Einzelbild herunterladen

nie

Ottret«n. ilber

16 einmoi' ?nn u Wr fünften für mÄhe hbieNt®hTu,let- >e rasch »L f-1° merk, iher Zgg* Nabe b Seide uN°"'k. das Länder fmblfll'1 unmet »örbtO nS Uat>« iem von hpr m,-w'01« *8Wä* fläÄ-4 Äste ? waren,? n!vml S ru dem ge. Jr» rJ V nicht ab. 3rt, sich zu kleiden, prak. ?°n vergleiche nur ein- eioung der Stäbkrinnen Jiten gar keine Mcksicht ian ^fle sich einmal von n- wie ihnen unter den aube das Haar zu beiden oben ist.

Erkenntnis bas Ganze eichter aber kommt man intens bet Hüttenberger Allste unb iarbenreichsts lie nicht dmch unb durch i- 'Sei dem Nachiorichen, m Alkentücher unb die geftitfkn Bänder in den , entdeckte ich als letzten in Frankreich. Es scheint zu sein, daß eine bfe werbesteiß entsproß« fc Jahren mich so pth j jo nod) heute bei ein- Gegenden. Aber so im- ige die Entdeckung der :, es gibt noch mehr m, die mit austänbijdjcn chliehlich hilft die Schön- ibu öcgtommen.

JM\e «beitet bet Wt Minden un\etet Sagen, ndschaften an ihnen ev n gehabt unb haben h lenn auch schon viel ur: unben ist unb immer rrL > alle Kirche, an fast jedv cbe alte Mühle knüpfen p ifarrer um, der alle» nhoss um sich sannM M t ist jemand eines saM> ib kann keine W P* bewachi noch nach s-M Wühlern Feld und M ng Stellen, wo etwas m- her einen IW*

Ä Mcht S-u-r Maui t Leichenzüge emb* ten hängen an Do Leibstmörder geeM

>r $Üd- von aer V M ^nmoMngen ^^"ein^berirdiW te 'M btt lornmerl^ chtigDlJcn Stern- rie erften ft Leuchte" war m M

L^LZS Iff&SS eis.

« X'M S" L rmor lAS :ZSK

Ue. 9

utet

Drittes Blatt

Gießener Anzeiger Jubiläums-Ausgabe

Sette 19

Alsfeld.

hoben, gehen sie um. Wenn man alle die Sagen sammeln wollte, es wären Bände auf Bände hcr- zristellen. Und das Seltsamste ist, daß solcheSagen" noch heute entstehen. Ich bin selbst dafür Zeuge. Ein Trinker aus R. hängte sich an einem Baume der Landstraße bei dem Orte auf, ein junger Mensch aus H. endete im Walde zwischen S). und Fr. auf dieselbe Weise. Es dauerte kein halbes Jahr, da hatte man sie, die längst begraben waren, baumeln und vorn Winde hin- und herschaukeln gesehen. Ein Bauer, der für geizig gehalten wurde, starb nach noch nicht vier Wochen schlich er in seiner Scheuer umyer und schaute nach dem, was fehlte. Da haben wir, was diese Sagen zum größten Teil hervor­gerufen und heroorruft. Es ist der alte Glaube unseres Landvolkes, der so vieles sah, was wir nicht sehen. Ein alter Bauersmann, der jeden Sonntay- nachmittag seine Bibel las, und der sie, wie er mir sagte, schon zweimal durchgelesen hatte, sagte mir einmal, der Apostel Paulus spreche schon davon, daß es böje Geister unter dem Himmel gäbe. Wir sähen sie nicht, aber die Luft sei voll von ihnen unb unter ihnen seien viele Verdammte und Gerichtete, die zur Strafe keine Ruhe im Grabe fänden. Uralte Vorstellungen der Heidenzeit spielen noch in diese Vorstellungen mit hinein, die nicht verbunden oder in ein System gebracht sind.

Von hier aus versteht man auch, was die meisten Sagen ich rede hier nicht von den durch ein historisches Ereignis hervorgerufenen eigentlich sind. Nichts anderes als natürliche Folgen eines Glaubens, Früchte an einem Baume, der notwendig aus seinen Blüten sie zeitigen mußte. Wer sie sammelt, der schafft eigentlich nur eine Vorarbeit, die nämlich: zu einer Darstellung des alten Volks­glaubens.

