Ausgabe 
30.10.1925
 
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fünf. Jeder größere Bezirk nufere» Marktfleckens hat einen Vorschlag ausgestellt. In K l e i n - F e l d a steht an 1. Stelle Landwirt Theodor Schüßler, in Schellnhausen Landwirt Jäckel, aus der Moos Landwirt Gustav V ö l z i n g, im Unter- dorf Landwirt Karl Karle und im Schnep- senhain Landwirt Dllo Schneider. Außer­dem liegt ein Wahlvorschlag de» Gcwerbevei - eins vor mit Sattlermeister Bölzing als Spitzenkandidat. Der Bund der Siedler präfenr tiert Johannes Sentmler als I. Bewerber. Der 8. Wahlvorschlag beschließt den Beigen ;cr nomi­niert an erster Stelle das langjährige Gemeinde­ratsmitglied Adam Becker, Gastwirt. Troß der vielen Wahlvorschläge herrscht überall größte Tole­ranz und im ganzen Flecken vorbildliche Einigkeit.

Kreis Lauterbach.

WSN. Lauterbach, 29. Oki. Die Ingen d - Herberge aus der 5) e > chcnhainer f) ähe ist jetzt im Rohbau sertiggesttzllt worden. Das neue Heim, das etwa 1OU Betten umfaßt, durfte demnächst seinem Zweck übergeben werden.

1)1111. Lauterbach, 29. Ott. Am Dienstagmit­tag und -abend wurde in der hiesigen Sladtkirche der schon an vielen Orten gezeigteB ethelfil m" zur Vorführung gebracht. Am Mittag fah eine zahlreiche Kinderschar das Leden und Treiben in den Segensanstalten von Bethel. Zur Abendvarfüh­rung, bei der Gemeindegefang die einzelnen Teile des Filmes umrahmte, hatten sich viele Hunderte eingesunden. Was hier in Wort und Bild vor Augen und Seele gestellt wurde, machte einen tiefen Ein­druck auf die Anwesendeii. Die reiche Kollekte kam der Anstalt und dem Krüppelheimneubau in Weber-- Ramstadt zugute.

Kreis Büdingen.

!! Büdingen, 29. Okt. Die Verhandlungen über die beiden K r a f t p o st l i n i e n im Kreise Büdingen sind nunmehr soweit ge­diehen, daß in einigen Wochen der Betrieb auf der Strecke Büdingen- RinderbügenKefenrod- Wenings Merkensritz (Vahnhof) und zurück nach Büdingen über Bindsachsen ausgenommen wird. Etwaige Fehlbeträge find von fast allen Ge- meinben durch Garantien gedeckt. Die Eröffnung der anderen Linie nach Hanau wird noch etwas länger dauern. Die Kraftpost wird nicht nach Hanau durchgeführt, da die Stadt Hanau die Hebernahme des etwa entstehenden Fehl­betrags mit der Begründung abgelehnt hat, daß sie fein Interesse an der Kraftpostlinie habe. Voraussichtlich fährt die Post nunmehr nur bis Langenbergheim über Düdelsheim Lind- heim (Bahnhof) Hainchen und Himbach. Der Gemcinderat Büdingens hat in seiner jüngsten Sitzung die Garantie für beide Strecken mit 48,6 Proz. und vierteljähriger Kündigung über­nommen. Für die in Büdingen zu erbauenoe Halle zur Unterbringung der Autos wurde vom Ge­meinderat der erforderliche Betrag bewilligt. Das Geld soll geliehen werden.

- - Büdingen, 29. Olt. Hier fand unter dem Vorsitz von Dekan S ch ä f c u eine Pfarr - konferenz unseres Dekanats statt. Im Mittel­punkt der Verhandlungen stand ein sehr inter­essantes Referat von Pfarrer Lic. Wißmann, Wenings, über das bedeutende Buch des frühe­ren Ober-Seemener, jetzt Frankfurter Pfarrers Lic. Rens, Heinrich WallauDie Einigung der Kirche vom evangelischen Glauben aus". Am Rachmittag weilte der 'Verfasser selbst in der Mitte der Konferenz und wußte als persönlicher Teilnehmer der Weltkonferenz für praktisches Christentum in Stoaholm teilweise an der Hand

von guten Lichtbildern sehr viel interessantes über diese hochbedeutsame Tagung zu berichten.

