Ausgabe 
30.5.1925
 
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Nr. 125 Drittes Statt

Deutsche Gemeinschaft".

Non Staatssekretär a. D. von S) i n fte. Borfitzender der Vereins für das Deutschtum im Ausland.

Aus der Fülle der Gedanken und Wünsche, die in den Kriegslagen diese» Jahres auf der grofi- deutschen Volkstagung in Ruf [lein in erwftrr Arbeit und in buntfarbigen Bekundungen unseres Volkes zum Ausdruck gelangen, werden Iich zwxi Stimmungen heraushebcn: die ^ehnsuchl nach immer stärkerem Skulturzufammenfchluft oller Deutschen in der Well, nach Ver­einigung bei in geichlossenem Volksblock Mittel- europa lebenden Deutschen, nachdem beispielsweise die am volktumfchutz arbeitenden Lereine, der 33er ein für das Deutschtum im Ausland, der sich mit dem neuen verbändeDeutscher Cchulocrem Süd- mark" zusammentzeschlossen Hai, dem ans dem Schul- t*rein und dercubmarf" Jicuflebilbelcn Verbände, nunmehr in geschlossener Front flehen. Neben dieser ofle Herzen beherrschenden Sehnsucht wird sich auch ei» Gefühl der Genugtuung bemerkbar machen über die Fortschritte, die der Gedanke der Zusamenge» hörigleii und der gegenseitigen Verpflichtung alles l»as deutsch ist, in den legten fahren gemacht hat. Der Aufschwung der Idee:Deutsche Ge­meinschaft" ist eine Tatsache, die auf den ver­schiedensten Lebensgebieten in die Augen springt. Nm »ur ein» herauszugreifen, die Jugendbewegung in ihrer Dielgestalt und ihrer Unzahl von Bünden und verbänden ist einheitlich im gemeindeutschen Benni fitfein und in all den Bestrebungen, die diesem Dewuytsem durch die Tat dienen. Die Vrcffe. ja selbst da» Parieiwesen zeigt den Willen, die Slim- nmnosentwicklung äu fördern ober ihr wenigstens per*»t zu werden. Am klarsten tritt diese erfreuliche «nkwicklung in dem Anwachsen des ältesten und grHstlen der dem deutschen Gemeinschaftsgedanken btenenben verbinde, de»Vereins für bas Deutschtum im Auslanb". zutage.

Ein Jahrzehnt ist verflossen, seit der 3eit vor dem Herembruch der Weltkatastrophe und ihren wirtschaftlichen wie ideellen Auswirkungen, ein Der- gleich der Entwicklungen ermöglicht war. Zwar ist auch das Jahr 1914 für denVerein für das Deutschtum im Ausland" besonders in der Gestal- tung der Arbsitstüligkeit durchaus kein Normal- fahr flMwfen. Die finanzielle Leistung liegt damals nnch sinigermatzen im Rahmen geordneter Verhält- niffe. vor zehn fahren betrug der Unterstützungs­haushalt etwa 140 000 Ak. Wenn der Haushalts­plan sie das vergangene Jahr 1924 einen Ausgabe- peste» vsn 640 441 Mk. aufweist, und wenn der B»ranschlag für 1025 im Zeichen der Million steht, so bedeutet das, zumal alledem, was wirtschaftlich und politisch im vergangenen Jahrzehnt sich ereig­net hat, eine» gewaltigen Fortschritt. Das grafte fest- gpsügie Reich mit seinen nahezu unerschöps'ichen Wirtschaitzemöglichkeiten und seinem graften Ertrags- Ueberlchüffe abroerfenben Volkevermögen hat etwas mehr als ein Zehntel der Beträge aufgebracht, die h» ie das in einem machtlosen zerstückelten Reich »ahnende oerxrmte beiufdje Volk den um ihr Da- f>m als Deutsche, um ihre deutsche Kultur kämpfen- den Brüdern durch den Verein zur Verfügung stellt.

Hinter diesen nüchternen Zahlentatsachen ver- ocryx sich Entwicklimgen, die nichts anderes be« tyiden, als den Anfang einer völligen geistigen Um- Schichtung Im nationalpolitischen Denken. Der Krieg und seine Folgen haben uns Deutschen das Tor in das gröftere Deutschland aufgeftoften. Eindringlichste Lehre der tzriedensdiktate war es uns, daß Gren­zen für den Volksgedanken nicht Scheidewände find imd haft für den vtaatsgedanken Grenzen den ge­schichtlichen Entwicklungsgesetzen unterworfen sind.

