Erstes Blatt
Giestener Anzeiger - Iubiläums-Ausqabe
Seite 7
Westgrenze des Kreises Friedberg her; mit der Süd. grenze der Provinz läuft ein Stück der gleich unten zu besprechenden Scheide zwischen b r o u ö e r/ bruber, gout/gut u. ä. zusammen. Aber die Formen f e a l d und b r o u d e r gelten wieder nicht für die gesamte Provinz. Jedenfalls ist das Oberhessische im weiteren Sinn auf die oben angewandte Weise so eingegrenzt, daß der Oberhesse jederzeit an folgendem kurzem Satz zu erkennen ist: ich esse am b e ft e(n) dos a i ohne peffer; nord- licher würde es heißen: ik ete ani besten dot ai ohne peper; östlich: i ch esse am besten das ei ohne feffer; südlich: am beschde ohne peffer (oder noch südlicher: ohne Pfeffer); westlich: ich esse am besten dot c t ohne peffer.
Ich gehe dazu über, einige wichtige Linien her. auszuheben, die unsere Provinz selbst in oer* schiedene Gebiete zerlegen, Lautlinien sowohl, wie auch wortgeographische Grenzen. An Lautlinien ist zunächst der schon oben erwähnte Unterschied zwischen b r u d e r und brouder zu besprechen. Diese Linie beginnt an der dat / das - Grenze nördlich von Dillenburg, geht bei Marburg über die Lahn, läuft zwischen Homberg und Kirtorf durch nach Süden, östlich an Schotten, südlich an Herbstein vorbei, zwischen Schlüchtern und Geln- baufen durch südwestlich auf den Main zu; nach einer kleinen Ausbuchtung ins Starkenburgifche wendet sie sich wieder nördlich und zieht östlich an Mainz_unb Wiesbaden vorbei, bann im Norden dieser ötabt mit einer Wendung nach Westen wieder zur bat- Linie. Der größte Teil ber Provinz sagt b r o u b e r, brourer, das östliche Stück bes Kreises Alsfeld und ber größte Teil von Lauterbach haben bruber, brurcr. Ich nenne ferner bie Grenze, bie noch ein weiteres Stück im Nordoften unserer Provinz adschneibet, bie Linie e i s / i s. Sie kommt von der i k / i ch. Grenze her, betritt zwischen Alsfeld und Grebenau die Provinz, zieht westlich an Lauterbach vorbei und verläßt südöstlich von Herbstein Oberhessen wieder, um zwischen Fulda und Schlüchtern hindurch auf die appel/apfel- Grenze zuzustreben. Fast ganz Oberhessen hat also eis; nur der Nordostteil des Kreises Lauterbach unb vom Kreise Alsfeld die Orte Reimenrod- Schwarz und östlich davon zeigen i s. Uns Gießener geht besonders nahe die dritte zu nennende Linie an, die Grenze zwischen flasch und slesch. Diese zweigt nördlich Hillenburg von der bruber/ brouder.Linie ab, geht im Zickzack in süböst- licher Richtung auf die Provinzgrenze zu, bie sie dicht nördlich von Gießen überschreitet; hier wendet sie sich scharf nach Osten und läuft zwischen Laubach und Grünberg durch wieder auf die brouder/ bruber« Linie zu. Ich könnte noch eine Reihe anderer Lautgrenzen anführen; etwa bie Linie, die die Entsprechungen für schriftsprachliches nichts scheidet und die Kreise Friedberg und Büdingen Dom Westen nach Osten durchzieht: naut heißt es im Norden, niks im Süden einer Linie, die etwa über Ober-Mörlen, Nauheim, Steinfurth, Södel, Melbach, Dorheim, Beienheim, Dorn-Affenheim, Nieder, und Ober-Florftadt, Leidhecken, Nieder- Mockstadt, Heegheim und Glauberg als südlichste naut- Orte zieht. Oder die dreifache Teilung des westlichen Teiles unserer Provinz durch die Wiedergabe des schriftsprachlichen u n s ; u n s im Sübwest- zipfel des Kreises Friedberg, u s tm größten Teil dieses Kreises und im Kreis Gießen südlich einer Linie Großen-Linden—Watzenborn—Garbenteich— Steinbach, Nieder- und Ober-Bessingen, Röthges; nördlich dieser Linie aber o i s im Westen, i s im Osten, so daß Wieseck, Rödgen, Oppenrod östlich der o i s / i s - Linie bleiben.
