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auf langschweifigem Pferd ein Bewohner der Berge angesprengt in buntverzierter Jacke und breitem, farbigem Leibgurt und hier wandert behutsamen Schrittes, gebeugt unter der Last der Jahre, ein alter, weihbärtiger Oman daher, der noch den grünen Turban eines Nachkömm­lings der Propheten trägt. Jedoch die Zivili­sation ist Trumpf und in einem staubigen verwahr­losten Parkgarten hat sich ein Freilichtkino auf­getan, das als höchste Attraktion den Nibe- lungensilm spielt.

Nun wieder Inselfahrt. In Cypern werden gleich zwei Häsen angelaufen, Larnaka und Li­massol, und die Fahrt zwischen den beiden Häfen bietet Landschaftsbilder, wie man sie nur an der Küste Madeiras oder in den Fjorden Nor­wegens erschaut. Da springt Plötzlich, scharfkantig und steil abfallend, ein ungeheurer Felsblock in die blaue See, vor und hinter diesen Felsen­kulissen öffnet sich eine Bucht mit zartgelbem Strand und ewigem Grün auf den Berghängen. Die Städte, wie alle Städte, die mehr unter eng­lischer Verwaltung stehen, ordentlich und kor­rekt und von jener selbstverständlichen englischen Atmosphäre umfangen, die der Brite überall zu schaffen weiß, wo er sich festfeht. Man sieht kaum einen englischen Soldaten, aber man spürt es bei jedem Schritt, hier ist englisches Land und es ist so sehr englisches Land, daß der Eingeborene kaum die Sehnsucht mehr kennt, nach einem selbständigen Staat zu streben. Sabet wird die eigene Kultur des Landes in keiner Weise beschränkt oder unterdrückt, sie gibt sich nur selbst preis, schwächlich zurückweichend vor der von England herübergebrachten Zivilisation.

Anders schon Rhodos. Hier ist die Kultur auf ungeheure Bauten gegründet, die aus der Zeit der Kreuzzüge stammen. Diese Insel ist wahrhaft das Rothenburg des Mittelmeeres. Mit Palästen und Straßen, überwölbten Durch­gängen und Burgfrieden atmet die Stadt noch gar;.-, den Geist des Mittelalters, in der unter den Kreuzfahrern ihre Hochblüte war. Llnvergeßlich der Anblick von dem Meere aus! Das Ganze eine geschlossene, hoch­ragende Burg, die sich zur See hin durch eine gewaltige Mauer gesichert hat, aus der Wachttürme hervorspringen und die nur hin und wieder durch enge, mit Wappen geschmückte Torbögen unterbrochen wird, eine Theater, deko- ration von wahrhaft überwältigendem Eindruck. Im Innern in den engen Straßen buntestes Leben, stark jüdisch bestimmt, aber durch ein geradezu lächerliches Liebermaß von italienischen Polizisten einigermaßen geregelt. Aeberhaupt die Italiener hier! Auf Schritt und Tritt begegnet man einem Soldaten Mussolinis und je mehr man die Größe dieser militärischen Besetzung erkennt, um so mehr möchte man Englands Beispiel in Cypern heranziehend daran zweifeln, daß Italien sich dieses schon nicht mehr ganz neuen Besitzes sehr sicher fühlt. Beweis dafür auch daß der Gouverneur hier die gleichen Methoden der Italienisierung anzuwenden beliebt, wie sie in Südtirol versucht werden. Aber nicht Politi­sieren diese Stadt ist viel zu schön, als daß man etwas anderes täte, denn sich auf eine ihrer Zinnen sehen, um hincruszuträumen in daS Meer.....

