'
57.5*
58,4*
59,5
46.75*
45,5*
48,5*
45,62*
71
——
71
40
—
_
Hamburg-Amerika Paket. . , Norddeutscher Llovd
Cheramtsche Werke Albin . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holzmann . , .
Anglo-Com-Guano .... Badische Anilin ....... Chemische Mäher Alaptn . . Goldschmidt . . .... ‘.
Griesheimer Electron .... Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung RütgerSwerke ....... Schetdeanstalt ....... Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann . . .......
Mainkraftwerke ....... Schlickert Siemens 4 HalSke ..... Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Hehltgenstacdt Meguin Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . . mKä5* : Schuhfabrik Herz ..... Sichel. . . .
ellstoff Waldhof uckerfabrik Frankenthal . . nckerkabrik Waghäusel . . .
93,5*
95.4*
92,75*
94 5*
60.25
60
39,5
39.5
—
—
106,2*
106.2*
■w
50.5
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—
52,75*
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24.6
24
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14
—
21
—
17
—
——
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—-
51
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—-
—
1.9
—
78,25
77
11
42
32.5
32 5
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94,9*
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105,2*
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78
: 92. .Y 193,62'
63*
24,9
20,9
68
105,2*
Pelzmärtel.
Ein Nürnberger Spielzeugroman.
Rach dem Italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein.
Copyright 1925 by A. Scherl G. m. b. H., Berlin. 27. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Ans in Verruf bringen?“ schrie die alte Schwalbe bebend vor Zorn. „Da hätten wir viel mehr Grund, es von allen Dächern zu pfeifen, daß Dringglück ganz und gar kindisch geworden ist."
„Wieso, wieso?" bebberten die Zuhörer vor Reugierde.
„Wieso? So eine Frage! Diese Sache mit der toten Elster! Du meine Güte, hat man schon jemals so einen Mangel an gesundem Vogelverstand gesehen?"
Die Zuhörer verstanden nicht, was sie meinte, pflichteten aber aus Respekt und Disziplin bei: „Jk, ja, ja, die Sache mit der toten Elster!"
Rur eine gewissenhaftere Schwalbe fügte hinzu: „Sprich deutlicher, bitte!"
„Deutlicher sprechen?" Die Alte glaubte nicht recht gehört zu haben. „Roch deutlicher? Kann man überhaupt deutlicher sein? Bringglück, diese verrückte alte Dachhockerin, hat der Gummikahe Len Gedanken eingegeben, die Tante Berta in den Käfig zurückzubringen. Und so weit wäre ja alles in Ordnung gewesen, aber glaubt ihr, sie hätte daran gedacht, Jakob und Julchen vor der Gefahr zu warnen, in der sie schweben? Rein, nicht im Traume!"
„Unerhört, unerhört!" entrüstete sich der Chor.
„Bei Abraham Schloß laufen Mr Papagei ■unb die Amsel doch Gefahr, in den Käfig eingeschlossen zu werden und den gleichen Hunger- tob zu finden wie Tante Berta. Run frage ich euch im Ramen des Gesetzes, bas bie Vögel zu gegenseitiger Hilfeleistung verpflichtet, können wir so etwas zulassen? Das geht an unsere Ehre, die Ehre der Schwalben, die nicht weniger gilt «als die Ehre der Störche!"
„Das geht an die Ehre der Schwalben!" kam Die brausende Zustimmung.
„(Sin Entschluß muh gefaßt werden!"
„Ein Entschluß, ein Entschluß!“ Sie schrien so laut, daß die Leute an die Fenster liefen, um zu sehen, was denn los sei.
Wenn die Schwalben einmal einen Entschluß gefaßt haben, kann nichts mehr sie davon ab- brtngen. gift wurde daher nicht gerade höflich empfangen, als sie es wagte, sich mit halbgeschlossenen Augen der Versammlung zu nähern und, noch schlaftrunken, einen Einwand zu erheben: Jakob und Julchen warnen, das ließe sich ja hören, wie aber wolle man es anstellen, um ihnen den Weg zur Freiheit zu zeigen?
