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to. 255 ZwEes Blatt
tanöesamt für das Bildungs- wefen und Technische Hochschule.
Wie wir bereits kurz mitteilten, hat die hessische Regierung unter Uebergehung der Vorschläge der Fakultät und ohne vorherige Benachrichtigung den Privatdozenten Dr. Julius Goldstein zum o. Professor der Philosophie an der Technischen .Hochschule ernannt. <>u dem ersten Konflikt, der sich aus diesem ungewöhnlichen Vorgehen der Staatsregie- rung zwischen dieser und der Darmstädter Hochschule ergab, erhält das „Darmstädter Tageblatt" von einem bekannten Mitglied der . Demokratischen Partei die nachstehende Zuschrift:
Die Politik des .hessischen Landesamts für das Bildungswesen zeitigt immer merkwürdigere Ergebnisse. Nach den mancherlei widerspruchsvollen Mahnohmen auf dem Gebiet des mittleren Schulwesens, mit denen sich die Oeffentlichkeit zu beschäftigen hatte, kommen nun auch die Hochschulen an die Reihe. Zum erstenmal -seit dem Bestehen unserer Technischen Hochschule hat das Ministerium einen planmäßigen Lehrstuhl der Hochschule unter vollständiger Nichtbeachtung des Vorschlagsrechts der Hochschule von sich aus besetzt, und zwar mit einer Persönlichkeit, die vom Lehrkörper nicht nur nicht vorgeschlagen, sondern einmütig und nachdrücklich abgelehnt wurde. Es handelt sich um einen der Lehrstühle für Philosophie und. Weltanschauung, die der Hochschule ohne deren Zutun als das merkwürdige Ergebnis des Parteihondels beschert wurden, welcher der letzten Neubildung der hessischen Regierung zur Beschämung aller Freunde eines vernunftgemäßen Parlamentarismus vorausging.
Das Selbstbestimmungsrecht der Hochschulen Deutschlands und der übrigen Staaten des deutschen Kulturgebieles in der Auswahl des wissenschaftlichen Nachwuchses ist eines der wertvollsten Fundamente für die Größe und Blüte der Wissenschaft. Die eigenartige Verfassung der Hochschulen, die ihnen, obwohl Staatsinstitut, weitgehende Selbständigkeit und Selbstverwaltungsrechte einräumt, trägt einen durchaus demokratischen Charakter; sie bildeten von jeher eine „Gelehrten-Republik" für sich. In deren wissenschaftlich-geistige Belange sollte die bureau- kratische Vermaltungsmoschine so wenig wie möglich eingreifen. Abgesehen von der notwendigen Finanztontrolle hat das staatliche Aufsichtsrecht den Zweck, Mißbräuche und Auswüchse zu verhüten, die Entwicklung der Wissenschaften zu fördern und die Lehrgänge der in staatliche Laufbahnen zu übernehmenden Akademiker den Bedürfnissen derselben anzu- passen. Die Sicherung der wissenschaftlichen Qualität der akademischen Lehrer, die niemals nach dem Prinzip des „Ersitzens" eines Lehrstuhles zu erreichen ist, war immer die eigentliche Aufgabe des Lehrkörpers selbst. Nur wer selbst im wissenschaftlichen Leben mitten darin steht, wer den Stand und die Erfordernisse von Forschung und Lehre aus eigener Verantwortung kennt, kann aus dem zahlreich sich anbietenden Nachwuchs die Berufenen auswählen, und cs ist ein Ruhmesblatt der deutschen Hochschulen, daß sie trotz aller wechselnden Einflüsse ron den verschiedensten Seiten her, trotz der politischen und sozialen Umschichtungen der letzten Jahrzehnte diesen Standpunkt der reinen Sachlichkeit cufrechterhalten und dem wirklich Tüchtigen jederzeit den Aufstieg ermöglicht haben. Gewiß, auch an Sen Hochschulen geschehen Menschlichkeiten, sind Irrtümer und subjektive Fehler möglich. Aber die ifäUe, in denen aus diesem Grunde das staatliche choheitsrecht eingreifen mußte, um Mißbräuche zu verhüten, sind nur vereinzelt in dem einen oder an- ieren Bundesstaat zu verzeichnen. Nichts schadet einer Hochschule mehr al-s Inzucht. Nicht das jahrelange Sitzen an einer Universität darf die Berechtigung schaffen, endlich einmal etatsmäßig zu werden, sondern nur die wissenschaftliche Leistung. Alle Hochschulen des deutschen Kulturgebietes bilden in Liefer Beziehung eine große Gemeinschaft; sie unterrichten einander über den aufstrebenden Nachwuchs unb suchen im Wettbewerb immer den Besten und -Begabtesten an sich zu ziehen. So entsteht eine wirkliche Auslese; Kleinstaaterei soll es im großen Reich Tier deutschen Wissenschaft so wenig geben wie Klün- ^elwirtfchaft. Wo diese Bahn verlassen wird, zeigen iich bald die Folgen darin, daß Ansehen und Lei- ‘ilungen der betreffenden Hochschulen finken und die «Studenten abwandern.