Smyrna ist immer noch ein Ort des Grauens. Die furchtbare Katastrophe, die vor drei Jahren über diese Stadt herniederging, scheint wie ein Druck immer noch auf ihr zu lasten. Anklagend ' wie Totenfinger gegen den Himmel gereckt, stehen immer noch die rauchgeschwärzten Diebel des * ausgebrannten Griechenviertels. Wer einmal im y Kriege eine zerstörte Stadt sah, hier ist das gleiche Bild, furchtbarer, erschütternder noch, da t sich hier Ruine an Ruine reiht und sich an keiner Stelle der Wille zeigt, wieder aufzubauen. Dabei ist hier die Natur von verschwenderischer Schön­heit. Lleppige Fruchtgärten klettern die Berg- Hänge hinan, auf weitgelagerten Türkenfriedhöfen wiegen sich schlanke Zypressen im Winde und an weihen Mauernn rankt sich eine lleberfüHe von Blumen. Man hört schaudernd die Erzählungen - von Augenzeugen über Einzelheiten der Kata­strophe. spürt brennend vor Scham diesen ab­grundtiefen Haß, der sich in der Seele der Bevölkerung festgefressen hat, da sie das In­trigenspiel der europäischen Mächte erkennt und die ungeheure Blutschuld dem Schuldigen Eng­land zuzumessen weiß.

Es ist wie eine Befreiung, als das Schiff den Anker lichtet und wieder hinaus in die blaue sonnendurchglänzte See sticht und hinter uns das Einzelbild der Ruinen verschwimmt und dem lieblichen Gesamtbild weicht, das die bergumkränzte, weitausladende Ducht von Smyrna bietet.

Immer mehr wird die Fahrt zu einem Märchentraum. Im dämmernden Abend scheinen Himmel und Meer sich zu vermählen, tauchen rechts und links Eilande auf, die wahrhafte Inseln der Glückseligkeit sind. Dies ist das Meer, daS Terxes mit Peitschen schlagen ließ und nie gab es eine schönere Frau, die so mißhandelt wurde. Blauer Sammet wird das Wasser, brau­nes Fell scheint weich sich über die sanfter und sanfter ausschwingenden Hügel zu legen, deren Gestein in immer ungewisserem Lichte atmendem Fleische gleicht.

Dann bricht die Nacht herein und fast un­durchdringlich lastet der Schleier der Dunkelheit über allem Schönen.

Die letzte Nacht an Bord, und aus ihr wird man aufgeschreckt, da das Schiff plötzlich hält und einen Aufenthalt nimmt, der nicht im Fahrplan vorgesehen ist. Hier ist die türkische Kontrolle und hier wird Wohl auch die Stelle der Dardanellen sein, die ehemals durch eine Kette verschlossen wurde, um den feindlichen Schiffen den Eingang zu verwehren.

Strahlende Sonne am Morgen. Schon zeich­nen sich am Horizont Kuppeln und Minaretts ab. Immer belebter wird die Wasserstraße. Fischerboote mit großen Segeln lassen sich mehr von der Strömung als vom Winde treiben, kleinere und größere Dampfer kreuzen einander und dazwischen jagen Motorboote dahin. Nun drängt sich das Marmarameer zusammen und zwischen Stambul und Skutari hindurch gleitet das Schiff in den Bosporus, uni im Hafenbecken, das durch die große Brücke abgeschlossen wird, vor Galatas europäischem Häusergewi rr den Anker zu werfen.

Konstantinopel, die Stadt ewiger Träume.

Wert und Unwert von Reklame im Dienste der Kundenwerbung. Von Dr. Kurt Hüttenbräucker, Wiesbaden.

HI. (Schluß.)*)

