Jugend und Hochschule
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Lebens zubringen muh, geweckt und gefördert.
Mit dem Rufe „Farbe in die Schule!" kann Schulbehörde Bestrebungen wieder aufnehmen, schon vor dem Kriege als Kulturforderungen
Verwaltungsbehörden immer noch die Mittel sollten.
omnes virgines accessu, et mulieres, et mulieres agressu.
Aach einer amtlichen Veröffentlichung studierten im Winter-Semester 1924/25 an den deutschen Hochschulen insgesamt 9685 Ausländer. Am zahlreichsten sind darunter die Bulgaren vertreten, deren Zahl 1924 betrug. Es folgen dann Rumänien, die Tschechoslowakei, und Rußland. Der größte Prozentsatz an ausländischen Studenten stammt überhaupt aus den östlichen Ländern.
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die die be-
hinzu — lauteten:
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licher Weise getan hatten. Jetzt haben wir wieder den gleichmäßigen Pendelschlag erreicht: die neuen
ziemlich sein antikes Ansehen behalten, obgleich einige Verse ganz weggelassen sind, wodurch der Wohlstand beleidigt wurde und welche nach den akademischen Gesetzen nicht öffentlich abgesungen werden dürfen."
So erhielt denn das Lied die Fassung, in der es noch heute und wohl für alle Zeiten von alten und jungen Akademikern gern und begeistert gesungen wird.
Zum Schluß seien noch einige Angaben über das Leben des Magister Kindleben gemacht. Im Jahre 1748 in Berlin als Sohn eines Hand- toerferd geboren, bezog er im Oktober 1767 die ülniversität Halle, um hier Theologie zu studieren. Rach Beendigung des Studiums war er zunächst als Hauslehrer tätig, wurde 1773 Pfarrer in Kladow bei Potsdam, mußte sein Amt indessen bereits nach drei Jahren wegen einer unsauberen Weibergeschichte aufgeben. Cs folgte eine unstete Hauslehrertätigkeit, bis er 1778 bei dem bekannten Philanthropen Basedow in Dessau unterkam, wo jedoch infolge seines liederlichen Lebenswandels seines Bleibens auch nicht von langer Dauer war. Rach kurzem Aufenthalt in Leipzig und Berlin erwarb er 1779 in Wittenberg den Titel eines Magisters und Doktors und lieh sich zu Anfang des folgenden Jahres in Halle nieder, wo er mehrere moralische Wochenschriften herausgab und einen Roman „Leben und Abenteuer des Küsters von Kummersdorf Willibald Schluterius", ein Gegenstück zu Jacobis „Sebaldus Rothanker", veröffentlichte. Im April 1781 habilitierte er sich nach großen Schwierigkeiten in der philosophischen Fakultät der Tlni- versität Halle, mußte diese inMfen bald wegen! der von ihm herausgegebenem sicherlich zu Än- reckt von der preußischen Regierung beanstandeten und konfiszierten „Studentenlieder" verlassen. Gr ging nach Leipzig, sank von Stufe zu Stufe und ist um das Jahr 1785 — wo, läßt sich nicht nachweisen, vielleicht in Dresden — gestorben.
Das Volk der Deutschen nicht untergehen. „Alle Zeitalter, alle Weisen und Guten,
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Farbe in die Schule!
Von Dr. Hermann Dreyhaus.
Ubi sunt qui ante nos Venies ad tumulos, Cineres et vermes sunt, Surge, surge, vigila in hoc mundo fuere? si eos vis videre. Garnes computruere. semper esto paratus.
Woher das heutige Eingangswort „Gaudeamus“ stammt, ist bisher noch nicht nachgewiesen. Jedenfalls gab es bereits im 15. und 16. Jahrhundert Trinklieder, die mit „Gaudeamus“ begannen. Erich Schmidt nimmt an, daß der Anfang der Liedes einem Weihnachtsltede aus dem 15. Jahrhundert nachgebildet ist. welches also endet: „Gaudete, gaudete. Gaudeamus, iocundemur itaque.“
Die älteste bekannte Fassung des Liedes findet sich in einem handschriftlichen Studentenliederbuche, daS um daS Jahr 1740 von dem Baron Ernst Friedrich von Crailsheim auf der Tlniversität Altdorf zusammengestellt ist. Hier folgt, wie es dann auch Kindleben tat, jeder lateinischen Strophe eine entsprechende deutsche Hebersetzung in Reimen. Das Lied bestand indessen damals nur aus folgenden drei Strophen:
Gaudeamus igitur luvenes dum^umus! Post molestam senectutem Nos habebit humus.