Der Verein hat sich im vergangenen Jahrzehnt nicht damit begnügt, von den Früchten der oben gekennzeiclneten Entwicklung zu zehren. Er hat nicht lediglich die Stimmung und die größere Opfer- Willigkeit für feine Unterstützungstätigkeit nutzbar gemacht, sondern er hat entsprechend seinen Gatzuna-vorschriften daran gearbeitet, die wachsende (fcfenntni» zur gesteigerten und aUaemein werden­den Kenntnis auszugestalten. Ein Hauotgrund für die Abgeschlossenheit bes Volkstumsgebankens im

Jahr

Thomas Münzer.

(Ium 400. $ot>:8lag am 30. Mai.) Q^on Br. F. Ernst.

Ma« Jahr 1525 in Deutschland, das

bet Beuemerhcbungcn, enthielt im Kerne, an ben Ideen, an Taten und Untaten, an Absich en und Hoffnungen gemessen, alle«, was die spä­tere» Jahrhundert in Europa und sogar in der «anyen Welt an Sozial-Revolutionen hervor- osbrach: staben. England. Frankreich, Amerika, -outschland. sogar Ruftland sind nichts als grofte Abhandlungen und Variationen über das Thema, d«s die Bauernunruhen von 1525 an­schlugen. Treitschke hat recht, wenn er den geiftiflen Höhepunkt d.eser Bewegung ihre Kiy- ßallisationfachse, nämlich den Geist Thomas 2Hun- JeM einen Spiegel nennt, der die Erscheinungen iwftigcr Zeiten Prophet.sch in sich auffängt. Der ganze ^Lcengang der folg-nden Jah.hunderte und d« neueren Zeit, soweit er politisch und religiös »in revolutionärer ist, findet sich bei Thomas Münzer, teils angedeutet, teils ausgesprochen. Am hellsten (und man kann sagen auch 'am sau- barsten) tritt, was in ihm nur unvollendet und aufblitzend war, in der englischen Revolution ein Jahrhundert später hervor, und waS im germanischen Mutterlanbe, in Thüringen, anze- fengen und miftraten war, verwirklichte sich zu­erst ix den beiden angelsächsischen Weltreichen d.es- feit» uns jenseits des Atlantischen Ozeans. Das Jahr 1525 war MünzerS Gröftc und sein Ende. Am 15. Mai führte er während der Schlacht bei Fraxkenhausen wie ein Prophet seine An­hänger in die Spiefts der Gegner, wurde in die Flucht mitgeriffen später gefangen genommen und am 30. Mai nach Folter und Qualen Eingerichtet.

ThvmaS Müller ist zu S t o l l b e r g am Harz im Jahre 1439 oder 90 geboren studierte wahrscheinlich in W i 11 c n b e r g und Leipzig, bann ali Lateinmagister in Aschersleben und Halle tätig. war er 1515, also fünfundzwanzig Jahre alt, schon Probst in einem Kloster bei Aschersleben 1520 alS Prediger in Zwickau geciet er in die Kreise der Schwarmgeister, die sich um Aiklas Storch gesammelt hatten. 1521 finden wir ihn in Prag, wo er die ver­streuten Strahlen des Hussitenwe'enS in sich auf- mmntt. Seltsame ülnruhr treibt den jungen Pre­diger, dessen Anfprachm von innrrem v.sionärem Seu«; glühen wieder nach Deutschland, 1523 'itzt * in Ältstedt m Thüringen, verheiratet sich mit einer ausgetretenen Nonne, richtet den dem-

Lietzener Anzeiger (Heneral-Anzeiger für Gberhefseir)Samstag, 5 . Mai (925

Gehäuse eines in der Zusamensenung .

sehr beschränkten Vereines, wie fie bis zum Kriege befranb, war bas Versagen der Schule bei der Ver­mittlung von Witzen über bas Gefamtbeutschtum unb in der Erziehung zum vc-lksbeutschen Bewuht- sein. So wuchs ein Geschlecht nach dem .nbern heran, ohne auch nur etwas von ber Verbreitung des Deutichtums in ber Welt, von den Sorgen. Stumpfen unb Opfern ber auf sich selbst gestellten unb feindlichen Uebermacht preisgegebenen Volksge­nossen zu wissen. Bei ben kommenben Geschlechiem nun must bic Erziehungsarbeit einsegen. Die Schule niuft oolksbewuftte Deutsche erziehen, bie sich allen ihren Srübern, mögen sic biesseits ober irnseits mehr ober weniger zufälliger Staatsgren- zcn wohnen, oerpflichtet fühlen.