Wenn wir uns in unseren letzten Aus­führungen vorwiegend mit der Zeitungsreklame befd)äftigt haben, sollen nun die anderen In- sertionsmöglichkciten, wie sie sich dem Inserenten bieten, kurz gekennzeichnet werden. Was zunächst die Zeitschriften angeht, so ist hier zu sagen, daß Anzeigen in gut eingesührten Zeitschriften, namentlich in Fachzeitschriften, ebenfalls von außerordentlichem Werbewert sind. Hinsichtlich der Beurteilung gilt so ziemlich das gleiche wie bei den Tageszeitungen. Der Anzeigentext muß nur eben dem besonderen Charakter der Zeit­schrift angepaßt werden. Ferner muß beson­ders beachtet werden, daß die Insertion nur in solchen Zeitschriften erfolgt, die auch tatsächlich bei den Leuten verbreitet sind, auf die man mit seiner Reklame einwirlen will. Wegen des häufig nur beschränkten Leserkreises einer Zeit­schrift ist dieses Moment besonders zu beachten, mehr jedenfalls als bei einer weiter verbreiteten Tageszeitung. So selbstverständlich dies auch scheinen mag, so wird doch immer wieder gegen diesen elementaren Grundsatz verstoßen. Soweit es sich um reine Fachanzeigen handelt, kann man wohl sagen, daß diese in den betreffenden Fachzeitschriften wirksamer sind als in Tages­zeitungen.

Nur muß der Zeitschrifteninserent bei der Auswahl der Zeitschriften überaus vorsichtig vorgehen, namentlich wenn es sich uni ihm nicht bekannte Zeitschriften oder gar Nengründungen handelt. Denn auf diesem Gebiet hat in den letzten Jahren eine Fülle von Neugründungen stattgefunden, die alle von dem für die Zeit der Wirtschaftskrise erwarteten Inseratensegen pro­fitieren wollten. Daß unter diesen sich viele Eintagsfliegen, ja sogar Schwindelgründungen befinden, wen kann bas bei dem allgemeinen Zuge der Zeit wundernehmen?, zumal solche Gründungen bei einer Zeitschrift vermöge ihres weiteren Verbreitungsgebietes eher möglich sind als bei einer mehr bodenständigen Tageszeitung. Daß bei der Inseratenwerbung die verlockend­sten Versprechungen gemacht werden, daß die Auflagehöhe maßlos übertrieben wird, um den Inserenten um sein Geld zu prellen, ist noch das Wenigste. Schließlich wird nur eine geringe Auflage gedruckt, oder wenn schließlich zwecks notarieller Feststellung die versprochene Auf­lage gedruckt wird, wandert sie umgehend als Makulatur in den Keller. Man hält es bann schließlich nur noch für notwendig, den Inseren­ten Belegexemplare zuzuschicken, während die übrigen Exemplare zur Makulatur wandern. Oder aber eine nur geringe Zahl von Leuten erhält ohne Bestellung ein Exemplar zugesandt, das sie nicht interessiert und dann ungelesen in den Papierkorb wandert. Es gibt ja eine ganze Reihe von Spielarten derartiger Unternehmen: am ge= gefährlichsten sind wohl diejenigen, die auf der Grenze zwischen Reellität und Schwindel stehen, weil sie am schwersten zu fassen sind. Von den glänzenden Versprechungen bleibt schließlich für den Inserenten nichts übrig als ein Inseraten­friedhof, der ihm keinerlei Nutzen bringt. Aber der Verleger hat fein Geschäft gemacht!

Es kann deshalb allen Inserenten nur geraten werden, bei Inseratausgabe in Zeitschriften, die ei nicht kennt, die größte Vorsicht walten zu lassen. Ehe er sich entschließt, Geld für nutzlose Inserate auszugeben, ziehe er daher zunächst genaue Erkun­digungen ein und überzeuge sich vor allem auch über die Existenzberechtigung einer Zeitschrift, die er mit seinem Auftrage bedenken will. Auch lasse man sich nur ja nicht durch glänzende Worte und erst recht nicht durch eine glänzende Dnicksassade eines Unternehmens täuschen: denn nur zu häufig hat sich erwiesen, daß nichts, ober auch gar nichts dahinter steckt.

Was die Insertion in Adreßbüchern angeht, so sei hervorgehoben, daß da, wo es sich um Inseraten­werbung für Adreßbücher handelt, deren Heraus­gabe auf reeller Basis erfolgt, nichts einzuwenden ist. Die Wirkung von Anzeigen in gut eingeführten Adreßbüchern, wie Stadtadreßbüchern, Fachadreß­büchern, deren Existenz tatsächlich eine Notwendig­keit ist, und die als Handbücher tagtäglich ge­braucht werden, dürfte keine schlechte sein.

