Zwölftes Blatt
Gießener Anzeiger » Jubiläums-Ausgabe
Seite 94
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Kasseler Kurfürsten erfreuen konnte, sofort einem starken Aufschwung. Es wuchs die Zahl Kurgäste von 95 im Jahre 1835 auf 1080 Jahre 1850, während die Bevölkerungsziffer gleichen Zeitraum von 1400 auf 1700 nnftieg.
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zuregen. Fertiggestellt wurden bis jetzt 15 Wohnungen von Privaten, 25 weitere befinden sich augenblicklich im Bau. An Baubeihilfedarlehen zahlte die Stadt seit vorigem Herbst allein nahezu 300 000 Mk. Von größeren städtischen Leistungen, die im Interesse des allgemeinen Volkswohls ausgeführt wurden, soll hier nur die Errichtung des Schwimmbaoes erwähnt werden, das als Musteranlage in diesem Sommer eröffnet wurde.
Noch sind nicht alle Wunden geheilt, die Krieg und Inflationszeit dem Wirtschaftsleben der hessischen Badestadt geschlagen haben. Aber es kann heute schon, ohne zu übertreiben, gesagt werden, daß Kräfte des Ausbaus erfolgreich an der Arbeit sind und ein weiteres Aufblühen von Stadt und Bad verheißen. Bad-Nauheiw ist eine Stadt der 10 000 geworden, und auch die Frequenz des Bades steht nahezu schon wieder auf gleicher Höhe wie in den Jahren vor dem Kriege. So dürfen Stadt und Bad vertrauensvoll in die Zukunft schauen, müssen sich aber stets dessen bewußt bleiben, daß ihnen die verantwortungsvolle Verwaltung kostbarster Naturschätze und Heilkräfte im Interesse der leidenden Menschheit anoertraut ist. _________
Gebieten des städtischen und staatlichen Hoch- und Tiefbaus ein emsiges Schaffen. Im Rahmen dieses Aufsatzes ist es leider nicht möglich, auf Einzelheiten näher einzugehen. Neue Badehäuser mußten erbaut werden. Die Straßen wurden erneuert, der Ausbau der Bürgersteige kam zur Durchführung. Das K a n a l n e tz breitete sich bald über das ganze Stadtgebiet aus. Weit vor den Toren der Stadt entstand die Kläranlage zur Aufnahme der Abwässer. Wenige Jahre vor dem Kriege ging man bereits dazu über, die vorhandene Kanalanlage durch Einführung des Trennsystems zeitgemäß auszubauen. In den jenseits der Ufa gelegenen Stadtteilen ist man mit diesem großzügigen Unternehmen schon ein gutes Stück vorangekommen. Hand in Hand damit erfuhr auch die Wasserversorgung eine wesentliche Verbesserung. Die 1899 angelegte, 1904 bedeutend erweiterte städtische Wasserleitung wurde 1907 an die staatliche Quellwasserleitungsanlage (Lauter) angeschlossen. Jur Gasbeleuchtung gesellte sich von 1906 an das elektrische Licht. Es spricht für den fortschrittlichen Sinn von Stadtverwaltung und Bevölkerung, daß man im ganzen Stadtkreise nicht ein einziges Haus mehr antrifft, das nicht durch den Anschluß an die Kanalisation, an Wasser-, Gas- und Lichtleitung ein bequemes und gcsundheitfördemdes Wohnen ermöglicht.
Große öffentliche Gebäude sind in der Zeitspanne des zweiten großen Aufschwungs als Schmuck der Stadt entstanden. Erwähnt seien nur: Die neue Stadtschule (1902), die jetzt zur Oberrealschule aus- gebaute Ernst-Ludwig-Schule (1907/08), der Neubau des Ende der 60er Jahre für unbemittelte Kurgäste errichteten Konitzkystifts (1896/97), die englische Kirche (1899), die evangelische Dankeskirche (1906), die katholische Bonifatiuskirche (1904), das Postamt (1904), der Neu- und Erweiterungsbau des Bahnhofs (1911/12).