Es bltcb der derzeitigen demokratischen Regierung vorbehalten, bei unserer Hochschule den Anfang machen mit einer Durchbrechung dieser Grund- Ähe, zu der sich das frühere Regime niemals ver- itonden hat. Die Ratgeber, die allen fachlich begründeten Einsprüchen der Hochschule zum Trotz bei dem verantwortlichen Minister diesen Entschluß
Alfred Bock:
Kantor 5 ildköters Haus.
Eine kritische Stellungnahme zu dem dichterischen Schaffen Alfred Bocks pflegt vor allem ein- inal mit dem Ordnungsfanatismus des Philologen, mit dem Bemühen, alles in eine „Linie" zu brin- xcn, feine Kunst mit Genugtuung in der Rubrik .Heimatdichtung" unterzubringen. Gewiß nicht mit Unrecht: Die Welt hat sich gewöhnt, Oderheffeu ■mb ben Vogelsberg mit ben Augen Alfred Vocks .zu schauen; aus dem innigen Verbundensein nvt ier hessischen Heimat, aus dem steten Sichversenken in die Seele seines Volkes schöpft er, wie aus nie versiegendem Born, Milieu und Gestalten; auch die Dichterische Formung, schmiegt sich der rauhen -Höhenluft, dem bargen, wortkargen Bauerntum 8er Heimat wundersam an. Und doch ist Alfred 1 Vocks Dichtung mit dieser literarhistorischen Eti- Icttierung nicht abgetan. Seine Bauern und Klein- türger, seine Hütejungen und Dienstmägde sind Menschen, Menschen von Fleisch und Blut, mit wenigen, knappen Strichen scharf herausgestellt, sic sind feine Staffage für dichterisch verklärte Heimat sästlderung, sondern fest umriffene Charaktere, deren Schicksale uns fesseln und bannen, uns erschüttern. Äatur und Landschaft sind eigentlich nicht Sache Des Dichters. Selten nur wird man in feinen Werfen breiter angelegte Naturschilderungen finden, lie über das Maß hinausgehen, dessen der Dichter Zur Charakterisierung von Ort und Zeit bedarf. Alles §yrisch-Weiche, aber auch alles Sentimentale, alles lleberftiegene liegt ihm fern. Einzig und allein den Menschen sucht er, und ihn schildert er in dem „kleinen Manne" aus dem Volk, in den Bewohnern unserer Landstädtchen, in ben Bauersleuten des Vogelsbergs und der Wetterau. So ist ferne Kunst auch feine Milieukunst schlechthin, wichtiger, einzig wesentlich ist bem Dichter stets der Mensch, jein Werden und Vergehen im Lebenskampf.