Nicht eindringlich genug kann aber vor den sog. wilden Adreßbuchoerlegern gewarnt werden, die heute in so großer Zahl auftauchen. Irgendeine neue Firma mit hochklingendem Namen erscheint plötzlich auf der Bildfläche, bewaffnet mit einer neuen einzig­artigen Adreßbuchidee. Die glänzendsten Verspre­chungen werden gemacht: z. B. wird einer Branche, die zur Zeit mit den größten wirtschaftlichen Schwie­rigkeiten zu kämpfen hat, versprochen, daß durch die Schaffung und Verbreitung eines neuen Adreßbuchs man sie aus den Nöten der Gegenwart einer besseren Zukunft entgegenführen könne. Unter derartigen Vorspiegelungen werden bann die Inserenten in einem solchen Werk gewonnen. Und was wird von derartigen Versprechungen gehalten? Der schlimmste Fall, der heute nicht vereinzelt dasteht, ist der, daß das Adreßbuch überhaupt nicht erscheint, trotzdem die Infertionsgebühren schon vorher erhoben wurden, und schließlich dieWeltoerlagsfirma" unauffindbar ist. Oder aber es wird tatsächlich ein Adreßbuch ge­schaffen, das aber in einer lächerlich geringen Auf­lage erscheint, die in feinem Verhältnis zu den vor­her gemachten Ankündigungen steht. Diese Exemplare werden dann an einige Interessenten zum Versand gebracht, die aber sogleich dies unbrauchbare Buch beiseite stellen. Die Inserate sind damit' auf einem typischen Inseratenfriedbof für alle Zeiten begraben.

Am schlimmsten sind die Fälle, in denen eine Verlagssirma nicht gegen die gesetzlichen Bestimmun­gen verstößt, aber trotzdem ein völlig unbrauchbares Werk schafft, so daß die Jnseratgelder nutzlos vcr- ausgabr sind. Bei solchen Unternehmen fehlt eben die Möglichkeit, gegen sie norzugehen. Ein typischer Fall dieser Art ist das im Verlag der Speditionsfirma (!) Andree & Wilkerling erschienene Adreßbuch der Spe­diteure, Reedereien und Banken. In diesem Buche haben anscheinend, wenigstens in Deutschland, nur bie Inserenten Aufnahme gefiinben. So kommt es, daß selbst in Städten, in denen Hun­derte Firmen der in Frage kommenden Branchen existieren, nur einige wenige Firmen aufgenommen worden sind, und dann noch die unbedeutendsten! Also ein Buch, das für jeden Kaufmann wertlos ist, ein Inseratenfriedhof, wie er schlimmer nicht aus­gedacht werden kann.

Es kann daher allen Firmen, die nicht gerne Geld für unnütze Propaganda ausgeben, nur geraten werben, allen neuen Adreßbuchibeen und Adreßbuch- oerlegern so skeptisch wie nur möglich gegenüber^

Z Teil 1 in Nr. 277, Teil I! in Nr. 278

treten, und sich erst davon zu überzeugen, ob die f Sache, bie sie durch ihr Inserat mit finanzieren, auch tatsächlich für sie von Wert ist.

Es bliebe noch zu betrachten die Reklame in Handbüchern aller Art, in Festprogrammen u. a., wie sie heute in Hülle und Fülle angeboten wird. Ganz allgemein ist zu sagen, daß eine solche (Belegen- heitsheitsreklame keineswegs an Wirkung einer Dauerreklame gleichkommt, wie sie die Insertion in Zeitungen und Zeitschriften ermöglicht. Auch hier ist zu beachten, daß häufig genug Inserate dort zu fin­den sind, wo man sie nicht sucht, was den Werbe- wert des Inserats ganz erheblich beeinträchtigen muß. Was überhaupt den Wert einer solchen Re­klame angeht, so kann man wohl sagen, daß dieser ganz erheblich hinter dem Wert von Zeitungsinse- raten zurücksteht. Hier ist es besonders angebracht, baß jeder Kaufmann, ehe er sich zur Insertion ent­schließt, mit kritischem Blick zunächst Wert und Un­wert einer solchen Insertion genau abwägt, damit er nicht Gefahr läuft, sein Geld unnütz ausgegeben zu haben.