Ubi sunt qui ante nos In mundo vixere? Abeas ad tumulos Si vis hos videre.
Vita nostra brevis est, Brevi finietur;
Venit mors velociter
Neminem veretur.
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.... die jemals auf dieser Erde geatmet haben, alle ihre Ge- danken und Ahnungen eines Höheren umringen euch und heben flehende Hände zu euch auf; selbst, wenn
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erst bewiesen zu werden. Deshalb bietet die Notwendigkeit der Erneuerung des Anstriches eine Gelegenheit zur Anbringung von Färben, die der Jugend entgeqensprechen, ohne besondere Kosten zu verursachen. Dadurch wird der kasernenhafte Charakter so vieler Schulen vermieden und vor allen Dingen die Freude des Schülers an dem Raum unb dem Gebäude, wo er einen erheblichen Teil seines
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Wie wir sehen, enthält hier jede Strophe nur vier Verse. Der fünfte Vers wurde später dadurch gewonnen, daß -nach der beim Gesang wiederholten dritten Zeile jeweils eingefügt wurden „post exactam iuventutem“ bzw. „transeas ad superos“ bzw. „rapit mors atrociter“. So ist uns das Lied überliefert durch ein Jenenser Blatt aus dem Jahre 1776. Hier ist das Lied auch schon auf sechs Strophen angewachsen. Die vierte beginnt wie heute: „Vivat academia“, schließt aber „vivant nutritores“. („Dies ist der' offizielle Titel der fürstlichen Pfleger der herzoglich sächsischen Gesamtuniversität Jena", wie der eingangs erwähnte Durdach erläutert.) Die beiden folgenden Strophen — Kindleben fügte dann noch eine siebente, heute an sechster Stelle stehende
Das steht nirgendwo geschrieben. Vielmehr weiß jeder, daß alle Klassenrmunen nach Lage im Gebäude, insbesondere aber durch die Schüler, die sie besuchen, einen eigentümlichen Charakter haben. Warum bringt man den nicht zum Ausdruck?! Der Sextaner liebt eine andere Umgebung als der Tertianer oder Primaner. Man gebe jedem das Seinige! Die Sorge um den pädagogischen Einwand des Ablenkens schlage man nicht zu doch an, sie ist mehr theoretischer Natur und kann dec halb hier uncrörfert bleiben. Nein, man banne soweit wie möglich den Grundsatz der Eintönigkeit aus den Klassens Im besonderen trifft dies für den Schmuck der Klasse zu, gleichviel ob er in Wandbildern oder in Bildwerken besteht.
Nach den Grundsätzen des Arbeitsunterrichtes, wie ihn mit befonben m Nachdruck die preußische Schulreform vorsieht, soll Lernen Erleben sein, ede Klasse stellt einen eigentümlichen Lebensabschnitt dar. Das Erleben ist selbstverständlich am nachhaltigsten, wenn es unmittelbar i" 'def-Klasse geschieht. Dadurch wird die Individualität jeder Klasse noch mehr betont. Was bedeutet, daß zum Problem der Altersstufe noch die Frage nach Stoff- und Erziehungsziel hinzukommt. Dadurch wird ihre Aus- statturch bestimmt. Mit dem Worte Ausslattung ist allerdings heute noch allerlei Schmerzliches verknüpft. Es ist abhängig von der jeweiligen Finanzlage des Patronats der Schulen. Da müssen wir uns allerdings gestehen, daß unter dem Joche von Versailles die größte Sparsamkeit geboten ist. Aber schließlich, wo ein Wille ist, kommt auch ein Weg. Man stelle sich mir erst einmal in die vorstehend gezeichnte Richtung der Schulausstattung ein, man beginne mit der Farbe in der Schule und in den Klassen, der Bildschmuck wird sich bei Gelegenheit schon finden. Die Anteilnahme und Freude des jungen Geschlechtes wird sich später auch schon einmal in klingender Dankbarkeit auswirken, wenn den
Aufgaben des Geschichtsunterrichts stehen klar vor unseren Augen, handeln wir danach!
Krieg auf dem einzelnen wie auf dem Staate ruhen. Das deutsche Volk will wieder emporfommen, und deshalb sucht es nach Kräften, die Zeichen des Verfalles, mochten sie auch schon recht weit gediehen sein, wieder zu vertilgen.