An biesem Punkte Hot ber Verein bei ben in Frage kommenben Reichs- unb Staatsstellen ben Hebel angesetzt unb grundsätzlich in ben maftgeben- ben Streifen Verstänbnis gefunben. lieber ben Schul- untericht hinaus rnuft ober ber Jugenb, bie sich in ganz anberem Mofte als vor bem Kriege zur Be­tätigung in ber Oefsenilichkeit brängt, im volks- beutfchen Gemeinschastsgebanken ein Ziel gegeben werben, dos sie erfüllt, bas zu Arbeit unb Opfer erzieht unb bas bie verhängnisvolle par­teipolitische Nutzbarmachung an sich gesunber In- fünfte ausschliefti. Die Deutsche Gemein­schaft bas soll ber Ceitftern aller Jugendbe­wegung sein, auf welchen Pfaben sie auch immer wanbele. Diese Betätigung ber Jugenb innerhalb ber Reichsgrenzen für bie Jugenb brauften ist nicht nur ber " ' tbarfte, sondern auch ber wertvollste Er- fola ber letzten Jahre.

Manches ist erreicht seit einem Jahrzehnt. Unendlich mehr aber rnuft unb kann erreicht wer­den. Selbstlose Hingabe an die Sache. Opfer an Gelb unb Zeit, glühende Begeisterung unb ber Wille zu unverdrossener Arbeit im groften und kleinen wird ben Verein seinem Ziele näher führen. Denn ihn trägt heute, im Gegensatz zu vergangenen Zei­ten, ber Strom ber volksgcschi Istlichen Entwicklung. Der gewaltige Arm bes Geschehens, ja: ber Taten unserer Feinde! hat unser Schifflein in diesen Strom hlneingestoften Wir werden zu zeigen haben, baft wir es zu steuern wissen.

Septis Magna.

Don Professor, Dr. ®. Rodenwaldt, Generalsekretär des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches.

Tripoli, Mai 1925.

Mit einem feierlichen Empfang bei dem Din- daeo, einem Angehörigen der allen seldschuckischen Familie der Karamanli, die bis zum Jahre 1830 über Tripolis geherrscht haben, wurde in An­wesenheit des Duca diSpoleto und des italie­nischen Kolonialministers eine internationale wissenschaftliche Zusammenkunft beendet, die von einem faszinierenden Zauber erfüllt war. Zu einemConveguo archcologico hatte der Generalgouverneur von Trrpolitanien, Graf Volpi, gelegentlich der Ausgrabung von Septis Magna Archäologen aller Länder cingclabcn. Die deutsche Neichsregierung hatte eine Delega­tion, bestehend aus den Herren Professor A o a ck von der ilnioerfitäl Berlin, Geheimrat Wie­gand, dem Leiter der Berliner Antikensamm­lungen, und dem Unterzeichneten, entsandt. Dank dem feinen Takt und der vollendeten Grazie der Gastgeber vollzog sich dieses erste internationale wissenschaftliche Zusammensein nach dem Kriege in ungetrübter Harmonie.