Damit sind wir am Ende unserer Betrachtung angelangt. Wen»» wir das Ergebnis noch einmal kurz zusammenfassen, so können wir sagen: Der Zeitungs- infertion kommt unter allen Umständen die aller­größte Bedeutung zu; in vielen Fällen ist dies sta­tistisch einwandfrei nachgewiesen. Je nachdem, was mit der Reklame bezweckt werden soll, ist die Inser­tion in gut eingeführten Zeitschriften hinsichtlich ihres Wertes der Zeitungsinsertion gleichzufetzen. Die Werbung durch Plakate kann die Insertion in Zei­tungen und Zeitschriften höchstens ergänzen, aber niemals ersetzen. In letzter Linie kommt erst die von uns als solche bezeichnete Gelegenheitsreklame, die aber immer unverhältnismäßig teuer ist. An dieser Stelle können wir unsere Mahnung an das inserie­rende Publikum nur wiederholen, bei Erteilung von Insertionsaufträge an unbekannte Firmen, zumal wenn es sich um Neugrünbungen auf dem Gebiete des Reklameverlags handelt, die größte Vorsicht walten unh sich nicht überreden zu lassen, sich viel­mehr zunächst einmal ein klares Bild darüber zu machen, welcher Wert der beabsichtigten Insertion zuzuschreiben ist.

Oberhessen.

LtrrrDkrcis Gieszen.

Z Klein-Linden, 28. Nov. Dieser Tage sprach hier uiu> in drn benachbart, n Gemeinden Greßen-Linden L ü tz e 11 > n d e n,H ö r n s- heim, Hochelheim und Dornholzhau­sen ein Herr aus Pommern vor. der sich mit der Absicht trägt, eine Automobilve r Hin­du n g zur Personenbeförderung von Gießen nach Dornholzhausen und zurück ins Leben zu rufen. Der Herr will das Aaternehmcn aus eigenen Mitteln finanzieren und an die beteiligten Gemeinden keinerlei Ansprüche auf Zuschüsse oder Garantieleistungen stellen. Der Fahrpreis soll sich auf 9 Pf. je Kilometer stellen. Für Arbeiter usw. soll eine Ermäßigung auf 5 Pf. eintreten. Schülern soll eine noch weiter- geheüde Verbilligung eingeräumt werden. Die Fahrzeiten sollen so eingerichtet werden, daß besonders auch den in der Stadt Gießen be­schäftigten Arbeitern, Angestellten usw. Gelegen­heit gegeben ist, die Verbinduirg regelmäßig zu benutzen. Dem beabsichtigten Ur.tcmeljmen stehen besonders diejenigen Gemeinden: sympathisch gegenüber, die bisher noch nicht die Vorteile eines öffentlichen Verkehrsmittels genießen. Hoffen wir, daß der Herr seine Absicht in die Tat umsetzt und das Unternehmen die nach dem Kraftfahr- liniengesetz die erforderlich: Genehmigung der zuständigen Behörden findet, damit dem^ bei der Bevölkerung des unteren Kleebachtales schon lange bestehenden Wunsch?, eine Verkehrs­verbindung mit der Stadt Gießen, nach der von dort die wirtschaftlichen Beziehungen fast ausschließlich gehen, zu erhalten, endlich einmal entsprochen wird.

