Ausgabe 
29.10.1925
 
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GietzenerAnzeiger

1750 Jubiläums-Ausgabe 1925

Druck und Verlag: Brühl'fche Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange» Gießen

(Bleßen, Alte griedhosskapelle.

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Bicß'n, Durgmanne^haus.

Gießen, Blick auf die Stadtkirche.

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Zum Geleit

H^^^is in die vorchristliche Zeit zurück ist die Verbreitung von Nachrichten geschichtlich erweisbar. Schon die Römer gaben den Statthaltern ihres ausgedehnten Reiches die Anordnungen der Zenttalgewalr bekannt durch schriftliche Mit­teilungen auf Wachstafeln und Papyrus. Im mittelalterlichen Deutschland verbreiteten die regierenden weltlichen und geistlichen Herren, sowie die großen Raufhcrren Nachrichten von ihren Höfen undaus aller Welt", die in den Ranzleien und Schreibstuben ver- faßt, handschriftlich vervielfältigt und mir Sendboten nach allen Gegenden ihres Interessengebietes alsNeue Zeitungen" verschickt wurden, meist als Beilagen zu Briefen privater Natur. Erft später erfolgte der versand durch die poft.

Daneben wurden schon im 16. Jahrhundert gedruckteNeue Zeitungen" und Flug­blätter in unregelmäßigen Zeitabständen herausgegeben. Regelmäßig erschienen die Zeitungen" oderRelationen" gegen Ende des Jahrhunderts halbjährlich zur Messe unter der BezeichnungMesserelationen". Die ersten wöchentlichen Zeitungen wurden nachweisbar 1609 in Straßburg und in Augsburg verlegt. 1615 kam der Frankfurter Verleger Egenolph Emmel mit einer wöchentlich wiederkehrenden Relation heraus, der 1617 von dem Frankfurter Postmeister des Grafen von Taxis Ronkurrenz gemacht wurde mit dem Erfolge, daß 1628 durch kaiserliches Edikt nur das Erscheinen dieser amtlichen Zeitung" gestattet war.

Die älteste hessische Wochenzeitung ist in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Darmstadt erschienen. Einige Jahre später folgte dasGiesser Wochenblatt". Uber Ent­stehungsgeschichte und Entwicklung des Gießener Anzeigers wird in einem besonderen Aufsatze dieser Jubiläums-Ausgabe berichtet. Die äußere Erscheinung der Zeitung hat nach Form und Inhalt Schritt gehalten mit den technischen Möglichkeiten. Bis weit in das vorige Jahrhundert hinein erfolgte der Druck mittels Handpressen, deren Druckfläche nur kleinere Ausmaße zuließ. Erst mit der Einführung der J8H zuerst von Roenig ge­bauten Schnellpresse trat in dieser Hinsicht Wandel ein. Das Format wurde ver­größert, und die Drucklegung erfolgte in kürzeren Pausen. Aber auch die Schnellpresse, selbst die Doppelpresse, konnte mir der Zeit den steigenden Anforderungen an den Umfang und an die beschleunigte Ausgabe der Zeitung nicht mehr genügen. Deshalb wurde J90I bei gleichzeitiger räumlicher Ausdehnung des Betriebes eine achtseitige Rotations- oder Runddruckmaschine ausgestellt. Die andauernde erhebliche Steigerung der Auftage be­dingte schon 1912 nad) Errichtung eines Druckereineubaues eine weitere sechzehnfeitige Zeitungsmaschine. Uber die zeitgemäßen Einrichtungen in der Redaktion und im tech­nischen Betriebe zur Herstellung des Gießener Anzeigers in seiner heurigen Form wird an anderer Stelle berichtet werden.

Das Lesebedürfnis wuchs während des Rrieges bedeutend, und zwar in der Heimat sowohl als im Schützengraben, und steigerte sich bis in das Jahr 1921 hinein. Der Währungsverfall und der damit verknüpfte Vermögensverlust hat dann manchen treuen Anhänger gezwungen, sein Heimatblatt aufzugeben oder mit anderen Familien gemeinsam zu halten. Mit der Geldbefestigung gegen Ende 1923 trat ein Umschwung ein, und in kurzer Zeit hatte die Auftage des Gießener Anzeigers ihre volle Höhe wieder erreicht.

Der Aufstieg des Gießener Anzeigers ist natürlich nicht nur der technischen Vervoll­kommnung zuzuschreiben; Hand in Hand damit ging das Bestreben, den Textteil auszu­gestalten. Seit Oktober 1899 wurde die Mitarbeit von Berufsredakteuren herangezogen. Damir begann der Ausbau des Gießener Anzeigers zu einem Provinzblatt. dieser Eigenschaft hat er nicht etwa die Aufgabe, ein Nachbildner der großen politischen Tages­zeitungen zu sein. Wohl hat der Gießener Anzeiger über alle politischen Ereignisse und Begebenheiten aus der gairzen Welt schnell, zuverlässig und sachlich zu berichten, nament­lich auch die Parlamentsverhandlungen entsprechend zu würdigen ; daneben hat aber eine provinzzeittmg mit ganz besonderer Sorgfalt die heimatllchen Verhältnisse zu berück­sichtigen, Rommunalpolitik im engeren und weiteren Sinne zu betteiben, sowie heimat­liche Rultur zu pflegen, und damit die Liebe zur engeren Heimat und letzten Endes zum deutschen Vaterlande in jedem Leser zu festigen. Die leitenden Richtlinien für den bis- herigen und weiterhin geplanten Ausbau des Blattes werden an anderer Stelle ein­gehender dargelegt. Daß der Gießener Anzeiger auf dem richtigen Weg ist, beweist nicht nur die Anhänglichkeit der treuen, ständig wachsenden Leserschaft, es geht auch aus der willigen, teils begeisterten Tätigkeit der vielen Mitarbeiter und aus den zahlreichen ftei- willigen Zustimmungen aus allen Schichten der Bevölkerung hervor. Auch aus den nach- folgend wiedergegebenen Glückwünschen zum Jubiläum des Gießener Anzeigers klingt die Anerkennung des Erstrebten und Erreichten heraus.

Die Ausgestaltung dieser Jubiläums-Nummer ergibt sich aus der ganzen Entwicklung des Gießener Anzeigers von selbst. Es kann nur gelten, der Leserschaft die Eigenart der Heimat und LhreAultur in Wort und Bild eindringlich vorzuführen. Möchten die mannig­faltigen Anregungen und Ratschläge in den verschiedenen Aufsätzen auf ftuchtbaren Boden fallen. Es bleibt vorbehalten, auf manchen Vorschlag im Laufe der Zeit noch näher einzugehen. Den Mitarbeitern aber, die ihren Baustein zu dieser Heimatgeschichte in liebenswürdiger Bereitwilligkeit geliefert haben, sowie dem ungen Rünstler, der manchen schönen Teil Gießens sowie der näheren und weiteren Umgebung mit der Zeichen­feder festgehalten hat, sei an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen. In das Gewand des Gießener Anzeigers eingekleidet und mit Bildern der Heimat geschmückt, geht diese Iubelnummer in die Hände der Leser über mit dem Gelöbnis, an dem seither Errungenen festzuhalten und den aus manchen der nachfolgenden Zuschriften heraus klingenden Erwar­tungen nach Rräften zu entsprechen. Immer eindringlicher soll es jedem Leser zum Bewußt- sein gebracht werden, daß der Gießener Anzeiger sein Heimatblatt ist und bleiben wird.

Gießen, Heues Schloß.

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Dießen, Marktplatz und Rathaus

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Gießen, Altes Schloß.

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