)( Ortenberg, 28. Okt. Am heutigen dritten K n l t e n m a r k t 1 a g stand vor allem die K al­te m a r k t l o t t e r i e im Vordergrund des Inter­esses. Kurz vor 10 Uhr wurden nach altem Brauch unter den Klangen der Musik die ersten Preise, vier prachtvolle, aus dem Markt gekaufte Fohlen, durch die Stadt nach der Gastwirtschaft Hirzel geführt, wo unter Leitung des Bürgermeisters und oes Beigeordneten, sowie in Anwesenheit der Marti, und Lotterietommission die Verlosung begann. Die ersten Preise fielen auf folgende Nummern (ohne Gewähr): (1322, 908, 4377, 4341, 4074, 4281, 93, 2955, 2477, 257, 2026, 3900. Der zweite Preis soll nach B l e i ch e n b a ch gefallen sein, während der vierte von den Herren Georg Pfeiffer und H. Trumwheller gewonnen wurde. Wohin der erste Preis fiel, war noch nicht genau bekannt. Das ge- schastliche Leben flaute nach den beiden vorher­gehenden Tagen mit einem noch selten gesehenen Massenbesuch natürlich stark ab. Die von gutem und warmem Wetter begünstigten Markttage wur­den am Abend mit verschiedenen Vergnügungen ge­schlossen, dann traten Alltag und Arbeit wieder in ihre Rechte. Das elektrische Stromnetz war durch die glücklicherweise noch kurz zuvor an- geschlossene zweite Transformatorenstation allen Anforderungen gewachsen, wahrend die Wasser­leitung nm Samstag wieder einmal selbst in den unteren Straßen gründlich versagte. Hoffentlich hat auch sic bis zum nächsten Markt eine Erweiterung erfahren.

' Ridda, 29. Okt- Zu der bevorstehenden Gemeinderatswahl ist innerhalb der ge­setzlichen Frist nur ein Wahlvvrschlag Vereinigte Liste" eingereicht worden, so daß eine Wahl nicht staltfindet und die auf dem Wahlvorschlag stehenden ersten 12 Bewerber als gewählt gelten. Wenn dies auch als gutes Zeichen für die Einmütigkeit der Einwohner­schaft anzusehen ist, so hat doch der Wegfall der Gemeinderatswahl für die am gleichen Tage stattfindenden Wahlen zum Kreis- nndDro- v i n z i a l t a g wahrscheinlich seine nachteiligen Folgen insofern, als die Wahlbeteiligung hier eine geringere sein wird. ES wäre wünschenswert, wenn die Wähler ungeachtet des Ausfalls der Gemcinderatswahl hinsichtlich der für die Ge­meinde ebenfalls sehr wichtigen Kreis- und Pro­vinzialtagswahl von ihrem Wahlrecht ausreichend Gebrauch machen würden.

c. Nidda, 29. Okt. Am 1. November scheidet Schwester Anna Klaus aus unserem Städt­chen. Familienverhältnisse zwingen sie, nachdem sie über 10 Jahre ihren Dienst im Verein Kranken­pflege in mustergültiger Weise versehen hat, ihr arbeitsreiches und aufopferndes Amt einer anderen Kraft zu übertragen. Die aufopfernde Liebe und der aufrichtende Trost, den sie an so vielen Kranteu- lagern unseres Städtchens und der Nachbarorte er­wiesen und gespendet hat, haben ihr viele Freunde in allen Kreisen geschaffen. Durch ihre selbstlose Mithilfe bei der Pflege der Verwundeten im hie­sigen Lazarett, nicht zuletzt auch ihre ersprießliche Arbeit im Dienste der Gemeindearmenpflege erhöhen die großen Verdienste von Schwester Anna. Ihre Nachfolgerin ist Schwester Marie Ebling, die in früherer Zeit schon einmal im Dienste der Caritas hier wirkte. Auch in der hiesigen I n - b u ft r i e macht sich die N o t l a g e u n s e r e r Z e i t bemerkbar, so daß in manchen Betrieben Einschrän­kungen öorgenommen werden muhten, deren Folge A r b e i t e r e n t l a s s u n g e n waren. Die starke Zunahme der Arbeitslosen gibt für den kommen-

den Winter auch für unser Städtchen schwere Be­denken.

Starkenburg.