* Wieseck. 28. Nov. In vielen Familien unseres Ortes wird es lebhaft begrüßt, daß die Firma S. Bock & Co. G. m. b.H.. Zigarren- sabrilen, in ihrer hiesigen F i l i a l f a b r i k. in der annähernd 8 0 Personen beschäftigt sind, schon seit geraumer Zeit wieder nahezu voll arbeiten läßt und nunmehr bie 48 stündige Arbeitszeit wieder einführen wird. An­gesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes ist die Auszahlung voller Wochenlöhne für viele Familien von vesonderer Bedeutung.

Mainzlar, 28. Nov. Einem dringenden Bedürfnis hat unfere Gemeindeverwaltung jetzt Rechnung Getragen, indem sie eine neuzeitliche G e m e i n dc w a g e ausgestellt bat. Sie hat ihren Platz in der Nähe des Bahnhofs bekommen. Es war seither wahrlich eine mühselige und zeitraubende Ar­beit für die Geschäftsleute, die mitunter mehrere Eisen­bahnwagen mit Kohle ober Briketts von 200300 Zentner Gewicht in einzelnen Zentnern auf einer Brückenwage den Leuten haben verabreichen müssen. Wer zur Zeit die K r e t s ft r a fj e von hier nach Daubriugen geht, wird sofort von dem Nutzen bet­on den Bäumen angebrachten K l e b g ü r t e l über­zeugt f'in, wenn er sich diese einmal genauer be­trachtet. Gerade seit den letzten Frosttagen (die Zeit, in der bekanntlich der großen Schaden anrichtende Frostspanner seine verheerende Arbeit beginnt) haben sich die Leimringe von Ungeziefer aller Art derart bevölkert, daß diese Schutzmaßnahme einen wahren Segen für die Dbftbäume bedeutet. Ganz besonders stark tritt in diesem Jahre wieder in der hiesigen Gegend der bereits genannte Fro st spann er auf. Wurden an einzelnen Klebgürteln doch 4050 Stück, an anderen sogar tiO und mehr dieser schlimmen Schädlinge gezählt. Es leuchtet angesichts dieser Tat­sache jedem denkenden Menschen ohne weiteres ein, daß schon jetzt gewisse Vorbedingungen gegeben sind, wonach wir mit einem Frostspannerjahr 1926 zu rech­nen haben. Hoffentlich kommt der obftbautreibenbe Landwirt und sonstige Liebhaber des Obstbaues all­mählich zur Ueberzeugung, baß im Spätherbst jeder Obstbaum einen Leimring tragen muß. Die kleine Arbeit sowie bie geringen Geldausgaben werden durch den Erfolg reichlich belohnt werden.

: Beuern, 28. Nov. Chinamissionar D o - m e y von der Baseler Missionsgesellschaft hielt hier im alten Schulsaal einen sehr lehrreichen Vortrag überL and und Leute i n C h i n a". Recht schöne Lichtbilder, 57 an der Zahl, ergänzten bie Ausführungen des Redners. Missionar Domey, der jetzt in Lich wohin, ist tätig als Reiseprebiger.

* Grünberg, 28. Nov. Hier tagte imTau­nus" bie diesjährige Hauptversammlung des Hessischen ßanbjugenbbunbes für bie nordwestlichen Bezirke Oberhefsens. Der Bundes- vorsitzenbe, Schmjbt-Steinheim hatte bie Leitung. Der Rechner, K r e u d e r Grimberg, erstattete den Rechenschaftsbericht, aus dem ein Uederfchuß van über 200 Mk. hervorging. Der engere Vorstand