Bon den drei Städten, die daS antife Tri­polis bildeten, ist O c a von der modernen Stadt Tripoli überbaut, während S all va t ha und Septis Magna öde Trümmerstätten sind. SeptiS Magna war die Heimat deS Kaisers Septimius Severus. Ergreifend ist das Bild, das sich heute dem Besucher bietet. Das Stadt­gebiet liegt auf einer niedrigen Höhe läng« des Meeres, das noch in einen Teil der gewaltigen antiken Hasenanlage eindringt. Auf der einen Seite begrenzt es die Steppe, auf der anderen die Palmenyaine der Oase von Homs. Wie

gewaltige Wogen bedecken das ganze Stadtgebiet Dünen gelben Wüstensande«, aus denen überall die mächtigen Trümmer cmpcrragc.i. tue keine Naturgewalt hat vernichten können. Mit be­wunderungswürdiger Energie haben die italie­nischen Archäologen begonnen, die verschütteten Bauwerke wieder aufzudecken. Der Wüstensand, den einbringentca Arabern erlag, hat wie eine weiche, schützende Hülle manches bewahrt. waS an anderen Orten nicht so gut erhalten ist. Die Säle der gewaltigen Thermenanlagen sind in ihren unteren Teilen so gut erhalten, da st fie sogleich wieder in Benutzung genommen werden könnten. Reiche Neste deS üppigen Statuen- schmuckes sind der Zerstörung entgangen. Wir wurden Zeugen der ric'igen Arbeitsleistung, die eine Basilika von imposanten Mähen allmählich au« der deckenden Huiie wieder emporsteigen läftt. Don einem vierteiligen Dogen, der zu Ehren des SeptimiuS Severus errichtet war. ragte nur ein formloser Nest a%« den Dünen hervor: jetzt konnten wir durch das Gewirr der Werkstücke schreiten, die vollständig erhalten zu fein scheinen, und binnen kurzem wird es mög­

lich fein, diese- historische Monument mit seinem ganzen reichen, überau« interessant en Relief - schmuck wieder aufzubare: Die mächtigen Kai­anlagen des HafenS sch.iien fast unbenutzt. Schwerlich hat die innere Bedeutung der Stabt je ihrem äußeren Gewände entsprochen: ihre Prunkbauten waren ein Erzeugnis kaiserlicher

Dem ersten Tage der wissenschaftlichen Be« folgte eine Stunde der Nom antik dem milden Mondschein drr Sommernacht wur­den die Thermen von Hunderten von Fackeln phantastifch erhellt, während Kavalkaden beritte­ner Araber mit geschwungenen Fackeln die Ruinen umkreisten.

Die Derbindung der Wissenschaft von der Vergangenheit mit der Stimmung der Gegen­wart war vielleicht die bezeichnendste Eigenart dieser Tagung. Die italienischen Gastgeber haben unS den Zauber der Landschaft uxd den Duft des Orients geniesten la'fen, aber auch in Akten feierlicher Repräsentation und im Anschauen schaffen-freudiger Arbeit die ganze jugendliche Kraft empfinden lassen, die in dieser Kolonie am Werke ist.

Die neue Turn- und Sportplatzanlage in Metzen.

Die Verwendung beim 32. Mittelrheinischen Kreisturnfest.

Auf dem waldumsäumten Trieb, dem Hauptschauplah des 32. Mittelrheinischen Kreisturnfestes, ist die neue, große ©ieftener Turn- und Sportplatz­anlage, für deren Schaffung das Kreitturnfest be** entscheidende Anlast war, nun in der Haupt­sache fertiggestellt. Was jetzt noch zu tun übrig bleibt ist nur Kleinarbeit, die gar schnell be­wältigt sein wird. Die Stadtverwaltung und die interessierten Vereine, insbesondere die Gie­ßener Turnerschast und dec Sportklub 1900, die sämtlich für diese Anlage kräftig unb opferfreudig wirkten, haben sich dort etn schönes Denkmal bürgerlichen DemeinsinnS und weitblickender Der- waltungstätigkeit gesetzt.

Durch sehr umfangreiche Srdbewxgungsarbei- ten, die zur Planierung der weiten Fläche not- toenbia waren, hat man zwei grofte Sportplätze geschahen, bie jeden Wettbewerb mit den meisten aroftstädtischen Ginrichtungen dieser Art aus­halten, ja, die manche Groszstadtanlage sogar noch übertreffen werden. Die Plätze dürften bei ben Mittelryeinturnern und -turnerinnert sicherlich volle Zufriedenheit finden.