Darmstadt, 29. Okt. (WSR.) Die hie­sigen Kohlenhändler geben in den Tages­zeitungen bekannt, daß sie mit sofortiger Wir> lang die K o h l e n p r e i s e wie folgt herab- setzen: Hausbrand um 20 Pfennig, Fettstück­kohlen und Briketts um 5 Pfennig und Ruhr- brechkoks um 20 Pfennig per Zentner.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

] Wetzlar, 29. Okt. Straßenbau. Be­kanntlich hat unsere Stadt in den Aachkriegs- jahren eine ganz erhebliche Zahl von Straßen ausgebaut. In Fortsetzung ihrer Straßenbau- Politik hat die Stadtverwaltung nunmehr den Ausbau weiterer wichtiger Straße n- züge in Aussicht genommen bezw. bereits ver­geben. In dem Stadtteil Niedergirmes wird zur Zeit die Kirchstraße ausgebaut, in der Oberstadt eine dringend erforderliche Ver­breiterung der Frankfurter Straße am Goldfischteich und eine Pflasterung derselben durchgeführt. Seit Montag haben auch die Ar­beiten an einet teilweisen Verbreiterung der Aaubotner Straße begonnen, die dann ebenfalls mit Kleinpflaster versehen werden soll. Leider wird die Verbreiterung hier in dem zuerst vorgesehenen Maße nicht vorgenommen, weil der Einspruch eines Teils der Anlieger hiergegen vom Bezirksausschuß anerkannt wor­den ist. Da die Aauborner Straße später einmal sicher als Ausfallstraße für den Kraftwagen­verkehr in südlicher und östlicher Richtung in Betracht kommt, wäre ein vollständiger Ausbau heute schon das zweckmäßigste gewesen. Die weitere Ueberbrücfung der Weh - doch scheitert heute an der Kostenfrage. Wie wir weiter hören, soll nunmehr auch Aussicht bestehen, daß noch im Laufe des Winters der Ausbau des Philosophen wegs in An- griss genommen wird. Dieser befindet sich durch Grdauffüllungen heute in einem Zustand, der auf die Dauer unhaltbar ist. Aach Fertigstellung dieses Weges wäre dann eine direkte Auto­mobilverbindung vom Bahnhofs- Viertel nach Gießen und Frankfurt geschaffen, die eine erhebliche Verbesserung des heutigen Zustandes über große Promenade und Frankfurter Strahe bedeuten wird. Die in der Stadt infolge der wirtschaftlichen Aotlage der Industrie vorhandenen Arbeitslosen erhalten durch die geplanten Wegebauten eine dankens­werte Arbeitsgelegenheit, die sie im kommenden Winter mancher Sorge entheben dürfte. Aeben ihrer stets auf technischer Höhe stehenden Freiwilligen Feuerwehr ist dec Stolz der Wetz­larer Bürgerschaft eine ebenso gut geschulte Freiwillige Sanitätskolonne. Das zeigte sich wieder am Sonntag bei der dies-, jährigen Hauptübung in der früheren Turn­halle des Seminars. In Anwesenheit des Landrats Dr. Sartorius, Bürgermeisters Dr. Kühn, vieler Vertreter der Vürgerschaft und sonstiger geladener Gäste gingen die Vorführungen unter Leitung des Inspekteurs Dr. Braun und von Dr. Sardemann von statten. Was hier von der Kolonne vorgeführt wurde, war von einer solchen Vielseitigkeit und zeugten von einer so hohen Stuse der Ausbildung, daß immer wieder nur ein Wort des Lobes zu hören war. Worte

herzlichster Anerkennung und des Dankes für die geleistete Arbeit fand dann auch am Schluß der Hebung Dr. Braun. Anschließend hieran fand dann durch Stadtrat Winkelmann die Hebergabe des von der Stadt neu beschafften Sanitätskraftwagens statt, die dec Ge­nannte mit Worten der Anerkennung und mit Wünschen lür das weitere Blühen der Sanitäts- kolonne verband. In einer Aachversammlung auf derSchönen Aussicht" feierte Landrat Dr. Sartorius in längerer Ansprache die Ver­dienste des Sanitäters in Krieg und Frieden. Anschließend fand eine Ehrung alter ver­dienter Mitglieder statt. Ein von dem Kolonnenführer erstatteter Tätigkeitsbericht über das vergangene Jahr gqj) Zeugnis von her überaus vielseitigen und umfangreichen Tätigkeit der Kolonne Kum Segen der Wetzlarer Bürger» schäft. Möge sie auf ihrer erfolgreichen Bühn auch weiter fortschreiten, herzlicher Dank ist ihr gewiß. L