„Das sind Nebensachen“, zischte bie alte Schwalbe von oben herab. „Die Hauptsache ist, sie zu warnen, das Weitere werden sie bann schon selber finber.“
„Rebensachen, Nebensachen,“ lehnte die Versammlung ab, „werden's schon selber finden, selber finden!"
„Gar keine Nebensachen", sagte Fifi gereizt. „Aus einem Käfig allein herauszukommen, da möchte ich euch einmal in dieser Rolle sehen! Ihr steckt nicht in ihrer Haut. Aber“, fügte sie entgegenkommend hinzu, „streiten wir nicht darüber, ich werde mitmachen und euch helfen.“
Kurz darauf trafen sich die Schwalben und die Gummikatze in dem bezeichneten Zimmer, dessen Fenster offen stand. Mit wenigen Worten darüber unterrichtet, was ihnen bevorstand, machten sich Jakob und Julchen schleunigst an den Almjug. Jakob stopfte sich schnell noch mit Sonnenblumenkernen und Biskuit voll, Julchen räumte mit dem Hanfsamen und den Ebereschen auf, bann verliehen sie also gestärkt ohne (Bebauern bas Vogelbauer, das Fifi öffnete, und flogen mit den Schwalben davon. Fisi blieb zurück, um bie Käfigtürchen wieder sorgfältig zu schließen. Darauf stopfte sie alles, was ihr unter bie Pfoten kam, in bas Bett: Besen unb Schaufel, Feuerzangen, einen Schöpflöffel, zwei Töpfe, Tücher unb Lumpen und Lappen, ms das Bett ausgefüllt war, als ob jemand darin läge unb bie Decke über sich gezogen habe.
Als sie fertig war, putzte sie sich grinsend das Fell, legte sich unter das Bett und wartete geduldig.
Den Kops gedrängt voll Gedanken an Peter Tand, seine Krankheit unb die Strafe, die auf
das Haupt des Schuldigen heräbkommen mußte, kehrte Abraham heim. Wenn der Puppenpeter stirbt, wehe dann dem, der ihn auf dem Gewissen hat! Immer wieder klang das Wort wie ein Richtspruch in seinen Ohren. Ins Zimmer tretend und mit einem ängstlichen Blick das Halbdunkel durchdringend, blieb er wie vom Blitz getroffen stehen: bie beiben Käfige waren leer, leer unb geschlossen! So hatten ihn also auch Jakob unb Julchen seinem Schicksal überlassen, und nicht nur das, jene unsichtbare Hand, die ihn verfolgte, mußte ihnen den Weg zur Flucht gewiesen haben! Das Zimmer drehte sich um ihn, er mußte sich an dem Türrahmen festhalten, und nun fiel sein Auge auf das Elsternhaus. Das war offen, und die Leiche der Bewohnerin, die heute morgen ausgeflogen schien, lag neuerdings darin! Noch ehe Abraham einen Gedanken fassen konnte, überfiel ihn ein Höllengekreische, der entsetzliche Ton aus der vergangenen Nacht, der wie der Aufschrei verdammter Seelen klang und das Blut in den Adern erstarren machte. Er kam vom Bett her. Und das Bett war — ein Schauder überlief ihn — in Unordnung--
nicht leer---es lag einer drinnen--
Ein menschlicher Körper zeichnete sich unter der Decke ab —
„Oooh — aaah!... Oooh - aaah!" ...
Langgezogen, ging der grauenvolle Seufzer in ein Gurgeln, in ein- Röcheln und Verröcheln über — — —
..Oooh — aaah!... Oooh — aaah!" ...
Aufschreiend wie ein Wahnsinniger stürzte Abraham aus dem Zimmer und die Treppe hinunter. Als ob ihm die Henker schon auf den Fersen wären, rannte er planlos durch die Straßen. Die Leute blieben kopfschüttelnd stehen, unb manche, die ihn erkannten, riefen aus: „Abraham? Das ist doch Abraham Schloß! Verrückt geworden?"