Wie bereits angedeutet, verlangsamte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Tempo der privaten Bautätigkeit, das im vorausgegangenen Jahrzehnt den großen baulichen Aufschwung bedingt hatte, ganz wesentlich. In der weiteren Entwicklung des Stadtgebietes trat wieder ein Stillstand ein, trotzdem der Aufstieg des Bades weiter ging. Er drückt sich in der Zahl der Kurgäste aus, die 1905 auf 26 197, 1910 auf 33 302 anstieg. Die alte Badeanlage, zuletzt aus 7 Badehäusern bestehend, genügte in den Monaten der Hochsaison nicht mehr den an sie gestellten Anforderungen, und in den Jahren 1905—1910 wurde unter einem Aufwand
lichen Niedergang, den der 30jährige Krieg im Gefolge hatte, erholte sich unter dem Einfluß der Saline das Gemeinwesen wieder rascher als anderorts, wenn auch mehr als ein Jahrhundert nötig war, bis die alte Bevölkerungszahl 1000 wieder erreicht werden konnte. Für die Dauer tonnte, sich jedoch auch der Großbetrieb nicht auf der Höhe halten, trotzdem der Salzgraf Waitz von Eschen ganz bedeutende technische Verbesserungen eingeführt hatte. Das Steinsalz war ein beachtenswerter Konkurrent geworden, gegen den die Salinen mit schwachprozentiger Sole nicht mehr ankämpfen konnten. Nauheim griff, dem Beispiele anderer Salinenorte folgend, zum Rettungsanker und errichtete am 1. Juli 1835 eine Solbadeanstalt.
Mit diesem Tage beginnt die Geschichte des Bades Nauheim, die aber nie zu dem ungeahnten Aufschwung der Badestadt geführt hätte, wenn ein gewaltiges Naturereignis des Jahres 1846 nicht von umformender und grundlegender Wirkung für die weitere Entwicklung des dis dahin noch kleinen Dorfes gewesen wäre. Als eine der köstlichsten Weihnachtsgaben, die je der Menschheit beschert worden sind, wurde in der Nacht vom 21. zum 22. Dezember „auf Gottes Geheiß" der Große Sprudel „aus der Tiefe geboren". Ihm gefeilten sich später noch zwei weitere Quellen als Ergebnis tiefgehender Bohrungen zu, 1855 der Friedrich- Wilhelm-Sprudel, 1900 der Ernst-Ludwig-Sprudel. Als warme, salzhaltige, kohlensäure- und eisenreiche Quellen schleudert dieser „Dreibund" täglich nicht weniger als 24 Millionen Liter Wasser zur Erde empor, damit nicht nur die Abgabe von 6000 Bädern am Tage ermöglichend, sondern auch noch reichlichen Ueberschuß zum Betrieb einer neuzeitlichen Saline bietend.
Das neue Bad begann seine Geschichte, trotzdem es sich nicht der besonderen Fürsorge des
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bescheidenen örtlichen Einrichtungen standen aber einem weiteren Aufblühen hinderlich im Wege. Für Besserung der Verhältnisse war die Regierung in Kassel jedoch erst zu gewinnen, nachdem das Revolutionsjahr 1848 die der Entwicklung angelegten engen Fesseln gesprengt hatte. Drei neue Bade- Häuser wurden im Lause der Jahre erbaut, und außerhalb der Mauern und Tore des Dorfes gab man Raum für neue Besiedlung frei. Ganze Straßenzüge, wie die Johannis- und die Schnur- ftrahe, wuchsen aus dem Boden, die Fürstenstraße sowie die Kurstraße erstanden, mit der Bebauung der Parkstraße wurde in den 50er Jahren begonnen. So war die sich vor der Revolution noch empfindlich bemerkbar machende Wohnungsnot vorerst behoben, und für die mit jedem Jahre wachsende Besucherzahl des Bades standen angemessene Unterkunftsmöglichkeiten bereit. Auch die am 1. Dezember 1850 erfolgte Eröffnung der Eisenbahn blieb nicht ohne günstigen Einfluß auf den vermehrten Zugang der Kurgäste und im Zusammenhang damit auf die räumliche Weiterentwicklung des Bades. 1854 bereits bekam Nauheim Stadtrecht. Im gleichen Jahre hielt eine französische Gesellschaft ihren Einzug und errichtete eine Spielbank. Deren Schattenseiten wurden reichlich ausgewogen durch die entschiedenen Vorteile, die der Spielbankbetrieb in den nächsten zwei Jahrzehnten dem an sich mittellosen Bade zugute kommen ließ. Das heutige Kurhaus und den einzig schönen Park, den die Gartenbaukünstler Gebrüder Siesmeyer schufen, hat Nauheim u. a. den französischen Pächtern zu danken.