] Wetzlar, 29. Okt. Das in Aussicht stehende Reich sschulgefeh und das Kon­kordat beschäftigen die Gemüter auch in unferm Bezirk auf das stärkste. Das zeigte sich auch gestern in einer vom^ vangelifchen Reichs» eiternbund veranstalteten evangelischen S ch u l t a g u n g , die von vormbttaas 9 Hhr bis in die Abendstunden im Saale oeSGrünen Laub" stattfand. Hm der Lehrerschaft die Teil­nahme zu ermöglichen, war ein schulfreier Tag eingelegt worden. Der Besuch der Tagung durch Lehrer und Pfarrer aus Stadt und Kreis war denn auch ein ganz erheblicher; die Raume er­wiesen sich als zu klein, und mancher Kinder­freund mußte wieder umkehren. Vorträge hielten Lic. Dr. Schmidt, Bonn, über das Thema Die religiöse Krisis der Gegenwart", Studien- rat Heien brock, Berlin, überDie cr- ziehungswissenschaftlichen Gegenwartsfragen des Protestantismus", Sanitätsrat Heienbrock über die FrageWo fällt die Entscheidung im Schulkampf" und Geschäftsführer Pfarrer L e n z, - Mors, über das ThemaWas können die evan­gelischen Eltern fordern im kommenden Kamps um das Reichsschulgesetz". Letzterer Vortrag, der am Rachmittag stattfand, war besonders auch für die Eltern und Erzieher vorgesehen. Sämtliche Vorträge, deren teilweise glänzender Inhalt bei den Zuhörern einen großen Ein­druck hinterlieh, wurden mit stärkstem Beifall ausgenommen. In der Aachmittagsaussprache, von der reichlich Gebrauch gemacht wurde, kamen alle Richtungen zu Wort, Gegner wurden von den Referenten glänzend abgefertigt. Alles in allem bedeutet die Tagung einen starken Er folg für die christliche evangelische Volksschule, und ihre Veranstalter können mit ihr in jeder Weise zufrieden sein. Am kommenden Freitag veranstaltet der Deutsche Lehrerverein. Kreisgruppe Wetzlar, ebenfalls eine öffentliche Kundgebung im Schühengarten", in der Referent Lange, Köln,Gegen die Zerschlagung der staatlichen Volksschule durch den Reichsschulgesehentwurf'.' sprechen wird. Herr Länge ist, soviel wir wissen, ein Freund der weltlichen Schule. Eine wei­tereW ahlkreisschultagung" veranstal­tet die Deutsche D o l k s p a r 1 e i für den Wahlkreis Hessen-Aaffau am kommenden Sams- tagnachmittag in Gießen im Hotel Schütz. Hier wird der Landtagsabgeordnete Schulrat Schwarzhaupt über das Thema sprechen Wichtige Gegenwartsfragen der Schulpolitik (Grundschule, Lehrerbildung, Reichsschulgesctz,

Der gefesselte Strom.

Roman von Hermann (Stegemann.

50. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Als Ruth ins Laboratorium trat, schlug Engel­hardt schnell die Truhe zu, aber es war zu spät, um seiner Tochter zu verbergen, daß er feine chir­urgischen Instrumente betrachtet hatte, die hier wohlverwahrt lagen.

Sic gingen zu Tisch. Da stand neben den Dah­lien plötzlich ein Rosenstrauch von fremder Art.

Wo kommt denn dos her, Joseph?" fragte Engelhardt.Will die Gräfin Schreck von Rheinau da unten von uns Abschied nehmen?"

Ruth War ans Geländer getreten und blickte auf den Anger, wo die steinerne Frau in den Hecken­rosen stand. Die Wasjerpsortc war mit Brettern zu- acschlagen, uni die Italiener, die Hotz schon mit feinem alten Gewehr hatte bedrohen muffen, nicht mehr in Versuchung zu führen.

Nein, Herr Dokror, die hat anderes zu tun, feit hier die Tschinggen*) regieren, diese Amfelfresser und Messerstecher!"

Er warf einen verächtlichen Blick auf die Ba­rackenstadt, die von lautem Lärm widerhallte.