Die Anlage wird durch die sog. Lagerstrafte in zwei Teile geschehen. Beim Mittelrheinischen KreiStumfest wird der Sportplatz an der Drünberger Strafte an dem zur Zeit noch die Böschungen hergestellt werden, damit der Stadt die Möglichkeit geboten wird, dort noch Grassamen einjjufäen für die Massenfreiübun- gen, das Geräteturnen und die Kreis-Meister­schaftsspiele Verwendung finden. Auf diesem Platz ist die große Tribüne für die Ehrengäste, die Turnleitung für die Massenfreiübungen und die Pressevertreter erbaut, unmittelbar davor an­schließend ist ein Podium für die Musik errichtet, das 100 Musikern Raum bietet. Von der Tri­büne aus hat man einen prächtigen Ausblick auf ben weiten Platz unb die herrliche landschaftliche Umgebung. Die Fertigstellung dieses DaueS steht unmittelbar bevor. Die amphitheatvalisch ange­ordneten Sitzreihen für die Ehrengäste bieten weitreichende Unterbringungsmöglichkeiten. Seit­wärts sind Arbeitsräume für die Presse, die eine ungestörte Tätigkeit gestatten. Auf der toage­redet en Dachfläche finden an beiden Seiten Die Dorturner Aufstellung, noch etwas Wetter seit­wärts die Kampfrichter, auf dem erhöhten Stand wird der Leiter ber Masfenaufführungen seinen Platz haben. Der Raum unter der Tribüne.enthält zu beiden Seiten Telephonzellen für die Presse­

vertreter, Raum für eine Handwerker-Bereit­schaft zur Vornahme evtl. Reparaturen an den Turngeräten, Bureaus für die ^Umleitung und schließlich noch weitgehende Unterstellmöglich­keiten für Turngeräte. Der Tribünenbau, der nicht nur für daS Turnfest errichtet ist, sondern der als Dsstandleil der Anlage für alle weiteren Feste dort oben stehen bleibt, macht durch die zweckmäßige Raumeinteilung und de stabile Bau­art einen guten Eindruck. Als Zierde weist ber Bau an der Stirnseite in beabsichtigter Schlicht­heit nur die bekannten Turnerzeichen. daS vierfache F, auf. in ber Mitte soll noch der Reichsadler angebracht werben. Sobald daS ge­schehen, wirb ber Bau einen Anstrich in Heller Farbe erhalten. Der Platz am Philo­soph enwald wird vorwiegend für die volks­tümlichen Wettkämpfe (Lausen, Springen, Kugel- stoften ufto.) benutzt werden. Zu diesem otoccf, aber auch für künftige Veranstaltungen anderer Vereine, wird auf diesem Platz u. a. auch eine vorschriftsmäßige Aschenbahn angeleat, die zum Teil schon fertiggestellt ist. Die Beschaffung ber Schlacken war mit außerordentlichen Schwierig­keiten verknüpft, eS gelang aber dank der tat­kräftigen Mithilfe einiger Herren, auch diese Frage zufriedenstellend zu losen. Während die Aschenbahn für die Läufe Verwendung findet, wird die Platzmitte für das Springen unb Äugel- ftoften Raum bieten. Dieser Platz wird nach dem Kreisturnfest an den Sportclub 1900 über­gehen, während der Platz an der Grünberger Strafte den Turn- und anderen Sportvereinen zur Verfügung bleiben wird. Der Zuschcn cr-

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KINDERWAGEN

Meth dem Urteil der Verbraucher der beste für Jhr Kind

schen Gottesdienst ein und kam mit Martin Luther in Zwietracht, ör war längst über den Wittenberger Reformator, den er zuerst sehr ver­ehrte, bann aber als einenWeichling" be­zeichnete, derDem schwachen Fleischlosen unter­läge, hinausgewachsen und zwar nach links. Gr war auch längst aus Dem rein religiösen Gebiet ins Polit.fche hinübergewechs tt: hatte er zunächst die Kirchcnrcformation im Auge, so bewegte ihn schon im Jahre 1523 die Rationalreformation, bie Dolksumwälzung nach seinen Vorstellungen, bic im Wesentlichen auf eine Art kommunistischen Gottcsstaates hinauslie en. Seine Abschauungsn waren frei von den brünstig orgiastischen Ideen der Wiedertäufer in Münster, D.e sich doch s nst dem Kommunismus mit Raturnotwend gkeit an- zuschlieften scheinen. Der Zulauf zu seinen Pre­digten, der Zusammenstrom der Menschen war ungeheuer, feine persönliche Wirkung eine sehr starke. Es war wie eine Wallfahrt Seine Pre­digt richtete sich auf die Freiheit, gegen Geist­lichkeit unb grofte Herren. Seltsamerweise tuchte er zunächst bic Reformation vom Haupt aus zu beginnen, er vermeinte b.e Fürsten zu über­zeugen.' ($r schrieb Briefe an Kurfürsten Frie­drich den Weisen und den Herzog Johann tx>n Sachsen.

