Ausgabe 
30.11.1925
 
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Hessische Kiinstlerhilse 1925

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus.

Amelia oder Gin

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Akten von Georges Bizet.

entspricht. Keiner, sollte versäumen.

dieses Werk zu übertragen in dem Kunstwerk einen gei»

Jeder Weinhändler liefert:

Rundfunk-Programm deS Frankfurter Senders. (Aus der »RaLio-Tlmschcm".) Dienstag. 1. Dezember:

zahlung geben lieh. 3n einem anderen Falle hat er sich der Zechprellerei schuldig gemacht, "auch hat er sich verschiedentlich unter falschen Angaben Darlehen geben lassen, die er nie zurückerstattete. Der Angeklagte gab die strafbaren Handlungen zu, sieht aber nicht Rückfallbetrug in den an­gegebenen Fällen als vorliegend an und bat um

Maskenball. Donnerstag, 3. Dez.: Eine Nacht in Venedig. Freitag, 4.: Die Weihnachtsglocke. Samstag, 5.: Die Judin. 10 Mr: Einmaliger Tanzabend, Tamara Karsavina. Sonntag, 6.: Die Meistersinger von Nürnberg. Schauspiel­haus. Dienstag, 1. Dezember: Der Unwider­stehliche. Mittwoch, 2.: Das große Welttheater. Donnerstag, 3.: Wie es euch gefällt. Freitag, 4.: Das grohe Welttheater. Samstag, 5.: Ein Volks­feind. Sonntag, 6.: Lanzelot und Sanderein. Hierauf: Die Geschwister. 8 Uhr: Das grohe Welttheater.

trug« auf 8 Utowate Gefängnis, weiche Strafe der Angeklagte aimalym.

Carmen. Mittwoch, 2.:

SEIT 16«3 BCtMERSTaR L BK«.

VERTRETER: H. Elges jr., Gießen, Seltersweg 68

Gerichtsfaal.

WSN. Offenbach, 28. Nov. Vor dem hiesigen Großen Schöffengericht wurde gegen den früheren Polizeibeamten Erich Heller ver­handelt. der im März ds. Is. 1 3 000 M k. auö der Kasse des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold unterschlagen hatte und damit flüchtig geworden war. Nach- dem et das Geld verausgabt hatte, verübte er Zechprellereien in Lugano. Das Urteil des Ge­richts erging auf eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten und Auferlegung der Kosten. Ein Monat Untersuchungshaft wurde angerechnet.

Dienstag, 1. Dezember:

die seiner Weltanschauung und seinen «Defühlen der dazu in der Lage ist.

Adel verpflichtet. Ich meine den alten Adel des Kunstlandes Hessen. Wir wissen alle um die schweren CRöte, in denen wir stehen. Unsere Kunst leidet darunter besonders. Man glaubt immer noch, dah Kunst ein Luxus sei, der nicht unbedingt zum Leben gehöre. Man sollte sich zu der höheren Auffassung erheben, dah die Kunst etwas zum Leben Notwendiges ist. Wir leben in materieller Not. Dewunderungswürdig ist es. dah unsere Künstler weiter dafür kämpfen, sich schöpferisch auszuwirken und auszuleben, sie. die befähigt sind, das Leben in dieser Form zu gestalten. Adel verpflichtet. Man möchte meinen, dah die Kunst mit dieser materiellen Not darnieder- gegangen wäre. Das ist nicht der Fall.