Bunte Wäsche flog an den Leinen, kleine Loko­motiven pufften die kicsbelodenen Kippkarren den Berg hinauf, weithin glänzte der Strand nackt und kahl, Stämme und Kronen von niedergeschlagenen Dbftbäumen und Erlen laaen wie Tote auf Haufen geworfen und reckten die Arme in die Luft.

Ein roter Ziegelbcm leuchtete, wie mit Blut be­strichen, in der Sonne. Das war das Bureau der Ingenieure.

Es wimmelte von Arbeitern. Das Scharren ihrer Schaufeln, das Rollen der Feldbahn und das Kling- Klang eines Meißels, der irgendwo ins Steinbett getrieben wurde, schwollen zu einer eigenen Melo­die, die längst alle Grillen übertönte. Nur der Lauffen rauschte noch unbekümmert in der Felsen- enge und schleuderte seine Regenbogendünste in den klaren Tag.

Schweigend legte Eugelhart .Xnlanbcre Karte, die in den Rosen gesteckt hatte, auf Ruths Teller. Sie kam aus Berlin. Der Tag der Abreise von St.

;) Spottwort für Italiener.

Joseph war ihm aus einer Mitteilung Engelhardts bekannt gewesen.

Ruth spielte damit; plötzlich hielt sic ein Häuf­lein weißer Papierschnitzel in den Händen und, ans Geländer tretend, streute sie sic langsam in die Schattenwildnis des Grabangers.

Aber den Strauß nahm sie mit in den Wagen.'

Fest umschloß sie die kühlen Stiele.

Wo die Feldbahn die Straße schnitt, muhten sic warten. Kräftig gebremst kam ein leerer Material­zug dic Höhe herab. Die Eisenkarren stießen sich wie gierige Hunde im Herabjagen. Die Räder schrien.

Auf dem letzten Wagen stand Hanns Ingold neben dem Italiener, der die Bremse bediente.

Einen Augenblick zitterten Ruths Lippen. Sie sah ihn kurz herüberblicken, die Hand an dic Mütze legen und mit dem Zug zwischen den Bäumen verschwinden.

Beim Verlassen des Breaks fielen die Rosen in ganzen Büscheln, wie von nervösen Fingern zer­pflückt, aus iyrem Schoß,

Engelhardt sand sich am Bahnhof kaum zurecht.

Schon waren zwei neue Vorschubgeleise gebaut, zogen sich Güterhallen an der Linie hin, wuchsen dic Grundmauern eines Bahnhofhotels aus der braunen 'Ackererde.

Ruth sah alles mit einem leeren Blick. Noch ein­mal war dic Vergangenheit zu ihr zurückgekehrt und hatte sie nach den tagen eifriger Arbeit gerade in ihrer schwächsten Stunde überrascht. Als sie von ihrer Heimat Abschied nahm! Sie sah die Heimat nie mehr wieder, wie sie war. Aber vielleicht war es gut so. Gut, daß das alte Bild vertilgt wurde. Wenn sie im nächsten Frühling wiederkehrten, war das Werk im Bau. Sie fürchtete sich vor dieser Wieder­kehr und sehnte sie doch herbei.

Der Winter kam früh ins Land und währte lang.

Sie lebten sich rasch ein in der heiteren und an­mutigen Stadt, und selbst Engelhardt brachte es fertig, die Zeil lotzuschlagen. (Er sagte zwar, er müsse jeden Tag für sich besonders und jeden Sonntag zweimal erschlagen, aber wenn er auch keine Ruhe fand und m gesteigerter Menschenscheu allen Be­kanntschaften auswich, so ging die lleberrointcrung doch besser üonftntten, als Ruth gefürchtet hatte.

Sie selbst erlebte an sich, wie wohltätig cs ist, nach großen Erschütterungen den Ort zu wechseln. Dic stummen Zeugen ihrer Leiden standen nicht mehr um sie her, rascher, als sie geglaubt hatte, wich die Vergangenheit in imereichbarc Ferne zurück, und schon konnte sie beim Zurückschauen die Blicke darauf ruhen lassen, ohne Schmerzen zu empfinden. Sie nahm Anteil an dem Leben, das sic umspülte'und trug, besuchte das Theater und die Konzerte und spürte, wie ihre Lust am Dasein wieder die Schwin­gen regte.

Stur,3 vor Weihnachten schrieb Hermann Ingold aus Waldshut, daß er nach einer mehrwöchigen Probezeit in die Prima des Gymnasiums ausge­nommen worden sei und hoffe, in einem Jahr die Reifeprüfung abzulegen.