Viel fehlte wirklich nicht dazu. Abraham war nahe daran, stehenzubleiben und allen ins Gesicht 3« schreien. ..Der Puppenpeter ist gestorben, ist tot, er liegt in meinem Bett! Ich habe seinen Geist gesehen, er will mich erwürgen! Erbarmen! ©rbarmen! Rettet mich! Versteckt mich!"
Der Gehetzte wollte das schreien, aber er traute sich nicht stehenzubleiben, aus Angst, der
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. AU Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.)
Banknoten. (Ohne Gewähr.)
29 Dezbr.
30. Dezbr.
Amtliche Notierung
Amtliche Notierung
Geld
Bries
Geld
VBrtcf
Amst.-Rolr.
168.74
169,16
168,79
169,21
Bur n.-Aires
1.730
1,7.34
1,733
1,<37
Brss.-Antw
19 02
19,06
19,03
19,07
Christian!a. Kopenhagen
85,01
85,23
85,12 1
85,34
103,74
104,00
112,89
103,47
112,61
103,73
Stockholm •
112,61
112,89
Helfingfors.
10,545
10,585
10.545
10,585
Italien. . .
10,92
16,92
16,92
16,96
London. . .
20,349
20,399
20,335
20,405
Neuvork . .
1,195
4,205
4,195
4,205
Parts....
Schweiz . .
15,53
15,57
15,91
15,95
81 14
81.34
81,04
81,24
Spanien . .
59,23
59,37
59,33
59,47
Japan . . .
1,824
1,828
1,823
1,827
Rio bi San. Wien in D.-
0.604
59,29
. D.606
0,607
0,609
Oest. abgcst.
59,37
59,15
69,29
12,458
Prag ....
12,413
12,453
12,413
Belgrad . .
7.425
7,445
7:425
7,445
Budapest. .
Bulgarien .
5.87
3,005
5,89
3,015
5,872
v> 7005**
6,892
1,015
Lissabon
21.275
21,325
■21,275
11,3-25
Darntg. . .
Konstantin.
80.70
80,90
80,70
80,90
2,23
2,24
2,228
2,238
Athen. . .
5 44
5.46
5.83
5.35
Canada. . .
4,195
4,2'5
1.195
1.205
Nrugnav . .
4,295
4,305
4,285
4,295
Berlin. 39. Dezbr.
Geld
Bries
Amerikanische Note«.....
4.187
4,20?
Belgische Noten. ......
Dänische Noten ........
18,97
103,44
19.07
103,96
Englische Noten........
20,305
30,405
Französische Noten ......
15,507
15.587
Holländische Noten......
168,28
169.12
Italienische Noten......
16,895
16,975
Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr-, ä 100 Kronen
84,79
85,21
59,05
59,35
Rumänische Noten......
Schwedische Noten ......
112,2.1
112,85
Schweizer Noten.......
81,037
81,437
59,27
12,44
Spanische Noten.......
58,97
12,38
Tschechoslowakische Noten ..
Ungarische Noten.......
5 81
5,86
Frankfurter Getreidebörse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 30. Dez. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 26, Roggen, inl., 17,75 bis 18, Sommergerste für Brauzwecke 22,50 bis 25. Hafer, inl,. 18,50 bis 21,50, Mais, gelb. 21 bis 21,25, Weizenmehl, inl., Spezial 0, 41 bis 42. Roggenmehl 26,50 bis 26,75, Weizenkleie 11 bis 11,25, Roggenkleie 11,25. Tendenz: Fest.