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
Zrettag, 30. Oktober (925
durchgesetzt haben, haben dem demokratischen Gedanken einen sehr schlechten Dienst erwiesen. Nur wirklich zwingende Gründe konnten einen so ungewöhnlichen Schritt und die dabei beliebten verletzenden Begleituinstände rechtfertigen. Es mutet merkwürdig an, wenn man glaubt, das Gehalt eines älteren Privatdozenten aus Klaffe 10 einsparen zu müssen, während man kurzerhand drei neue ctats- mäßige Professuren mit Klasse 11 12 einstellt, von denen die Hochschule zwei für entbehrlich hält. Es bedeutet eine Ungerechtigkeit gegenüber den zahlreichen anderen Privatdozenten und Extraordinarien an unserer und anderen Hochschulen, deren wissenschaftliche Leistungen sie weit eher zu einer Ernennung berechtigte, wenn man ihnen einen Kandidaten vorzieht, dessen wissenschaftliche Leistungen von der überwiegenden Mehrzahl berufener Fach- genofsen geleugnet werden, und es muß im höchsten Grade verbittern und verletzen, wenn man die zuständigen Organe der Hochschule monatelang drängt, eine geeignete Lehrkraft ausfindig zu machen, nach allen Seiten hin zu korrespondieren und um Aus- timfte zu bitten, während der Entschluß schon fest- stand, den genehmeren eigenen Kandidaten zu ernennen. Die Hochschule war der Meinung, daß für Darmstadt, wo ein so reges geistiges Leben herrscht, wohin durch die Tagungen der Keyserling-Freunde
Vorgänge an der Landesuniversität, die in weitesten Kreisen der deutschen Hochschulen besprochen werden, lassen die gleiche Tendenz erkennen. Man scheint an der maßgebenden Stelle nicht zu wissen, daß ein derartiges Vorgehen in schroffem Wider- jprud) steht zum Geiste und Sinn dec Weimarer Verfassung, die ausdrücklich jedem deutschen Staatsbürger die Freiheit seiner politischen Ueberzeugung gewährleistet, und daß ein hochschul-Lehrstuhl fein Landratsamt ist. Man sieht nicht, daß auch vom parteipolitischen Gesichtspunkt dies eine ungeheuer kurzsichtige Politik ist. Die Koalitionen wechseln; die Minister kommen und gehen, und was heute opportun erscheint, kann in Kürze eine scharfe Waffe gegen die eigene Partei werden. Wer aus innerer Ueberzeugung die Freiheit der politischen Meinung für ein hohes Gut hält, empfindet diesen Standpunkt als kleinlich und beschämend; für die deutsche Wissenschaft bedeutet er eine Katastrophe. Wenn erst die Zugehörigkeit zu irgendeinem Parteiklüngel — gleichviel welcher Färbung — den Weg auf die Lehrkanzeln der deutschen Hochschulen eröffnet, ohne daß die wissenschaftliche Leistung und die Bewertung der Persönlichkeit als Mensch und Lehrer allein den Ausschlag gibt, wenn bureaukratischer Schematismus und engherzige Kleinstaaterei die kraftvollen Persönlichkeiten verscheucht und die Mittelmäßigkeit
1750 -1925
Samstag, den 31. Oktober, erscheint neben der Tagesnummer die
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die Augen der weitesten Kreise gerichtet sind, nur die allerbeste Lehrkraft gerade gut genug sei; das Landesamt für das Bildungswefen aber ist der Auffassung, daß es sich ja um eine „technische" Hochschule handele, und für das Maß von Philosophie, das diese benötige, genüge auch eine Lehrkraft geringerer Ordnung: eine Auffassung, gleich schmeichelhaft für den ernannten Kandidaten des Ministeriums wie für die Hochschule! Man unterstellt ben Mitgliebern des Lehrkörpers, daß die politische und konfessionelle Richtung des 'Ernannten der Grund der Ablehnung fei, ohne ernsthaft zu prüfen, welches die Einstellung der von der Hochschule vorgeschlagenen Persönlichkeiten denn eigentlich ist. Man trägt auf diese Weise den Keim des Zwiespaltes in den Lehrkörper, in dem die Mitglieder aller Konfessionen und politischen Richtungen in selten ein- müfiger sachlicher Arbeit zusammenwirken, und vergißt dabei vor allem, daß für ein ersprießliches Zusammenarbeiten gerade in der Erziehungsarbeit das gegenseitige Vertrauen des Kollegiums eine der wichtigsten Voraussetzungen ist.
Die wirklichen Untergründe, aus denen heraus die (Ernennung erfolgt ist, liegen für jeden, der die Personen und Verhältnisse kennt, klar zutage. Sie lassen leider die Erkenntnis nicht mehr von der Hand weisen, daßdie politische Parteizugehörigkeit nun auch bei der Besetzung von wissenschaftlichen Lehrstühlen in Hessen eine Rolle spielen soll. Durch die Presse ging unlängst eine Mitteilung, wonach der Leiter des hessischen Landesamts für das Bildungswefen die Aeußerung getan hat, er werde niemals einen deutfchnationalen Professor anstellen! Gewisse
Bei dieser Grundeinstellung nimmt es nicht Wunder, welch seines Verständnis der Dichter gerade volkswirtschaftlichen Problemen entgegen: bringt. Die ökonomischen Gedankengänge in seinen Werken sind an sich keineswegs neu, aber eigenartig, welch dichterische Gestaltung die klar erkannten ökonomischen Zusammenhänge finden. Ich denke an das Wesen der ländlichen Darlehnskassen in den „Oberwäldern" — um nur eines der früheren Werke des Dichters herauszugreifen —, an die ausgezeichnete Schilderung der Zwangs- und Jn- flationswirtschaft mit ihren sozialen Folgen in dem 1924 erschienenen „Fünften Element", und schließlich an die, bei aller Prägnanz doch erschöpfende Darstellung des Warenhausproblems in dem soeben in zweiter Auflage erschienenen „Kantor Schildköters Haus" (vom Leipziger Verlag I. Weber in einfach geschmackvollem Leinenband herausgebracht).