Aber ich wende mich zur Darbietung einiger wortgeographischen Grenzen. Da ist zunächst die südlichste Linie, die Rahm gegen nördlich Schmand abgrenzt; sie durchzieht die Provinz Oberhessen von Südwesten nach Nordosten, an Ufingen, Friedberg, Schotten. Lauterbach vorbei. Etwas weiter nördlich und mehr im Zickzack verläuft die Linie zwischen leer und lebig. In ben Kreisen Friedberg, Schotten (größtenteils), Büdingen, Lauterbach und einem Teil vom Kreis Gießen und Alsfeld ist die Scheuer ober ber Topf leer; im größten Teile des Kreises Gießen und einem Stück von Alsfeld aber ledig. Nördlich einer Linie Wetzlar—Gießen—Laubach—Schotten— Gedern—Schlüchtern heißt es Sonnabend, südlich Samstag. In der Umgegend von Gießen und im Süden der Provinz bis etwa zu einer Linie
Schotten—Gedern zackert der Bauer; nördlich davon aber und östlich ber Linie Scholien—Boden- housen—Kirtorf ackert er; im nörblichen Kreis Gießen hört man statt dessen auch ehren. Der Speicher des Hauses heißt in ben Kreisen Büdingen lind Lauterbach und in Teilen von Schotten und Alsfeld Boden; in der westlichen Wetterau Speicher, im Kreis Gießen und im westlichen Kreis Alsfeld Oberlaube u. ä. Im Süden der Provinz geht der G i ck e l ober Gockel mit den Hinkeln spazieren; dann kommt ein Gebiet, wo der G i ck e l ober Gockel mit ben Hainern geht, im Norben des Kreises Alsfeld aber wieder mit ben Hinkeln; unb im Norbwesten, nörblid) einer Linie Allenborf—Homberg tut es nicht mehr ber Gickel, fonbem ber H o n e. Und zwar können sie dabei östlich einer Linie Alsfeld—Gedern- Soden—Salmünster in der Spreu oder S p r e i scharren, westlich davon aber in der <5 p r a u. In
Don der Denkmalpflege in Oberhessen.
Bon Geheimen Baurat Heinrich Walde, Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt
Die Schriftleitung hat mich aufgeforbert, für bie uorliegenbe Festnummer einen Bericht über bie Denkmalpflege in Oberhessen zu geben. Ich tue dies um so lieber, als die Denkmalpflege nicht in gleicher Weise durch ihre eigenen Taten sprechen kann wie eine neu schaffende Kunst. Ihre Aufgabe ist es, Bestehendes zu „pflegen", also zu erhalten und in- standzufetzen. Zuweilen wird solche Pflege äußerlich überhaupt nicht sichtbar, zum Beispiel an Ruinen — bann ist sie, vom ästhetischen Standpunkt betrachtet, sicherlich gut. Andererseits ist oft bie Verwahrlosung unb Verunstaltung an alten Bauten so er»
Der Präsident des Hessischen
Landtags, Herr Bürgermeister Adelung.
Die Geschichte einer Zeitung ist Weltgeschichte schlechthin. Alles große und kleine Geschehen des Tages findet seinen Niederschlag in den Spalten der Zeitung, jede Entwicklung in Politik, Wirtschaft und Kultur spiegelt sich wieder in der Zeitung; sie ist Chronist und gleichzeitig Kämpfer für eine Idee.
Fast zwei Jahrhunderte sind seit den Anfängen des „Gießener Anzeiger“ dahingegangen, eine Zeitspanne, in der sich das Gesicht der Welt vollkommen gewandelt hat; in Wissenschaft und Technik hat der Menschengeist in ungeahntem Ausmaße neue Wege und Möglichkeiten erschlossen. Aus der Vielheit der deutschen Staaten ist ein einiges Deutsches Reich geworden. Eine neue Staatsform hat sich in Deutschland entwickelt, in der der Wille des Volkes oberstes Gesetz ist.
Das deutsche Volk ringt zur Stunde um Aufstieg und Geltung; es bedarf in dieser schweren Zeit einer Presse, die ihm treuer Mentor und Wegbereiter ist. Die Demokratie hat die Verantwortung für das Staatsganze auf die Schultern der breitesten Volksschichten gelegt. Das Gefühl dieser Verantwortung muß gestärkt und die Einsicht geschult werden. In diesem Ziele trennen keinerlei weltanschauliche Gesichtspunkte.
Zu dieser großen Aufgabe der Gegenwart und Zukunft entbiete ich dem „Gießener Anzeiger" an seinem Ehrentage herzliches „Glück auf“.
ben meisten Gegenden ber Provinz kämmen sich bie Frauen die Haare, in Teilen des Kreises Gießen st r ä h 1 e n sie sich aber, anderwärts macyen sie die Haare ober das Haar. In ber westlichen Wetterau steht neben der Deichsel die Geisel, neben Peitsche die Gaschel.