In diesem Eifer um sichtbaren Wiederaufbau läßt die Schulbehörde einen Ruf vernehmen, der sich zwar in erster Linie an die Bauämter von Staat und Gemeinden wendet, und mit Recht! Darüber hinaus verdient er aber wegen seiner großen pädagogischen Wicktigkeit das Interesse der Allgemeinheit. Die Schulbehörde verlangt: „Farbe in die Schule!" Sie begründet ihre Forderung damit, daß sie darauf hinroeift, wie mit „beklagenswerter Ausschließlichkeit^ die meisten unserer Schulgebäude das Grau beherrscht, „die Farbe des Alters, des Verzichts und der Lebensverneinung". Unsere Schulen aber gehören der Jugend. Und wie sehr diese zur Farbe drängt, braucht wohl nicht
Freilich nicht nur der Geschichtsunterricht, sondern unser ganzes Schulleben muh von staatsbürgerlichem Geiste durchdrungen fein. Der Heranwachsende Schüler muh aus der Gemeinschaft in Erziehung und Tlnterricht die Gewißheit gewinnen, daß sein Leben und sein Wollen unlösbar mit dem Ganzen verbunden sind, dah er dem Staate gegenüber starke sittliche Verantwortung trägt. Staatsbürger zu werden, muß fein wichtigstes Ziel werden, dem Staate zu dienen, seine höchste Aufgabe. Die Freiwilligkeit der Betätigung des Schülers in Jugendverbänden und Jugendorganisationen darf deshalb von feiten der Schule kein Einhalt geboten werden. Die pädagogischen Bedenken, die gegen solchen Eintritt in mehr oder minder parteipolitisch gefärbte Jugendorganisationen geltend gemacht werden, sind sehr ernst zu nehmen. Rachdem aber — in völlig unpädagogischer Weife und sehr zum Schaden unserer politischen Verhältnisse — in der Verfassung das Wahlrecht auf das 20. Lebensjahr festgesetzt worden ist, muh die Möglichkeit der Sammlung gleichgesinnter Jugendlicher, denen diese wichtige politische Betätigung bald zufällt, bestehen. Wollte man — wie vorgeschlagen — den Eintritt der Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten in solche Organisationen von feiten der Schule verbieten, so würde das eine Minderung der Rechte dieses Teiles der Heranwachsenden Jugend gegenüber der aus der Volksschule entlassenen Jugend bedeuten, die vom 14. Lebensjahr ab das Recht völlig freier Selbstbestimmung hat. Allen Bedenken gegenüber müssen wir es immer und immer wieder betonen: Die Jugend hat das Streben zum Zusammenschluh, zur Betätigung ihrer Ideale. Mögen Elternhaus und Erziehung dafür sorgen, dah diese Ideale gesund sind! Die Derantwortung für diefen Zusammenschluß trügt der Heranwachsende Schüler, trägt das Elternhaus. Die Schule hat nur darüber zu wachen, dah Jugendliche nicht nach einseitigem Willen etwa dieses oder jenes Lehrers in Verbände hin- eingepreht werden und dah nicht Kampf und Gegenfählichkeit in politischer Hinsicht in das Schulleben hineinspielen.
Eine große Derantwortung tragen indes die, die berufen sind, Jugendorganisationen zu führen. Hält man sich hier von jeder Verhetzung fern, zerrt man die Jugend nicht vorzeitig hinein in Parteileidenschaft und Parteiseindschaft, legt man die auch hier zu leistende Erziehungsarbeit ganz an auf positive Auf arbeit, auf Stärkung politischen Verantwortungsgefühls, kurz auf staatsbürgerliche Erziehung, so arbeitet man mit an der großen Aufgabe der politischen Erziehung unseres Volkes. Mit der ewig wiederkehrenden Klage, daß wir das politisch unreifste Volk her Welt seien, ist nichts getan. Sorgen wir dafür, daß unsere Jugend politisch erzogen wird, dann wird das Volk politisch reif fein.
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Wie das „Gaudeamus igitur“ entstand.
Von Dr. Erich Sellheim
Halle, die alte Musenstadt, die von ihrer Gründung an in der Geschichte der deutschen Uni- versitäten und des beutfd)en Studententurns stets an führender Stelle gestanden hat, darf für sich ben Anspruch erheben, den Mann in ihren Mauern beherbergt zu haben, der einem unserer markantesten und beliebtesten Studentenlieder, dem „Gaudeamus igitu r“, die jetzige und wohl endgültige Fassung gegeben hat. Es war dies der Magister Christian Wilhelm K i n d - leben, ein höchst begabter, aber moralisch haltloser Mensch, der das Lied in seine 1781 erschienenen „Studentenlieder" aufnahm. Ein „dissolutes" Talent nennt ihn Konrad Durdach, der anläßlich der 200-Jahrfeier der Halleschen Universität 1894 einen Reudruck der Kind- [ebenfd>en Studentenlieder besorgte und dem wir auch in den nachstehenden Ausführungen als Gewährsmann folgen.