Ein erstaunlicher Sinn für die Realitäten des Lebens schildert hier den Kamps der auf ihren Lorbeeren eingeschlafenen, alteingesessenen Kaufleute gegen das Warenhaus, hinein verschlungen ist die Tragödie des Kantors Schildköter, der das Fazit seines Lebens in der verzweislungsoollen Selbst- anllagc zieht: „Ich wollte das Gute, und tu’ das Böse. Ich lechz' nach Frieden und habe streit. In mir wütet der Geist der Hölle und hetzt mich von Schuld zu Schuld." Der brennende Ehrgeiz um die musikalische Laufbahn feines Sohnes „hetzt ihn von Schuld zu Schuld"; um des Mammons willen vernichtet er die wirtschaftliche Existenz feines besten, wahrsten Freundes; die Tat wendet die Liebe seines Kindes von ihm, der Junge wandert mittellos in die Welt und stirbt den Verzweiilungs- tod, fern von der Heimat. Da packt der Wahnsinn den Vater, dem der Fluch des Goldes alles nahm, Freundschaft und Kindesliebe. In den Flammen feines Hauses — des neuen Warenhauses — findet er Ruhe vor grausamem Geschick.
ins Kraut schießen läßt: dann eröffnen sich Perspektiven für die Zukunft der deutschen Hochschulen, die uns schaudern machen. Zu den Zeiten einer konservativ-autoritativen Staatsform haben die deutschen Hochschulen immer auch für bi$ Anhänger der politischen Linken die Lehrfreiheit gewahrt; sie werden auch unter veränderten Zeitläuften dieses Palladium hochhalten gegen jedermann. Die hessische Regierung kann bei anderen demokratischen Kultusministerien erfahren, wie man dort über diese Dinge denkt. Die Antwort wird nicht immer schmeichelhaft fein. Nur wenn es gelingt, den Hochschulen des Landes die besten und angesehensten Lehrkräfte zu sichern, lohnen sich die schweren Opfer, die das kleine hessenland für feine beiden Hochschulen immer gern gebracht hat; untergräbt man ihr Ansehen, so trägt nicht zuletzt das Land den Schaden davon.
Es geht hier nicht um die einzelne Person; es geht um ein Prinzip: um die innere Unabhängigkeit der Hochschulen; ihre Reinhaltung von den Tages- erscheinungen kleinlicher Politisiererei. Man glaube doch nicht, daß es durch solche Mittelchen gelingen könne, den Hochschulen allmählich eine gewünschte politische Färbung angedeihen zu lassen. Wer Wind sät, kann Sturm ernten. An der höchsten Stelle des Unterrichtswesens soll ein großer und freier Geist herrschen, der die geistigen Strömungen der Zeit im ganzen übersieht und die Hochschulen als die höchsten Stätten des Geistes zu einem hort unabhängiger, im besten Sinn freier Geistesarbeit macht. Nur so können die Hochschulen auch ihre politische Aufgabe erfüllen: aus dem Gezänk der Parteien die großen einigenden Ideen wieder herauszuarbeiten
Die rein menschliche Tragödie dieses Mannes, der sich vor die Entscheidung zwischen Freundschaft und Kindesliebe gestellt sieht, der in eine Situation gezwungen wird, die er nicht meistern kann, diese Tragödie bewegt und ergreift. Menschen des Alltags find es auch hier, die diesen Roman erleben, keine Helden, keine großen Naturen, schlichte Menschen, echt geschaut in ihrem Sinnen und Trachten, hineingerisfen in einen tragischen Konflikt der Pflichten, dem sie erliegen. L.
Das Ende des Caf6 „Austria".