3n diese Glaubenswelt ist nun die Gedankenwelt der Stadt hereingebrochen. Sie lehrt: der Glaube an Geister ist Torheit. Ueber ihn muß man weg­kommen. Die Schule sagt es, die Kirche predigt es. Man denke nicht, daß der Glaube des alten Bauern sich dagegen nicht wehrt. In den bewußt christlichen Kreisen unseres Landvolkes versteht man unter dem Glauben den Glauben an Jesus als unfern Heiland und Erlöser. Ich habe im Vogelsberge oftmals das Wort im andern Sinn gehört. Man klagte den Pfarrer und Lehrer an, daß sie deshalb ungläubig seien, weil sie nicht mehr an die Welt glaubten, die der Bauer um sich sah, nicht mehr an die Geister» weit, nicht mehr an die Wirkungen der Gesahne und so manches andere mehr, das Kräfte der über» natürlichen Welt in sich trägt.

Der Materialismus, der so lange die Herrschaft in den Städten gehabt und erst jetzt dort in feiner Herrschaft bedroht ist, ift in unsere Dörfer ein» gezogen. Man fängt an, sich des alten Glaubens zu schämen, man spottet und lacht über die Sagen, wenn lie einmal gelegentlich berührt werden. So ver­schwinden sie, wie der Schnee vor der Sonne. Nie ist mir das mehr vor Augen getreten, als bei dem Unterricht in der Schule. Wenn ich davon sprach, daß unsere Ahnen glaubten, daß das Wasser in den Quellen und Bächen in der Christnacht zu Wein werde, oder daß das in der Frühe des Dftertags geschöpfte Waffer die Kraft habe, kranke Augen zu heilen, oder daß man in der Frühe in der auf» gehenden Dfterfonne das Lamm Christum hüpfen sehen könne, dann lachten einige oder lächelten wenigstens. So weit aufgeklärt waren sie doch, an diese Fabeln nicht mehr zu glauben. Es ist sehr schwer, den Kindern klar zu machen, daß uns nicht ansteht, über die Vorfahren, zu richten, daß viel­mehr alle diese Sagen getragen sind von einer großen heiligen Siebe zu Gott und Christus, und daß der Verstand nimmer allein den Weg zu ihnen findet.

HI. Es scheint Unrecht zu sein, wenn man den Rückgang des Volksliedes zum Teil auch den Einflüßen des Geistes der Stadt zuschiebt. Daß es weniger blüht als vor 10, 20 Jahren, das wird man ja wohl allgemein zugeben. In den Gießen nächst­

liegenden Orten hört man cs weit seltener als früher. Die Hauptschuld dafür liegt allerdings m dem Niedergang der Spinnstuben. Das Volkslied ist Chorlied und bedarf zu seinem Leben und Blühen einer Menge, die es trägt und pflegt. Das sind bis­her unsere Spinnstuben gewesen. Sie waren ur­sprünglich Arbeitsstuben, wurden dann in der Haupt­sache zu Vergnügungsstuben und lösen sich heute allmählich auf. Die jungen Burschen gehen in die Vereine, vor allem in die Turn- und Sportvereine, die jungen Mädchen finden sich zusammen in Ehören, in kleineren Kränzchen, Gesellschaften, Tanz­

machte nichts, ob man mit dem zu bewältigenden Quantum an Flachs 1 oder 2 Wochen früher oder später im Winter fertig war. Aber in den Fabriken ist es anders. Sowohl der Arbeiter, als auch der Arbeitgeber wollen rasche, aufmerksame Arbeit. Der Akkord spricht hier ein großes Wort mit, und das alles ist ein Gifthauch für die Pflege des Volks­liedes. Es ertönt auch in den Arbeitssälen der Fabrik, aber welch ein Unterschied zwischen dem fast nie abbrechenden Singen der Spinnstube an den Winterabenden im Vogelsberge und dem zeit­weiligen Singen in den Fabriken, in denen viele

Alsfeld, Rathaus.

kränzchen u. dgl. So ist es in den Dörfern und Orten, die dem großem Verkehr zugänglich sind. Zögernd, langsam folgen die entlegenen Orte und man kann schon die Zeit ooraussehen, in der es im Dogelsberge gerade so sein wird, wie es in der Wetterau ist.

Es scheint nicht, daß die Werkstätten der Ar­beiterinnen, zumal die Arbeitssäle der Zigarren­fabriken, wie man gehofft hat, dem Dolksliede eine neue Heimstätte gewähren. Gerade hier tritt der Geist der neuen Zeit zutage. Die alte Zeit kannte noch nicht das rastlose Jagen nach Gewinn. Es

nur ein oder zwei Strophen mitfingen können. In dem Maße, in dem das Volkslied die Freude der Spinnstube gewesen ist, ihr Leben, ihre Unter­haltung, kann es auch nicht entfernt in den Fabrik­sälen heimisch werden, wenn es überhaupt da heimisch wird.