So darf ich nun vom allgemeinen zum be- sondern, zu dieser Ausstellung kommen. Wir haben unter D:n Werken auf das Schärfste aus- gewählt. Das Niveau des künstlerischen «Schaf­fens in dem Kunstlande Hessen ist immer noch das alte, hohe geblieben, trotz aller Not der Zeit. Das ist bewunderungswürdig. Wir müssen dazu beitragen, dah es so bleiben kann. Wir müssen selbst materielle Opfer nicht scheuen und alles versuchen, um die Kunst auf ihrer Höhe zu erhalten, weiter für sie zu sorgen. Der Künstler lebt in einer andern Welt, er ist selten imstande, die materielle Erwerbskrast mit seinem schöpfe­rischen Können zu verbinden. Wir müssen ihm zu Hilfe kommen. Wir haben gehört, dah der Staat sich der Künstlerschaft annimmt. Auch die Stadt Gießen tut, wie wir dankbar bekennen dürfen, alles was sie kann. Die Kunst tarnt aber nur gedeihen, wenn sie getragen wird von breiteren Kreisen. Dariun dürfen wir den Appell an alle Mitbürger ergehen lassen, alles zu tun für die Kunst, was sie können. Ich darf mit Stolz bekennen, dah wir auch in Oberhessen, dem nördlichen Teil des Kunstlandes Hessen, uns unserer besonderen Kunst nicht zu schämen brauchen. Wie von Darmstadt aus eine Fülle von Kunst­werken hierhergeströmt ist, so ist auch von uns viel Kunst nach Darmstadt gekommen. Das ganze Land Hessen soll es in diesem Sinne als Kunstland Hessen fein. Diese Ausstellung vermochte sich über das Niveau einer rein chari- iatiüen, rein wohltätigen Veranstaltung hinaus­zuheben. Unfer starkes Kunstleben in Hessen zeigt sich in dieser Ausstellung durchaus auf der Höhe, auch innerhalb der ganzen deutschen Kunst. Sie finden hier starke Werke verschiede­ner Kunstrichtungen nebeneinader. Es muh für den Einzelnen, selbst wenn er nicht kaufen will, anregend sein, sich mit diesen Werken in ihrer verschiedenen Haltung auseinanderzusetzen. Aber darüber hinaus noch einmal der Nuf: Unterstützt die Kunst in ihrem Schaffen, in ihrem Streben und Leben, das übrige besorgt sie selbst! Nehmt diese Werke aus in euer Heim, das eigene Leben kann man mit diesen ernsten Werken schöpferischer Kraft bereichern und verschönen.

Landgerichtsdirektor a. D. Bücking betonte, dah der Oberhessische Kunstverein seine Dienste für die Ausstellung gerne zur Verfügung gestellt habe, im Interesse der Künstler sowohl wie im Interesse des Publikums und schliehlich auch im Interesse der Kunst als solcher. Er entbot den Erschienenen den Gruß des Kunstvereins und bat, für einen regen Besuch der Ausstellung zu wirken. Diese Ausstellung verdiene, besucht zu werden. Zum «Schluß dankte der Redner allen Mithelfern bei der Ausstellung auch namens des Oberhessischen Kunstvereins.

Duchdruckereibefiher Richard Lange, der Schriftführer des Oberhefsischen Kunstvereins, wieS noch besonders auf die Lose zur Aus­spielung ausgestellter Kunstgegen- stände hin, die zum Preise von 1 Mark an der Kasse der Ausstellung, sowie in den durch Plakate kenntlich gemachten Geschäften erhältlich sind. Durch Kauf von Losen fei es allen Mit­bürgern möglich, im Glücksfalle des Gewinnes ein gutes Kunstwerk für einen ganz bescheidenen Betrag, den Preis des Loses, zu erwerben.

Die ausgestellten Werke wurden von dem zahlreichen Publikum mit großem Interesse be­sichtigt.

Wie wir inzwischen noch erfahren haben, sind bereits einige Kunstwerke käuflich erworben war- den, ferner hat der Lofeabsatz in recht erfreulicher Weise eingesetzt. Im Einblick auf dieses rege Inter­esse dürfte eine baldige Entschließung zum Ankauf von Kunstwerken und Losen zu empfehlen fein.

Amtsgericht Giehen.

Gießen, 24. Nov. Gin Schlosser von hier hat seine Schwiegermutter wegen Beleidigung verklagt. Aus der heutigen HaupttXhandlung ging hervor, daß die Angeklagte die unter An­klage stehenden Aeuherungen getan bat. und zwar schon vor mehreren Jahren ihrer Schwiegertochter und deren Mutter gegenüber. ES ergab sich weiter, dah die beiden letzteren dem Privat­kläger die Aeuherungen seiner Schwiegermutter schon vor längerer Zeit mitgeteilt hatten, so daß die dreimonatliche Frist zur Stellung M otrah anlrags in dieser Beziehung verstrichen ist. Da­gegen hat die Schwiegertochter der Angeklagten andere Behauptungen dem PrTxttkläger erst un­mittelbar vor Erhebung der Privatklage erzählt, so daß insoweit der Strafantrag rechtzeitig gc- ftcITt ist. Alle Bemühungen des Gerichts zur gütlichen Schlichtung dieses Familienstreits bUe- ben erfolglos, so daß über die Klage durch Urteil entschieden werden muhte. In anbetracht der ge­samten Verhältnisse wurde die Angeklagte wegen der letzterwähnten Aeußernng zu einer Geld­strafe von 2 5 Ml., hilfsweife 5 Tagen Ge­fängnis. verurteilt, während wegen der anderen Aeuherung aus dem obenerwähnten Grunde eine Bestrafung nicht erfolgen konnte.