Das moderne Berlin ist der Romantik abhold. Nachdem bereits das „Cafe des Westens" und das vielberühmte „Nollendorf-Kasino" ihrem früheren Zweck, den Dichtern, Malern und Musikern eine Heimstätte zu bieten, seit längerer Zeit entfremdet worden sind, ist auch die letzte frühere Zufluchtsstätte der Berliner Boheme dem modernen Leben zum Opfer gefallen. Das alte CafL „Austria" ist verschwunden, und an seine Stelle ist ein modernes Musik-Cafe getreten. Am Ende des vorigen Jahrhunderts und am Anfang dieses Jahrhunderts war das Cafe „Austria" vielleicht die berühmteste Künstlerstätie^ die Berlin auszuweifen hatte. Zwar war in dem kleinen Caf6 am Kurfürstendamm, das mit dem Cafe „Austria" in Wettbewerb getreten mar, eine unentwegte Schar von Dichtern und Künstlern wie Wolzogen, Wedekind, Kruse, h a r 11 c b e n , Bierbaum, Erich M ü h s a m Nacht für Nacht versammelt, aber wenn der Abend fortgeschritten war, lösten sich viele von ihnen aus diesem Cafe ab und wanderten nach der Potsdamer Straße in das Caf6 „Austria", wo hier meist eine fröhliche Tafelrunde beisammen war. hier war der Oberkellner Sucher, der Bruder des berühmten Kapellmeisters der damaligen königlichen Oper, und der Schwager der berühmten Wagnersängerin Rosa Sucher, still, vornehm und wie ein großer Herr tätig, kannte jeden seiner Gäste
in eine neue Atmosphäre. Für den Hochschullehrer darf Politik niemals ein Geschäft, sondern immer nur ein geistiges Problem sein.
Die Entwicklung, die in Hessen in den vorliegenden Fällen heraufzieht, ist so gefährlich, daß es gilt, die breiteste Oeffentlichkeit aufzuklären, hier liegen Gefahren für die Zukunft vor, bei denen es schon jetzt heißen muß: Prindpiis obsta!
Oberhessen.
Lanvkrcis (tiutfen.
X Wiefeck, 29. Oft. Die in unserer Gemeinde geplante Vorführung des Bethelfi 1 mv war, wie noch erinnerlich, durch die Entwicklung von Kohlenoxydgas gescheitert. Solche Gefahren find nun ausgeschlossen, da Die Kirch e eine neue Heizung erhalten hat, die sich während der Wiederherstellungsarbeiten schon aufs beste bewährte. Der Film trifft am Montag, 2. Nov., hier ein und soll gegen Abend vornehmlich der Schuljugend und abends den Erwachsenen gezeigt werden.
■28g. Großen.Duseck. 29. Ott. Aach den häufigen Niederschlägen der letzten Tage ist die hiesige Kaiser st ratze stellenweise in einen wahren Sumpf verwandelt. Die Gemeinde hat sich entschlossen, diesem Aebelstande durch eine Äeuaufschüttung der Straße gründlich abzuhelfen. Zur Zeit werden die nötigen Materialien angesahren. Zu Beginn der nächsten Woche wird mit dem Eintreffen der Dampf- walze gerechnet.
f Grünberg, 29. Ott. Die Gutsverwaltung Warthof, die bekanntlich dem Landwirl- schaftskammerausschuß untersteht, veranstaltet voraussichtlich in der nächsten Woche eine Schaf- a u 11 i o n. — Ein Landwirt aus der hiesigen Gegend hat festgestellt, daß ein Zentner gute Tafeläpfel hier 18 Mark, in Frankfurt im Großhandel 40 Mark und nn den Verbraucher geliefert 60 Mark kostet. Bei Abgabe eines Apfels werden 70 Pfennig gefordert. Kommentar überflüssig!
o. Ober-Bessingen, 29. Oft. Obwohl man eine gemeinsame Kandidatenliste für die Gemein- deratswahl aufgestellt hatte, auf der die Namen der seitherigen Gemeinderäte enthalten waren, traf auf der Bürgermeisterei furz vor Ablauf des Ter- mins noch eine zweite Liste ein. Sie trägt Namen von Landwirten und Gewerbetreibenden. — In dem hiesigen Bafaltwerf wird nun wieder an allen Wochentagen gearbeitet, so daß alle Arbeiter dahier lohnend beschäftigt sind, was in unserer Zeit der vielen Arbeitslosen recht erfreulich ist. — Auch hier tritt bei einzelnen Kartoffelsorten starke Fäulnis in den Kellern auf. Man sieht der weiteren Entwicklung mit Besorgnis entgegen.