Frankfurter Schlachtdiehmarkt.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".> Frankfurt a. M., 30. Dez. Auftrieb:
3 Rinder, 3 Färsen und Kühe, 1103 Kälber, 311 Schafe, 573 Schweine. Kälber: Feinste Mast- kälber 75 bis 82, mittlere Mast- und beste Saugkälber 68 bis 74, geringere Mast- und gute Saugkälber 60 bis 67, geringe Saugkälber 50 bis 58. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 40 bis 43, geringere Masthämmel und Schafe 30 bis 38, mäßig genährte Hämmel und Schafe iMerzschafe) 20 bis 25. Schweine: Doll- fleischige von 80 bis 100 Kilogramm 85 bis 87. vollfleischige unter 80 Kilogramm 78 bis 84, vollfleischige von 100 bis 120 Kilogramm 84 bis 87. vollfleischige von 120 bis 150 Kilogramm 84 bis 86. Marktverkauf: Bei schleppendem Handel ausverkauft.
BÄchertisch.
Im Rovemberheft von „Volk und R e i ch", politische Monatshefte für das junge Deutschland, die für die Mittelst eile für Jugend- grenzlandarbeit Friedrich Heiß herausgibt, bildet Dr. Friedrich Koenig. Gießen, der Vorsitzende des V. D. A., in einem weitausholenden Rückblick auf die Geschichte des deutschen Volkstums, des alten und neuen Reiches die Begriffe „Grohdeutsch, Kleindeutsch, Volksdeutsch, RÄchs- deutsch". In den Dienst der Volksdeutschen Schicksalsgemeinschaft stellt sich dieser grundlegende Aufsatz, der dazu mithelfen möchte, daß wir die Gesamtheit der dem deutschen Boden verwurzelten deutschen Volkheit als den tragenden Hintergrund unseres Ledens betrachten lernen.
Bauer :: Tuchhandlung
jetzt 119Ö1D
*- Seltersweg 91,1. Stock ■■■■■
Geist des Puppenpeters werde ihn einholen. Er mußte weiterrennen, immer weiterrennen, immer schneller. Eine furchtbare Sache, das kann ich euch sagen, und wenn ich nicht so zornig wäre auf ihn, möchte ich fast Mitleid mit ihm haben.
... „Ich bin Abraham Schloß begegnet,“ erzählte an diesem Abend Gevatter Franz feiner Frau, „er lief wie ein Hase, hinter dem die Hunde her sind. Was mag das nur zu bedeuten haben?“
Auch Gevatterin Cornelia machte sich Gedanken. Irgend etwas zwischen Abraham und dem Puppenpeter war nicht ganz klar...
Abraham lief und lief, bis ihn die Pegnitz aufhielt. Keuchend blieb er stehen. Es war eine einsame Uferstelle, es war schon spät, alles nach Hause gegangen, der Abendfriede senkte sich herab. Es war jene Stunde, wo der Tag zur Ruhe geht, wo die ersten Lichter aufleuchten am Himmel und in den Häusern der Menschen. Eine ferne Glocke Hub an zu schlagen, und es war, als wolle sie sagen: Friede auf Erden und den Menschen, die guten Willens find.
Nur Abraham wurde dieser Friede verweigert. Traurig schaute er auf den Fluß, der eilig zwischen Erlen und Fliedergebüsch seinem Ziele zustrebte, schaute zu den Sternen hinauf, hie einer nach dem andern in unwandelbarem Gesetz ausleuchteten, schaute wieder auf das Wasser und dachte, um wieviel besser es wäre, hineinzugleiten und sich von der Strömung forttragen zu lassen. Dann aber stellte er sich vor, wie sie am nächsten Morgen seine Leiche finden und sich fragen würden: Warum hat er sich nur umgebracht? So würde seine Schuld doch ans Licht kommen, eine Schuld, die er nicht ein- gestehen mochte. Da lief er weiter, den Burgberg hinauf, und ob ihm auch die Knie brechen wollten, er meinte nicht schnell genug auf der Höhe ankommen zu können. Das Herz klopfte ihm zum Zerspringen. Das Herz wiederholte in einemfort: Besser der Tod, besser der Tod! Und Abraham antwortete: Warte nur, warte noch ein wenig, ich suche ja nur einen Ort, wo niemand mich finden wird.
(Fortsetzung folgt.)