Als der erste Vorläufer des „Gaudeamus“ ist wohl ein Vagantenbußlied „De contemptu mun- dano" anzusprechen, daS in einer Handschrift aus dem Jahre 1267 vorliegt. Es handelt sich um ein ehemaliges kirchliches Weihnachtsfest, mit dem Teile aus mittelalterlichen Vagantenliedern verschmolzen worden sind. Es finden sich hier u. a. folgende Verse:
Vita brevis, brevitas Mors venit velociter. Omnia mors perimit Surge, surge, vigila in brevi finietur; et neminem veretur; et nulli miseretur semper esto paratus.
Die politische Erziehung unserer Jugend.
Von Staatsminister a. D. Dr. Doelih .
M. d. pr. L.
Die Forderung nach völliger Entpolitisierung der Schule wird heute mit demselben Recht erhoben wie die zwingende Forderung nach stärkerer Erziehung der Jugend zu politischem Denken und zur Fähigkeit und zu dem Willen staatsbürgerlicher De- t ä t i g u n g. Dcide Forderungen bilden keineswegs^ einen unversöhnlichen Gegensatz. So sicher die wchule Erziehungsschule ist und ihr Ziel die Erziehung zum Staatsbürger sein muß, so sicher hat sie sich fernzuhalten von einseitiger politischer oder gar parteipolitischer Beeinflussung der Jugend, vor allem der noch unreifen Jugend, deren Mißbrauch zu parteipolitischer Betätigung etne Versündigung an der Jugend bedeutet.
Jeder vernünftige Mensch wird deshalb der Forderung beipflichten, daß die Parteipolitik aus der Schule völlig und unter allen Tim ständen z u verbannen ist. Der Lehrer steht vor seiner Jugend als vor einer Summe von Individualitäten, von denen jede einzelne innerlich bestimmt ist durch Herkunft und Milieu. Die höchste Aufgabe des Lehrers und Erziehers kann deshalb nur darin bestehen, unter Vermeidung einseitig parteipolitischer Festlegung, jeden einzelnen nach seinen intellektuellen und moralischen Anlagen zu fördern und zu erziehen, daß ihm die Grundlage zu selbständiger Stellungnahme zu den politischen Problemen der Gegenwart gelegt wird. Der Heranwachsende Schüler muß ergriffen sein von der sittlichen Idee des Staates, von der Tleberzeugung von der Rotwendigkeit staatlichen Lebens und von dem Ethos, dem Staate zu dienen. Wie er später dem Staate dienen will, von welcher prattisch-politischen Einstellung aus, das darf ihm nicht vorgeschrieben werden, das muß er sich selbst erarbeiten. Erarbeiten vor allem aus den Lehren der Geschichte.
Daher die hohe Bedeutung des neuerdings vermehrten G e s ch i ch t s u n t e r r i ch t e s für die Reugestaltung unseres politischen Lebens. Geschichte lernen, Geschichte verstehen, um die Gegenwart richtig zu deuten und Kräfte zu gewinnen für die Formung der Zukunft, das ist die eminent wichtige Seite der politischen Erziehung der Jugend. Es ist deshalb aufs freudigste zu begrüßen, daß die soeben veröffentlichten Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens diese Aufgabe des Geschichtsunterrichts ganz klar Herausstellen, wenn sie verlangen: „Der Geschichtsunterricht will dieGegenwart aus der Vergangenheit begreifen lehren und den Heranwachsenden Menschen dadurch befähigen, zu den ihm im politischen Leben gestellten politischen Aufgaben kritisch Stellung zu nehmen, sowie durch die Einsicht, daß nur willens» starkes, entschlossenes Handeln zu geschichtlicher Wirkung führt, Tatbereitschaft und politisch iS Verantwortungsgefühl bei ihm wecken."