Aber noch in einer anderen Beziehung zeigt sich der Unterschied. Die alte Zeit hatte ihre Freude an den Volksliedern, deren Charakter bei uns das Langsame, Getragene war. Man wendet sich heute, so scheint es, den Liedern zu, die Rhythmus, Be­wegung, rasches Leben in sich tragen. Wie in die

Zeit selbst ein rascheres Tempo gekommen ist, so geht auch dieses in die Lieder über. Es ist merk­würdig, was für Lieder heute mit Vorliebe in den in den Verkehr eingezogenen Orten gesungen werden! Studentenlieder, wie: 0 alte Burschen­herrlichkeit, Müllerlieder, wie: Das Wandern ist des Mullers Lust, Rheinlieder, wie: Strömt herbei ihr Dölkerscharen, Gesangoereinslieder und ähnliche hört man viel, und es ist selten, wenn man am Sommerabend wie in alter Zeit einmal ein ein­faches, getragenes Liebeslied zu hören bekommt.

IV. Es bedürfte einer eigenen, großen Arbeit, zu zeigen, wie der aus der Stadt kommende Geist mit den oft so herrlichen alten Bräuchen und Sitten unseres Landes umspringt. Ich muß mir das für ein ander Mal ersparen. Aber an einer einzelnen, kaum jemals berührten Veränderung des Volkstums im Vogelsberge will ich hier nicht vor­übergehen. Die uralteBrait" im Junkerlande, d. h. in dem früher Freiherr Riedeselschen Gebiete, ist erloschen, und damit ein Brauch untergegangen, der meines Wissens, wie kein anderer im Deutschen Reiche die Erinnerung an die Eheschließung der früheren Jahrhunderte treu in sich bewahrt hat. Wohl ist der Name noch da, aber er bezeichnet nicht mehr, was sie eigentlich ist. Ein Gesetz hat sie unter­geben lassen, das in letzter Linie auch dem neuen Geist entstammt. Aber es wird nötig sein, erst ein­mal auseinanderzusetzen, was dieBrait" eigentlich war. Wie auch in den an Hessen angrenzenden Teilen Kurhessens, so ist es auch im Junkerlande Brauch, daß nur ein Kind, gewöhnlich ein Sohn, den ganzen Besitz der Eltern, Haus, Hof, Garten, Felder, Wiesen, Wald, wie auch alles Vieh und Ge­schirr bekommt, während die übrigen Kinder mit Geld abgefunden werden. Das geschah früher nicht etwa mit dem Tode des Vaters oder der Mutter, sondern bei derBrait", d. h. wenn der Sohn, der das Gut bekommen soll, sich verloben wollte. Der Bürgermeister als Ortsgerichtsoorsteher wurde da an einem vorher bestimmten Tage ins Haus der ins Auge gefaßten Braut gerufen und die Eltern der Braut und die des'Bräutigams verhandelten nun miteinander. Der Bürgermeister sollte eine Urkunde aufsetzen, wie viel die Braut in das Haus des Bräutigams an Geld mitzubringen hatte, wie viel künftighin die Eltern an Wohnung, Lebensmitteln und Lehrgeld zu beanspruchen hatten, und wie viel den Geschwistern des Bräutigams, in dessen Haus die Braut sich verheiratet, ausbezahlt werden sollte. Es ist falsch, wenn man diesen Akt, in dem ein Kind vor seinen Geschwistern als bevorzugt erscheint, als ganz ungerecht verdammt, wie ich das oft in andern Teilen Oberhessens hören mußte. Ich habe es nicht einmal, sondern vielmals erlebt, daß in kinderreichen Familien sich die Kinder der Reihe nach weigerten, das Gut zu übernehmen, weil sie durch den oft großenAuszug" (= die jährliche Abgabe des Kindes an die verbleibenden Eltern), wie durch die Herauszahlung an die Geschwister sich einen großen, schweren Klotz für ihr Leben lang ans Bein zu binden fürchteten. Aber die Brait war mehr als dieser rechtliche Akt. Wenn siegeraten" war, d. h. wenn man von beiden Seiten über die heraus- zuzahlenden Beträge einig war, erfolgte sogleich die Verlobung. Es ist nicht einmal, sondern oft vor- gekommen, daß die Brait nichtgeriet", und daß man unverrichteter Sache nach Hause ging. Damit fiel die Verlobung ins Wasser. Eine immerhin pein­liche Sache, weil die ganze Verwandtschaft beider Teile vorher von der Brait benachrichtigt war und nur auf den Abschluß wartete, um sofort ins Haus zu strömen und das Ereignis zu feiern. Aber wenn die Brait ihren guten Abschluß gesunden, dann gab es im Hause der Braut ein großes Fest. Es wurde gesungen, getrunken, gegessen, die Feier dauerte die ganze Nacht hindurch. Sie war bedeutender, all­gemeiner, als die ein paar Wochen folgende kirch­liche Hochzeitsfeier. Sie war im Grunde genommen die eigentliche Hochzeit. Sie hieß auchdie erste Hochzeit". Denn sie gab nach den Anschau-