wurde auf drei Jahre wiedergewählt. Dr. Roß­berg-Gießen berichtete als hessischer Vertreter auf der Reichslandbundführertagung und der Haupt- vorstandssitzung des Reichsjunglandbundes in Berlin und gab na cheingehender Würdigung der dort ge­haltenen Vorträge mannigfache Anregungen zur Organisation und Bundesarbeit. Unter allseitiger Zu­stimmung wurde die allgemeine Wiederaufnahme und Weiterpflege der B a u e r n s ch u l i d e e beschlos­sen, wie sie im Herbst 1919 ans bodenständig-heimat­lichen Bedürfnissen erwachsen war. Der Landesvor- sitzende des Hess. Landbundes, Dr. v. H e I m o 11 - Nieder-Wöllstadt, sprach zu dem aktuellen Thema: Bauer in Not Volk in Not". Er schilderte bie wirtschaftlichen Verhältnisse und erblickt in Arbeit­samkeit und Sparsamkeit, den beiden uralten, ehren­den Eigenschaften des Bauerntums, bie festen Pfeiler, auf die sich die zukünftige nationale Wirt­schaft stützen muß. Im festen Zusammenstehen vom gesamten Landvolk, Jungen wie Alten, sieht er wie der Vorredner und nach ihm Abg. Fenchel- Ober- Hörgern die sicherste Gewähr für eine bessere deut­sche Zukunft. Ernst Zimmer- Lauter und Julius Weiß- Nieder-Gemünden wünschten energischstes Auftreten der Führer. Abg. F e n ch-e UQber-Hörgern antwortete dahin, daß bie Tatkraft der Führer ab- hänge von der einigen und treuen Gefolgschaft der Mannen. Die letzten Wahlen in Hessen hatten noch nicht gezeigt (wenn auch der Kreis Gießen beachtliche Erfolge ausweise), daß der letzte Mann und die letzte grau, die ein Stück heimatlicher Scholle ihr Eigen nennen, ihrer höchsten vaterländischen Pflicht und ihrem einzigen, unbestrittenen Recht genügt hätten. Der Stimmzettel sei immer noch die vornehmste Waffe, um zu Macht und Geltung zu kommen. Mit großer Begeisterung wurde die Bereitwilligkeit des Provinzialvorsitzenden begrüßt, dem Hess. Land­jugendbund die Anerkennung alsIugendpslege- organifation" zu verschaffen. Der Sterfammlung be­schloß einmütig, am 6. Juni 1926 einen großen Landvolktag in L i ch zu veranstalten, und zwar in der einfachen Art, wie sie für ein Volk in Not geboten ist. Zum Schluß hielt Dr. Roßberg- Gießen einen Vortrag über das Locarnoproblem.

Kreis Friedberg.

B a d - N a u h e i m , 29. Nov. Der Schrift­steller Ludwig Wichmann, eine über unsere Stadt hinaus bekannte und beliebte Persönlichkeit, ist gestern an den Folgen einer Operation im 73. Le­bensjahr verstorben. Er war Kämpfer im Feld­zuge 1870,71, den er als blutjunger Kriegsfreiwil­liger mitgemacht hat. Auch zu Beginn des Weltkriegs meldete sich der Leutnant der Landwehr wieder als Kriegsfreiwuuger; er war als Militärbeamter im Lazarettdienst tätig. Als gewandter Feuilletonist und Korrespondent hat L. Wichmann jahrzehntelang in den großen in- und ausländischen Zeitungen in vor­bildlicher Weise für unser Bad geworben. Auch der Gießener Anzeiger" hatte vor dem Kriege seiner Feder manchen wertvollen und lesenswerten Beitrag zu danken.

WSN. Bad-Nauheim. 28. Nov. Die Polizeiverwaltung gibt bekannt, daß sich daS seit dem 16. November vermißte Dienst­mädchen wieder eingefunden hat. Es hat seine hiesige Dienststelle wieder angetreten.

Bad-Nauheim, 28. Nov. Die Wochen vor Weihnachten sind die ruhigste Zeit im Kur­betrieb. Meist sind noch einige Hundert Kurfremde anwesend, es kommen auch noch täglich neue Gäste an. Es ist aber begreiflich, baß kurz vor Weihnachten nur derjenige ins Bad geht, der bie Kur nicht mehr länger hinausschieben darf. Gleich nach den Feier­tagen setzt erfahrungsgemäß roieber eine stärkere Frequenz des Bades ein.