Zu unserem Schmerz und zu unserem schwersten Schaden Hal die Schule der Vergangenheit in der Frage der Erziehung der Jugend zu politischem Denken, ja zu weltpolitischem Denken i gründlich versagt. „Historische Tatsachen" wogen schwerer als selbständiges geschichtliches Denken; x Erziehung zu politischem Denken trat fast ganz zurück. Die Revolution brachte dann das neue v Evangelium der Erziehung der Jugend zur Döl- - kerVerbrüderung, zu internationalem Kosmopoli- ■ tisrnus. zu schwächlichem Pazifismus. Man beklage sich in den Reihen der internationalen ' Vollsbeglücker nicht darüber, daß schon bald nach der Revolution der Pendel nach der anderen Seite zu weit ausschlug. Mancherlei Klagen über einseitige „Rechtseinstellung" in der Erziehung, über das „Richts-gelemt-haben" aus der Vergangenheit, sind zurückzuführen auf die schnöde Beleidigung, mit der man den Heldenmut unserer Truppen, die gewaltigen Kriegsleistungen des Weltkrieges vor den Augen unserer Jugend herabsehen zu können glaubte, die selbst diese Tage miterlebt hatte, und mit der man vor allem auch den Tausenden von Lehrern zu nahe trat, die ihre Pflicht im Weltkriege in vorbild-
trieben und zu einem gewissen Teil verwirklicht wurden. Diese waren die Reaktion auf die reinen Nutzbauten, die uns die Gründerzeit aus den ersten Jahrzehnten des jungen Deutschen Reiches hinterlassen. Naturgemäß gingen sie im wesentlichen darauf hinaus, auf eine mehr künstlerische Gestaltung des Schulgebäudes von außen zu bringen. Städtebauliche Fragen oder örtlich ästhetische Momente spielten die Hauptrolle. Auf das Innere des Gebäudes, insbesondere die Ausgestaltung der Klassenräume, kam man noch nicht zu sprechen. In diesem Rahmen bewegt sich auch jetzt noch die Schulbehörde mit ihren Wünschen. Deshalb sieht sie die Mitwir- kuna des Landeskonservators oder eines besonderen künstlerischen Sachverständigen vor. Nur zwangsläufig kommt sie auf die I n n e n r ä u m e und ihre Farbengebung zu sprechen, wobei sie allerdings wertvolle Richtlinien gibt, bei der Mannigfaltigkeit des Gegenstandes aber der individuellen Auswirkung freien Spielraum gestattet. Damit ist der Punkt angeschnitten, der bestimmt ist, in unserem Schutteben noch von größter Wichtigkeit zu werden. Denn die Erkenntnis von der würdigen Gestaltung der Schulgebäude ist allmählich Allgemeingut geworden, hingegen gehen die Meinungen über die Schulräume noch ziemlich auseinander. Einig ist man sich über den Festsaal der Schule, die Aula. Sie sott feierlich, repräsentativ wirken, deshalb darf ihre Ausstattung etwas kosten, dafür ist schließlich der knauserigste Stadtverordnete zu haben. Aber die Klassenräume, die „Wohnstuben" der Schüler — da gibt es gar vielerlei zu bedenken.
Bisher ist fast ausschließlich das anspruchslose Grau beliebt worden. Denn — so pflegt man zu begründen — es ist praktisch, well es nicht so schnell schmutzt (hat also noch den vermeintlichen Nebenerfolg, daß man an ihm spart!); es schadet dem Auge nicht, da es nicht blendet, und schließlich hat er sogar pädagogischen Wert, weil es nicht ablenkt. Alle diese Gründe sind stichhaltig, bloß wollen sie bei der Jugend nicht viel Anerkennung finden. Man sieht vielmehr bisweilen Reaktionen, die man jedoch schnell abtut mit den schulmähigen Urteilen Indiszi- pljn ober gar Vandalismus. Sicher treffen diese in vielen Fällen zu, aber man gestatte auch einmal eine andere Erwägung, die sich bereits unter den bisherigen Verhältnissen als nutzbringend erwiesen hat.