.Ihr sollt Such nicht erbarmen über die Ab­göttischen. z-rbrscht ihre Altäre, zerschm ifrt i.;re Bilder und verbrennet sie, auf haft ich nicht mit Euch zürne!" Erscheint bic-S enge, so waren ands- rcrseits seine Gedanken der Zeit wett vorauS- eilend, er kämpfte für Befreiung aus jeder be­engenden Fessel: alle deutschen Völker, alle Christen sollten in den Bund gezogen tnerben, zu gemeinsamem Kampfe cinaelaben werden, alle Dinge sollten gemein sein. Die Arbeit wie die Güter, es sollte davon an Jeden nach Bedarf und Gdcgenhctt auSgcteilt werden. Die Fürsten unb Herren sollten dabei fein, sie sollten brüder­lich erinnert werben. Weigerten sie sich, sollten sie vertrieben und getötet werden. Solche Mei­nungen verbrettet Münzer durch Predigt. Send­boten. die er durch ganz Deutschland schickte (die 72 Jünger und zahlreiche Schriften, die ihm ein eigener Drucker in Eilenburg in die Presse nahm. Auf dem Schloft zu Allstedt sprach er zu den sächlichen Fürsten, dir ihn ruhig anftörte.-t:

2lch, Ihr lieben Herren, wie hübsch w rd der Herr' unter die alten Töpfe schweiften mit einer eisernen Stange! So ich bas sage, werde ich aufrührerisch sein, wohlh n!" Diesem JeremiaS- fanatismus gegenüber schwiegen d e Fürsten, als WünLcr diese Rede aber drucken lieft, Wielen

sie den Drucker auS. Münzer schrieb Dagegen unb veröffentlichte an anderer Stelle seine schartste Schrift. Da stand Luther gegen ihn auf in der SchriftBrief an den Fürsten von Sachsen von dem aufrührerischen Geist". Dem W.ttenberger Reformator war besonders die Vermischung religiöser und politischer Ziele, wie sie Münzer eigentümlich waren, zuw der. Do kam es zu vielen Klagen der Fürstenherren unb Prediger gegen Münzer und er muhte Allstedt v.rlassen.

Er wandte sich nach Mühlhausen in Thüringen, der freien Reichsstadt, die damals die ansehnliche Zahl von 10 000 Einwohnern chatte. Da fand er seinen bösen Geist Heinrich Pfeiffer rwr. einen hochbegabten gewesenen Mönch, ein DolkSprediger wie Münzer, ein Revolutionär wie er. War aber Münzer ein Träumer, ein Fanta» siemensch. Der in Träumen lebte unb nach Träu­men sein Leben gestaltete, so war Pfeiffer ein harter scharfer Kopf, Der touftte, was er wollte, Der auch Münzer fraglos seinen Absichten unter- zwingen wollte. Do kam Das sonderbare Schau­spiel zu Wege, Dah zwei Schwarmgeister in Mühl­hausen lehrten und jeder Den anderen als Pferd vor seinen Wagen sperren wollte. Aber doch er­reichten beide zusammen, baft d e Volksmenge ihnen zufiel. Der alte aristokratische Rat abge- scht wurde und von dem lüsternen Haufen die Klöster, Kirchen und Häüser Der Reichen g plün­dert wurden. Das war zu Beginn DeS Bauern­krieges. Dann kam aber Durch An in gkett Der beiden Führer Der Rückschlag, Aufrichtung Drs alten Regimentes und Vertreibung Der b iben, MünzerS unb Pfeiffers. Sie wanbten fich nach Sübdeulfchland unb wirkten in Franken und Schwaben, Jünger Münzers Durchzogen Die Lande. In der Zeit war es fo, dah man Sonn­tags keinen Schritt gehen konnte, ohne allent­halben auf Hausen von Bürgern und Bauern ?u stoften. Die einem Preb ger zuhörten. Unb cs ist wah.schrinlich. baft Die im Monat Mär» daS Jah­res 1525 mit Blitzesschnelle in Deutschland ver- brcüeten12 Artikel ber Bauern' ;um Teil, wen gstenS bem Debanken nach van Themas .Münzer stammen, während fie ii ihrer Ganzheit vielleicht sogar ber Feder Pfeiffers entsprossen sind. In bkfer Zett finten wir aber Münzer unb Pfeiffer schon toieber in Mühlhausen, wo ihre Scharen, bie sie nicht mehr an ber Hand halten, in Eichsfcld unb Aorb Düringen Bilder­stürmen mit übelster Plünderet oeroanben. Da starb FriÄftnch ber Meise am 5. Mai, sein Aach- folger Johann umstellte Münzer bei Franken- hausen, wo er, der vom Kriegswesen nicht Die