Gießen. 25. Nov. Mitte August fuhr ein Kaufmann von hier mit seiner Frau in einem Auto durch Lang-Göns. Dor ihnen fuhr ein hock- beladener Erntewagen, der jedoch auf die mehr­fach gegebenen Hupensignale nicht nach rechts auswich. Als nun das Auto vorbeifahren wollte, kam ihm ein anderes Fuhrwerk entgegen, das der Kaufmann, der feinen Wagen selbst steuerte, vorher nicht gesehen hatte. In demselben Augen- blid erhielt er von dem Fuhrmann des Ernte­wagens einen Peitschenhieb über das Gesicht, der auch gleichzeitig die Hand feiner Ehefrau trat. Als der Kaufmann den Fuhrmann zur Rede stellte, äußerte dieser:Komm nur herunter, du kannst noch mehr kriegen." Als später die Ehe­frau des Kaufmanns an die Hofveite deS Fuhr­manns kam, um näheres festzustellen, kam ihr dort ein älterer Mann, den sie für den Vater des Fuhrmanns hielt, entgegen und rief:Du R... na«, mach, daß du weiter kommst, du hast hier gar nichts zu suchen, du scheinst mir auch die Richtige zu sein." Der Kaufmann hat des­halb gegen den Fuhrmann und seinen Vater Pri­vatklage wegen Körperverletzung und Beleidigung hoben. Da heute die Frau des ersteren erklärte, letzterer sei nicht derjenige gewesen, der ihr die beleidigenden Aeuherungen zugerufen habe, wurde die Privatklage gen-'n dielen znruckge- nommen. Im übrigen wurde die Sache dahin ver­glichen, daß der Fuhrmann erklärte, er bedauere, den Privatkläger und seine Frau in der Erregung, wenn auch unabsichtlich, geschlagen zu haben, und daß er die eine Hälfte der gesamten Kosten übernahm, während der Privatkläger die andere Hälfte zahlt.

Ermäßigung der Strafe. Wegen seines Dein- leidens behauptete er, sich dieses im Felde zuge­zogen zu haben, und betrachtet er sich daher auch als Kriegsbeschädigter, ein Rentenverfahren sei dieserhalb auch noch in der Schwebe. Das Gericht sah Betrug im Rückfall nicht als vorliegend an und ermäßigte die Strafe wegen einfachen Be-

3.304 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis

Uhr: Nachmittagskonzert des Hausorchesters, Neue Tanzschlager. 66.30 Uhr. Rätfelftink-Wettbe- werb. 6.307 Uhr: Uebertragung von Kassel, Vor­trag von Emil EfzellDer deutsche Männergesang und feine Bedeutung". 7 Uhr: Uebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: Carmen, Oper in vier

Beelzebu b' angekündigt worden ist. Der Wochenspielpion" enthält die richtigen Angaben.

MarkuSgemeinde. Am Mittwoch­abend wird im Warkusfaol Repetant l.ic. Lauer einen Vortrag (mit Lichtbildern) halten über Die Weltkonferenz für prakt. Christentum in Stockholm", an der er selbst teilgenommen hat. (Siehe Anzeige im heutigen Blatt.)

* Der Hilfsredakteur Ehrhard Evers ist seit Donnerstag, 26. November für die Nedaktion desGießener Anzeigers nicht mehr tätig. _ . ri

** Das 4 Ziel der Sonder st euer vom bebauten ^r und st uck wird mit Frist bis zum 9 Dezember in unserem Bekanntmachungsteil von der Stodkkasse angemohnt.