Ich weiß nicht, ob ich Ihnen das noch mitteilen darf und ob es Interesse für Sie hat. Aber ich muß es doch jemand sagen und bin Ihnen so treu ergeben wie immer. Mein Vater ist sehr alt geworden, aber er hält sich wieder aufrecht und nimmt keine Notiz von dem, was um ihn her vorgeht. Sicher wirft er im Frühjahr wieder das Netz. Ich glaube, er kann sich gar nicht vorstellen, daß sie wirklich an dem Lauffen rühren. Sie bauen jetzt eine Notbrücke bei St. Josephs Acker. Der Rhein selbst ist noch, wie er war. Ich möchte am liebsten Geologe werden, Fräu­lein Ruth. (Geologe, nicht Theologe, bitte nicht ver­wechseln!)"

Ruth las den Brief mit beruhigtem Herzen und lächelte gerührt.

Ein Prackstbursch," murmelte Engelhardt, als er Ruth den Brief zurückgab.

Er wollte noch etwas jagen, unterdrückte jedoch den Vergleich, den er zwischen den beiden Brüdern angestellt hatte, zur rechten Zeit und schwieg. Aber einen herzlosen Egoisten nannte er Hanns Ingold im stillen trotzdem.

In der kleinen Pension an der Salzstraße, wo sic wohnten, wurde das Weihnachtsfest unter einem gemeinsamen Ehristbaum gefeiert.

Ruth hatte aber selbst noch ein fußhohes Tänn­chen besorgt, ein halbes Dutzend Kerzen darangesteckt, ein paar Pfeffernüsse, rote Aepfel und kleine Frei­burger Brezeln darangehängt und eine Kiste guter Zigarren darunter gestellt.

Es schneite seit zwei Stunden, die Stadt war schon ganz weiß.

Engelhardt war bei Tisch und angesichts des großen allgemeinen Christbaums noch wortkarger und unliebenswürdigcr gewesen als sonst.

Komm, Ruth, wir gehen Weihnachten im Schnee feiern," sagte er beim Stuhlrückcn und lief nach Mantel und Mütze.

Im ersten Augenblick reute Ruth das Bäumchen, das in ihrem Zimmer wartete, bann lockte auch sic die Weihnachtsjtimmuna in den verschneiten Gassen.

Schweifend stapften sie durch den «schnee. Es mar ganz still in der Stadt. Dic Klingeln der elektrischen Bahn tönten wie Weihnachtsglöckchen.

Weich fielen die Flocken.

Ja, Mädel, nun rückt cs," sagte er auf einmal ganz laut.

Sie wußte nicht, was er wollte, fragte aber nicht weiter. Wie die Flocken fielen uni) der Schnee sich häufte, war es ihr, als sänke hinter ihr dic Ge schichte ihrer Liebe ins Wesenlose.

Vor her Haustür hielt sie den Vater zurück und ging voraus, um die Kerzen anzuzünben.

Nun ftanben sie beide vor den Lichtern, die zwi­schen fremden Möbeln unruhig züngelten, als fühlten sie sich hier nicht zu Hause.

Und beide überkam die Sehnsucht nach St. Jo­seph.

Du, Mädel, da ist noch etwas für dich ge­kommen."

Er holte aus der Rocktasche einen großen Brief­umschlag, zog daraus einen kleineren und übergab ihr diesen. Umständlich setzte er bann an bem ober ften Licht eine Zigarre in Branb und versengte sich babei den Bart.

Ruth wog den Brief unschlüssig in der Hand und starrte in die Kerzen, die sich in ihren Blicken verhundertfachten.

Da ging Dr. Engelhardt mit starken Schritten in sein Schlafzimmer hinüber.

Ruth las Gerhart Tylanbers Brief.

Er war nicht lang, begann mit einem Weill- nachts- und Neujahrswunsch, sprach von der Ent­wicklung, die bas Geschäft in diesem Jahre genom­men habe, von der Notwendigkeit, die ihn im März nach Rheinau führe, wo dann die Arbeiten im großen Stil einsetzen würden, und von seiner Hoff­nung und seiner Freude, Ruth wiederzufehen.

(Fortsetzung folgt.)

Mäntel, Kostüme, Kleider in vorteilhaften Preislagen

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