Man darf wohl sagen, daß ein Raum mit gutem Anstrich, auch wenn die Farben nur grau und weiß sind, nicht gerade ein ästhetisches Unbehagen auslöst. Der Begriff Sauberkeit schafft hier das anheimelnde Element. Hangen nun noch ein paar gute Bilder in dem Raum, so wirkt er wohnlich und traulich. Die Kunst ist nur, ihn möglichst lange Jo zu erhalten. Hier gilt es, eine bestimmte ästhetische Einstellung des Schülers hervorzurufen und zu pflegen. Er muß einsehen lernen, wie das Schöne und feine Wertung dem Auge wohltut, also Behagen hervorzaubert, wogegen seine Verletzung Schmerz bereitet Ich glaube nicht, daß meine Beobachtung mich täuscht, wenn ich behaupte, daß in der großen Mehrheit der Klaffen die Zahl der natürlich das Schöne empfindenden Schüler überwiegt, gegenüber der von Haus aus völlig Äulturlofen. Die Pflege des.Schönheitssinnes wird also zu einem bedeutsamen Erziehungsmittel. Denn unschwer lassen sich oie ästhetischen Normen auf die Gebiete der Moral und Ethik übertragen, so daß unmittelbar die Gestaltung des ganzen Menschen beeinflußt wird. Ist aber die Mehrzahl der Schüler einer Klasse in dieser Richtung eingestellt, so ist nicht nur der Bestand des Schönen nach Möglichkeit gewahrt, auch die innerlich Ablehnenden werden sich zum mindesten in die Formen des Schönen finden und vielleicht gar eingewöhnen, womit ein Maximum an Erziehungskunst geleistet wäre.
Naturgemäß läßt sich die Erziehung zum Schönen am wirksamsten durchführen, wenn recht viel schöne Einflüsse in recht viel Zeit dem Schülergemüt nahetreten. Das heißt aber wieder den Klassen- raum als den wichtig st en Aufenthaltsort des Schülers recht eindrucksvoll gestalten! Und hier ist der amtliche Ruf abzuwandeln: „Farbe in die Klassen!" Welcher Zwang besteht, alle Klassen in denselben Farben zu halten?!
Pereat trifolium:
Pereant philisti,
Lictor atque famuli, Lictor atque famuli Nobis odiosi.
Eine gute gereimte Aebersetzung her drei ursprünglichen Strophen hat der gleich Kindleben talentierte, aber schließlich auch verkommene 2tiriter Johann Christian Günther Im Jahre 1717 geliefert („Drüber, laßt uns lustig fein“).
Da unternahm es im Jahre 1781 der Magister Kindleben, ein ehemaliger hallefcher Student dem „Gaudeamus" eine neue Fassung zu geben, und zwar nach seinen eigenen Worten aus folgendem Grunde: „Ich habe mich genötigt gefeljen, dieses alte Durschenlied umzuschmelzen, well die Poesie, wie in den meisten Liedern dieser Art sehr schlecht war; indes hat es doch
man so sagen darf, die Vorsehung und der göttliche Weltplan bei Erschaffung eines Menschengeschlechts, der ja nur da ist, um von Menschen gedacht und durch Menschen in die Wirklichkeit eingeführt zu werden, beschwöret euch, seine Ehre und sein Dasein zu retten. Ob jene, die da glaubten, es müsse immer bester werden mit der Menschheit, und die Gedanken einer Ordnung und einer Würde derselben seien keine leeren Träume, sondern die Weissagung und das Unterpfand der einstigen Wirklichkeit, recht behalten sollen, oder diejenigen, die in ihrem Tier- und Pslan- Äenleben hinfchlummern, und jedes Auffluges in höhere Welten spotten: — darüber ein letztes End- urteil zu begründen, ist euch anheimgef allen. Die alte Welt mit ihrer Herrlichkeit und Größe, sowie mit ihren Mängeln, ist versunken, durch die eigene Unwürde und durch die Gewalt euerer Väter. Ist in dem, was in diesen Reden dargelegt worden, Wahrheit, so seid unter allen neueren Völkern ihr es, in denen der Keim der menschlichen Vervollkommnung am entschiedensten liegt, und denen der Vorschritt in der Entwicklungderselben aufgetragen ist. Gehet ihr in dieser eurer Wesenheit zugrunde, so gebet mit euch zugleich alle Hoffnung des gesamten Menschengeschlechts auf Rettung aus der Tiefe seiner Uebel zugrunde."
(Aus Fichtes „Reden an die deutsch« Nation".) ---------- 1
Ausländer an den deutschen
Seit der Stabilisierung der Währung sieht man ganz Deutschland in der schönen Jahreszeit in bisher noch nie gekanntem Ausmaße Maler und Anstreicher, Bauhandwerker und Schlotter eifrigst tätig, die Schäden an Haus und Hof, privaten und städtischen bzw. staallichen Anlagen wieder aue- Aubefjern. lieber ein Jahrzehnt hat eine pflegliche Behandlung gefehlt, so daß jetzt der Mängel gar Diele sind. Leider fehlen die Mittel, um sie gleich im wünschenswerten Umfange zu beheben, aber nach und nach wird doch alles wieder in Ordnung kommen trotz aller Lasten, die durch den verlorenen
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