Ein weiterer Markstein in der Geschichte des Bades, das inzwischen in die Reihe der großen Bäder eingerückt war, wurde dann das Jahr 1 8 66. Durch Austausch kam Nauheim an Hessen- Darmstadt, wozu es schon einmal während der Napoleonischen Kriege kurze Zeit gehört hatte. Der hessische Staat gab dem kostbaren Neuerwerb am 7. Juni 1869 die amtliche Bezeichnung „Bad-Nauheim" und ließ nach Aufhebung der Spielbank im Jahre 1872 dem Staatsbade eine ganz besondere Fürsorge angedeihen. Wohl führten die wirtschaftlichen Folgen des Krieges 1870/71 und die Schließung der Spielbank einen Rückgang der Besucherziffer vorübergehend herbei, aber die vorzüglichen Heilwirkungen der Quellen verbreiteten in den ' nächsten Jahren den Ruf Nauheims als „Herzbad" immer mehr und bewirkten zusehends ein neues, rascheres Steigen der Fremdenkurve. Einige Zahlen mögen für die Bedeutung sprechen, die Nauheim als Bad in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens gewonnen hat. Die Zahl der Kurgäste ist hinter den im folgenden genannten Jahresklassen in Klammern angegeben: 1855 (2525), 1860 (3066), 1865 (3866), 1869 (4046), 1870 (3112), 1875 (4479), 1880 (4495). 1885 (5248), 1890 (8555). Die Zunahme der Wohnbevölkerung hielt mit diesem Aufstieg gleichen Schritt. Von 1700 im Jahre 1855 war die Einwohnerzahl 1875 auf 2527, 1890 auf 2934 ange- wachsen. Im räumlichen Wachstum der Stadt war nach der ersten Epoche des großen Aufschwungs in den 50er Jahren zunächst ein Stillstand eingetreten. Im wesentlichen erfuhren nur die sich dicht an den alten Dorfkern anlehnenden neuen Häuserviertel einen stetigen weiteren Ausbau. Erst mit dem Jahre 1890 setzte bann wieder eine zweite große Bauperiode ein, die ganz neue Stadtteile erstehen ließ und zu Anfang des neuen Jahrhunderts in der Hauptsache ihren Abschluß sand. Die Frequenzzahlen von 1895 (14 274) und 1900 (22 017) erklären die Notwendigkeit weiterer räumlicher Ausdehnung.
Dem steigenden Besuch des Bades und der ständig wachsenden Einwohnerzahl (1900: 4501, 1905: 5053, 1910: 5694) trugen Stadt und Staat durch Förderung der kulturellen Entwicklung sowie durch Verbesserung der sanitären Einrichtungen mit Umsicht und Weitblick in vorbildlicher Weise Rechnung. Gleichzeitig mit der Neubelebung der privaten Bautätigkeit zu Beginn der 90er Jahre begann auf den
von 10 Millionen Mark vom hessischen Staat das Bad von Grund auf umgestaltet. Sprudelbecken, Badehäuser, Verwaltungsgebäude, Trinkkuranlage, Kolonnaden entstanden in künstlerischer und technischer Vollendung, mit allen Errungenschaften der medizinischen Wissenschaft ausgestattet.