Kreis Schotten.
Schotten, 29. Okt Gegenüber der vor 3 Jahren abgehaltenen Wahl hat sich die Zahl der eingereichten Wahlvorschläge für die bevorstehende Gemeinderatswahl verdoppelt. Insgesamt liegen 6 Wahlvorfchläge vor, so daß mit äußerst reger Wahlbeteiligung gerechnet werden muß.
Laubach, 28. Oft. Dieter Tage eröffnete die hiesige Konzert- und Vortragsverein i g u n g die Wintersaifon durch die Aufführung des Trauerspiels „Maria Magdalena" von Friedrich Hebbel im großen Saale des „Solmser Hofes". Mit Rücksicht auf die auswärtigen Mitglieder begann die Vorstellung erst um 9 Uhr abends. Die Spiel- gemeinde des Bühnenoolkbundes Gießen stellte die aufführenden Kräfte, die ihrer Aufgabe in bester Weise gerecht wurden. Der allgemeine Beifall stattete den Darstellern den wohlverdienten Dank der Hörer ab.
„?“ Eichelsdorf, 29. Oft. Der Cant)“ Wirtschaftskammerausschutz für die Provinz Oberhessen beabsichtigt, im November dahier einen Obstbauinsch n i tt* und -Pflegekursus abzuhalten. Leiter der De» anstaltung, die für die Orte Eiche lsdorf, Ober-Schmitten und Bai rod in Betracht kommt, ist Obstbauinspektor Wiesner. Der reiche Ertrag der diesjährigen Obsternte dürfte den Obstzüchtern der hiesigm Gegend Deranlassung geben, diesem Kursus regstes Interesse entgegenzubringen. - - (Nächsten Sonntag findet im Lehr'schen Saale dahier der Bezirks- t ag für den Hassiabezirk Schotten statt.
Kreis Alsfeld.
(!) Groß-Felda, 29. Ott. Ursprünglich lagen hier zu der G e m e i n d e r a t s w a h l drei Wahlvorfchläge vor. Heute sind es deren acht. Davon entfallen auf den Bauernbund alle i n
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unb wußte mit ihnen ein ernstes Wort über die neuesten Errungenschaften der Oper, der Dichtung und der Kunst zu sprechen. Die Musikhochschule war damals in der Nähe dieses Cafös und zog eine Reihe von Meistern und Schülern an. Busoni war hier viele Jahre lang ständiger Stammgast. Artur Schnabel, der bekannte Klaoierkünstler, war täglich am Anfang dieses Jahrhunderts in dieser Künstlerstätte zu sehen, wie er sich beim Liederspiel in den oberen Sälen des Cafss abmühte. Neben ihm spielte der Altmeister der Berliner Bildhauerkunst Reinhold Begas, der zugleich ein Meister des Billardspiels war und mit Verachtung auf alle herabsah, die auf dem grünen Tisch herum- stümoerten. Seine edle, schmale Gestalt, fein feiner Kopf mit dem wallenden weißen Bart war eine Erscheinung, die man in diesem Cafs niemals zu vermissen brauchte.
Einen Mittelpunkt künstlerischer Kreise bildete hier abends Strindbergs geschiedene Gattin und bis spät in die Nacht saßen an den kleinen Tischen die Künstler und Schriftsteller und kämpften heftig um die neuen Ideale der Kunst oder waren in Zeitungen vertieft, die hier in ungeheurer Fülle vorhanden waren. Späterhin, als die moderne Zeit sich bemerkbar machte und der starke Verkehr auf der Potsdamer Straße das idyllische Leben *i diesem Lokal zerstörte, verzog sich die Kunstterschar nach ruhigeren Zufluchtsstätten, wie sie das kleinere „Cafe des Westens" am Kurfürstcndamm bot, das der eigentliche Nachfolger des Caf6 „Austria" war, wenn es auch eine Zeitlang bereits ebenbürtig neben diesem Cate bestand. Das Caf6 „Austria" verödete völlig, denn das Bürgerpublikum gewöhnte sich nur s-hr schwer hierher und war auch durch Einführung von Musik nicht in das Cafe zu ziehen. Neue Kellner kamen, welche die alten Gäste nicht mehr kannten, und so wurde das Cafs gezwungen, seine Pforten zu schließen, um jetzt einer ganz neuen, modernen Gaststätte Platz zu machen.
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