Es wären noch viele derarttge Unterschiede anzuführen; und die aus diesem an sich schon intcr« essanten Stofs gezeichneten Karten lassen noch viel wichtigere Fragen auftauchen, die Fragen der Wortwanderung und Wortverdrängung, nach Verlust und Ersatz, Kontaminationen, Restwürtern unb Neubildungen. Vor allem fragt wohl auch ber Leser dieser Zeilen: warum verlaufen diese Grenzen gerade so und wie entstehen sie? Die Mundart, geographie gibt Antwort: nicht alte Gau- ober Stammesscheiden sind es, nicht lediglich natürliche Grenzlinien, sondern die politischen Grenzen der spätmittelalterlichen Territorialgeographie geben hauptsächlich Anlaß zur Entstehung von Mundart- unterschieden. Diejenigen Leute, die zum selben Territorium gehörten, gingen zum selben Orte zu Markt und Gericht, sie heirateten untereinander. So kam es zu einer Mischung und zum Aus- gleich in ihrer Sprache. Die Angehörigen des Nach, barterritoriums machten es unter sich ebenso. Zwischen den beiden Territorien aber entstehen Unterschiede und damit sprachliche Grenzlinien. Durch jede Aenderung der politischen Grenze ver- schiebt sich der Verkehr, damit entstehen aber neue sprachliche Mischungen, neue Grenzen. Doch die Enge des zur Verfügung stehenden Raumes verbietet es, näher hierauf einzugehen.
schreckend groß, daß das Eingreifen der Denkmalpflege fast einem Neufchaffen gleichkommt. Wie weit man in solchen Fällen gehen darf, ist eine Frage der Pietät und des künstlerischen Taktes.
Seit dem 16. Juli 1902 gibt es ein Denkmalschutzgesetz. Denkmalpflege gibt es schon länger. Sie geht zurück in die Zeit, die ben großen geschichtlichen Umwälzungen folgte, wo auch bie Gleich- gültigfeit dem historischen Besitz gegenüber am größten war, in den Anfang des verflossenen Jahr- Hunderts. Damals gab man die Klosterkirche von Arnsburg dem Abbruch preis, legte die Liebfrauenkirche am Dom in Mainz, die Johanniskirche am Dom in Worms nieder. Da erhob sich mit Recht, wenn auch zunächst nur vereinzelt, der Unwille gegenüber solcher Beseitigung alten Kulturgutes. Im historischen 19. Jahrhundert griff der Denkmal- schutzgedanke weiter um sich und fand in Hessen schließlich seine feste Form in einem Gesetz.
Der Inhalt des Gesetzes ist wenig bekannt. Man weiß in ber Regel nicht, baß ber Staat zwar bie Macht hat, den Personen öffentlichen Rechts — also den politischen und kirchlichen Gemeinden — Veräußerungen und Veränderungen an Gebäuden und Gegenständen, die Denkmalswert besitzen, zu untersagen, daß aber Privatpersonen gegenüber ein solches Recht sehr beschränkt ist. Privatpersonen haben die gesetzliche Verpflichtung, den Denkmalpfleger zu hören, unb müssen seine Entscheibung abwarten; sie sind aber, wenn die Veränderung nicht geradezu einer Beseitigung gleichkommt, an die Anordnungen des Denkmalpflegers nicht gebunden.
Wird die Beseitigung eines Denkmals untersagt, so muß der Privatmann als Besitzer entschädigt werden, wenn er Schaden erleidet. Auf den ersten Blick er- scheint diese Nachgiebigkeit gegenüber dem Privat- besitz als bedenkliche Schwäche. Und doch hat sie sich bewährt. Der Denkmalpfleger ist weniger die mißliebige Aufsichtsperson geworden, bie man zu meiben sucht unb der man Maßnahmen verheim- licht, als vielmehr ber Ratgeber, den man ruft und mit dem zusammen man erwägt, wie weit den praktischen Forderungen unb wie weit denen der Denk- malpflege Rechnung zu tragen ist, unb ob nicht schließlich beibe miteinander sich vereinigen lasten. So allein war es möglich, Einfluß und Vertrauen zu gewinnen und der guten Sache in weitesten Streifen zur Anerkennung zu verhelfen.