von Traum und Leben. Die große, erlauchte Mitte aber gab dieses Licht an den halbgeöffneten Altar- platz weiter, der sich nach Sonnenaufgang zu aus dem Bann der Kreise hinausschob und in die Feier­lichkeit einer strahlenden Apsis mündete. Wie diese Helle lockte, wie heiter sie zu sich hinüberlud. Sie spielte den Jubel ihres Lichtes gegen die dunkle Schönheit der Mitte aus und wußte dennoch, daß sie nur eine Dienerin war in dem Traum unlös­licher Einheit. Ich trat langsam näher: jeder Schritt auf diesem Boden zwischen den roten und grauen Täfelungen der Pfeiler, zwischen dem warm- und stillleuchtenden Marmor der Säulen war scheu, fast furchtsam: denn jedes Weitergehen war das Verlassen einer. Schönheit, in die sich gerade die Sinne gefangen hatten, und brachte eine neue, die der früheren feindlich war. Und als die Augen eben schon das wallende Licht über dem Altäre, die Wände und Kuppeln mit allem Uebermaß der schil­lernden Mosaikbilder, mit allem Aus- und Jnein- anberftrömen undeutbarer Farben in einer Schau zu nehmen versuchten, mußte der Blick noch ein­mal anhalten vor dem blühenden Steinfiligran der Altar-Schranken, in dem das reine Gold der Mor­genluft flimmerte. War die Sonne aus den Wolken gebrochen? Ueber meine Füße fiel der Schatten einer Säule: so mußte draußen die Sonne scheinen. Als ich die Augen wieder aufhob von den Blumen der Steinranken, von den Clematissternen, den offenen Lilien und Diclytraherzen, bebten die Lider vor der weißgoldenen Welle, die aus dem Fenster wallte und sich in die Mitte ergoß, vorbei an dem Glanz der Bilder, die alle Wände und Decken- gcwölbe dieses Raumes schmückten und durch vier­zehn Jahrhunderte die ungebrochene Kraft ihrer Schönheit bewahrt hatten. Welche Glut des Glau­bens hat die Erfinder dieser Gemälde beseelt, wenn

sie den Ruhm Gottes und das Wunder der Ent­sühnung in einer solchen Saat von Farben aus» gießen konnten: wenn sie die Gabe hatten, aus all diesen Sternen, diesen kleinen Bögen und Punkten, diesen Zacken und Pierecken, diesen Kreisen und Kreuzen, aus dem Gewühl dieser Blumen und Gir­landen einen solchen Jubel von Anbetung zu schaffen, daß kaum noch die Frage aufsteigt, wer die menschlichen Gestalten sind, deren Legende in der flammenden Buntheit der Ornamente ihre Sprache verloren haben. Was sind sie anders, als selbst ein Ornament, eine kaum erbebende Melodie in der unteilbaren Gewalt der Toneinklänge? Was be­deutet es, daß wir wissen: hier throne Christus in der Kuppel der Apsis und dort, über der linken Seitenwand, opferte Abraham seinen Sohn Isaak? Nur zwei Mosaikbilder sind in die Wand eingefügt, die fremd im Jubel dieses Gotteshauses bleiben und grausam unvermittelt den wehen Hintergrund erschließen, auf dem die mittelalterliche Geschichte Ravennas seit dem Untergang der Goten ruht: Es sind die Gemälde des kaiserlichen Hofstaates, auf der einen Seite Justinian mit seinem Gefolge, auf der anderen Theodora mit ihren Frauen. Wie ausge­brannt ist das langgezogene, regungslose Antlitz der kaiserlichen Hure, die sich in ihrer Jugend den Soldaten preisgab und als Geliebte des slawischen Abenteurers den Thron erklomm . . . wie liegen ihre kranken Sinne offen um diesen blutjungen Mund und die übergroßen, unersättlichen Augen. Sie schreitet der Kirche zu, ihre Hände tragen ein goldenes Weihgefäß. Je tiefer der Blick sich in das Scheinbar-Tote dieser Mosaiksteine einsieht, desto erschreckender wird das Leben in den halbverwüste­ten Gesichtern deutlich und das Fieber, das in diesen strengoerhüllten Körpern auf- und niederfliegt. Die Kleider sinken, lüstern und schamlos, der Heiligen­