Eine Senkung des Gaspreises wird in unserem heutigen Anzeigenteil bekanntge- °eben Zinslose Pachtzins.stundung bis 15. Dezember. Wie wir hören, sind iic Forstämter angewiesen worden, im Hinblick auf die Notlage der Landwirtschaft und auf die gegenwärtig erschwerte Verkäuflichkeit der lcmd- w'.rischäftlichen Erzeugnisse die fällig gewordenen Pao'tzinsen bis zum 15. Dezember zinslos zu stunden. r .

* Der Wintersport kam am gestrigen Sonntag krästig zur Geltung. Am Samstagnachmit­tag und gestern früh zogen zahlreiche Skifreunde hinaus in die herrliche Gotteswelt, in den Bor- und Nachmittagsstunden tummelten sich allüberall die ftinber mit ihren Schlitten. Namentlich auf dem Hin­teren Trieb herrschte in den Nachmittagsstunden eifriger Nodelbetrieb, der den Kindern, ober auch manchen Erwachsenen ein köstliches Vergnügen war. Daß auch die Schneeballschlachten vielfach tüchtig im Gauge waren, versteht sich natürlich von selbst.

** Das Schwurgericht für Oberhes - f c n tritt am 7. Dezember unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Strack zu feiner letzten Sitzung in diesem Jahre zusammen. Zwei Strafsachen wegen Kindestötung und eine wegen Totschlags stehen zur Verhandlung an.

** Der Weihnachtssachenverkauf für hilfsbedürftige K r i e g e r h i n t er­bt i eb e n e , der am Samstag in unserem Blatte durch Anzeige und Lokalnotiz angekündigt wurde, geht nicht vom Reichsbund, wie in der Lokalnotiz infolge eines Setzfehlers zu lesen war. sondern vom Reichs verband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener, Ortsgruppe Gießen, aus.

'* Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehm ar kt: 322 Ochsen, 39 Bullen. 970 Färsen und Kühe. 367 Kälber, 239 Schafe, 4063 Schweine.

Kleine Strafkammer Wetzlar.

Q Wetzlar, 26. Nov. Der Mechaniker Rolf B. von Wetzlar war in erster Instanz vom Amtsgericht Wetzlar von der Anklage der fahr- lässigen Körperverletzung und des Vergehens gegen das Gesetz über den Verkehr mit Kraftfahr­zeugen freigesprchen worden. Auf die Be­rufung der Staatsanwaltschaft gelangte die Sache heute erneut zur Verhandlung. Wie die Beweis­aufnahme ergab, hat der Angeklagte im Juli d. I., als er mit einem Miotorrade durch Dia Schühenstraße in Wetzlar fuhr, einen siebenjähri­gen Jungen angefahren, wodurch dieser hinstürzte und einen Beinbruch erlitt. Der Angeklagte will keinerlei Verschulden an dem älnglücksfall haben, sondern behauptete, der Junge sei ihm direkt, vom Bürgersteig kommend, in das Rad gelaufen. Er sei nicht übermäßig schnell gefahren und habe auch Hupensignale gegeben. Wegen des Asphatt- vodens in dieser Straße habe er das Rad nubt sofort zum Stehen bringen können, sondern durch sofortiges Herumreihen der Lenkstange das lieber- fahren des Jungen vermieden, wobei nicht zu vermeiden war, dah der Junge von Der Lenk­stange ersaßt wurde und dadurch zu Fall kam. Diese Angaben waren dem Angeklagten nicht zu widerlegen. Das Gericht erkannte, nachdem auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft auf Ver­werfung Der Berufung plädiert hatte, demgemäß. Da sich eine Fahrlässigkeit des Ange­klagten nicht feststetten ließ.