Die staatlichen Neubauten setzten der baulichen Entwicklung die Krone auf. Das Bad war jetzt dem stärksten Andrang gewachsen, und auch die Stadt hatte sich baulich so weit entwickelt, daß Wohnraum für die im Jahre 1914 etwa 6000 Seelen zählende Einwohnerschaft und eine jährliche Besucherzahl von 40 000 und mehr Kurgästen geschaffen mar.
So hatten bis zum Beginn des Weltkrieges Stadt und Bad einen ungeahnten Aufschwung genommen. Die Kriegsjahre selbst ließen eine Weiter- entwicklung nicht zu. Der Kurbetrieb ging zwar weiter, aber die Zwangswirtschaft lastete schwer auf der Hotelindustrie. Die Ernährung der Kurgäste war mit ganz besonderen Schwierigkeiten verbunden, denen die städtische Verwaltung mit allen Kräften zu begegnen suchte. Wie im Kriege 1870/71 tarnen die Einrichtungen des Bades Tausenden und Abertausenden von verwundeten und kranken Soldaten zugute, denen eins der größten Reseroe- lazarette besonders fürsorgliche Behandlung angedeihen ließ. 4500 Betten standen dem Lazarett, für das das Militärkurhaus die Verwaltungszentrale war, zur Verfügung. Nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges war Bad-Nauheim in feiner Eigenschaft als Badestadt mehr als andere Orte dazu berufen, die Not lindern zu helfen, von der weite Streife unserer Volksgenossen so hart betroffen worden sind.
Der sehr starke Bevölkerungszustrom nach dem Kriege bewirkte, daß die an und für sich weiträumige Badestadt bald unter beträchtlichem Wohnungsmangel zu leiden hatte. Die private Bautätigkeit ruhte zunächst ganz. Aber die Stadtverwaltung suchte durch eine großzügige Wohnungspolitik die Wohnungsnot nach Kräften zu beheben. Durch Umbau von käuflich erworbenen Pensionen und durch Neubauten hat die Stadt zusammen 101 Wohnungen seit Kriegsende geschaffen, zehn weitere werden in nächster Zeit vollendet. Außerdem wurde durch die Baugenossenschaft „Gemeinwohl", von Stadt und Meguin A. G. gegründet, ein neuer Stadtteil am Eleonorenring erbaut, wo in 14 Doppelhäusern 56 behagliche Wohnungen eingerichtet werden konnten. Daneben sucht die Stadt durch weitgehende Unterstützung die private Bautätigkeit an
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Butzbach. _
Von Stadtverordneten Rudolf P l o Butzbach.
Uralter Kulturboden ist es, auf dem das heutige Butzbach steht. Die ersten Urkunden über Butzbach stammen aus dem 8. Jahrhundert. Damals, im Jahre 773, schenkte ein Bewohner namens Thiulf dem Nazariuskloster in Lorsch 8 Morgen Landes in dem im Gau Wettereiba (Wetterau) gelegenen Dorf Botisphaden, und ein anderer Bewohner namens Alolach dem gleichen Kloster im Jahre 778 alles, was er im Gau Wettereiba, und zwar in der Weiseler Mark und in dem Dorf Botinesbach an Feldern ufw. befaß. Botisphaden und Botinesbach dürften nicht weit voneinander gelegen haben, da in späteren Abschriften dieser Urkunden die Bezeichnung Botisphaden durch Botinesbach ersetzt worden ist. Aus diesem Botinesbach ist dann späterhin durch Kürzung Botisbach, Butisbach und in der neueren Zeit Butzbach entstanden. Aber schon lange vor dieser Zeit hatte Butzbach geschichtliche Bedeutung. Zwar bestehen hierüber keine schriftlichen Urkunden, wir entnehmen diese Kenntnis aus den zahlreichen vorgeschichtlichen Funden, die anläßlich von Ausgrabungen in der näheren Umgebung unseres Heu- tigen Städtchens gemacht worden find. Diese Funde geben uns sicheren Aufschluß über die früheren Bewohner und sagen uns, daß bereits im Jahre 500 v. Ehr. unweit der Stadt eine keltische Niederlassung war, sie bezeugen uns, daß in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts v. Ehr. oben im Zipfenwald sich eine germanische Siedelung befand. Sie erzählen uns ferner von einer stark befestigten römischen Niederlassung im sog. Hunneburgsfeld. Und her durch den Zipfenwald und über den Schrenzerberg ziehende römische Grenzwall, der Limes, sagt uns, daß da oben römische Legionäre in ihrem unweit davon gelegenen, in jüngster Zeit wiederhergestellten nachgebildeten Wacht-Turm scharsen Ausguck nach. dem nordöstlich gelegenen Germanen-Gau hielten. Alle diese Funde und die Aufdeckung von Straßen legen ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß hier schon in sehr früher Zeit größere Niederlassungen waren, daß hier ein lebhafter Verkehr geherrscht hat.