geringste Ahnung hatte, bi.rtaufenD Bauer i ot auf Dem SchlachtfelDe lieft und selbst flüchtete. Er barg sich in e.nem Hause zu Fr anftnhau en, lag zu Bett und gab sich ben Anschein e.r.eS Schwcrkranken. Da fand ein Knecht in lener Tasche Briese der Fürsten unb verriet ihn.

Sein Ende war in fe nem Fanatismus frei n- groft. Dann warf man ihn in em Verlieft unb quälte ihn weiter,gräulich wur)e mi. ihn u.n- gegangen, sobaft er in ber Wunbfi.beruhe n ch Den Foltern zwölf Kannen Wasser Qetrun.cn haben soll'. Aus Dem tiefen Turm sch ien er einen rührenden Dries an b c Bürger von Mühl­hausen, worin er sie aufforSerte, d e Gnade Der Fürsten für ihre Stadt anzurussn Er sei es herzlich zufrieden. Da ft er f elbst, gleich'am alS Opfer für Die Eigennützigkeit und Torheit an- Derer, von hinnen müsse ater er bitte flr fe ne junge Frau, Daft sie es nicht entgelten müs e und Daft man ihr ihr gor nqe8 Gut lasse." Wenige Tage später holte man den Pre,ph-ten m3 Le^er vor Mühlhausen. Man h ti-e if> i au' einem Karren angeschmiedet, Da lag er bäuchlings, beide Äün.e unb Füfte mit schweren Ketten an die Bal en des Wagens genietet. Da stellten sich fc.ne ilctertoinbet vor ihn und sprachen ihm hoch- mütiglich zu. Der eine wollte ihn bekehren, dec andere hielt ihm die erschlagcme.i Bauern vor. Da kam der Geist über Den Gefesselte': zu b n salbadrigen Reden der Her.ea und Fürsten, Die um ihn standen, schwieg er christlich, aber er c ob feine Stimme und redete ihnen inS Gewisfen. Allzu GrofteS habe e: gewollt, Daran fei er zu­grunde gegmgen. fie sollten in sich gehen unb ihre Lome nicht allzu Drücken und sollten flc ,ig in ber Schrift lesen uiD erkennen, wie e3 b n Tyrannen am SnDe ergehe Dann schwieg er unb empfing ben Todesstreich.

Dein Haupt rollte in den Sanb. aber feine Ideen lebten. Doch nach einem Jahrhuirdert waren heimliche Anhänger drS Hingerichteten in Thüringen und ben umliegenden Landern zu spüren. Gröfter aber ist feine W rfung im Gei­stigen. AuS Oliver EromwellS beiftentem Puri- tanerkopf schauen fsine Sedankon, in M rcbraus, I. I. Rousseau» Diderots Gedankxnwelt ist sie lebendig, manche von den Gr.hen De*: Jakobiner führen unbewuftt seine Worte, in den fo^alan Bewegungen des 19. Jah-.hundertS tönen Mün- zerkche Wei'en an unb fchlieftlich, wenn bie Füh­rer Der Soll^etrepublik richt allzu vorderasi­atisch syrisch entstammt wären, würde auch bei ihnen, noch stärker als es Der Fall ist. ber G«st des Allstedter Präsidenten zu spüren fein.