Die Eheleute Dreher B, früher in Wetzlar, Kin Lollar wohnhaft, waren wegen Dieb-

ls vom Amtsgericht Wetzlar, und zwar Der Ehemann zu 1 Monat Gefängnis und die schon wegen ähnlichen Deliktes vorbestrafte Ehefrau zu 2 Monaten Gefängnis, verurteilt worden. Hiergegen legten beide Ange­klagte Berufung ein. Den Angeklagten, die eine Zeitlang bei der Zeugin D. in Wetzlar wohnten, wurde zur Last gelegt, dah sie ihrer Vermieterin, nachdem sie eines Nachts unter Hinterlassung der Mietschuld für die letzte Woche ausgezogen waren, aus der Bettdecke des von ihnen vorher be­nutzten Bettes etwa 4 Pfund Federn heraus- genommen und entwendet hätten. Die Angeklag­ten bestritten den Diebstahl, die Aussagen des als Zeuge vernommenen Polizeibeamten belaste­ten jedoch die Angeklagten Derart, dah das Ge­richt zur Verurteilung beider Angeklagten kam. Bezüglich Der Eh es rau blieb es bei der in erster Instanz erfannten Strafe, während der Ehe- mann an Stelle einer verwirkten Gefängnis­strafe von 1 Monat 100 Mk. Geldstrafo erhielt. Den Angeklagten wurden die Kosten des Verfahrens auferlegt.

Wegen Betrugs, begangen im strafschärfen­den Rückfälle, war der Händler Heinrich H., der sich zur Zeit im Gerichtsgefängnis zur Verbüßung einer Strafe befindet, unter Anklage. Der Ange­klagte hatte gegen das Urteil des Amtsgerichts Braunfels, das ihm dieserhalb 1 Jahr Gefängnis zudiktierte. Berufung eingelegt. Der Angeklagte, Der ein künstliches Dein hat, hat sich unter dem fallchen Dorgeben, er sei Kriegsbeschädigter, bei verschiedenen Leuten erboten, Destellungen in Frankfurt zu besorgen, wofür er sich vorher De­

in sein Heim und

Rigen Mittelpunkt für fein Heim au schaffen, einen Mittelpunkt von stärkster Wirkung, Der bestimmt ist, das ganze Leben zu gestalten. Kunst ist nach Kant interesseloses Wohlgefallen. Ein Kunstwerk vermag interesseloses Wohlgefallen zu erzeugen. Das gute Kunstwerk im Heim hebt heraus aus der Sphäre des alltäglichen Lebens, es gibt jederzeit Die Anregung und Möglichkeit, sich in eine andere Welt, seine eigene geistige Welt zu flüchten. Das Kunstwerk hat in diesen geistigen Wirkungen auch starke mittelbare Wir» fungen. Ein gutes Kunstwerk muß auf Die Dauer dazu führen, dah die ganze Umgebung danach umgestaltet wird, sich mit ihm in einer Einheit gestaltet. In diesem Sinne ist Kunst interesse­loses Wohlgefallen.

Dem Zusammenwirken des Landesamts für daS Bildungswesen und des Oberhefsischen Kunst» vereins haben wir eine Kunstausstellung in Gie­ßen zu danken, die nicht nur um ihrer selbst willen, sondern auch der sozialen Zwecke wegen, Denen sie dienen soll, dem allgemeinen Interesse warm empfohlen fei. Es handelt sich um die Künstlerhilfe 1925; unter dieser Bezeich­nung ist Die Ausstellung von Kunstwer­ken hessischer Künstler zusammengefaßt, in der Oelgemälde, Aquarelle, Handzeichnungen, Graphik alter Art, Plastik vereinigt sind. Die Ausstellung ist im Turmhaus am Drandplah untergebracht, der (Eintritt ist für jedermann frei.

Gestern vormittag fand im Ausstellungssaal eine

schlichte Eröffnungsfeier

statt, bei Der Ministerialdirektor Llrstadt als Vertreter des Landesamts für das Dildungs- tuefen und zahlreiche Damen und Herren aus Gießen als Gäste erschienen waren.

Nach kurzer Begrüßung des Derkr.brs des Landesbildungsamte; durch den Vorsitzenden des Oberhessischen Kunstvereins, Landrsgerichtsdirek- tor a. D. Bücking, sprach