pb. Butzbach, 28. Nov. In bet jüngsten Stadtverordneten-Sitzung wurde mit* geteilt, daß für die Beamten-Anwärter der Städte Friedberg. Bad°Nauheim. Vilbel, Lich und Butzbach ein Ausbildungslehrgang eingerichtet worden fei. Hiermit ist die theo- retische Fachausbildung der mittleren Bureau* und Kassenbeamten dieser Städte auf eine neue Grundlage gestellt worden. Durch das gemein­same Vorgehen dieser Städte ist ein schulmäßiger Verwaltungslehrgang, der jedoch nicht wissen* schaftlicher Natur ist, eingerichtet. Es sind zwei Klassen gebildet, mit einer Gesamtteilnehmerzahl von 46, und zwar eine Klasse für Anwärter, welche die erste, und eine zweite, welche die zweite Verwaltungsprüfung abzulegen berechtigt sind. Jede Klasse soll nicht mehr als 25 Teil* nehmer umfassen. Der Lehrgang dauert zwei Jahre. Die Wochenstundenzahl betragt für Lehr* gang I ----- 4. für Lehrgang II 6 Stunden. Der Unterricht findet außerhalb der Dienstzeit in Butzbach und Bad-Nauheim statt. Er wird von Verwaltungspraktikern erteilt. Er­öffnet wurde der Lehrgang am 'Samstag, 21. d. Mts., durch einen einleitenden Vortrag des Bürgermeisters Dr. Jansen in Butzbach. In diesem Vortrag wurde u. a. ausgeführt, daß jede Gemeinde in der heutigen Zeit großer Not und erhöhter Sparsamkeit auf allen Gebieten der Verwaltung von den Beamten in quantita­tiver und qualitativer Hinsicht äußerste Leistun­gen erwartet. Zu diesen Leistungen sind die Beamten nur dann befähigt, wenn neben gründ­lichen praktischen Erfahrungen ihre theoretischen Kenntnisse erweitert und' vertieft werden. GS liege daher im eigensten Interesse der Beamten, sich durch stete Fortbildung den Ansprüchen der Zeit anzupassen. Als Lehrfächer sind vor-* gesehen: Allgemeine Verwaltungskunde, Reichs-, Staats- und Verwaltungsrecht einfch. Steuerwesen, Wohlfahrts- und soziale Gesetzgebung, Grundzüge des Bürgerlichen Rechts, Etat-, Kaffen- und Rech­nungswesen der Gemeinden, Verwaltungs- und kaufmännische Buchführung, Bilanzkunde, Bureau- kunde und Geschäftsverbesserung. Wirtschastskunbe, insbesonbere Volkswirtschaftslehre und Finanzwesen soll später noch in den Lehrplan aufgenommen wer­ben. Die Unterrichtsweise ist jedem Lehrer überlas­sen. Grundsätzlich soll der Unterricht jedoch in Form von Vorträgen, Besprechungen und seminaristischen Hebungen erfolgen. Es wirb Wert darauf gelegt, Theorie und Praxis zu ergänzen. Die Teilnehmer sollen Referate halten, und auch schriftliche Haus- unb Klausurarbeit fertigen. An ben Lehrgang schlie­ßen sich die vorgeschriebenen Prüfungen an, wie sie von ben hessischen Stäbten alljährlich abgehalten werbet». Durch die Neuordnung des Ausbildungs- wesens wird bie einheitliche Heranbildung des Be- amtennachwuchses gewährleistet, weil es nicht mehr jedem einzelnen selbst überlassen ist, sich autodidak- tisch mit den vielfach sich ändernden gesetzlichen Be­stimmungen vertraut zu machen.

e. Rockenberg, 28. Nov. Die letzthin stattgefundene G e m e i n d e r a t s w a h l ist von den Kandidaten des Wahlvorschlages 6 (Christ­liche Gewerkschaft) ass-ge focht en worden, weil zwei Wähler nicht in den Listen stehen sollen und trotzdem zur Wahl zugelosfen wurden. Die Christliche Gewerkschaft, früher mit zwei Sitze»» int