Es versteht sich von selbst, daß bie Denkmalpflege zunächst auf Mißtrauen unb Widerftanb stieß, daß sie in vielen Fällen ihren Willen nicht burchsetzen konnte. Wenn man ben realen Forbe- rungen bes Lebens, des Handels unb des Verkehrs gegenüber machtlos die Segel streichen muß, so mag das hingehen — schwieriger ist es, Entsagung zu üben, wenn man infolge offensichtlicher Verständnislosigkeit ober kleinlicher Erwerbssucht hohe Kulturwerte bahinschwmben sieht. Alles in allem aber kann man erfreulicherweise es aussprechen, baß ber Sinn für die Denkmalpflege in allen Schichten der Bevölkerung immer mehr Baden gewinnt. Wird doch der Rat des Denkmalpflegers von Jahr zu Jahr immer häufiger begehrt, zur Zelt so stark, daß den Ansprüchen nicht Genüge geleistet werden kann.
Die Ausgaben der Denkmalpflege sind sehr viel- feiti$. Es geht um Kirchen und Rathäuser, um Schlösser, Bürger- und Bauernhäuser, um Burgen unb Stabtmauern, um Straßenbilder unb 'Bebauungspläne, um bewegliche Gegenstände aller Art, Skulpturen unb Gemälbe, Orgeln und Altäre, Glücken unb kirchliche Geräte, um elektrische Lichtanlagen, um Kriegerehrungen unb dergleichen mehr. Eine der segensreichsten Bestimmungen des Gesetzes ist, daß auch die Umgebungen der Denkmäler unter Schutz gestellt werden. Sie hat schon manche Beeinträchtigung von Kirchen und Rathäusern ver- hindern Helsen, zumal in jetziger Zeit, wo aller Orten auf Kirchplätzen unb Märkten Denkmäler er- richtet werben.
We.m auch oft große Aufgaben in der Wiederherstellung von Kirchen und anderen großen Gebäuden gestellt waren, so wurde doch ein besonderer Wert auch auf das scheinbar Nebensächliche und doch so Wichtige gelegt: auf bie Erhaltung bes Heimatlichen, also bes für Oberhessen Typischen.
Aufgaben besanbers schwieriger Art ergaben sich in der Behandlung der alten Malereien, die bei Wiederherstellung von Kirchen ans Tageslicht traten. Hier leisteten unschätzbare Dienste der Maler Hermann Veite aus Niederramstadt, und neben ihm der Maler Otto K i e n z l e aus Traisa. Sie haben — der erstere schon seit 1903, als es galt, die Bilder von Fraurombach bei Schlitz auf- zunehmen — viele alte Malereien freigelegt und in natürlicher Größe gewissenhaft ausgenommen, haben sie auch wieder zur Geltung zu bringen gewußt mit der Entsagung und Zurückhaltung, die den alten Kunstschätzen gegenüber geboten erschien. Und in dieser eindringlichen Beschäftigung mit alter Kunst hoben sie die Schule gefunden, die sie befähigte, in freiem Schaffen Kirchen und andere Räume neu auszumalen und — was nicht zu unterschätzen ist — unzähligen Weißbindern künstlerische und technische Anweisung zu geben. Die Farbe ist nicht minder wichtig als die Form, und an der Wiedergeburt so manchen Kirchenraumes ober Rathaussaales, an der guten Erneuerung so manchen Hausanstriches gebührt ihnen ein Hauptverdienst, mögen sie selbst die Arbeit durchgesührt ober nur Rat erteilt haben.
Jederzeit fanden die Denkmalpfleger die regste Unterstützung bei ben Baubeamten bes Laubes. Ihnen war in ben meisten Fällen bie Ueberwachung ber Arbeiten anoertraut. Höchst erfreulich war es auch, wie verstänbnisooll bie Hüter ber zahlreichsten unb wertvollsten Denkmäler, bie Geistlichen, bas Wirken ber Denkmalpflege schätzten und förderten.
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Wannenbad 1 .—3. Kl. und Brausebad. Montag: 2V,—7,DienStag, MlttwochundDonnerstag8-l,2*/,-7,FrettagundSamStag8-7 Dampf- oder Heißlustbad und römisch-irisches Bad für Herren: Mittwoch 10-1, Donnerstag 10-1, 21/*~7, Freitag 10-2% Samstag 10—7, für Damen: Mittwoch und Freitag 21/i-7 Medizinische Bäder werden im Wannenbad verabfolgt
Schwimmunterricht während der Öffnungszeiten der Schwimmhalle
Kassenschluß: 20 Minuten vor Schluß der Badezeiten
Kohlensäure-, Sauerstoff-, Salr-, Fichtennadelbäder usw. Berkaus von Badematerialien • Verleihung von Badeanzügen usw.
Aufbewahrung von Badewäsche