Dem Germanenansturm unterlag der Römer. Die Germanen vertauschten Speer und Schwert mit Pflug und Spaten und siedelten sich in der frucht- baren Gegend an. Auf den Trümmern der römischen Kolonie wurde in dem nächsten Jahrhundert, vermutlich angeregt durch tätige und fleißige Mönche, eine neue Siedelung gegründet. Sie erhielt, wie eingangs bereits erwähnt, den Namen Botinesbach (d. h. zum Bache der Botino). Nach und nach wuchs die Siedelung, wurde eine Ortschaft, die wohl in der Obhut des Klosters Lorsch gestanden haben dürfte. Aus dieser ging dann das Dorf in die weltliche Obhut der Herren von Münzenberg, später in die der Herren von Hanau über. Das Dorf wurde befestigt, mit Mauern und Wehrgängen umgeben, von denen heute noch stattliche Reste vorhanden sind. Im vierzehnten Jahrhundert ging dann die Herrschaft an die Falkensteiner über, und diesen verlieh Kaiser Ludwig der Bayer 1321 für das Dorf Butspach Stadtrechte, und zwar dieselben Rechte, wie sie der „Stadt Franchenfurt" zuerkannt worden waren.
Im Mittelalter stand, wie überall, so auch in Butzbach die Kirche, die Religion im Vordergrund des Interesses. In dieser Zeit ließen sich hier die „Brüder vom gemeinsamen Lebe n", ihrer kugelförmigen Kopfbedeckung wegen die Kogel- ober Kugelherrn genannt, nieder. Sie gründeten das St. Markusstist und gliederten diesem die schon bestehende Schule an. Durch ihre emsige Tätigkeit, durch Erteilung von Unterricht, Pflege des Studiums, Ausübung der Krankenpflege ufw. wirkten sie segensreich in dem Städtchen. Auch verstanden sie es, ein stattliches Vermögen zu erwerben. Dieses Vermögen, der sog. Kugelhausfonds, wirkte bis in die jüngste Zeit segenspendend für die Kirche und für die städtischen Schulen. Im Laufe der Jahrzehnte ging Butzbach in die Obhut verschiedener Herren über, bis es zuletzt an Hessen-Darmstadt fiel.
Anfang des 17. Jahrhunderts übertrug dec Landgraf Ludwig von Heffen-Darm- stadt feinem Bruder Philipp die Verwaltung des Amts Butzbach. Dieser, ein geistig hochstehender und hervorragender Fürst, der als Landgraf Philipp III. die Landgrafschaft Hessen-Butzbach regierte, der Kunst und Wissenschaft pflegte, trug trotz der Wirren des 30jährigen Krieges in hervorragender Weife zur Hebung und Förderung der Stadt bei. Mit ihm zog reges Leben in Butzbach ein. An Stelle des im Jahre 1603 niedergebrannten Schlosses erbaute er ein neues, schmückte es sinnreich aus und umgab es mit einem herrlichen Park, dem sog. Lustaarten. Durch seine Klugheit blieb Butzbach vor schweren Schickfalsschkägen während des 30jährigen Krieges bewayrt. Er brachte es sogar fertig, daß der Heerführer Tilly ihm einen Freibrief ausstellte, der heute noch in unserem
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