Ministerialdirektor Arstadt

im Namen des Lairdesamts für das Bildungs- wesen. Den zahlreichen Besuch der Eröffnungs­feier bezeichnete er einleitend als Ausdruck des großen Interefses, das Der Ausstellung hier ent­gegengebracht werde; hoffentlich erreiche diese Ausstellung der hessischen Künstler ihren Zweck. Dann sagte er unter anderem weiter: Von allen Berufsständen Hai gerade der freie Künstler am schwersten unter Der wirtschaft­lichen Depression zu leiden. In Ausstellungen und ebenso in Den Ateliers ist kaum etwas ab­zusehen. Der Staat hat nach Maßgabe seiner finanziellen Mittel zu Helsen versucht durch An­käufe von Kunstwerken, Stipendien, Material- befchaffung und durch die Tlnterftühung dieser Ausstellung. Im Interesse der Käufer ist die Aufnahme Der Kunstwerke in diese Ausstellung von Der Entscheidung einer Jury abhängig ge­macht worden, mithin hat jedermann, der hier kauft, die Gewähr, daß er sich mit Verhältnis- mäßig geringen Ausgaben ein Original-Meister­werk verschafft. Die Ausstellung hat in den an­deren großen Städten einen recht beträchtlichen Erfolg gebracht. Die Künstler und Die Regierung haben nun Den Wunsch gehabt, Die Ausstellung auch in Gießen zu zeigen, und daß dieser Wunsch erfüllt wurde, ist Der verdienstvollen Mitarbeit des O b e r h e s s i i ch e n K u n st v e r e in s, ins­besondere seines Vorsitzenden Landgerichtsdirektor a. D. Bücking zuzuschreiben. Es ist nun meine Aufgabe, dem Kunstverein, feinem Vorsitzenden, den Mitgliedern Der Jury, Den Damen, Die sich als Helferinnen für Die Dauer Der Ausstellung in selbstloser Weise zur Verfügung gestellt haben, dem Provinzialdirektor G r ä f, _ Der Bad- und Kurverwaltung Bad-Nauheim, überhaupt allen, die sich um diese Ausstellung bemühen, herzlichen Dank zu sagen.

Es ist nicht nur Die rein wirtschaftliche Not, die Die Kunst beDrvht, es droht vielmehr noch Die größere Gefahr, daß infolge unserer schweren wirtschaftlichen Lage das Interesse an der Kunst überhaupt erlischt. Das muß unter allen ilm« ständen vermieden werden. Hessen hat immer großes Interesse für die Kunst gezeigt und in feinem Umkreis und mit seinen Mitteln recht Bedeutendes geleistet. Auch in Gießen hat man immer viel Schönes gesehen. Die Stadt Gießen hat für die DarftenenDe Kunst auS Den Mitteln Der Bürgerschaft ein Theater geschaffen und es über Die schlimmsten Notzeiten hinweggebracht, das Der Kunst große Dienste leistet. Die Stadt Gießen hat sich auch eine Gemäldegalerie ge­schaffen, Die sich sehen lassen kann. So hoffen wir, daß durch diese Veranstaltung und durch Ihre Mitarbeit dieses Interesse für Die Kunst in Gießen wachgehalten und noch mehr angefacht wird, so daß es uns gelingt, Die Kunst über Diese Zeit Hinwegzubringen. Wir haben jetzt ja nur Weniges, was uns trösten kann. In unserer politischen und wirtschaftlichen Not brauchen wir Güter, Die uns über das Gefühl Der NieDer- gedrücktheit hinweghelfen. Eines der wertvollsten Güter ist Die Kunst, Denn sie zeichnet Den Men­schen aus vor allen Geschöpfen. Von ihr sagt Schiller:

3m Fleiß kann Dich Die Biene meistern,

In Der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sein, Dein Wissen teilest Du mit vorgezog'nen Geistern,

Die Kunst, o Mensch, hast du allein.

Dah uns dieser wertvolle Menschenbesitz, dieses Gut, das nur Der Mensch erzeugen unD genießen kann, erhalten bleibt, dazu Diene Die Hessische Künftlerhilse.

Mit nvchmaligem Dank an alle, Die hier Mitwirken, um Die Ausstellung zu einem vollen Erfolg zu führen, erfläre ich sie für eröffnet.

AniversitätSprosessor Dr. Rauch,

der Kunsthistoriker unserer Landesuniversität, sprach hierauf einige Worte über Die Bedeutung Der Kunst für Haus und Familie. Er sagte u. a.: Die Kunst ist gemalte Weltanschauung, ernste Form der Weltanschauung. So tote es viele Weltanschauungen gibt, so gibt es auch viele Wege in Der Kunst, sie geformt darzustellen. Dadurch hat jeder Die Möglichkeit, Die ernste Form der Kunstwerke in Der Gestalt zu erblicken,

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