I schein um den Kopf der Kaiserin taucht in den schwachen Dunst von hellem Blute, nackte, hagere Hüften zeigen ihre heiße Blässe, fallende Schultern und erschöpfte Brüste, auf denen nur das Mal der Warze brandrot slackt. Armselige, mißbrauchte Leiber, an denen nichts mehr blühend ist und den­noch nichts gestillt. Wer bist du, Nachbarin Theo­doras zur Linken, in deinem karminfarbenen Ge­wand mit den breiten Goldborten und dem hellen Ueberwurf der Schultern, den deine rechte Hand fest- hält? Bist du vielleicht Eudoxia, die Gemahlin Belisars? Welche Nächte mußt du gesehen haben, wenn du es wagen darfst, dich so an die Kaiserin zu lehnen. Und du, Nächstfolgende im hyazinth­blauen Kleid und rostbraunen Ueberhang, du, mit den wundervollen Brauen und der schmalen Nase, mit der übersatten Frucht des Mundes und den schweren Lidern über der glühenden Ruhe der Pupillen? Noch ist eine Beherrschtheit in dir (ober ist es eine Grausamkeit, die es gewohnt ist, ihre Opfer zu verachten?), aber deine Hand ist krank und kündet auch dein Schicksal. Vielleicht wolltest du nicht mit hinabgezogen werden . . . aber deine un- willkommene Tugend hätte leicht an einer zarten seidenen Schnur enden können. Nur der einen, der allerletzten begleitenden Frau, ist ein Hauch nicht ganz ertöteten Gefühls in dem traurigen Gesicht stehen geblieben. Sie hat sich abgewandt, ihre Augen suchen irgendeine fremde, ausgelöschte Ferne.

San Vitale! Heller Ruf des siloernen Hornes im Morgenwind . . . Der Traum des besudelten Purpurs zerstob. Nur das eine wollte nicht zum Schweigen kommen: daß Theodora die goldene Schale zum Altäre trägt. Was war der Glaube dieser Frau, der um ihr Haupt den Schein der Heiligen wob? Die halbverschüttete Sehnsucht ihrer Seele? Die letzte Raserei der Sinne, die in Kastei­

I ung endet? Da stieg das letzte der Gesichte auf: wie sie den schlaffen Körper über die scharfkantigen Stufen vor dem Tisch des Herrn emporwirft, ohne auf die Schnitte und Risse zu achten, und die müden Brüste gegen die aufftadjelnbe Kälte des Marmors preßt. Die Hände, von der Ueberzahl der Ringe ge­lähmt, umklammern die Peitsche, die Schläge pras­seln nieder, über den Rücken, an dem sich die Rippen abzeichnen. Langsam rieselt das Blut ... Die Nüstern stehen gebläht . . . Dust und Dunst des eigenen Blutes, als Opfer dem Gekreuzigten ge­bracht, der aus dem glühenden Mosaik durch den Rauch zu süßer Kerzen niederlächelt . . . Letzter Kuß der verirrten Lippe auf den üppigen Mund des Gottes-Sohnes . . . Und viele Stunden später das Erwachen im tiefgebämpften Lichte des Bade­gemaches, wo in den silbernen Becken die Düfte der weißen Nelkenkörner verpuffen und die Sklaven auf das erste befehlende Wort der Herrin warten, deren Haupt wie leblos im Schoße der Eudoxia ruht ... 0 Qual eines kaiserlichen Namens! Theo­dora, die Gottgeschenkte, Name einer Büßerin, die das Kreuz der Liebe trug und alle, deren Leben sie berührte, an ihrem verachteten Leiden mitleiben ließ . . . Unmerklich hatte sich bas Bild vor mir ge­ändert. Nur das Herz blieb sehend ... bas letzte der Gesichte losch aus. Nur bie Seele ber Farbe gab noch Antwort unb verkündete nichts anders mehr als die Inbrunst des Künstlers, der das Nebenein­ander dieser Gestalten, den Fluß der Gewänder, das Lorbeergrün des Fußbodens und bas weiche Gold bcs angedeuteten Himmels in die Rhythmen seines schöpferischen Geistes zwang: unbekümmert um die Tragödien des Blutes, die in diesen Menschen wohnten. Sein Name ist vergessen: aber seine Liebe zur Schönheit ist ewig in ihrer zeugenden Kraft.